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Ist Fussball wirklich so einfach?

Schwein mit Ball

„Diese aufgetischte Geschichte hätte ich nie geglaubt“, ereiferte sich Heribert Bruchhagen bei Sky. Der Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt und ehemaliger Boss von Armin Veh weiter: „So ein Blödsinn, das hätte ich nie zugelassen. Nach schweren Niederlagen darf man einen Trainer nicht alleine lassen, damit der nicht auf dumme Gedanken kommt“. Bruchhagen sprach vom Rücktritt Vehs und stellt die Führungsqualitäten von Präsident Bernd Wahler in Frage. Auch Jürgen Klopp, selbst auch nicht gerade in einer komfortablen tabellarischen Lage, zeigte sich genervt: „Als ob es so einfach wäre, dass durch einen Trainerwechsel das Glück zurück kommt“.

Fakt ist jedoch: Der VfB hat in Freiburg mächtig Schwein gehabt. „Dieses Spiel hätte ich nicht gewonnen“, so Veh. Fussball ist also ganz einfach.

Vor dem Spiel
Huub Stevens muss einige Umstellungen vornehmen, Daniel Schwaab und Oriol Romeu sind gesperrt, für sie kommen Florian Klein und sein Liebling Carlos Gruezo. Dazu rücken Timo Werner und Sercan Sararer für Filip Kostic und Daniel Ginzcek in die Mannschaft. Das Team hat ein Durschnittsalter von 23,3 Jahren. Taktisch wird fluid gewechselt zwischen einem defensiven 4-5-1 und einem 4-3-3 bei Ballbesitz.

Was fiel auf?
Freiburg ist dem VfB spielerisch überlegen, viele Bälle gehen im Mittelfeld durch Moritz Leitner und Christian Gentner verloren. Timo Werner ist ein Fremdkörper im Spiel, die linke Seite mit ihm und Adam Hlousek sehr wacklig. Im Spielaufbau hat Timo Baumgartl merklich Schwierigkeiten, Anspielstationen zu finden. Freiburg stellt die Passwege zu und zwingt den VfB zu langen Bällen.

Was überraschte?
Die Innenverteidigung. Baumgartl und Antonio Rüdiger agieren defensiv souverän und fehlerfrei. Veh gab bei seinem Abschied seinem neuen Trainer noch mit, dass Rüdiger keinen erfahrenen Mann an seiner Seite brauche, sondern einen, den er führen kann. Womöglich stimmt das? Fussball scheint doch nicht so einfach zu sein.

Was überraschte nicht?
Der unsichere Auftritt von Sven Ulreich. Einen Schuss ließ er nach vorne prallen und es ist nur der Unfähigkeit von Sebastian Freis zu verdanken, dass der VfB das Spiel nicht schon früh verliert. Denn eins ist klar: Geht dieser Ball rein, ist das Spiel gelaufen. Und das Tor, ja, da bekommt Ulreich für seine schöne Hechtrolle gute Noten, aber nur in der B-Note.

Wer war Mann des Spiels?
Ganz klar: Carlos Gruezo. Nach schleppendem Beginn ist er sehr präsent, läuft Löcher zu (beim 1:1 ist er knapp zu spät), zeigt sich giftig im Zweikampf, ballsicher, schnell mit und ohne Ball, also alles Dinge, die zumindest ich Herrn Romeu abspreche. Dass der Ecuadorianer dann nach einem schönen Konter das 1:2 schießt, ist wie ein kleiner Gruß an Veh, der ihn nach einem Fehler konsequent ignorierte.

Mein zweiter Spieler des Spiels: Moritz Leitner. Ja. In der Anfangsphase muss ich mich schon wieder aufregen über seine leichten Ballverluste, aber in der zweiten Halbzeit zeigt er, was er kann: Ein Spiel ordnen. Und zwar von hinten heraus. Kurze Pässe, vertikale Pässe (wie zum 1:3 durch Werner), Pässe mit Ideen, Leitner hat das alles drauf, zeigte es aber bisher in Stuttgart viel zu selten.

Alles ganz einfach also?
Ja. Denn die spielentscheidende Szenen gehen alle an den VfB: Freis verschießt freistehend, Jonathan Schmid jagt nach einem turbulenten Strafraumgewusel den Ball an die Latte, Martin Harnik ist beim 0:1 knapp nicht im Abseits. Das Glück, es scheint zurück zu sein.

Es gibt, die Tage, da funktioniert alles: Die letzten 15 Minuten spielt Gotoku Sakai auf der Sechs, holt sich einen Scorerpunkt beim 1:4 durch Martin Harnik und hat am Ende gar noch die Chance zum 1:5. Huubster Stevens kann machen, was er will in Freiburg. Hätte nur noch gefehlt, er hätte Ulreich in den Sturm beordert, im Tor gab er sowieso keine gute Figur ab.

Nicht nur ich reite auf dem Glück herum. Aber das Gerede darüber verdeckt die wahren Hintergründe. „Der VfB ist auf dem Weg, sich kaputt zu machen“, meint Sport1-Experte Thomas Helmer. Auf Sport1 schauen wir jetzt immer, nachdem wir mit einem Weltmeister diskutieren durften. Die Frankfurter Rundschau bringt es auf den Punkt: Dass Präsident Wahler „suggeriert, der VfB habe eine Strategie, ist in höchstem Maße verwirrend. Die einzige Strategie im Roten Haus in Bad Canstatt scheint zu sein, keine Strategie zu haben.“ Es sind strukturelle Probleme, die den VfB hemmen. Ein solider Arbeiter wie Stevens tut dem VfB gut, er blendet für die Mannschaft die Führungslosigkeit des Vereins aus, spricht aber Missstände direkt und unverblümt an. Er ist kein Lust-und-Laune-Typ wie Veh. Stevens läuft vor Problemen nicht davon.

Und was sagen Rakede zum VfB und zum Glück?
„Das Glück ist’n Flittchen, doch niemand küsst so gut.”

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