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Großer Umbruch beim VfB: Jetzt!

Baustelle VfB Stuttgart

Alle im Verein haben es bisher betont – Fredi Bobic (weg), Armin Veh (weg), Joachim Schmidt (ewig da), Bernd Wahler (wenns so weiter geht, ist er bald weg) und Huub Stevens (wenn er weg ist, dann ist die Chance auf den Klassenerhalt weg): Die Mannschaft hätte ihre Qualitäten, man müsse ihr vorhandenes Potential wecken und auf den Platz bringen, dann kommt sie vom Tabellenende weg. Alle haben dabei den Etat im Blick. Der VfB Stuttgart liegt je nach Schätzung zwischen Platz 7 und 9 der Budgettabelle, das solle doch der Tabellenstand bitteschön bald widerspiegeln. Es wird also vom Gehalt der Spieler auf deren Leistungen hochgerechnet. Ein Fehler, den der Verein, seine Fans und sämtliche Medien seit vielen Jahren machen. Das Spiel gegen Schalke, es ist das Ende aller Träume, dass diese Mannschaft besser sei als ihr Tabellenplatz. Es ist das unübersehbare Signal, dass das Team in seiner Zusammensetzung den Bundesligaanforderungen nicht gewachsen ist.

Die Schalker haben vor vielen Jahren einiges unternommen, um es sich mit mir zu versauen. Anfang der Nuller-Jahre wurde fast jede Woche spekuliert, wer nach Gelsenkirchen wechseln wird. Fernando Meira, Timo Hildebrand, Andreas Hinkel, Kevin Kuranyi, Marcelo Bordon. Die Knappen wedelten mit dem Scheckbuch und boten dafür fanatische Fans und eine diskutable Wohnqualität. Kuranyi und Bordon ließen sich von diesen unschlagbaren Argumenten überzeugen und Schalke tat von diesem Augenblick an so, als ob die beiden schon immer „echte Schalker“ seien, einfach unapetitlich. Wie auch deren Vereins-Oberhaupt, Fleischfabrikant Clemens Tönnies. Gegen Schalke verliere ich also nicht gerne und jetzt das 0:4. Ich bin bedient.

Die Fakten:
Der VfB geht unter gegen eine durch zahlreiche Verletzungen dezimierte Schalker Not-Elf. Ein absoluter Tiefpunkt und Huub Stevens‘ höchste Bundesliga-Heimniederlage in seiner Karriere.

Was muss man sich merken?
Nichts, das Spiel war zum Vergessen. Obwohl. Es kann als Lehrfilm herhalten für hilfloses, teilnahmsloses, leidenschaftsloses Verhalten auf dem Spielfeld. Carlos Gruezo zum Beispiel gewinnt keinen einzigen Zweikampf in den ersten 20 Minuten. Martin Harnik mit nur einer Ballberührung nach 15 Minuten – es ist die, mit der er den Ball zum 0:1 in Tor lenkt. Vor dem 0:4 ist die Flanke fünf Minuten in der Luft und Daniel Schwaab und Antonio Rüdiger schauen nur zu, wie Eric Maxim Choupo-Moting einnicken kann. Das Spiel ist ein profundes Gegenbeispiel für die Mär, dass dem VfB das Glück gefehlt hätte.

Nein, es hat nicht das Glück gefehlt. Es fehlt an harter Arbeit. Obwohl. So hart ist die Arbeit nicht, bei Standardsituationen seinen zugeteilten Mann zu decken. Aber es sind schon die simplen Dinge, die beim VfB nicht funktionieren. Dass neben den fehlenden Grundlagen offensichtlich auch Überheblichkeit mitgespielt hätte nach dem glücklichen Sieg in Freiburg, sagt alles über Zustand und Charakter der Mannschaft. „Ich hatte heute nicht das Gefühl, dass alle richtig zur Sache gingen“, macht sich Huub Stevens berechtigte Sorgen. Ein sehr lesenswerter Text zur Eigendynmaik der Mannschaft (Stichworte „Grüppchenbildung“, „Pfründe sichern“, „Egoismen“, „zermürbte Altgediente“) steht in den Stuttgarter Nachrichten.

Was muss passieren?
Ein großer Umbruch in der Mannschaft muss her, der Kader muss radikal umgebaut werden. Spieler, die seit langem den Ansprüchen nicht gerecht werden, sollten im Winter auf der Transferliste stehen. Scheinbare Führungsspieler müssen entmachtet werden. Wie kann es sein, dass Harnik sich nach dem Spiel hinstellt, freimütig und ohne Spur von Reue oder gar Wut seine Fehler gesteht, aber gleichzeitig sagt, „wir haben es eigentlich ganz gut gemacht“ und der VfB Stuttgart hätte „nur wegen der Standardsituationen verloren“. Der Spieler scheint die Fehleinschätzungen des Vereins zu teilen, ist auch bequem und läßt den Trainer schlecht aussehen und nicht ihn und die Kollegen. An unseren Huubster aber die Frage: Warum steht ein solcher Spieler 90 Minuten auf dem Spielfeld und gewinnt nur 18 Prozent seiner Zweikämpfe? Ein Spieler, der haarsträubende Fehler wiederholen darf, ist kein gutes Beispiel für Nachwuchsleute wie Gruezo, die Timos Baumgartl und Werner oder Antonio Rüdiger. Es fehlt nicht nur im Verein die starke Führung, auch auf dem Platz fehlt sie. Und die, die sie für sich reklamieren oder denen man diese Verantwortung zuschiebt – Harnik, Schwaab, Christian Gentner, Sven Ulreich – sind in schwierigen Situationen nicht nur unsichtbar, nein sie tragen auch wesentlich zu Misserfolgen bei.

Bauleiter gesucht, Bewerbungen bitte an bernd.wahler@vfb.de
Was fehlt für den Umbruch, ist natürlich ein erfahrener Bauleiter. Jochen Schneider, da sind alle einig, kann dies nicht sein. Da sich Wahler mit der Personalie des Sport-Managers Zeit lassen will, geht er mit offenen Augen in die Katastrophe. Michael Reschke, viele Jahre Architekt des Leverkusener Erfolgs bei Spielertransfers, mittlerweile von Bayern München abgeworben, sagt: „An der Personalpolitik entscheidet sich die Zukunft eines Vereins, an dieser Stelle wird Schicksal gespielt“. Und genau mit diesem Schicksal spielen Vorstand und Aufsichtsrat des VfB.

Was bleibt den VfB-Fans?
Man kann die Spiele eigentlich nur noch besoffen ertragen.

Was sagt Deichkind zu meiner Forderung des Kaderumbruchs?
„Alle woll’n den Abriss, gefedert und geteert“

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