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Wofür das Trauerspiel gegen Paderborn gut ist

Canstatter Kurve

Viele beklagen das 0:0 zwischen dem VfB und Paderborn, aber es ist genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen. Ein „standesgemäßer“ Sieg, und das scheint immer noch das Selbstverständnis des Vereins zu sein, hätte vieles überdeckt. Die Überheblichkeit der Spieler, die Engstirnigkeit der Verantwortlichen, die Zweifel von Huub Stevens.

Was fiel auf?
Paderborn ist technisch, spielerisch und mannschaftstaktisch besser: Zumindest 20 Minuten lang überlegen, selbst über die gesamte Spielzeit ist eine Spielanlage zu erkennen, es ist zu sehen, dass die Mannschaft zusammenspielt. Der VfB ist nur bei Daniel Didavis Standards gefährlich.

Was muss man sicher merken?
Den Humor von Interimsmanager Jochen Schneider. Er lernt schnell von seinem Chef Bernd Wahler und deshalb will ihn der Präsident unbedingt im Verein halten. Angesprochen auf die Szene, bei der Daniel Brückner beinahe ein ein Eigentor unterläuft, antwortet er auf die Frage „Wie haben Sie die Szene gesehen?“ mit „Auf der Tribüne!“.

Bravo, in der Situation des VfB kann der Verein jeden gut gelaunten Mitarbeiter gebrauchen. Und auf dem Platz? Da schießt Sven Ulreich Abschläge willenlos ins Aus und mahnt gleichzeitig an, dass die Mannschaft immer noch nicht begriffen hätte, was die Stunde schlägt. Da läßt sich Daniel Schwaab von einem hüftsteifen Stefan Kutschke abkochen und zeigt eine Körpersprache, als ob er alles im Griff hatte. Da schafft es Adam Hlousek, über das gesamte Spiel mehr Fehlpässe zu spielen als Bälle zum Mitspieler zu bringen. Da nimmt Martin Harnik überhaupt nicht am Spiel teil, läuft aber über den Platz, als ob er die Torschützenliste in der Bundesliga anführt. Da ist einmal mehr zu sehen, dass Christian Gentner ein sympathischer Kerl ist, die Mannschaft aber weder menschlich noch sportlich führen kann.

Aber das traurige 0:0 gegen Paderborn muss positiv gesehen werden. Dem allerletzten im Verein muss nun klar sein, dass nach der Verpflichtung eines Sport-Managers ein „weiter so“ – wie in diversen Interviews der letzten Tage herauszuhören – nicht mehr funktionieren kann. Huub Stevens hat es begriffen: „Ich kann die Mannschaft auch nicht ändern. Ich kann nur behilflich sein, aber wir werden etwas tun müssen.“ Aufsichtsratschef Joachim Schmidt leider nicht, er spricht immer noch von einem einstelligen Tabellenplatz.

Spätestens dieses Trauerspiel muss nun allen die Augen geöffnet haben.

Huub Stevens wird durchgreifen
Der Holländer weiss nun, auf wen er setzen kann und auf wen nicht und wird dies intern unverblümt ansprechen. Er wird zwar keinen großen Umbruch auslösen, aber zumindest ein schwäbisches „Umbrüchle“ kann dabei herauskommen – auch wenn der Aufsichtsrat offensichtlich bremst. Stevens begreift, dass die Aufgabe nicht mit seiner ersten Rettungsaktion zu vergleichen ist. Er muss die Mannschaft struktureller führen, ihr neben einer funktionierenden Defensive eine Spielidee vermitteln. Es reicht nicht mehr „nur“ eine Wagenburgmentalität aufzubauen. Er wird auch Fan-Lieblinge nicht schützen, wie am offenen Disput mit Timo Werner an der Seitenlinie zu sehen ist.

Die Mannschaft muss nachdenken
Die Spieler haben ihre besten Auftritte nach dem Spiel vor den Mikrofonen, wo sie Reue zeigen und sich bessern wollen. Leider ist seit Wochen von der Einsicht nur zeitweise etwas auf dem Platz zu sehen. Durch Bruno Labbadia sind sie immer noch konditioniert, zu rennen. Doch sie laufen falsch und ein spielerisches Zusammenspiel ist nicht erkennbar. Die um sich greifende Selbstzufriedenheit nach kleinsten Erfolgen muss mannschaftsintern beseitigt werden, so viele Spieler kann der Huubster gar nicht auf die Tribüne setzen.

Die Gremien müssen sich ändern
In die Kamera lachen und Nichtssagendes von sich geben, wird nicht reichen. Fans und Medien wollen Substanzielles hören – und vor allem sehen! Dass die Mannschaft mitnichten besser ist als ihr Tabellenplatz, wenn man nicht den Etat bzw. die Gehälter als Bewertungskriterium nimmt, sondern die Leistungen, wird intelligenten und erfolgreichen Managern nach dieser Halbserie klar sein. Gegen Schalke und Wolfsburg kann man verlieren, aber gegen Köln, Augsburg, Hoffenheim und Paderborn nicht mal ein Tor zu schießen, sagt alles über die Qualität des Teams, liebe Vereinsverantwortlichen.

Die faktische Handlungsmacht des Aufsichtsrats sollte in Frage gestellt werden.

Man kann von Fredi Bobic halten, was man will und sicher will er auch seine Minderleistung erklären, aber wenn der Aufsichtsrat nicht davon abrückt, ins Operative einzugreifen, wird der Verein schwer zu steuern sein.
„Das Problem ist, dass der Aufsichtsrat die Politik des Vereins bestimmt. Obwohl er eigentlich nur die Rolle als Kontrollorgan hat. Die Herren werden es sicher verneinen, aber Tatsache ist, dass Politik gemacht wird. Und zwar im großen Stil. Um erfolgreich sein zu können, braucht es dagegen Ruhe und Geschlossenheit – die fehlt. Stattdessen wird von den Gremien viel zu viel gesprochen, und das auch nach außen“, so Bobic im kicker.

Was sagen die Sportfreunde Stiller zum VfB?
„Fragezeichen über deinem Kopf,
auf der Suche nach dir selbst“

Titelbild: Lario Tus / Shutterstock.com

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