VfB
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Ist das die Wand, gegen die Huub Stevens sprach?

Halbzeitpause beim Spiel VfB gegen Freiburg. 2:0 durch Martin Harnik und Daniel Ginczek, dessen Trefferquote fast schon unheimlich wird. Nicht alles war perfekt in der ersten Halbzeit, aber Freiburg insgesamt chancenlos und spürbar gefrustet nach den beiden Toren. Gute Stimmung in der Mannschaftskabine des VfB, nur strahlende Gesichter, es wird sich abgeklatscht, die Fäuste geballt, „Läuft“ brüllt einer, ein anderer will sogar auf seinem iPhone „We are the Champions“ spielen lassen, kassiert aber einen bösen Blick von Trainer Huub Stevens. Ganz offensichtlich geht es nur noch um die Höhe des Sieges. Wie bei den Fans, die jetzt fordern, etwas für Torverhältnis zu tun.

„Määnneeer-ch“, schnarrt Stevens und verschafft sich Ruhe in der Kabine. „Das war gut, aber das reicht noch nicht!“ Huub schaut in die Runde und prüft, ob einer denkt „Der Alte schon wieder“. Einige schauen ihm wach ins Gesicht, anderen trinken Ensinger, viele Gesichter sind dem Boden zugewandt, scheinbar konzentriert. „Wir-ch müssen sofort nachlegen! Sofort!“ Stevens haut mit der Faust auf die Physiobank, so dass Ersatzspieler Timo Werner einige Salben Mobilat um die Ohren fliegen. „Wir-ch brauchen schnell ein drittes Tor, dann haben wir Ruhe! Einfach spielen, jetzt keine Kunststücke, Männer!“ Huub macht eine dramaturgische Pause, schaut sich seine Mannschaft an. „Freiburg wird kommen, sie werden alles versuchen, aber wir werden dagegen halten. Habt Ihr mich verstanden, Männer?“ Manche nicken, schauen Huub an. „Habt ihr mich verstanden, Männer-ch?“, brüllt Huub. Jaaa, rufen Christian Gentner, Martin Harnik, Georg Niedermeier und Sven Ulreich, der den neben ihm sitzenden Alexandru Maxim mit der Faust knufft. Maxim lacht breit und zwinkert Filip Kostic zu.

So oder so ähnlich ging es wohl zu in der Halbzeitpause beim VfB. Genutzt hat es nichts. Gegen eine Wand habe er geredet, wird Stevens nach dem Spiel erregt zur Protokoll geben. Viele werden sagen, dass es doch „nur“ wieder individuelle Fehler waren. Letzte Woche Sven Ulreich, diese Woche Martin Harnik mit seiner vergebenen Torchance und Adam Hlousek mit seinen Schussligkeiten. Aber es ist viel mehr als das. Denn das Spiel gegen Freiburg hätte trotz Elfer und gelb-roter Karte niemals verloren werden dürfen. Stop, verloren wurde das Spiel nicht, aber es fühlt sich so an. Jedenfalls darf ein solches Spiel nicht mehr hergegeben werden. Und trotzdem schießt Nils Petersen in der 85. Minute den Ausgleich und steht dabei fast so frei wie bei seinem Elfmeter zum 2:1. In der schwierigen Situation ab dem Elfer verstecken sich die Führungsspieler erneut und von der Bank kommt auch nicht das richtige Signal. Kostic muss für Daniel Didavi weichen. Ausgerechnet Kostic, einer der mächtig Alarm macht, der viele Gegenspieler auf sich zieht und damit Raum für andere schafft.

Es ist ein kollektives Versagen von Team und Trainer: Denn jeder im Stadion und vor den Bildschirmen hat gesehen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Ausgleich fällt. Keiner steuert dagegen auf dem Platz, zeigt, dass sich der VfB die drei Punkte auf keinen Fall nehmen lässt. Serey Dié wäre so einer gewesen, obwohl Oriol Romeu ein sehr starkes Spiel gemacht hat. Nach der Überheblichkeit zum Anfang der zweiten Halbzeit kommt nun die Angst. Es ist das ganze Dilemma in den letzten beiden Jahren, dass Spiele aufgrund fehlender Führungsstärke und mangelnder Siegermentalität vergeigt werden.

Was bedeutet das Remis?
Ich habe keinen Bock mehr, das jede Woche zu schreiben: Obwohl der VfB erneut versagt hat, sind die Chancen auf den Klassenerhalt intakt. Sieben Punkte aus den verbleibenden vier Spielen gegen Schalke, Mainz, HSV und Paderborn könnten reichen. Klingt nicht unrealistisch, oder? Nur: Der Glaube daran sinkt von Spiel zu Spiel. Aber wer weiss, vielleicht wird der HSV wieder übermütig und Bruno Labbadia schafft es nicht, Pierre-Michel Lasogga einzunorden, der sich wieder im Dunstkreis der Nationalmannschaft sieht. Und vielleicht beschäftigt sich Hannover zu sehr mit sich selbst und Paderborn fehlt es dann letztlich doch an Qualität. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, als wären das Durchhalteparolen. Abstiegskampf is a hard knock life, würde Kessel.tv sagen.

Was sagt Olli Schulz zu den Abstiegssorgen des VfB?
Ja, das kann hässlich werden,
wir sollten nach oben verschwinden
weil wir immer tiefer rutschen
und nichts zum greifen finden!

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