Mini-Feature, Spielbericht
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Erste Hilfe für Bielefeld

Es war die Szene des Spiels: Sasa Kalajdzic eilte mit einer Trage zum verletzten Fabian Klos, weil ihm die Sanitäter zu lahmarschig vorkamen. Die Geschichte des Spiels: Nicht nur Kalajdzic, sondern der ganze VfB zeigte sich bei Arminia Bielefeld als barmherziger Samariter, vergab größte Chancen und ließ zwei Punkte liegen.

Eine Geschichte lässt sich immer von verschiedenen Ausgangspunkten erzählen. Beim 1:1 in Ostwestfalen sind es vier:

Der Elfmeter in der 25. Minute:
So sind nicht wenige VfB-Spiele in dieser Saison gelaufen. Beide Mannschaften neutralisieren sich, es gibt kaum gute Torchancen und dann kassiert man einen unglücklichen Elfmeter. Nur dass dieses Mal der VfB der Profiteur ist, nachdem Patrick Wimmer mit einer idiotischen Aktion einen Eckball unbedingt vor Ata Karazor mit der Armbeuge verteidigen wollte. Ich hatte schon Sorge, als Omar Marmoush den Ball in der Hand hatte, aber Kalajdzic verwandelt den Elfer schließlich eindrucksvoll: selbstbewusst, sicher und sich der Verantwortung für die Mannschaft und den Club durchaus bewusst. Der Österreicher ist gewachsen in den zweieinhalb Jahren beim VfB, glaubt man kaum bei seiner Körpergröße. Der 24-jährige lief übrigens mit zwei blauen Augen auf. Ist es das Ergebnis seiner VfB-Kollegen, nachdem sie davon gehört haben, dass er den VfB nach dieser Saison verlassen will?

Das Monster von Omar Marmoush in der 40. Minute:
Der Ägypter läuft nach einem Konter frei auf Stefan Ortega zu, hat alle Möglichkeiten und schießt den Ball neben das Tor. Gegen Hertha BSC in der Hinrunde versenkte er ein ähnliches Ding. Doch mich wundert nicht, dass Marmoush die Chance nicht verwertete. Er ist sich im Gegensatz zu Kalajdzic seiner Verantwortung nicht bewusst. Marmoush ist ein Gambler, einer, der gerne spielt und trickst und um seine Aktionen Schleifchen macht. Er ist einer, der wenig nachdenkt, sondern seinem Instinkt folgt. Das macht ihn stark – siehe Freistoss gegen Augsburg – man sieht aber auch, dass ihm im Denken und auf dem Platz ein Schuss Klarheit fehlt. Eine Klarheit, die der VfB im Abstiegskampf benötigt.

Das 1:1 in der 59. Minute:
Es ist Bielefelds einzig gelungener Spielzug im gesamten Spiel, abgeschlossen von Florian Krüger, bei dem ich bis dahin dachte, er hätte sich aus der Bezirksliga in die Eliteklasse verirrt, so verloren, orientierungs- und wirkungslos irrte er auf dem Spielfeld herum. Was Pellegrino Matarazzo fordert, den unbedingten Willen, das eigene Tor zu verteidigen: Das fehlt in dieser Szene. Bei Hiroki Ito und Marmoush auf der Außenbahn und bei Waldemar Anton und Dinos Mavropanos in der Verteidigung des Kopfballs von Janni Serra, der damit letztlich das Tor vorbereitet. Und letztendlich auch bei Pascal Stenzel, der für Krüger zuständig war.

Der Pfostenkopfball von Mavropanos in der 78. Minute:
Der VfB erspielt sich jede Menge Chancen, so jagt Tiago Tomás in der 54. Minute einen Ball völlig freistehend über den Querbalken, in der 67. Minute kullert sein Ball in Richtung Torlinie, bevor ihn sich Ortega auf den letzten Drücker schnappt. Auch Chris Führich mit einigen Abschlüssen, von denen mindestens einer verwertet werden muss, Stenzel mit seinem Volleyschuss einen Tick zu unplaziert. Die Chance des griechischen Schranks ist aber eine tausendprozentige. Eine Marmoush-Flanke köpft er aufs lange Eck, der Ball ist lange unterwegs und am zweiten Pfosten beobachtet Anton nur die Flugkurve, anstatt den Ball einfach über die Linie zu drücken. Teamspirit, weil er dem Kollegen das Tor nicht stehlen wollte? Vorsicht, weil er dachte, er stehe im Abseits? Gedanklich nicht schnell genung, um die Situation zu erfassen? Mangelnde Konsequenz, das Tor unbedingt machen zu wollen? Beim Nachschuss dann findet Karazor aus sechs Metern keine Lücke in der vielbeinigen Abwehr der Bielefelder und setzt den Ball konsequent neben das Tor.

Genau diese Konsequenz und auch Ernsthaftigkeit vor dem Tor fehlten dem VfB, der die schwachen (und durch den Ausfall von Masaya Okugawa weiter geschwächten) Bielefelder über die gesamte Spielzeit im Griff hatte. Die Stuttgarter liefen wie immer weniger, aber sie liefen richtiger als der Gegner. Gerade defensiv war der VfB schon da, wo die Bielefelder hinspielen wollten. Offensiv gab es zwar Chancen im Überfluss, aber der Spielfluss ließ zwischendurch sehr zu Wünschen übrig. Gegen Ende der ersten Halbzeit lag die Passquote bei rund 60 Prozent. Der VfB spielte zu ungenau, zu hektisch und vielleicht auch nicht geradlinig genug, nachdem er festgestellt hat, dass er an diesem Tag deutlich besser ist als sein Angstgegner. Trotzdem reicht diese Leistung gegen einen Gegner wie Bielefeld in neun von zehn Fällen, um drei Punkte mitzunehmen.

Ich hoffe nicht, dass ich am 14. Mai diesen zwei verschenkten Punkten nachtrauern werde. In dieser tabellarischen Situation darf es sich der VfB nicht erlauben, Punkte zu verschenken. Diese Punkte werden in der Endtabelle fehlen. Ob sie gegen Spitzenmannschaften wie Borussia Dortmund geholt werden, darf bezweifelt werden, auch wenn die Schwarzgelben sich gerade von Leipzig vorführen ließen. Das macht sie wahrscheinlich sogar noch gefährlicher am Freitag vor ausverkauftem Haus.

Und Kalajdzics Engagement für seinen Gegenspieler Klos? Es ist die Art der gedanklichen Schnelligkeit, die wir uns von seinen Angriffskollegen bei der einen oder anderen Szene zuvor gewünscht hätten (und von den Sanitätern!). Es ist die Art von Sportsmanship, die wir eigentlich von allen Akteuren auf und neben dem Feld erwarten dürfen. Der VfB gibt da auf der Alm eine hervorragende Figur ab. Das war auch mal anders (remember Santi Ascacibar gegen Leverkusen).

Zum Weiterlesen:
Das Comeback als Aufbaugegner, unser VertikalGIF zum Spiel.

Stuttgart.International vermisst Orel Mangala und meint, “der VfB kann nur die Klasse halten, wenn die Stammspieler an ihre Leistungsgrenze kommen und nicht ausfallen“.

Die Süddeutsche Zeitung spricht von einem schmeichelhaften Punkt für Bielefeld.

Foto: Martin Rose/Getty Images

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20 Kommentare

  1. Elmar sagt

    Befürchte dass genau die 2 Punkte am Ende fehlen könnten, gleichwertige Chancen in dieser Vielzahl wird es gegen die verbleibenden Gegner wohl leider nicht mehr geben. Wir hoffen weiter !

  2. fritzo62 sagt

    Das war ein Sch….-Spiel. Von Anfang an, und wurde nicht besser. Flanke nach vorne, Sasa lässt abtropfen wie seinerseits unser Progrebniak, und dann? Nervosität, Unvermögen, fehlende Konzentration & Cleverness – andere nennen es ja gerne “Jugend”. Und ein weiteres Tor gegen Müller – klar, den muss man nicht halten. Habt Ihr gesehen, wie er bei einer Bielefelder Chance gefühlt 1 Minute auf der Linie stand? Aber vermutlich wusste er dass die nix drauf haben, dann war es clever. Schaut Euch mal die Marktwerte an: Da holt ein Team mit 63 Mio 4 Punkte gegen den VfB mit 160, Bochum mit 50:160 ebenfalls, Augsburg 3 mit 100:160… Aber wenigstens in sinnlosen gelben Karten sind wir vermutlich Nummer 1. Das positive: 8 Punkte in 4 Spielen ohne Niederlage. Auf geht’s.

  3. Bacardihardy sagt

    Leider hat man gefühlt eine Vorrunde verschlafen mit Fitness und Körperlichkeit. Jetzt nach den letzten guten Spielen war dieser Punkt in Bielefeld für mich zu wenig. Denke mit viel Glück wird es höchstens zum Relegationsplatz reichen.
    Sehe beim Vfb einfach zu wenig Qualität in der Körperlichkeit und Defensive. Von unserem Torwart halte ich gar nichts. Für mich der schwächste Torwart in der Liga. Mit viel Glück bleiben wir über die Relegation drin. Alles andere wäre für mich eine Überraschung.

    • Dirk "the hunter" sagt

      Ihr immer mit eurem Torwartbashing, Kobel war letztes Jahr auch nur solide. Müller ist meistens der Letzte in der Kette, der dann auch nichts mehr retten kann.

      • Schwoger sagt

        Sehe ich leider anders. Ja ein Torwart ist immer der letzte in der Kette und wird oft alleingelassen. Aber ein Torwart ist dafür da, auch Mal unerwartete Punkte für Dich zu holen oder zu sichern. Bielefelds Ortega ist hierfür ein herausragendes Beispiel. Ohne ihn hätte die Arminia gerade 15 Punkte und würde sich mit Fürth um den letzten Platz schlagen. Ich sehe da für die neue Saison unabhängig von der Ligazugehörigkeit Handlungsbedarf

  4. Martina sagt

    Wir haben nicht nur die Vorrunde, sondern tatsächlich einige Punkte verschlafen. Selbstverständlich kann und mag ich mich irren, aber gestern hatte ich ab einem gewissen Punkt das Gefühl, dass der 110 % Einsatz fehlt. Es wäre gestern relativ “leicht” gewesen, den Ball reinzuschieben. Die Omar M. Ego Festspiele gehen mir echt schon länger auf den Sender. Man hat mit jeder Aktion das Gefühl, dass er (aus seiner Eigenwahrnehmung) der nächste Salah ist und dadurch zu wenig Teamplayer ist. Nach dem Freistoßtor letzte Woche habe ich dann lieber den Mund gehalten, aber der Kerle geht mir schon seit ein paar Spielen echt auf den Keks mit seinen Entscheidungen. Führich ist super engagiert, aber leider fehlt immer das Quäntchen Glück. Ich hätte (um Euch mal wieder zu nerven) Omar M. schon deutlich früher aus der Show genommen… Warum Anton den Ball nicht über die Linie schiebt, weiß ich auch nicht, allerdings sehen wir da halt wahrscheinlich Woche für Woche die Gründe, warum die einen im Schwabenländle und die anderen nicht spielen… Manche Dinge hat Man(n) wahrscheinlich oder nicht.

    Sasas Aktion fand ich auch klasse, allerdings finde ich subjektiv, dass er uns bei den vielen Verletzungen noch eine Saison rein moralisch gesehen “schuldig” wäre. Der Verein, die Fans haben immer zu ihm gehalten und ihn maximal geliebt. Meine Vermutung bleibt ja die, dass er zu seinem besten Kumpel Kobel in den Pott geht. Dann kann er nächste Woche sich ja mit ein paar Toren empfehlen :-( Moralisch O.K. finde ich es nicht, dass er jetzt geht. Allerdings wäre er wahrscheinlich letztes Jahr schon weg gewesen im Falle optimaler Gesundheit.

    Ich bin bei meinen Vorschreibern, die verschusselten Punkte gestern können morgen und übermorgen und überübermorgen genau die sein, die fehlen.

    Wir hatten uns hier ja schon über Ortega unterhalten… hätte Bielefeld unseren Torhüter drinn gehabt, hätten wir wohl sicher gewonnen… der Ortega strahlt was aus, hat einfach was, was man wahrscheinlich auch nicht lernen kann. Den hätte ich sehr, sehr gern in unserem Tor.

    Ich hoffe, daß Bielefeld und Hertha noch schlechter sind und wir nicht in die Relegation müssen. Wenn wir müssen müssen, geht das meist eher schief…

    Immerhin ist Endo unser einziger WM Teilnehmer, finde ich irgendwie total traurig im Nebensatz gesagt, dass von unseren deutschen Spielern es keiner in die Nationalmannschaft schafft. Irgendwie hab ich da gar keine Lust zu schauen… früher hat unser Supermario wenigstens noch ein VfB Herz höher schlagen lassen…

    Nachdem heute Augsburg gepunktet hat, sollten wir fast gegen Dortmund mal gewinnen…

    • Bernd sagt

      Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, dass Bielefeld nicht mehr als 5 Punkte holen wird. Die sollten wir in Schach halten können. Hertha ist ein bisschen eine Wundertüte, schwer zu sagen wo die landen werden.

      Laut 538 ist am Wochenende unsere Abstiegswahrscheinlichkeit von 23% auf 22% gesunken. War vielleicht doch nicht alles so furchtbar.

  5. Ronny sagt

    Die neuen Buhmänner sind nun also Marmoush und Müller.
    Nachdem Karazor jetzt liefert, und Massimo und Klimowicz keine Rolle mehr spielen, musste ein Substitut erschaffen werden.
    Die Fakten sprechen aber eine andere Sprache, wir haben eine Serie gestartet, mit satten 8 Punkten aus den letzten vier Spielen, und es gibt durchaus Hoffnung, dass diese Serie auch am Freitag nach dem Spiel gegen Dortmund weiterhin bestand hat !

    • Dirk "the hunter" sagt

      Du sprichst mir aus der Seele, im Schwabenländle muss immer wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben werden..Trainer und Manager sind es ja jetzt nicht mehr..

  6. Arne sagt

    Außer Ronny könnt Ihr alle…
    Ihr seid das schwierige Umfeld!
    Wir haben Bielefeld an die Wand gespielt aber eben keine 3 Punkte geholt und deswegen schaffen wir es höchstens mit Glück auf den Religationsplatz?
    Unser Spiel war mit Ausnahme der ersten 20 Minuten gut bis sehr gut. Bielefeld hat nachweislich eine gute Abwehr, trotzdem hat sich unser Team etliche Chancen erspielt.
    Ich bin daher optimistisch und sehe Platz 14 oder 15 im Bereich des machbaren, trotz eines Unentschieden gegen Bielefeld. Müller war m. E. chancenlos beim 1:1. Marmoush hat nicht gezockt, den Ball Zentimeter neben das Tor gesetzt, da fand ich die Tiago Tomas Chance schon vielversprechender. Aber das Forum braucht offensichtlich Spieler, an denen man sich abarbeiten kann.
    By the way, wo war eigentlich Castro😀😀😀

    • @buzze sagt

      Bin da bei Dir. Steht so ja auch im Text: 9 von 10 solcher Spiele gewinnst du. Die Tendenz mit acht Punkten aus vier Spielen passt. Aber das ändert nichts daran, dass die zwei Punkte am Ende fehlen könnten (von den zwei, die man gegen Bochum weggeworfen hat, gar nicht zu sprechen).

  7. Clemens sagt

    Da der VP ja gerne Lied-Zitate in seine Texte einfließen lässt, wie wäre es mit „Who need enemies (with a friend like you)“ von Montana Sextet? Dieser Titel fiel mir beim Lesen der ersten Kommentare spontan ein. Einfach unglaublich, wie Kommentatoren hier mit sportlichen (Teil-) Misserfolgen umgehen. Aber was heißt Misserfolg?

    @Barcadihardy, der Verein, der dir möglicherweise am Herzen liegt, schreibt sich abgekürzt „VfB“, nicht „Vfb“, nicht „VFB“, sondern „V“erein „f“ür „B“ewegungsspiele – das musste mal nach ewigen Zeiten raus). Der VfB hat ein sehr ordentliches Auswärtsspiel abgeliefert. Deiner Dauerschleife zur fehlenden Körperlichkeit möchte ich entgegensetzen: 52% Zweikämpfe für den VfB in dieser Partie, Mavropanos ist mit einer Zweikampfquote von 65,6% übrigens der 6. beste Bundesligaspieler insgesamt und der VfB Stuttgart steht bei der Anzahl der gewonnenen Zweikämpfe im Liga-Ranking auf Platz 1 – sehr deutlich vor Bayern (2.) und Bielefeld (3.). Also versuche vor deiner nächsten Kritik einfach mal etwas fundierter zu recherchieren. So viel Stammtisch-Niveau ist nämlich nur schwer zu ertragen.

    Dass man sich schlussendlich nicht für eine couragierte Leistung belohnt hat, dürfte die Verantwortlichen selbst am meisten nerven. Ich sehe trotz der kollektiven Fehlerkette in der Defensive beim Gegentor in einer Gesamtbetrachtung mehr die Verantwortung bei den offensiven Akteuren. Und hier, liebe Martina, ist nicht vorrangig Omar Marmoush zu nennen, der dich ja bereits seit längerem so furchtbar nervt, sondern vor allem Tomas, der mit einem xG Wert von 0,80 deutlicher vor dem Tor versagt hat, als der Ägypter (xG 0,30). Marmoush wird den VfB vermutlich zum Saisonende wieder verlassen und wir können dann im kommenden Jahr den jungen Mann bei Wolfsburg oder wo auch immer bewundern, wie dieser weiter aufblüht. Aber so ist das eben, wenn man zuvor 7 Punkte aus drei Spielen geholt hat, dann steigen die Erwartungen beim gemeinen Schwaben auch schnell mal wieder in den Himmel. Nachdenklich machen sollte uns indes, dass trotz der diversen Optionen auf der Bank für Marmoush und Tomas weder ein Coulibaly, Thommy, Beyaz oder Massimo eine Wechseloption für Matarazzo darstellen. Nach den zu erwartenden Abgängen von Sasa und Marmoush darf einem ein wenig angst und bange werden, wer zukünftig im Sturm spielen soll. Tibidi benötigt sicherlich ähnlich wie Mo Sanko noch eine ganze Weile. Hier sehe ich die größte Baustelle neben einem potentiellen Nachfolger für Sosa, der uns vermutlich zum Saisonende auch verlassen dürfte.

    • @buzze sagt

      Könnte in der aktuellen Situation nicht jeder einzelne Punkt die zukünftige Ligazugehörigkeit des VfB entscheiden, könnten wir das Spiel unter “ärgerlich” abhaken. Du hast die xG-Werte angesprochen: Statistisch gesehen hätte der VfB auf der Alm mehr Treffer erzielen müssen als gegen Augsburg – absurd. Das ist zum Teil Pech, zum Teil Slapstick, zum Teil Unvermögen. Führich (2x), Tomás (2x), Marmoush (1x): Eine der fünf Chancen muss drin sein. Neben der Chancenverwertung haperte es gegen Bielfeld vor allem an der Präzision beim Passspiel. Insgesamt war die Quote zwar nur 5 % unter dem Augsburgspiel (80 zu 85 %), aber schaut man sich die Steilpässe (73 zu 91 %) oder die Pässe ins letzte Drittel (60 zu 81 %) an, dann war das schon gravierend schlechter.

      Der andere Punkt, den Du ansprichst, ist hingegen nicht auf das eine Spiel zu beschränken: Der VfB hat einen riesigen Kader, aber der Trainer wenig Optionen. Zwar gab es aus meiner Sicht keinen Grund, die Wechseloptionen komplett auszunutzen, aber wenn man sich die Bank vor Anpfiff anguckte, war klar: Mangala kommt auf jeden Fall, Tibidi ziemlich sicher. Aber mit Beyaz, Coulibaly, Massimo, Millot und Thommy waren da dann noch fünf Spieler, die nicht wirklich eine Option sind, um dem Spiel nochmal eine andere Richtung zu geben. Das ist dünn. (Bazzoli bewusst nicht erwähnt, da er nur als Notfallersatz für die Viererkette dabei war)

      • Clemens sagt

        Natürlich ist das Ergebnis absurd. Anzahl und vor allem die Qualität der Chancen war so dermaßen hoch, dass man sich selbstverständlich ärgern darf und muss. Ich finde dabei z.B. die Kopfball Chance von Mavropanos und das Nicht-Eingreifen von Anton am langen Pfosten eigentlich am hanebüchensten von all den Szenen, weil hier zwei (mit dem Nachschuss von Karazor sogar drei) VfB-Akteure frei vor dem Tor versagen. Was dieser eine Punkt am Ende wert ist, werden wir sehen. Und es werden nicht exakt diese zwei verschenkten Punkte sein, die ggf. am Ende fehlen, sondern die Summe aller Punkte auch aus Spielen wie gegen Dortmund, Bochum, Hoffenheim oder oder oder.

        Das mangelhafte Passspiel war auch für mich der Knackpunkt. Bei meiner App “Fotmob” steht sogar nur eine Passquote von 73%. Und sämtliche Offensiven beider Teams stehen da im Ranking ganz unten (Ausnahme Sasa). Aber selbst Endo hatte nur eine Passquote von 59%. Es war also nicht gerade ein Spiel mit dem Florett, sondern eher ein Kampf mit dem rustikalen Breitschwert, was da 90 Minuten auf dem Platz ausgetragen wurde. Aber das wollten wir schließlich alle. Dass der VfB den Abstiegskampf annimmt und kämpft. Und das hat er meiner Auffassung nach exzellent getan.

        Tja, und neben der geringen Kaderdichte in der Spitze ist ein Thema deutlich zu kurz gekommen: SR Ittrich. 6 gelbe Karten gegen den VfB (eine davon gegen Matarazzo). Tomas ist natürlich ein Trottel. Das Wegspitzeln des ruhenden Balls vorm Abstoß war eine Eselei und somit die Gelbe gerechtfertigt, aber Anton, Mangala und Sasa? Ernsthaft? Die Sperre von Anton ist, falls Sosa weiterhin fehlt, gegen den BVB eine ziemliche Schwächung. Ich finde, da hatte Ittrich sein Ego nicht wirklich gut im Griff. Vielleicht dachte er aber auch, er müsse gegenüber dem Heimpublikum den gegebenen Elfmeter wieder gutmachen? Sozusagen eine 70 minütige Dauer-Konzessionsentscheidung. Oder, wie man auch gerne sagt: Heim-SR.

    • Dirk "the hunter" sagt

      Du sprichst mir aus der Seele, im Schwabenländle muss immer wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben werden..Trainer und Manager sind es ja jetzt nicht mehr..

  8. @abiszet sagt

    “Da der VP ja gerne Lied-Zitate in seine Texte einfließen lässt, wie wäre es mit „Who need enemies (with a friend like you)“ von Montana Sextet?”
    Sehr schöne Idee, mir sind zum Spiel keine Lyrics eingefallen, fand die Erste Hilfe auf dem Punkt ;-)

  9. Joachim sagt

    Ein Unentschieden und schon geht das Bruddeln wieder los. Was sind Ihr nur für Menschen? Fans kann man bei Euch ja nicht sagen. Und was soll denn die dauernde Kritik am Torwart, der ja am Gegentreffer gar nichts ausrichten kann!
    Nein, Du scheinst – so habe ich den Eindruck – einer schlechtesten Fans überhaupt zu sein.

  10. Martina sagt

    Joachim, der muss jetzt bei mir jetzt raus, es heißt grammatikalisch korrekt:

    Was SEID Ihr nur für Menschen?

    Grundsätzlich Menschen mit einer Meinung. Und Menschen, die die Meinungen
    anderer jederzeit respektieren ohne die Verfasser eines Kommentares zu bewerten.

    Wenn ein guter VfB Fan super ein Unentschieden gegen den Zweitletzten und
    super schon wieder zwei Punkte verschenkt sagen muss, dann bin ich in der Tat
    der Schlechteste. Ich nehme Deinen Award zum schlechtesten VfB Fan dankend an,
    würde Dich im Gegensatz bitten zu akzeptieren, dass es erlaubt ist, das Torwartspiel
    von Ortega besser als das von Müller zu finden.

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