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„Schiri, bitte gucken!“

Als Nicolas Gonzalez nach einem vermeintlichen Foul an ihm aufstand, murmelte er dies in Richtung Schiedsrichter Florian Badstübner. Das war Mitte der zweiten Halbzeit und ja, hätte der Schiri nur hingeschaut.

Hätte er in der 9. Minute so hingeschaut wie in der 86. Minute. In der rempelte Orel Mangala seinen Gegenspieler im Mittelfeld um, ein klares taktisches Foul und auch die gelbe Karte absolut berechtigt. Zu dieser Bewertung hätte Badstübner auch in der Anfangsphase kommen müssen. Ridle Baku checkte Gonzalez im Strafraum rustikal um. So rustikal, dass er sich nicht wundern sollte, wenn er demnächst eine Einladung vom Deutschen Eishockey Bund im Briefkasten findet. Es war das nahezu identische Foul wie von Mangala kurz vor Schluss. Nur: Die Pfeife des Schiris blieb in der 9. Minute stumm, auch der VAR Günter Perl sah keine Veranlassung einzugreifen. Entweder, weil er in Bakus Aktion ebenfalls kein Foul sah oder weil er es für keine „klare Fehlentscheidung“ hielt, den Elfmeter nicht zu geben.

Nicolas Gonzalez ist in diesem Spiel die tragische Figur. Erst wurde ihm der Elfmeter versagt, dann wandelte er kurz vor dem Halbzeitpfiff auf der Grenze zu einer gelb-roten Karte und dann versagte ihm in der 70. Minute auch noch sein feines Füßchen. Nach einem schönen Spielzug über rechts und einer nicht perfekten Vorlage von Roberto Massimo muss er den Ball nur noch ins Tor schieben, bekommt aber nicht genug Druck hinter den Ball. So verliert der VfB ein unspektakuläres Spiel in Wolfsburg nach einem sensationellen Kacktor von Josip Brekalo. Kein Lucky Punch wie noch gegen Union Berlin oder Hoffenheim. Die erste Auswärtsniederlage. Das erste Spiel ohne eigenen Treffer.

Eine Niederlage des Aufsteigers also gegen eine Mannschaft, die über Weihnachten auf einem Champions League-Platz steht. So weit, so erwartbar. Aber der VfB war auch in diesem Spiel auf Augenhöhe, ein Punkt oder gar ein Sieg waren durchaus im Bereich des Möglichen. Ein verregneter Sonntagabend im Dezember featuring Wolfsburger Tristesse: Das ist nicht das Setup, das die jungen Stuttgarter Spieler brauchen. Was sie ist auch nicht brauchen, ist der VfL Wolfsburg. Schon auf der Pressekonferenz vor der Partie konnte man den Worten von Oliver Glasner entnehmen, dass er sich genau mit dem VfB beschäftigt hatte. Das merkte man auch auf dem Platz: Obwohl den Wolfsburgern ihr zentrales Mittelfeld coronabedingt fehlte, waren sie in der ersten Halbzeit die bestimmende Mannschaft. Wie schon gegen Union Berlin wurde deutlich: Teams mit vielen Automatismen und körperlicher Spielweise liegen der Matarazzo-Truppe (noch) nicht. Umso erfreulicher, dass der VfB nach der Wolfsburger Führung nicht aufsteckte, sondern weiterhin um den Punkt kämpfte und sich fast auch noch belohnt hätte.

Trotz der Niederlage im letzten Ligaspiel hat das zweitjüngste Team der Liga a grandios Bundesliga 2020 gespielt (Roman Weidenfeller Voice). Denn mal ehrlich: Wer hätte vor einem halben Jahr erwartet, dass wir mit einer knappen Niederlage in Wolfsburg unzufrieden sind, weil mehr drin gewesen wäre als der siebte Platz in der Bundesliga? Vor ziemlich genau sechs Monaten verlor der VfB übrigens ebenfalls durch ein Kacktor. Der Gegner hieß damals KSC und auf Stuttgarter Seite standen sieben Spieler auf dem Platz, die auch gegen Wolfsburg spielten.

Zum Weiterlesen:
Der Spielbericht von Rund um den Brustring

Foto: Imago

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8 Kommentare

  1. Bernd sagt

    Der VfB hat seit MVs Abgang einfach keinen mehr beim DFB, der schützend die Hand über ihn legt. Wie es geht, zeigt Freiburg. Die haben nicht nur ihren Präsidenten an die DFB-Spitze manövriert, sondern auch laut der Wahren Tabelle in den letzten 10 Jahren mit 41 Punkten plus mit riesengroßem Abstand (Platz 2 hat +10) am meisten von Fehlentscheidungen der Schiedsrichter profitiert. Und ratet mal, welcher Verein am meisten benachteiligt wurde.

    Der ganze Laden ist einfach nur noch korrupt.

    • Thomas sagt

      Nur dass der ehemalige Präsident von Freiburg ziemlich alleine im lieben DFB da steht und wohl kaum wirklich Einfluss ausüben kann. Der DFB sieht seinen Präsident wohl als eine „Grüß August“ der den DFB in der Öffentlichkeit gut da stehen lassen soll, aber bitte sich nicht in wirkliche Entscheidungen einmischen soll. Dafür gibt es Leute im Hintergrund, welche denken Sie wären der Mittelpunkt der Fußballwelt. Erinnert irgendwie ein wenig an den VfB…..

  2. drhuey sagt

    Das Ärgernis des Spiels: Ganz klar die Schiedsrichter-Kappe zusammen mit seinem VAR-Kollegen, der es sich schon bei Glühwein und Plätzchen gemütlich gemacht hatte. Die beiden sollten dringend mal Nachhilfe in Mathe bei Matarazzo nehmen: Körper-Ball+Strafraum=Elfmeter. Und natürlich hätte den Lewandowski bekommen.
    Die Aktion des Spiels: Der verdeckte Pass von Klimowicz auf Massimo. Schön gewartet bis der Gegenspieler die Beine aufmacht, um dann mit perfektem Timing den Ball nach aussen zu spielen. Grossartig!
    Das Erfreulichste: Ich weiss, dass Durchschnittsbildung eigentlich für den Allerwertesten ist, aber wenn es mit der Punkteausbeute so weiterginge, dann wäre der Klassenerhalt gesichert.
    Wie sich die Mannschaft auch gegen Manipulationen der Schiedsrichtergilde und Rückschläge wehrt ist bemerkenswert. Diese vielen dreckigen Nickligkeiten nicht nur der Wolfsburger müssen mehr geahndet werden und Spieler wie Gonzalez endlich mehr geschützt werden.

    Frohe Festtage an den Vertikalpass! Ihr habt wieder toll unterhalten, kritisch beleuchtet, Impulse gegeben und den VfB ein Stück weit lebendiger gemacht. Weiter so!

  3. Peter Hahn sagt

    Das größte Übel ist ja, dass die DFL/DFB denken, dass sie was ganz supertoll machen mit ihrem behinderten amateurmäßigen VAR. Dabei machen die nur alles kaputt. Bis keiner mehr Bock hat ein Spiel zu gucken oder ins Stadion zu gehen. Kein Schwein weiß, ob und wann die eingreifen sollen /dürfen (Es gibt tatsächlich was, in dem die Engländer besser sind). Und am wenigsten Plan von der Materie haben die pfeifen selbst. Und versucht bitte nicht, es besser zu machen!!! Schafft die scheiße einfach wieder ab, pfeift eure Spiele wie in der guten alten VAR-freien Zeit und alle fussballfans sind glücklich.
    Leider wird aber wohl keiner dieser idioten, die des VAR Drama zu verantworten haben, solche Beiträge wie hier je lesen. Und sich einzugestehen, dass man etwas scheiße macht, können die auch nicht. Schlachtet den fussball nur weiter so aus!
    🖕 Dieser Gruß geht an euch in Frankfurt

    • Thomas sagt

      behinderten ???
      Erst denken und dann bitte etwas differenzierter kommentieren.

      Die Schiedsrichterleistung war aber wirklich schlecht. Nicht weil der VfB eher benachteiligt wurde, sondern weil der Schiedsrichter keine klare Linie hatte. Grobe Fouls nicht pfeifen und nur wenige Minuten später wird ein Allerwelts-Foul gepfiffen und mit Gelb bestraft.
      Videoschiedsrichter ist ja eigentlich eine gute Idee aber einmal schreitet er ein und ein anderes mal in der fast selben Szene wiederum nicht. Es fehlt an einer klaren Linie und Richtlinien. So sind die Entscheidungen oft einfach purer Zufall. Je nachdem wer gerade Schiri auf dem Platz und im Keller in Köln ist. Der VfB hätte gegen „Fallersleben“ genannt Wolfsburg bestimmt bei 6 bis 7 von 10 Schiedsrichtern einen Elfmeter bekommen. Leider war einer der 3 oder 4 anderen auf dem Platz….

  4. Clemens sagt

    Es scheint, als sei das kurze 11 m-Glück des VfB nach den Spielen gegen Bremen und Dortmund schon wieder aufgebraucht. Aber war dies nicht bei uns bereits in der 2. Liga ein Dauerthema beim VfB Stuttgart? Liegt es in der Natur der Sache, dass wir mit leicht „gefärbter“ VfB-Brille von Spieltag zu Spieltag Entscheidungen der Schiedsrichter kritisieren und dabei gar nicht mitbekommen, dass es anderen Mannschaften kein Stück anders geht (Ausnahme ist vermutlich der FC Bayern)? Vielleicht sollten sich mal abgesehen von uns Fans zumindest die Spieler und Offiziellen wieder mehr auf ihren Job fokussieren und das Lamentieren in der Öffentlichkeit unterlassen. Durch Quatschen ist noch keiner zum Klassenerhalt, in die CL oder zur Meisterschaft gekommen (Ausnahme der FC Bayern). Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und einem Nico Gonzalez dringend ans Herz legen, sich wieder mehr auf sein Spiel und weniger auf die diversen Fehlentscheidungen der Schiedsrichter zu konzentrieren. Seit seinem kurzen Gala-Auftritt gegen Hoffenheim und der anschließenden Verletzungspause ist von Nico nicht mehr viel zu sehen gewesen. Er hadert meiner Meinung nach zu sehr mit seinem Pech (z.B. beim Lattentreffer gegen Union) oder mit Schiedsrichter Fehlentscheidungen (z.B. bei potentiellen Elfmeterfouls), dass er seine gerade erst entwickelte neue Stärke, nämlich den Killer-Instinkt vor dem Tor, wieder verloren hat. Schwer zu sagen, ob auch Sosa und Silas zuletzt ein wenig den Fokus auf die wichtigen Dinge in ihrem Spiel verloren haben. Auffällig ist, dass alle drei seit dem Dortmund Spiel in ihren Leistungen ein wenig zurückgefallen sind. Insofern kommt die kurze Pause über die Feiertage vielleicht genau richtig und man sollte einmal durchschnaufen und das bisher Erreichte genießen. 18 Punkte nach 13 Spieltagen bedeuten hochgerechnet auf 34 Spieltage fantastische 47 Punkte, womit der VfB im gesicherten Mittelfeld landen würde. Würde ich Stand heute sofort unterschreiben.

    Ansonsten auch von meiner Seite an Sebastian und Andreas ein großes Dankeschön, dass ihr uns so kontinuierlich an euren Standpunkten und Ansichten teilhaben lasst. Mal lässig-ironisch, mal aufgebracht und stinkig, aber immer unterhaltsam. Der vertikalpass und der STR-Podcast sind rund um das Geschehen beim VfB meine treuen wöchentlichen Begleiter. Und wer den STR-Podcast mit Riky und Sebastian noch nicht kennt (kann eigentlich gar nicht sein), dem sei dieser an dieser Stelle wärmstens empfohlen. Gelegentlich ist auch der PODCAnnSTatt als Podcast aufgrund seiner interessanten Gäste aus der StN-Redaktion hörenswert, sofern man Philip Maisel’s Anglizismen-Bullshit-Bingo ertragen kann. In diesem Sinne schöne Feiertage!

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