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Kennt Ihr ihn auch, den VfB-Blues?

Die Euphorie zum Saisonstart (oder war es eher das Schönreden?) hat kaum 90 Minuten überlebt. Man wünscht sich, der VfB wäre mehr Punk, mehr Metal oder mehr Hip-Hop. Aber in Cannstatt regiert schon seit Jahren der Blues. Und das in zahlreichen Ausprägungen. Während es auf Stuggi.TV die Sex-Wochen gibt (zum Video hier entlang), rufen wir die Blues-Wochen aus.

Denn der VfB-Blues ist eine in Süddeutschland weit verbreitete Gefühlslage, die sich vor allem nach der Meisterschaft 2007 entwickelt hat. Der Blues bildet die Wurzel eines Großteils der populären schwäbischen Verhaltensformen. Bruddeln, Bashen, Haten sind nah mit dem Blues verwandt. Selbst in der Kehrwoche ist ein Nachhall des VfB-Blues zu spüren. Man muss nur Samstags auf die Straßen schauen: Da wird frustriert gefegt, in der einen Hand ein Wulle, in der anderen der Besen, begleitet von einem Kopfschütteln, ein lustloses „1893, hey” murmelnd.

Es gibt verschiedene VfB-Blues-Formen:

Der Management-Blues.
Er drückt sich in Unzufriedenheit mit der Führung aus. Die wochenlange Suche nach einem neuen Sport-Vorstand, womit viel Zeit verloren wurde. Die Nominierung eines Präsidentschafts-Kandidaten und nicht von zweien. Dazu ist dieser Kandidat zwar weniger konfliktscheu wie Vorgänger Bernd Wahler, aber er ist offensichtlich keiner, der andere mitnimmt, der versöhnt, der begeistert. Er kann geeignet sein, ist aber bereits vor dem Start aufgrund seiner Vita nicht mehr unbelastet.

Der Transfer-Blues.
Das ist der Frust über die Transferpolitik. Erst sind die Besten weg, dann gibts außer Simon Terodde nur noch Neuzugänge, die der Trainer von früher kennt. Fehlt nur noch, dass Luhukays Ex-Schützlinge Alexander Baumjohann (Hertha) und Jan-Ingwer Callsen-Bracker (Augsburg) kommen. Der Gipfel der Einfallslosigkeit. Oder gar Kevin Kuranyi und Julian Schieber? Blues galore! Sportvorstand Jan Schindelmeiser hat aber wenig Zeit und viele Baustellen im Kader. Innenverteidigung (seit wieviel Jahren weiß jeder, dass die Qualität nicht reicht?), Sechser, Außenstürmer, Knipser.

Der Sport-Blues.
Im Mittelpunkt steht hier das unbefriedigte Verlangen nach (ein bisschen) Erfolg. Seit Jahren würden wir gerne ein paar Takte mit den Spielern sprechen. Denn oft werden sie beim VfB schlechter oder entwickeln sich bei anderen Vereinen besser. Seit 2010 fehlt es der Mannschaft an Rhythmus-Gefühl und es geht nur in eine Richtung: nach unten.

Der Soicher-Blues.
Der VfB hatte mal die erfolgreichste Jugendarbeit Deutschlands. Aber entweder sind die Nachwuchs-Roten zu groß für den VfB (Gomez, Khedira), wollen woanders den Durchbruch schaffen (Rudy, Werner) oder sie wurden verkannt (Leno, Kimmich, Leibold). Mit Berkay Özcan hat der VfB wieder ein vielversprechendes Talent. Als ich ihn beim Sindelfinger U19-Turnier sah, bekam ich ganz kurz einen Khedira-Flashback. Hoffen wir, dass er nicht ähnlich verheizt wird wie Timo Baumgartl.

Alles zusammen führt dann zum typisch schwäbischen
Linsen-und-Spätzle-Blues.
Die negativen Ergebnisse kommen einem immer wieder hoch, es gibt einige, denen der VfB schon furzegal ist. Obwohl manche Entscheidungen des VfB zu Blähungen führen, steht doch die Mehrheit der Fans absolut zu ihrem Verein. Ausverkaufte Heimpremiere, fleißige Reisen zu Auswärtsspielen, es scheint so, als ob die VfB-Fans gerne leiden.

Luhukay & Schindelmeiser sind die Blues Brothers des VfB. Ihr Outfit: rot und weiss. Ihre Mission: Das Comeback des VfB in der ersten Bundesliga.

Blues-Brothers-VfB

Sie verwalten den Stuttgarter Blues und sorgen – auch aufgrund der Umstände und der Vergangenheit – für neuen Blues. Zum Beispiel mit dem völlig unnötigen Beef mit Alexandru Maxim und dem Gerede “Wir machen noch was auf dem Transfermarkt”, dem keine Taten folgen.

Ok. Wir stehen am Anfang der Saison, das Transferfenster ist noch offen. Noch genau eine Woche. Höchste Zeit also, dass Jan Schindelmeiser die Taktzahl erhöht und mit Neuzugängen für Harmonie zu sorgt. Denn ein Platz im gesicherten Mittelfeld ist in dieser Saison einfach zu wenig.

Trotz VfB-Blues bleiben wir dennoch positiv: Denn den Optimisten gehört die Welt.

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