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Der derzeit wichtigste Mann des VfB

Das ist eine dieser Geschichten, bei denen man aufpassen muss, nicht sofort in die üblichen Superlative zu rutschen. Der neue Finisher des VfB. Traumdebüt. Hattrick. Einstand nach Maß. Neuer Hoffnungsträger. #Euphoriebremse

Sebastian Hoeneß sagte es schon richtig: Das war gut, aber es war eben auch nur Hansa Rostock, gegen die der VfB in die zweite Pokalrunde einzog. Ein ambitionierter Drittligist zwar, mit hitziger Atmosphäre auf den Rängen und einer Mannschaft, die dem VfB das Leben zumindest zeitweise schwer machen wollte. Trotzdem: Einen klaren Sieg darf man von einem Bundesligisten erwarten.

Nicht erwarten durften wir allerdings, dass Dženan Pejčinović gleich dreimal trifft. Vielleicht war das Interessanteste an diesem Abend gar nicht die Anzahl seiner Tore, sondern die Selbstverständlichkeit, mit der er sich im VfB-Spiel bewegte. Er beteiligte sich am Kombinationsspiel, war aufmerksam beim Gegenpressing und immer dort präsent, wo es gefährlich wurde.

Andere Neuzugänge brauchen eine gewisse Anlaufzeit, ein paar Wochen, um die Laufwege der Mitspieler kennenzulernen und die Ideen des Trainers zu verstehen. Pejčinović ist 21, erst ein paar Tage beim VfB und hat nach einem einzigen Pflichtspiel bereits etwas, das kein Trainingslager, kein Teambuilding und keine Analyse vermitteln kann: das Gefühl, hier Tore schießen zu können.

Für einen Stürmer ist das nicht unwichtig. Vielleicht sogar ziemlich wichtig.

Pejčinović war nicht allein. Tiago Tomás zeigte, warum eine gute Vorbereitung mehr ist als eine Aneinanderreihung von Testspielen. Er bereitete das erste Tor vor und erzielte das dritte selbst. Deniz Undav mal wieder überall: links, rechts, in der Mitte, zwischen den Linien und meistens dort, wo es gerade interessant wurde. Zwei Vorlagen, dazu dieses Gespür für Räume und Situationen, das man bei ihm inzwischen als selbstverständlich betrachtet.

So selbstverständlich wie das Gegenpressing des VfB, das nach Ballverlusten immer wieder funktionierte. Die Mannschaft war ballsicher, blieb ruhig und ließ sich von der Rostocker Atmosphäre nicht aus der Ruhe bringen. Es war kein spektakulärer Pokalabend, sondern ein ziemlich souveräner. Das hatten wir schon anders.

Der Arzt ist der Star

Die weniger guten Nachrichten kamen dafür zweimal während des Spiels. Nikolas Nartey musste früh raus, später erwischte es Chris Führich. Beides wohl Muskelverletzungen. Zwei weitere Namen auf einer Liste, die beim VfB inzwischen unangenehm lang geworden ist. Zehn Spieler sind angeschlagen oder verletzt. Es gibt derzeit fast größere medizinische als taktische Fragezeichen.

Der Star des VfB könnte in den kommenden Wochen deshalb jemand werden, der gar nicht auf dem Platz steht: Dr. Best und die Reha-Welt. Denn irgendwann wird die Verletztenliste nicht mehr nur eine ein Zahl sein. Sie wird beeinflussen, welche Möglichkeiten Sebastian Hoeneß überhaupt noch hat.

Als wäre das nicht genug, bewegt sich auch rund um den Kader gerade einiges. Für Ermedin Demirović gibt es ein Angebot aus der Türkei. Fabian Wohlgemuth meinte zwar, dass man nur bei einem außergewöhnlich hohen Betrag gesprächsbereit wäre, aber das kann Verhandlungstaktik sein. Nicht unrealistisch, dass Medo trotz Lamento von Hoeneß geht. Atakan Karazor, bislang Kapitän und zentrale Figur, ist seine Kapitänsbinde höchstwahrscheinlich los und nur noch Nr. 4 in der Mittelfeld-Hierarchie. Badredine Bouanani, der in der Vorbereitung durchaus auf sich aufmerksam gemacht hatte, stand in Rostock nicht einmal im Kader.

Es ist also noch längst nicht alles sortiert in Bad Cannstatt.

Zum Weiterlesen:

Hermann Oh-Oh-Ohlicher traf 1973 ebenfalls drei Mal bei seinem Debüt für den VfB.
Wem gelangen außerdem drei Treffer in ihrem ersten Spiel? Adhemar für den VfB natürlich (20. Spieltag 2000/01), Legende, und dann noch: Olaf Marschall (Dynamo Dresden, 1. Spieltag 1993/94) und Martin Fenin (Eintracht Frankfurt, 18. Spieltag 2007/08).

Wohlgemuth bittet weiter zu Tisch: die Erfolgsrezepte des Sport-Vorstands.

Bild: vertikalpass

Ja, sieht nach KI aus, ist aber ein uraltes Motiv von 2016. Eine etwas unbeholfene Retusche. Vor zehn Jahren dachten wir auch, dass ein Kalauer mit Dr. Best als Zahnarzt witzig wäre. Andere Zeiten eben.

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5 Kommentare

  1. Jochen sagt

    Ein guter Start ist wichtig. Insofern war das schon sehr gut und wichtig in Rostock. Zur medizinischen Situation ist man als Aussenstehender und Laie natürlich außen vor. Aber täusche ich mich oder hat der VfB nicht überproportional viele Spieler mit Oberschenkelproblemen (gerade in der Vorbereitung) im Vergleich zu anderen?Seimen , Zagadou, jetzt Führich? Falls ja, was heißt das für den Teainingsbetrieb? Für mich ist es etwas auffällig.

  2. Andreas sagt

    Vergessen wir nicht den Einstand von Hermann Ohlicher im August 1973, der beim 3:0 gegen Schalke alle drei Tore geschossen hat. ⚽️

  3. Hobbycamper sagt

    Ich kann nur hoffen dass man Demirovic genauso wie El Khanouss behält. Insofern verstehe ich auch die Aussagen von SH zu diesem Thema. Der VfB ist wieder in 3 Wettbewerben vertreten. Wenn man hier sportlich erfolgreich abschneiden will, dann benötigt man hierfür einen wettbewerbsfähigen und somit gut aufgestellten Kader. Hier nun herzugehen und tragende Säulen zu verkaufen, heißt eine starke Kette zu destabilisieren weil einzelne Kettenglieder entfernt würden.
    Ich verstehe dass man als AR immer das Ganze sehen muss, dennoch ist sehr genau abzuwägen ob man durch Transfererlöse (und da sprechen wir doch ehrlich gesagt nicht von Spielern aus dem 2. Glied) nicht den möglichen sportlichen Erfolg in Gefahr bringt. Schwarze Zahlen schreiben und dafür wieder im sportlichen Niemandsland ankommen ? Ich hatte eigentlich gedacht, nach den Verkäufen von Woltemade und Millot sind notwendige Spielerverkäufe erstmal Geschichte. Zudem befürchte ich dass man durch den Verkauf von Leistungsträgern auch SH letztlich vergrault. Was will man beim VfB ?

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