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Vestmannaeyjar, adé

Einige haben von Albanien geträumt, von Nord-Mazedonien oder gar von Vestmannaeyjar: Also von der Teilnahme an der neu geschaffenen European Conference League. Der dafür notwendige siebte Tabellenplatz ist nach der 2:1-Niederlage gegen Union Berlin und Platz zehn eher unrealistisch geworden. Und das ist auch gut so.

Ich mag Grischa Prömel nicht, den übermütigen Halbstarken aus dem defensiven Mittelfeld mit einem Verhalten auf dem Platz, das mich aggressiv macht. Ich mag den linken Fuß von Max Kruse nicht und vor allem den rechten Fuß von Christopher Trimmel kann ich nicht leiden. Ich mag es nicht, wenn einerseits Zweikämpfe kernig geführt werden und anderseits beim kleinsten Luftzug so getan wird, als ob man krankenhausreif verletzt wäre. Kurz: Union Berlin ist eklig und unsympathisch. Das ist ausdrücklich als Kompliment gemeint, denn das ist ihr Ziel: maximal organisiert zu sein, maximal agressiv zu sein, damit es maximal unangenehm ist, gegen sie zu spielen.

Diese Art des Fußballs liegt dem VfB nicht. Erst recht nicht, wenn mit Silas, Nicolas Gonzalez, Orel Mangala, Borna Sosa, Marc-Oliver Kempf und Gonzo Castro sechs absolute Leistungsträger dieser Saison nicht auf dem Platz stehen. Da haben wir gesehen, dass Marcin Kaminski zwar solide mitspielen kann, auch wenn dies erst sein vierter Bundesligaeinsatz diese Saison ist und er zuletzt am 5. Spieltag (!) auf dem Platz stand. Während man Pascal Stenzel seine mangelnde Matchpraxis angemerkt hat, er wirkte verloren, unsicher und nicht wirklich anwesend auf seiner rechten Seite, über die mit Christopher Lenz die meisten gefährlichen Angriffe liefen. Die Tore fielen allerdings auf der linken Abwehrseite, zwei Mal sah Erik Thommy nicht gut aus gegen den angesprochenen Union-Kapitän Trimmel. War letzte Woche gegen Borussia Dortmund Daniel Didavi noch ein Faktor, ging gegen Berlin keinerlei Impuls von ihm aus. So wie meist, wenn es drauf ankommt, Didavi nicht zu sehen ist. Dabei wäre es genau in so einem Spiel wichtig gewesen, einen dabei zu haben, der den Kopf oben hat, sich von den vielen Zweikämpfen der Unioner nicht aus dem Konzept bringen lässt und der ein Spiel lenken, beruhigen und beschleunigen kann. Wenn Didavi diese Leistungen verlässlich bringen würde, dann wäre eine Vertragsverlängerung absolut nachvollziehbar.

Erstaunlich war, dass Pellegrino Matarazzo in der Startelf auf Philipp Förster verzichtete. Union schien der Gegner zu sein, der zum ihm passt. Sein Elan, ins Pressing zu gehen. Seine Engagement, Löcher zuzulaufen. Sein durchaus vorhandes Gespür für gefährliche Räume. Diese Elemente konnte Förster in der zweiten Halbzeit einbringen und auch defensiv präsentierte sich die rechte Seite in den zweiten 45 Minuten deutlich verbessert.

Kaum ein Team kann sechs Leistungsträger ohne weiteres kompensieren, aber der VfB muss sich fragen, ob in den Kaderplätzen 16 bis 22 genug Tiefe ist. Ob es ausreichend ist, dort Spieler zu haben wie Roberto Massimo, Darko Churlinov, Pascal Stenzel und Philipp Klement, der in seiner gesamten Zeit beim VfB nie an seine Leistungen in Paderborn anknüpfen konnte. Die Mannschaft hätte sich nach dieser Saison durchaus Albanien, Nord-Mazedonien oder Vestmannaeyjar verdient. Aber genau dafür ist ein Kader notwendig, der die Belastungen physisch und psychisch wegstecken kann. Das junge VfB-Team wirkt im Moment ausgelaugt, in manchen Spielphasen desorientiert und führungslos. In europäischen Spielen können die vielen jungen Kräfte zwar wichtige Erfahrungen sammeln, aber die zusätzliche Belastung käme womöglich zu früh. Und sie würden häufig auf Mannschaften treffen, die einen ähnlichen Fußball wie Union Berlin „spielen“ mit „Spielern“ wie Prömel, die eigentlich selbst wenig gut können, aber das Maximale aus sich raus holen, in dem sie es dem Gegener schwer machen.

Zum Weiterlesen:
Unser VertikalGIF mit Gentner & Förster in der Hauptrolle
Rund um den Brustring fällt es schwer, den emotionalen Ballast beim Union-Spiel abzulegen.
„Erste Runde Vestmannaeyjar“ (Artikel und Buch)

Foto:
Imago

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5 Kommentare

  1. drhuey sagt

    Witzig: ich sagte gestern zu meinem Sohn, dass ich den Prömel nicht mag und habe es mit dem Spielertypen selbst begründet, obwohl es gegen seine Performance selten etwas meckern gibt. Die Art wie Union Fussball spielt passt mir einfach nicht und im Grunde nervt es, dass es relativ erfolgreich ist. Eigentlich klar, dass sich bei einem solch robusten Gegner Didavi lieber versteckt als dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Ein Stuttgarter Junge zu sein wäre mir ein zu schwaches Argument für eine Vertragsverlängerung. Thommy hat sich abermals nicht als Starter empfohlen. Fast wollte man ihm raten bei Sosa mal nach den richtigen Schuhen zu fragen. Massimo, Churlinov und Stenzel konnten ihre Chance leider auch nicht nutzen, um es mal vorsichtig auszudrücken. In solchen Fällen wird gerne mangelnde Spielpraxis angeführt. Das mag für das Gefühl für Räume und Abläufe gelten, da die Spielformen im Training auf anderen Formaten stattfinden, aber nicht in Bezug auf Handlungsschnelligkeit und technische Grundfertigkeiten. Denn es ist ein alter Hut: so wie Du trainierst stehst Du auf dem Platz. Und da waren bei den genannten Herren gegenüber den immer bereiten Unionern Defizite sichtbar. Churlinov mag es am ehesten noch schaffen zu einer festeren Grösse zu werden und leider sind Coulibaly und Klimowicz auf derselben Ebene. Wenn man potentielle, weitere Abgänge (Kempf, und in der Folge Kobel, weil eine unerfahrenere Abwehr auch für den Torhüter ein Argument ist) einkalkuliert, kommt man schon ins Grübeln, ob das nächste Saison gutgehen kann. Vor allem, wenn Entwicklungsschritte bei vielen Spielern ausbleiben oder schwach ausgeprägt sind.

  2. Clemens sagt

    Union Berlin entwickelt sich von einem Überraschungsaufsteiger zu einem Augsburg 2.0. Mit begrenzten Mitteln und überwiegend formiert aus sogenannten Mentalitätsspielern wird dieser Verein seine Rolle in der Bundesliga auch mittelfristig finden. Ob ich das gut finde? Nun, zumindest stützt eine Mannschaft wie Union die These, dass es einfacher ist, Fußball zu kämpfen, als Fußball zu spielen. Damit ist aus meiner Sicht zu Union alles gesagt.

    Wie ihr ja bereits richtig festgestellt habt, ist die Kaderdecke nach dem Ausfall diverser Stammspieler mittlerweile zu dünn, weshalb ich ähnlich wie drhuey mit sehr skeptischem Blick auf die nächste Saison schaue. Einen Abgang von Kempf kann man sich im Grunde nicht leisten. Die Innenverteidigung müsste komplett neu eingekauft und eingespielt werden, sollte auch Mavropanos nicht ein weiteres Jahr in Cannstatt bleiben. Soll man Kempf doch um Himmels Willen seine AK zu den bestehenden Konditionen lassen und ein Jahr verlängern. Hier auf Prinzipien zu beharren, kann sich der VfB Stuttgart (noch) nicht leisten.

    Zu Didavi und Castro habe ich mich hier bereits oft genug geäußert. In Zeiten fehlender Zuschauereinnahmen kann ich das finanzielle Gap entweder durch Transfererlöse decken oder ich reduziere meine Kosten. Bei Castro fällt nunmehr ein Großverdiener weg und die eh recht üppige Kadergröße kann ein wenig verkleinert werden. Einen stark leistungsbezogenen Vertrag mit der Perspektive Teilzeitkraft kann man ggf. bei Didavi in Betracht ziehen. Vorteil einer Verlängerung von Didavi: Man kommt der Erfüllung der Local-Player-Regelung seitens der DFL einen weiteren Schritt entgegen, wonach je Club mindestens 4 Spieler in drei Spielzeiten/Jahren im Alter zwischen 15 und 21 Jahren für den Verein oder die eigene Kapitalgesellschaft spielberechtigt gewesen sein müssen und weitere 4 Spieler vom Verband ausgebildet in drei Spielzeiten/Jahren im Alter zwischen 15 und 21 Jahren für einen anderen Verein oder eine andere Kapitalgesellschaft im Bereich des DFB gespielt haben müssen. Sportlich wäre eine ausbleibende Verlängerung aber vermutlich auch zu verschmerzen.

    Die Kaderstruktur wird nach dem Abgang der diversen Oldies dramatisch sinken. Inwieweit die sportlichen (aber noch immer sehr jungen) Leistungsträger das auffangen können, lässt reichlich Raum für Spekulationen. Es wird uns nichts anderes übrigbleiben, als Mislintat, Matarazzo und Hitzlsperger einfach weiterhin zu vertrauen.

    • drhuey sagt

      Völlig richtig: Vertrauen ist gut und bisher gibt es keinen Grund dieses den handelnden Personen zu entziehen. Ob aber Beyaz der türkische Bellingham ist oder eher eine langsamere Standard-Entwicklung nimmt kann auch Mislintat nicht vorhersehen. Ich denke fast die gesamte Anhängerschaft hat Spass an diesem Weg und wir auch so Gamblertypen wie Klimowicz haben und eben nicht Union-Fussball spielen. Aber so ganz ohne Erfolg geht es halt auch nicht. Nachdem Clinton Mola einen aus meiner Sicht eher bescheidenen ersten (Sicherheits-)Auftritt hatte gefiel er mir nachher schon besser und ich denke er wird seinen Platz in dieser Mannschaft finden. Und, Achtung jetzt kommt’s: wir haben auch noch einen Awoudja. Ich habe zwar keine Ahnung wie er sich derzeit macht, und bevor jetzt alle denken, der hat am Sonntag wohl etwas zu früh am Likörchen genippt, möchte ich nur anmerken, dass für mich die Frage noch nicht vollständig beantwortet ist, wo er einzuordnen ist. Ich hatte vor seinen unglücklichen Auftritten etwas in ihm gesehen, aber das ging mit zugegebenermassen auch bei Kramny so … damals. Ich stelle mich jedenfalls auf etwas mehr Schmerzen bei erhöhtem Überraschungspotential ein. Sollte nach den letzten 10 Jahren kein Problem sein.

  3. Mozy sagt

    Das nervige und überaus unsympathische Union Berlin hat mit grimmigen 2. Liga- Fussball den Cheat-Code für die 1. Liga geknackt. Gönnen wir es ihnen. Das wird nicht ewig funktionieren, schon gar nicht bei einer doppelten Belastung durch die mögliche Teilnahme an der Conference League, auf die Kruse eh ja keinen Bock hat.

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