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Ich bin der VfB. Und du auch!

Ich hatte mir vorgenommen, das alles nicht mehr so nah an mich heran zu lassen und ein wenig Abstand zum VfB Stuttgart zu gewinnen. Abstand zu einer Mannschaft, die oft leblos ist. Trotz vieler vermeintlicher Führungsspieler, die aber offensichtlich über ihre beste Zeit hinaus sind und/oder denen in der aktuellen Situation die nötige Motivation und der letzte Biss fehlt. Die gegen Gegner, die nicht auf Augenhöhe sind (dazu zählen seit neuestem auch Mainz und Düsseldorf), nur mit halber Kraft ins Spiel gehen. Weil sie schon vor der Partie die Ausreden formuliert haben, die ihnen auch noch abgenommen werden bzw. von der sportlichen Führung bestätigt werden, weil sie damit ihre eigenen Fehler kaschieren kann.

Ich habe die Freude am Verein für Bitter verloren, weil ich Führungsfiguren im Management sehe, denen offenbar die Demut und die menschliche Größe fehlen, eigene Fehler zuzugeben. Stattdessen werden Tatsachen verdreht, Kritiker verunglimpft und eigene Unzulänglichkeiten weggelächelt und mit Phrasen überspielt.

Mir ist die tiefe Verbundenheit verloren gegangen, weil ich den Eindruck habe, dem VfB Stuttgart ist dies nicht mehr wichtig. Tradition scheint nur noch fürs Marketing gut zu sein. Wenn man nach den oft zitierten Werten fragen würde, was würden Wolfgang Dietrich und Michael Reschke antworten? Wichtiger als Werte erscheinen mittlerweile  Zahlen. Nicht in Form von Punkten, sondern in Form von verkauften Trikots, neu gewonnenen Mitgliedern und Zuschauerzahlen. Ich habe den Glauben daran verloren, dass die Entscheidungsträger das Beste für den VfB wollen und nicht für sich selbst. Ich bin enttäuscht, dass Repräsentanten des VfB Stuttgart in der Öffentlichkeit nicht so auftreten, wie der Verein Club es verdient hat.

Kurz:
Ich habe mich vom VfB entfernt. So weit, dass ich Spiele nur noch halbherzig verfolge und mich nicht mehr über einzelne Personen ärgere. Doch das war eine kurze Phase.

Denn ich lasse mir meine Liebe zum Verein mit dem Brustring weder von Wolfgang Dietrich, noch von Michael Reschke oder Spielern kaputt machen. Denn ich bin der VfB Stuttgart – zusammen mit vielen zehntausend anderen! Wir alle gemeinsam machen die Identität des Clubs aus. Durch jahrelange Solidarität, durch grenzenlosen Support und durch die Leidenschaft, die wir diesem Club entgegen bringen. Ob in der Kurve, auf den Tribünen oder im Netz.

Gemeinsam sind wir größer als die Entscheidungsträger. Denn eines wissen wir genau: Die sind oft schneller weg als man sich vorstellen kann. Leider nehmen sie meist einen ordentlichen Sack voll Geld mit und hinterlassen im Gegenzug chaotische Zustände.  Aber durch deren Unzulänglichkeiten lasse ich mir meine Identifikation mit dem VfB nicht nehmen. Denn das haben wir schon mehr als einmal überstanden. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich mich mit den leitenden Personen und ihren Handlungen identifiziere.

Der VfB ist meine Gang, meine Gang, er ist mein Verein und meine Heimat, egal was passiert. Und das lasse ich mir von niemanden nehmen.

Und ich werde kämpfen, dass der VfB Stuttgart wieder das wird, was er einmal war: glaubwürdig, sympathisch und erfolgreich. Seid ihr dabei?

Wir wünschen euch frohe Weihnachten und eine entspannte Winterpause.
Erholt Euch gut: Die Rückrunde dürfte uns nochmal alles abverlangen.

 

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11 Kommentare

  1. Lieber abiszet, lieber buzze,

    wenn Du denkst, der Vertikalpass kann gar nicht mehr steiler gehen, setzt ihr nochmals einen drauf! Mit diesem Text – nein diesem Statement – serviert ihr passend zum Festtagsgänsebraten für uns Mitleidenden die Gänsehaut dazu. Chapeau! Alle Hüte, die ich habe, ziehe ich vor Eurem dunkelrotem Herzblut. Ich danke Euch für so viel Richtiges, Analytisches, Witziges, Nachdenkliches zu unserem Herzensverein. Macht weiter so und habt frohe Weihnachten! Sammelt Kraft und Energie, um auch 2019 der „Pain in the ass“ für so manchen „Funktionär“ in der Mercedesstraße 109 zu bleiben. Ihr werdet wahrgenommen und ihr (wir) werden immer mehr. Und lauter…
    Liebe Grüße,
    Alex (cubbie)

    • @abiszet sagt

      Hallo Alex, vielen Dank für Deine goldenen Worte, das freut uns sehr. Wir versuchen, auch 2019 steil zu gehen und hoffen wir, dass es für den VfB steil nach oben geht.

  2. Helmut sagt

    Hallo Jungs, der Text hätte von mir sein können. Was haben wir nach der ZweitligaMeisterschaft gehofft und geglaubt, dass mit SchindelWolf endlich eine Ära des Jugendstils und einer langen Phase von Ruhe in unseren Verein eingekehrt. Schon die Trennung von Schindelmeiser – dem Mentor von unserem Hannes – war der Beginn einer Ära, wie wir sie leider zur Genüge von unserem VfB kennen. Aber trotz aller frustrierenden Erlebnisse ob der lustlosen Kickerei auf dem Grün und der glattgeschmirrgelten Aussagen von Management und den Brustringträgern, ich muss Euch leider zustimmen. Es funktioniert leider nicht, sich emotional vom VfB zu trennen. Leider hat sich der Brustring tief um mein Herz geschlungen. Alle Versuche, es nicht mehr an sich heran kommen zu lassen sind kläglich gescheitert. So werden wir weiter bangen und bröseln und so manches Frustgetränk am Samstagabend zu uns nehmen. Und wir werden sehen, dass unsere Ergebenheit und Treue auch mal wieder belohnt wird. In ewiger Treue (seufz).

    • @abiszet sagt

      Lieber Helmut,
      „Leider hat sich der Brustring tief um mein Herz geschlungen.“ – und das ist auch gut so! Hoffentlich nehmen die Frustgetränke in 2019 nicht überhand …

  3. Andreas Gärtner sagt

    vielen Dank für die offenen und ehrlichen Worte. Alles stimmt, spricht mir und sicher allen anderen aus dem Herzen. Manchmal fragt man sich, warum immer diese Chronologie, immer dieselben Fehler, der Wahnwitz leitender Angestellten, kein Einhalt geboten wird?
    In der Hoffnung auf eine bessere Rückrunde, wünsche ich allen besinnliche und gesegnete Weihnachten und einen guten Rutsch!!

    • @abiszet sagt

      @Andreas und @Tini
      Vielen Dank, Euch auch und nach den hoffentlich entspannten Feiertagen auf ein Neues in 2019!

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  5. Rainer W. sagt

    @abiszet
    Alles richtig, und auf den Punkt gebracht.
    Innerlich zerissen und doch seit mehr als 50 Jahren im A-Block, respektive 32 B, Cannstatter Kurve halt.
    Vielen Dank für Eure Beiträge.
    Rainer

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