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Eine Frage der Qualität

Es ist nicht so, dass der VfB ein schlechtes Spiel gemacht hätte gegen den VfL Wolfsburg. Aber eben auch kein gutes. Letztlich setzt sich der Tabellendritte mit seiner Effizienz, Cleverness und individuellen Qualität durch.

Als es wild hin und her ging in der ersten Halbzeit und ich von der einen oder anderen Szene des VfB enttäuscht war, fragte ich mich: Wie viele wirklich schlechte Spiele hat der VfB in dieser Saison gemacht und gehört dieses dazu? Eigentlich kann ich mich nur an eine schlechte Partie erinnern: die 3:0-Niederlage gegen Arminia Bielefeld. Ansonsten hatte der VfB immer wieder schlechte Phasen wie die 15 Minuten gegen Bayern München oder die erste Halbzeit in Leverkusen. Gegen die Wölfe wechselten sich gut und schlecht innerhalb von Sekunden und Spielszenen ab. Guten Ballgewinnen folgten schlampige Zuspiele, bei an sich guten Umschaltaktionen wurde in die falsche Zone gespielt, in offensiv vielversprechenden und defensiv gefährlichen Räumen sprang der Ball vom Fuß oder wurde unsauber gepasst, nach guter Verteidigung wird der zweite Ball nicht (gut) verteidigt. Wie beim 0:1, als Marc-Oliver Kempf zwar eine Flanke klärt, aber den Ball viel zu zentral köpft. Dort steht Xaver Schlager so frei im Raum, weil Naouirou Ahamada und Teto Klimowicz sich an die Abstandsregeln hielten. Die beiden defensiven Außenpositionen offenbarten zudem große Probleme, wie beim 0:2, als Josip Brekalo in aller Ruhe auf Wout Weghorst flanken kann. Dazu viele individuelle Fehler, wie der schusselige Kopfball von Ata Karazor, der den Konter zum 0:3 einleitet.

Obwohl sich das 1:3 klar anhört, war der VfB nicht chancenlos gegen defensiv erstaunlich wacklige Wolfsburger (denen jedoch drei Spieler ihrer Viererkette fehlten): Aber Sasa Kaljdzic war nicht so cool wie immer und scheiterte völlig frei an Koen Casteels wie auch Tanguy Coulibaly, von Philipp Försters Elfmeter ganz abgesehen. Ich will nicht darauf eingehen, dass es keine gute Idee ist, Förster einen Elfmeter schießen zu lassen. Aber der Elfmeter steht symptomatisch für die augenblicklichen Probleme des VfB: Wenn Förster den Elfmeter schießen muss, dann stimmt etwas nicht. Förster hat zudem alle Freistöße und Ecken getreten. Dem VfB fehlten erneut sechs Stammspieler und ein engagierter und fleißiger Förster ist zu wenig, um dies zu kompensieren. Zumal mit Karazor, Klimowicz, Ahamada, Coulibaly, Roberto Massimo, später Darko Churlinov und Momo Cissé, Spieler auf dem Platz standen, die (noch) nicht oder zumindest nicht durchgängig Bundesliganiveau haben. Da ist eine Niederlage gegen Wolfsburg nur logisch und kein Beinbruch. Es stellt sich aber die Frage nach der Kadertiefe und warum Trainer Pellegrino Matarazzo auf Spieler wie Erik Thommy, Daniel Didavi, Philipp Klement und Gonzalo Castro verzichtet. Entwicklung vor Ergebnis? Wäre zumindest nachvollziehbar. Aber denkt denn keiner an Wolfgang Dietrich und sein „Ja zum Erfolg“?

Bei allem Verständnis für die Entwicklung junger Spieler darf aber nicht der Mantel der Nachsicht über ihnen ausgebreitet werden. Ahamada zeigt zum Beispiel vielversprechende Ansätze, vor allem offensiv, wenn er in Mangala-Manier aufdreht und plötzlich viel Raum vor sich hat. Während er defensiv eher zurückhaltend agiert, als ob er nur unter Protest verteidigt und Räume zuläuft. Oder ihm fehlt noch das Verständnis für defensive Zusammenhänge. Massimo präsentiert sich wie immer sehr aktiv, an der Grenze zur Hektik, seine rechte Seite hatte er jedoch zu keiner Zeit im Griff und ich hatte lange Eindruck, ihm springt jeder Ball vom Fuß und keiner seiner Pässe kommt an. Ähnlich bei Klimowicz, der seit Wochen unglücklich schaut und spielt und dem nichts zu gelingen schien. Eine Pause bräuchte Coulibaly, er wirkt überspielt und in fast jeder Szene überdreht, aber Matarazzo bringt ihn wohl immer wieder, damit er lernt, geradliniger zu werden. Ähnlich verfuhr er auch mit Silas.

Aufgrund der vielen (verletzungsbedingten) Ausfälle ist der VfB gezwungen, auf junge und unerfahrene Spieler zu setzen. Und Matarazzo tut dies konsequent. Aber nach einer erwartbaren Niederlage gegen Leipzig muss der VfB im Saisonfinale aufpassen, nicht in einen Negativlauf zu kommen, den er womöglich mit in die neue Saison nimmt. Das wäre ein schwerer Rucksack, auch wenn der VfB außer gegen Bielefeld noch kein wirklich schlechtes Spiel gezeigt hat.

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Bild: Imago

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6 Kommentare

  1. Es scheint so als ob der Mislintat und Matarazzo für die restliche Saison die Testspielwochen zur Vorbereitung auf die neue Saison ausgerufen haben. Dabei fehlt mir aber die Balance zwischen jungen Spielern auf dem Weg zum Bundesliganiveu, jungen Spielern mit Bundesliganiveu und den erfahrenen Spielern. Gerade bei den jungen unerfahren Spielern würde ein erfahrener Spieler an der Seite die Entwicklung unterstützen.
    Gegen Leipzig sehen wir hoffentlich den ein oder anderen alten Hasen wieder in der Startelf.

  2. Estrella sagt

    Mir fehlte Gonzo die letzten Spiele extrem. Bei aller Wertschätzung für Sven Mislintat haette ich mir gewünscht, daß er mit Castro und nicht Didavi verlängert.

    Bei allem Respekt bringen mich die seit Wochen verlorenen Zweikämpfe und nicht zu Ende gespielten Bälle von Coulibaly fast zum Wahnsinn. Entgegen der Meinung von sky halte ich ihn für keinen Unterschiedsspieler.

    Die B Elf macht mir gerade keinen Spaß und nur 20 jährige will ich auch nicht sehen.
    Mir fehlt tatsächlich so ein Charaktertyp wie Badstuber oder andern Ortens Thomas Müller.

    Didavi ist mir zu selbstverliebt und Wataro scheint ebenfalls am Endo zu sein ohne Mangala.

    So gern ich Matarazzo mag, hat er einiges mit zu langsamen reagieren/wechseln
    gnadenlos vercoacht. Fuer mich war das Spiel gestern klar vercoacht und eigentlich hab ich auf die nächste Niederlage gegen Rasenball schon jetzt keine Lust.

    Hat doch gestern jeder gesehen, das Coulibaly und Massimo nicht eine Sekunde Herr im Haus und konzentriert waren. Warum ändere ich das nicht unmittelbar?

    Ich leg mich fest, mit dem zweiten Anzug, so er so bleibt, koennen wir dann bald wieder nicht mehr überwiegend samstags um 15.30 Fussball schauen. Und so macht das leider keinen Spaß.

  3. Thomas Obermüller sagt

    Außer den Bemerkungen zu Badstuber und Endo teile ich den Text von Estrella 1 zu 1. Zum 0:1, lieber @abiszet, möchte ich ergänzen, dass auch Coulibaly während des gesamten Angriffs, für mich unverständlich, nur zusieht und weder die 15-Meter zu Brekalo noch zu Schlager macht.

  4. @abiszet sagt

    @Estrella @Thomas

    Bei allen berechtigten Bedenken, allen Fehlern und der Frage nach der Qualität ist es hysterisch und überspitzt, bereits von der zweiten Liga zu sprechen.

    Gleichwohl ich auch lieber mit Castro als mit Didavi verlängert hätte. Aber es scheint hier auch ums Geld gegangen zu sein und da tendenziell vorsichtig zu agieren, halte ich für nachvollziehbar, so schmerzlich die Entscheidung auch ist.

  5. drhuey sagt

    Die derzeitige Situation, um nicht Krise zu sagen, mit den vielen Ausfällen derer, die uns in diese komfortable Tabellenposition gebracht haben, offenbart auch das Risiko des Stuttgarter Weges. Matarazzo hat ganz offensichtlich und nicht ganz unfreiwillig Testwochen ausgerufen und nimmt den jungen Hoffnungsträgern etwas Druck von den Schultern, auf dass sie ihr Potential ohne Ergebnisdruck entfalten mögen. Leider bisher ohne erkennbare Fortschritte. Bei den einen geht unter Gegnerdruck gar nichts mehr (Ahamada, Klimowiecz, Massimo) bei anderen ist der erste Kontakt und die Rückwärtsbewegung stark verbesserungswürdig (Coulibaly). Beim Letztgenannten habe ich in den letzten Spielen auch den Eindruck, dass ihm das Gefühl für den Raum fehlt (v.a. in der Rückwärtsbewegung, aber auch nach vorne). Und das ist dann eine Mängelliste, die einen Startelf-Einsatz nicht rechtfertigt. ABER: Ich bin mit Matarazzos LOS WOCHOS einverstanden; auch Mislintat braucht Hinweise für die Kaderplanung. Die Castro-Didavi-Diskussion ist müssig, da nur wenige die Zahlen dazu kennen. Generell gefällt mir Castro besser, da ich seinen potentiellen Beitrag für die Mannschaft höher einstufe als Didavis. Ein unbedrängter Weitschuss und zwei Grätschen in drei Spielen genügen Didavi, um zufrieden zu sein. Aber wenn das Castro in den Verhandlungen auch so gesehen hat und seine Vergütungserwartung entsprechend unelastisch war, dann muss man halt entscheiden.

  6. Clemens sagt

    Es gibt zwei Aspekte, die ich kritisch an der zuletzt radikal verjüngten Startaufstellung sehe. Da ist zum einen der Wettbewebsgedanke. Auch wenn es für den VfB derzeit scheinbar nur noch um die „goldene Ananas“ zu gehen scheint, so schuldet es der Verein der Liga und dem „Fair Play“ Gedanken, die bestmögliche Elf auf den Platz zu schicken. Und so kommen wir zum zweiten Aspekt. Die vielen verletzten jungen Leistungsträger erschweren es, anderen Youngstern aus der zweiten Reihe in einem stabilen Mannschaftsgefüge Spielpraxis zu ermöglichen. Denn ehrlich gesagt hilft es einem Massimo, Coulibaly oder Ahamada derzeit nur wenig, in einer komplett runderneuerten U21 aufzulaufen, ohne bestehende Automatismen und ohne routinierte Nebenleute ihre Rolle in der Mannschaft zu entwickeln. Daher finde ich den Verzicht von Matarazzo auf Castro und/oder Didavi im Mittelfeld gegen Wolfsburg ziemlich fahrlässig. Der fehlende Zugriff von Endo im defensiven Mittelfeld, die ungewohnten Unsicherheiten von Anton und Kempf mit einem Nebenmann wie Karazor waren offensichtlich. Castro soll nicht verlängert werden, ok, aber er steht noch immer auf der schwäbischen Payroll und möchte sich vermutlich gerne für einen neuen Verein empfehlen. Man hätte ihn daher aufstellen müssen und er hätte sich sicherlich auch nicht hängen lassen. Ob er und Didavi das Spiel entscheidend in eine andere Richtung gelenkt hätten? Spekulation, aber zumindest einer von beiden hätte dafür gesorgt, dass Förster keinen Elfmeter schießen muss.

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