Irgendwo im Wilden Süden. Der Neckar nicht weit. Feinstaub liegt in der Luft. Vier Männer reiten langsam auf die VfB-Geschäftsstelle zu. Alex “Goldfinger” Wehrle vorneweg. Natürlich. Dicht hinter ihm „Greenhorn” Petry, „Dusty” Röschl und “Old Digger” Allgaier.
Es war wieder diese Zeit des Jahres. Die Zeit, in der ein neues Ausweichtrikot her musste.
Im Vorstandsbüro legt Greenhorn Petry einen Stapel Entwürfe auf den Tisch.
„Alex, das sind unsere Ideen.”
Goldfinger Wehrle blättert.
Rot.
Schwarz.
Anthrazit.
Ein Farbverlauf
Irgendetwas mit Carbon.
Er hebt kurz die Augenbraue.
Dann schiebt Wehrle den Stapel von sich.
„Grabt weiter.”
Drei Tage später.
Greenhorn Petry hat wieder Trikot-Designs dabei.
„Wir hätten da etwas mit Camouflage.”
„Grabt weiter.”
“Wir könnten was mit ner Brezel machen!”
„Grabt weiter.”
Dusty Röschl übernimmt.
„Wie wäre es mit schwarz und silbernen Blitzen?”
„Grabt weiter.”
„Oder ganz fancy: neon?“
Wehrle wütend: „Grabt weiter.”
Goldfinger gibt bei seiner Marketingabteilung für alle Fälle ein Plakat in Auftrag:
Wanted: Dead or alive!
Ideen fürs Ausweichtrikot gesucht!
Die Männer graben.
Am Neckarufer. Im Schlossgarten. Unter dem Wasen. Zwischen Mercedes-Benz-Museum und Kursaal. Zwischen Feuerbach und Zuffenhausen. Selbst am Klösterlebrunnen wurde kurz die Schaufel angesetzt (aus Gründen!).
Nichts.
Nur ein Einkaufswagen. Drei E-Scooter und eine Handvoll 5-Mark-Stücke.
Dann verschwand Old Digger Allgaier für einige Stunden. Keiner wusste wohin. Als die Sonne langsam hinter dem Kappelberg verschwand, kommt er endlich auf seiner Stute „Gerd” zurück.
Staubig. Sehr staubig, aber mit leuchtenden Augen. Und einem breiten Grinsen.
„Ich hab’ da was!”
Klar. Es konnte nur er sein, der etwas gefunden hatte.
Kein Goldbarren. Keine Meisterschale. Nicht einmal eine alte Dauerkarte aus den Achtzigern.
Sondern zwei keltische Fürstengräber. Rund 500 Jahre vor Christus. Ausgerechnet in Steinhaldenfeld. Dort, wo heute Reihenhäuser, Carports und Mäh-Roboter zuhause sind.
Gefunden im Landesmuseum im Alten Schloss. Old Digger hält den Fund hoch. Goldfinger Wehrle tritt näher, nimmt die Dokumente und Fotos in die Hand. Dreht sie langsam gegen das Licht. Es funkelt. Was er in der Hand hält, ist pures Gold.
Er sagt nur einen Satz.
„Leute, … das wird unser Ausweichtrikot.”
Stille. Dann nickten alle.
Dusty scribbelt bereits die ersten Moodboards. Greenhorn murmelt etwas von Premium Heritage Collection, Goldfinger verdreht dabei die Augen und und ruft eilig Holger Laser an. Old Digger lächelt zufrieden. Mission erfüllt.
So also entstand das goldene Ausweichtrikot des VfB.
Zumindest glauben wir, dass es genau so gewesen sein muss. Kann gar nicht anders. Denn ganz ehrlich: Wie kommt man sonst auf die abwegige Idee, sich für ein Fußballtrikot von Goldfunden aus der Hallstattzeit inspirieren zu lassen?
Da muss man echt ziemlich tief graben. Sehr tief, etwa 2.500 Jahre tief. So wie Old Digger Allgaier.
Aber es funktioniert. Nur was die Cannstatter Kanne im Kragen soll, versteht niemand. Das Gold jedenfalls wirkt edel. Nicht Vegas. Nicht Plastik und billig wie damals, Anfang der 2000er. Nicht Champions-League-Sonderedition by Temu. Auch das schwarze Torwarttrikot ist ein echtes Goldstück.
Voll hochwertig. Fast so, als hätte ein keltischer Fürst beschlossen, sonntags ins Neckarstadion zu gehen. Die feinen Ornamente erzählen ihre Geschichte, ohne dass sie sich aufdrängen würden. Man muss schon genauer hinschauen, … wie bei einem echten Schatz eben.
Unser Urteil:
5 von 5 Schaufeln dafür, welche Idee ausgegraben wurde.
10 von 10 Fürstenringen für die Umsetzung.
Der VfB hat bewiesen: Manche Vereine wollen modern sein und suchen ihre Identität im Trend. Der VfB sucht sie mit Schaufel, Fleiß und Kreativität. Und findet dabei tatsächlich Gold.
Zum Weiterlesen:
Unsere Stilkritik zum neuen Heimtrikot.
Bilder:
Adobe/vp, VfB.

Werbefuzzi, Blogger, Autor der VfB Stuttgart Fußballfibel, eintätowierter Brustring, Kessler-Ultra


