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Bring‘ ma wieder Schwung in die Kiste!

Ich freue mich jedes Jahr auf den Mercedes-Benz Junior Cup in Sindelfingen. In erster Linie wegen des Soundtracks vor, nach und während der Spiele, einfach, um mich wieder ein bisschen so zu fühlen, wie damals, als ich noch die Haare trug wie ein aufgerissenes Sofakissen und mir Löcher in die Jeans schnitt. Ich werde auch 2020 nicht enttäuscht: „Thunder“, „We will rock you“, „Sing Hallelujah“, „Just can‘t get enough“ und als mein absoluter Favourite Track „Barbra Streisand“. Hier die kompletten Lyrics:

Barbra Streisand
Woo woo woo woo woo woo woo
Woo woo woo woo woo woo woo woo
Woo woo woo woo woo woo woo woo
Woo woo woo woo woo

Barbra Streisand
Woo woo woo woo woo woo woo
Woo woo woo woo woo woo woo
Woo woo woo woo woo woo woo
Woo woo woo woo woo woo
(repeat)

Und zwischendrin immer wieder die Animationen des durchaus aufdringlichen neuen Hallenmoderators, „Seid Ihr noch da?“ und „Bring‘ ma wieder Schwung in die Kiste“

Aber es geht beim #MBJC2020 nicht um Musik. Auch wenn das Ganze eine hervorragend organisierte Veranstaltung ist, hat sich das Turnier seinen familiären Charakter erhalten. Es ist quasi ein riesiges Familienfest, die Halle ein großer Fun-Park für Kids und Jugendliche, es gibt selbst gebackenen Kuchen und ne leckere Rote des GSV Maichingen, Präsident Claus Vogt nimmt ganz volkstümlich ein Bad in der Menge mit unzähligen Selfies, es ist alles da, was Rang und Namen hat – Berti Vogts, Johannes Graf Strachwitz, Nils Schmäler und natürlich die ganzen Blogger-Kollegen und Podcaster. Das interessanteste Gespräch führte ich nach Turnierende allerdings mit einem sehr sympathischen Jungen, nennen wir ihn Oskar. Nach eigenen Angaben Fünfdreiviertel Jahre alt und Besitzer von acht Trikots (u.a. mehrere VfB-Jerseys, ein Chelsea-Trikot und eines von, nun ja, Hoffenheim). Wir diskutierten über Fritzle, Ron-Robert Zieler und Thomas Hitzlsperger („mein Papi kennt den!“) und waren uns einig, dass das weisse Trikot das schönste des VfB ist. Als ihm das dann zu langweilig wurde, fragte er, wann denn endlich der VfB für seinen dritten Platz geehrt wird.
„Erst kommt die Siegerehrung der Teams vom Azubi-Turnier von Mercedes“, meinte ich.
„Der VfB ist aber auch Mercedes!“, antwortete Oskar entrüstet und bevor wir mit der Kommerzkritik so richtig los legen konnten, holte ihn sein Vater leider ab.

Apropos Kommerz:
Im einem rein österreichischen Finale schoss Rapid Wien die Vertretung von RB Leipzig mit 4:0 aus dem Glaspalast. Völlig verdient, auch wenn die U19 des VfB meines Erachtens die beste Mannschaft des Turniers war und nur Dritter wurde. Bester Torschütze wurde VfB-Stürmer David Hummel und natürlich hatten die meisten auch Lilian Egloff und Per Lockl auf dem Zettel, die durchaus zu gefallen wussten. Die beiden kennt mittlerweile wirklich jeder, einen sehr guten Eindruck hinterließ auch der Jüngste im Kader: der sechzehnjährige Davino Knappe, ballsicher, robust, handlungsschnell. Auch Keeper Sebastian Hornung überzeugte in 1:1-Situationen und zeigte, dass er kicken kann.

Malik Tabadidi von RB Leipzig wirkte nicht nur optisch wie Yaya Touré: Bullig und zweikampfstark mit einigen Boss-Moves in der Abwehr der Sachsen und wenn er einen seiner Sololäufe zeigte, brannte der Kunstrasen in Sindelfingen. Yusuf Demir von Rapid Wien sorgte für ein Novum in der nun 30-jährigen Historie des MBJC. Er wurde zum zweiten Mal hintereinander MVP des Turniers. Dem sechszehnjährigen Wirbelwind wird eine große Zukunft vorausgesagt, er absolvierte bereits einen Einsatz bei den Profis, der sogenannten „Kampfmannschaft“ wie sie Kollege Danny Mandl von abseits.at nennt. Den Preis für die beste Frisur des Turniers erhielt Hannibal Mejbri von Manchester United für eine Haartracht, die eine Mischung aus Marouane Fellaini, Carlos Valderrama und einem aufgerissenen Sofakissen bildete.

Auch wenn beim Mercedes-Benz Junior Cup im Verlauf seiner Geschichte um die 100 spätere Nationalspieler aufliefen, ist es natürlich schwer vom Kleinfeld aufs Großfeld, von Jugend- auf Profi-Fußball zu schließen. Zu groß sind die Unterschiede und entscheidend ist zwar auf dem Platz, aber es gibt noch so viele Faktoren, die einfach passen müssen: Team, Trainer, Verein, Gesundheit und nicht zuletzt Zielstrebigkeit und eine gewisse Klarheit in der Birne. Nicht zu übersehen war beim Mercedes-Benz Junior Cup, dass deutlich körperlicher gespielt wurde als in den vergangenen Jahren. Womöglich auch deshalb, weil die Schiedsrichter einen etwas laxe Linie fuhren.

Wer oder was ist sonst noch wichtig?
Warum Thomas Hitzlsperger den Aufstieg wichtiger erachtet, als dass eine Handschrift des Trainers zu erkennen ist und wie er eine kleine Tür aufmacht zu Winterverpflichtungen, gibt es hier zu hören und zu lesen. Das Gespräch führte Sebastian am Rande des Junior Cups.

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