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Auf der Jagd nach einem Innenverteidiger

Alexander Zorniger spricht gerne von „Wir wollen wild sein“ und sein Team solle „den Gegner jagen“. Er hat nicht nur auf dem Spielfeld zur Jagd geblasen, sondern auch seinen Vorstand Robin Dutt auf die Pirsch geschickt. Ihm sollte möglichst ein hochkarätiger Innenverteidiger vor die Flinte laufen. Das war schon so, als Antonio Rüdiger noch in Schonzeit war, erst recht aber, nachdem ihn der AS Rom aufs Korn genommen hat. Zorniger macht den VfB auf und neben dem Feld zum Hunting Club, zum Verein für Jagdspiele. Aber bei V J D S I V („VfB jagt den Super Innenverteidiger“) gingen Moreno, Astori, Douglas und andere in Deckung, keiner wollte kommen, was wohl weniger an Dutt lag, als vielmehr an der gesunkenen Attraktivität des Vereins. Zwei Jahre fetter Abstiegskampf, jetzt auch schon wieder am Tabellenende – wer will sich das schon geben?

Jetzt also Toni Sunjic, er ist ein Dutt-Transfer der Marke Caldirola, Garcia, Galvez – wenn wir ehrlich sind, kannte doch keiner von uns den Bosnier, oder? Der 26-jährige geht tendenziell in Richtung Wundertüte: Dass er mit großer Sicherheit sofort funktioniert und der Abwehr die notwendige Stabilität verleiht, ist zumindest einmal offen. Das garantiert nur eine Granate, für die der VfB nicht das Budget hat oder es zumindest nicht locker machen möchte oder die eben gar nicht in den Kessel kommen will. Hinsichtlich Größe, Kopfballstärke und Erfahrung entspricht er dem Anforderungsprofil von Dutt und Zorniger – Linksfuß ist er keiner, aber gut, man kann nicht alles haben.

Kaum war der Transfer verkündet, entspann sich eine lebhafte Diskussion in meiner Twitter-Timeline, ob Sunjic gar nur eine 1C-Lösung wäre. Was natürlich eine Scheindiskussion ist. Keiner weiss, wer wirklich bei Dutt auf dem Zettel steht und Dutt hat clevererweise noch am Wochenende gesagt, dass er nur eine 1A-Lösung machen würde, Verlegenheitstransfers, um die Öffentlichkeit kurzfristig zu beruhigen, seien seine Sache nicht. Zur Ablöse kursieren verschiedene Summen bis dahin, dass Sunjic aufgrund von Liquiditätsproblemen seines bisherigen Vereins Krasnodar ablösefrei sei, was natürlich die Phantasie beflügelt.

Ab dem Moment, in dem Rüdiger das Revier wechselte, betätigte ich mich als Treiber und schlug mich auf allerlei einschlägigen Webseiten in die Büsche, suchte auf Twitter, stöberte in Statistiken, blätterte in alten kicker-Ausgaben und warf den Google-Translator an für Texte auf russisch, italienisch, französisch und serbo-kroatisch.

Bei folgenden Spielern habe ich Witterung aufgenommen, nicht alles Zwanzig-Ender, aber für ein zünftiges Halali allemal geeignet:

John-Anthony Brooks
Obwohl die Stuttgarter Nachrichten bereits davon berichteten, hat hier der 20-jährige Niklas Stark von Nürnberg die Fährte gelegt, als er nach Berlin wechselte. Wirklich bitter, dieses Talent hätte sich der VfB nicht entgehen lassen sollen. Aber vielleicht profitiert der VfB um die Ecke, wenn Brooks dadurch das Weite sucht. Gerade Brooks ähnelt Antonio Rüdiger: kraftvoll, zweikampfstark, emotional. Aber kein Linksfuß. Dass ich wegen des US-Boys im Hochsitz kauere, hat Hertha spitz gekriegt und will mit Brooks verlängern.

Robin Knoche
Riesen-Verteidiger-Talent aus Wolfsburg, im Moment verdrängt von Timm Klose und wenn Dante käme, wäre sogar sein Kaderplatz in Gefahr. Mit Spielzeiten und einer tragenden Rolle könnte man ihn sicher zu einem Wildwechsel animieren. Wäre zusammen mit Timo Baumgartl dann die Teen-Abwehr, bei der man Fehler akzeptieren müsste. Eher eine langfristige Lösung. Zeit, die der VfB eher nicht hat.

Timm Klose
An ihm war der VfB scheinbar schon in der Brunftzeit im Winter dran, ohne Erfolg. Trotz eines möglichen Dante-Transfers wird Wolfsburg den Schweizer aber wohl nicht freigeben.

Wie wäre es mit einem Chilenen?
Die sind im Moment ja recht modern. Es macht Spaß sie mit dem Feldstecher zu beobachten, aber sie sind zu alt, zu klein wie Osvaldo Gonzalez und Mauricio Isla oder zu teuer wie Jagdhund Gary Medel.

Ermin Bicakcic
Von Bruno Labbadia verbrannt, in Braunschweig Stammspieler, in Hoffenheim auch – bis vor kurzem. Eisen-Ermin würde dem VfB gut tun, denn er kann wie Serey Dié den Gegnern weh tun. Wäre ein Transfer wie Sunjic, nur das man bei Bicakcic genau weiss, wie der Hase läuft.

Nicolas N’Koulou
Der Kameruner hat am gleichen Tag Geburtstag wie ich, noch ein Jahr Laufzeit bei Olympique Marseille, solider und erfahrener Verteidiger, ist aber gesucht und bei einigen Vereinen im Gespräch. Das wäre ein Kracher, er könnte der Platzhirsch in der VfB-Abwehr werden.

Kaan Ayhan
Im Moment bei Schalke auf der Bank, trotz Nastasics Verletzung, wenn Höwedes zurück kommt, noch mehr hinten dran. Riesen-Talent, technisch sehr stark, feine Spieleröffnung, wirkt manchmal überheblich. Eher keine Kante, könnte zusammen mit Top-Talent Marvin Friedrich Verhandlungsmasse bei einem Kostic-Transfer sein. Aber nein, dann lieber kein weiterer Innenverteidiger.

Robert Huth
„The German Wall“ wäre groß, kopfballstark und erfahren. Und sympathisch, ich liebe ihn (siehe hier). Aber ok, er war oft verletzt, die Spieleröffnung ist nicht so sein Ding und ich weiss gar nicht, ob er überhaupt einen starken Fuß hat. Aber wenn „Huuuuuuuuth“ durchs Stadion schallen würde, das hätte was.

Philipp Wollscheid
Die nächste Spur führt auch nach England. 1,94, beidfüßig, der Ex-Nationalspieler hat sich in Robbie Williams‘ Geburtsort und dem dortigen Club Stoke City stabilisiert, nachdem seine Karriere in Leverkusen einen Knick bekam. Er ist dort sogar so etwas wie ein Publikumsliebling (siehe hier). Ein ganz unaufgeregter Typ, der einen schönen Paß spielt und auch ein sauberes Tackling im Repertoire hat.

Michael Hector
Der VfB braucht mehr Lässigkeit, mehr Groove, da ist der Mann aus Jamaika genau der Richtige. Rasta-Man, Reggae-Dude, Mister Bombastic, groß und eine gute Spieleröffnung. Wäre ein Volltreffer.

Und dann gibt es noch Bram Nuytink von RSC Anderlecht. Auch er ein Hochwild, mit über 1,90 Meter Größe. Der Holländer war der heisseste Scheiss, so 2012, wurde von Gladbach, Wolfsburg, Everton und Arsenal gejagt, aber durch Verletzungen ist er nun nicht mehr die große Nummer. Wäre also eine typische Dutt-Trophäe. Wenn sich der Vorstand denn überhaupt noch auf Treibjagd befindet …

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