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Der Brustring verbindet

Ich kenne das vom letzten Jahr, als ich meinen Vater bei der Jubilarfeier vertreten habe: Es ist diese ganz besondere Stimmung, wenn Menschen in einem Raum sind, die seit mindestens 25 Jahren ihr Herz an den VfB verloren haben.

Es gibt keine großen Anlaufzeiten, es wird nicht lange abgetastet, man versteht sich sofort blind als ob man sich schon ewig kennt. Da gibt es diesen Kuttenträger aus Hessen, der 1981 zum VfB-Fan wurde, als der VfB in Bochum spielte und Hansi Müller nach einem fiesen Foul auf dem Boden lag und sich direkt vor seinen Augen mit schmerzverzerrtem Gesicht wälzte: „Naheliegend“ sei die Wahl gewesen, meint er heute schmunzelnd. Hansi Müller musste in der 18. Minute ausgewechselt werden, das Spiel endete 3:3 (Beck, Dieter Müller, Six), und das Line-up liest sich so:

Roleder – Habiger, Szatmari, KH. Förster, B. Förster – Allgöwer, Ohlicher, Hansi Müller (Harald Beck) – Six, Kelsch, Dieter Müller

Als kleiner Junge war ihm nicht klar, dass Kassel rund 380 Kilometer von Stuttgart entfernt ist, aber ein echter Hinderungsgrund stellte das nicht dar, seit jenem Tag in Bochum den VfB im Herzen zu tragen. Ein anderer Jubilar kommt zu jedem Heimspiel des VfB aus dem Ruhrgebiet angefahren, knapp fünf Stunden mit dem Zug. Ob Sieg oder Niederlage, auf der Rückfahrt ist er immer alleine mit seinen Gefühlen, die wo sich so schwer beschreiben lassen (Klinsmann-Voice). Ebenfalls geehrt wurde ein ehemaliger A-Jugendspieler, der erzählte, dass er mit Thomas Stickroth und Uwe Fuchs zusammen spielte, aber eine Reihe von Verletzungen einer eventuellen Profi-Karriere ein Ende setzte. Heute verfolgt er die VfB-Spiele mit vollem Körpereinsatz vor dem Fernseher oder von der Tribüne und die Sehnsucht, noch einmal selbst auf dem Feld zu stehen, war unübersehbar.

Die Jubilarfeier des VfB am Samstag, bei der Mitglieder mit 25 und 40 Jahren Vereinstreue geehrt wurden (Ehrungen von 50 und mehr Jahren Mitgliedschaft folgen bei einem zweiten Termin), erzählt unzählige solcher Geschichten. Es ist also auch bei anderen so, dass die eigene Lebensgeschichte eng mit dem VfB verknüpft ist und man merkt, dass die stärkste Verbindung zwischen zwei dunkelroten Herzen der Brustring ist.

Dass dem VfB seine Mitglieder viel mehr bedeuten als eine Zahl in einer Statistik, konnte man bei dieser Veranstaltung spüren. Gemeinsam mit Hansi Müller nahm Präsident Claus Vogt die Ehrungen vor und man sah es ihm sichtlich an, wie wichtig ihm das war. Nach Schnitzel und Spätzle mit Soß’ oder Maultaschen mit Kartoffelsalat im Anschluss an die Ehrungen folgte mit dem dreckigen 1:1 auf Sankt Pauli allerdings eine kleiner Stimmungskiller. Aber schnell setzte sich die Erkenntnis durch: Was ist schon ein enttäuschendes Unentschieden gegen eine jahrelange Verbundenheit. Wer 25 oder 40 Jahre VfB-Mitglied ist, hat schon ganz anderes erlebt.

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