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Günther Schäfer, Beruf: Fußballgott

Der damalige Präsident Wolfgang Dietrich hatte uns zu einem Gespräch eingeladen. Wir dachten, er will uns ordentlich zusammen brüllen, nachdem wir ihn auf dem Blog verglichen mit einem Chirurg, der nebenher noch ein Beerdigungsunternehmen leitet. Entsprechend angespannt warteten wir am Empfang in der Mercedes Straße auf Dietrich. Das sollte sich ändern, als Günther Schäfer kam.

Als wir auf seine Frage, warum wir hier rumstehen würden, den Termin mit Dietrich angaben, sagte er: „Ja, ja, der Präsi lässt immer auf sich warten“. Und dann kam er ins erzählen: Dass er im Moment das Winter-Trainingslager plane, aber Hannes Wolf ungern Entscheidungen träfe. Dass Santi Ascacibar sein legitimer Nachfolger und ein Riesenglücksfall für den VfB sei und dass er jeden Morgen hofft, dass sich Holger Badstuber nicht verletzt. „Stellt Euch vor, der knickt beim Aussteiga aus seim Smart um!“ Wir lachten, wir wollten ihm ewig zuhören, aber dann kam Dietrich. Immerhin brüllte er nicht.

331 Bundesligaspiele für den VfB, zwei Mal Meister (1984 und 1992), zwei Mal Fußballgott – beim VfB und bei Arminia Bielefeld, für die er zwischen 1996 und 1998 auflief. Er gab stets alles und noch viel mehr, auch gegen Diego Maradona im UEFA Cup Endspiel 1989. ​Er war kein Mann für den tödlichen Pass oder den gepflegten Spielaufbau, für ihn wurde der Begriff „Blutgrätsche“ erfunden. Wobei nicht vergessen werden darf, dass er die Vorlage zu Jürgen Klinsmanns Tor des Jahres 1987 gegeben hat (siehe hier).

„Eisen-Günne“ kann auf eine schöne Karriere zurückblicken, dazu gehört auch ein Jahr Co-Trainer unter Matthias Sammer 2004/2005. Aber das ist es nicht nur. Schäfer ist so etwas wie die Seele des Vereins, zusammen mit Peter Reichert und Gerhard Wörn. Als Club-Legenden haben sie alles mitgemacht, als Fan-Beauftrage, Team-Manager, Physio, Leiter der Fußballschule, als gute Geister des VfB, in guten und in schlechten Zeiten. Wenn jemand den Brustring eintätowiert hat, dann Günther Schäfer.

„Es muss schon vieles zusammenkommen, bis ich meinen Humor verliere“, meint der ehemalige Rechtsverteidiger. Und seine gute Laune ist ansteckend, wie selbst wir beim Warten auf Dietrich feststellen durften. Zum Lachen auch viele seiner Frisuren: Der leidenschaftliche Schnur­bart­träger, Marke ​„leichter Flaum“, überzeugte mit einem Depeche Mode-Wischmob von Martin Gore, mit einem aufgerissenen Sofakissen als „Haarschnitt“, mit Pudel auf dem Kopf und auf dem Schoß, mit blondem Schnittlauch nach Prinz Eisenherz-Vorbild, mit einer Tube Gel im Haar und Vokuhila war natürlich Pflicht – einfach einer von uns! Sogar ein eigenes Bier hatte er: Günnes. Der Slogan lautete: „Ein Bier, wie Günnes. Stark im Zwei­kampf, stark im Geschmack!“

Natürlich verbinden viele Schäfer mit seiner Rettungsaktion 1992 im letzten Spiel in Leverkusen, ein ähnlich ikonischer Moment wie Thomas Hitzlspergers Volleyschuss zum 1:1 gegen Cottbus. Die flying Grätsche auf der Torauslinie, die entscheidend dazu beitrug, dass der VfB Meister wurde. Aber Schäfer ist viel mehr. Seine Identifikation, seine Treue und tiefe Verbundenheit mit „seinem VfB“, seine Offenheit und Herzlichkeit machen ihn zum sympathischen Gesicht des VfB.

Herzlichen Glückwunsch zum 60. Geburtstag,
lieber Günther Schäfer (und jetzt alle:) Fußballgott!

Bild: Horst Rudel (via Imago)

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3 Kommentare

  1. drhuey sagt

    Onser Woiza-Schäfer (so haben wir ihn jedenfalls genannt)! Man kann nichts dagegen machen, dass sich die Zeiten ändern, aber schön, dass ihr zu seinem Geburtstag an eine tadellose Identifikationsfigur des Vereins erinnert! Auch schön, dass er noch wichtiger Teil des Vereins ist. Untouchable!

  2. Bernd sagt

    Die Sequenz aus Sigurvinssons Seitenwechsel, Schäfers Flanke per Direktabnahme und Klinsis Fallrückzieher hat mich zum VfB-Fan gemacht. Habe das bestimmt 200-mal im Wohnzimmer meiner Eltern nachgestellt.

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