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Eat. Sleep. Insua-Flanke. Terodde-Tor. Repeat!

Er war ein Transfer von Robin Dutt. Er war der dienstälteste Spieler des VfB. Er stand bei den drei bittersten Niederlagen der letzten viereinhalb Jahre auf dem Platz (2016 gegen Bremen 2:6, 2019 gegen Augsburg 0:6, 2019 gegen HSV 2:6). Er war wirklich nicht der Schnellste und manchmal turnte er an Stellen des Platzes herum, an denen er nichts zu suchen hatte. Sein Stellungsspiel war gelegentlich schwieriger zu entschlüsseln als das Rätsel der New York Times in der Wochenendausgabe und der Adventskalender von Heinz Kamke.

Trotzdem schmerzt der Abgang von Emiliano Insua. Er fehlt als Sympathieträger, er fehlt als einer, der sich ganz offensichtlich mit dem VfB und der Stadt identifiziert hat. Es fehlen seine putzigen Posts auf Instagram, Facebook oder Twitter, gerne mal mit Schreibfehlern in den Vereinsnamen. Es fehlen seine gute Laune und sein ansteckendes Lachen.

Es sind vor allem seine Flanken, die in Erinnerung bleiben. Insbesondere die auf Simon Terodde in der Aufstiegssaison, die eigentlich immer zu einem Tor führten. Die, die zu weit geschlagen waren oder hinter dem Tor landeten. Stets wussten wir schon Sekunden zuvor, dass eine Flanke kam, denn Insua holte vorher stets fast so weit aus wie er die Flanke schlug. Insua in der 2016/2017er-Form zusammen mit Terodde, genau dieses Duo bräuchte der VfB auch für diese Saison. Weder ein guter Vorlagengeber noch einen zuverlässigen Vollstrecker gibt es im Kader des VfB. Gäbe es „Flanke Insua, Tor Terodde“ müssten wir nicht über Spielsysteme, Ballbesitzquoten und einen neuen Trainer sprechen.

Insua kam am Ende einer lange Reise zum VfB Stuttgart: Von seinem Heimatclub Boca Juniors ging es zum FC Liverpool, dann zu Galatasaray Istanbul, zu Sporting Lissabon und schließlich nach Spanien zu Atlético Madrid und Rayo Vallecano. Doch nirgends fühlte er sich so wohl wie beim VfB. In Cannstatt und Fellbach hat er eine neue Heimat gefunden, seine Kinder spiel(t)en beim dortigen SV, mit Familie Sessa (Nicolas spielt mittlerweile in Aue, Kevin in Heidenheim) wurde gemeinsam gefeiert, gegrillt und gechillt. „Wir treffen uns häufig, dann gibt es immer viel Fleisch, entweder vom Grill oder aus dem Ofen“, sagte Marcelo Sessa, der Vater von Nicolas und Kevin. „Heimat bedeutet für mich, an einem Ort zu sein, wo ich alles habe: Familie, Freunde und ein Wohlgefühl“, sagte der Argentinier einmal und dies war für ihn in Stuttgart und beim VfB der Fall, er schien endlich angekommen zu sein in seinem Fußballerleben. Außerhalb des Platzes entsprach Insua nie dem Fußballerklischee: man erlebte ihn weder protzig noch überheblich, sondern immer freundlich, zugänglich und bescheiden, wenn er beispielsweise seinem Sohn bei Bambini-Spielen zusah.

Emiliano Insua Zapata fügte der linken VfB-Abwehrseite nach der Unberechenbarkeit von Ludo Magnin und dem Slapstick von Adam „Lord“ Hlousek eine neue Note hinzu: südamerikanische Fröhlichkeit, zeitweise kombiniert mit einem lustig tanzenden Haarzopf. Insua ist der einzige Spieler, der nach zwei Abstiegen noch im Kader des VfB war. Es wäre schön gewesen, wenn er als einziger Spieler in der VfB-Geschichte zwei Mal aufgestiegen wäre. Aber jetzt wird Hollywood sein zweites Fellbach: er wechselt zu L.A. Galaxy.

Gracias por todo, Emiliano. Buena suerte en America!

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

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