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The Real Slim Shindy

„May I have your attention please: My name is, … my name is: Slim Shindy!“, so stellt sich Jan Schindelmeister wahrscheinlich bei Transferverhandlungen vor. Shindy ist nicht nur slim, bei ihm sind auch die Informationen im Vorfeld schmal, nichts sickert durch. Clever & smart zieht er die Verhandlungen durch und das Beste: Keiner hatte die Namen auf dem Zettel, fast jeder muss die Neuverpflichtungen googeln. Am allerletzten Tag kursieren ein paar Namen: Es sind nicht Alexander Baumjohann, Roberto Hilbert und Eugen Polanski, sondern Nemanja Mihajlovic und Brahim Konaté. Es sind Brekalo, Ofori und Onguéné. Ich habe noch nie von denen gehört, Ihr etwa? Nicht mal Heinz Kamke kannte sie!

Wir müssen vorsichtig sein mit einer Hymne auf Shindy. Auch seine Vorgänger haben wir zunächst wohlwollend beurteilt. Wir haben uns vom verschmitzten Hallschlag-Charme des Fredi Bobic einwickeln lassen und sind auf Robin Dutt hereingefallen, der die Ausstrahlung eines Immobilien-Maklers hatte und der auf jede Kritik teflon-artig reagierte. Jan Schindelmeister ist sharper als seine Vorgänger, er ist ein norddeutsches „G’scheitle“, er tut nicht nur so wie seine Vorgänger, er scheint es auch zu sein. Er weiß, dass Personalmanagement und Recruiting die wichtigsten Elemente im Profifußball sind. Er verfolgt den Spielermarkt das ganze Jahr, pflegt Connections die ganze Zeit, nicht nur während der Transferperioden. Ich frage mich allerdings: Müssen die Transfers immer auf den letzten Drücker sein? Wäre es nicht besser, die Spieler hätten die Vorbereitung mitgemacht?

Bam. Bam. Bam.
Shindy ist komplett angekommen beim VfB. Denn dass er Kehrwoche kann, davon können Jos Luhukay, Philip Heise, Toni Sunjic, Max Besuschkow und Stephen Sama berichten, die er mit eisernem Besen vom Hof gekehrt hat. Unter drei Neuverpflichtungen scheint es Shindy am Ende einer Transferperiode nicht zu machen. Wie bei Asano, Pavard und Mané im Sommer gehts auch am „Deadline Day“ Schlag auf Schlag: Ebenezer „Ebbo“ Ofori kommt aus Schweden, er hat mit 21 Jahren schon über 100 Pflichtspiele für den abgebenden Club AIK Solna absolviert. Ein 21-jähriger defensiver Mittelfeldspieler aus Ghana, der auch als linker Verteidiger eingesetzt werden kann. Und wenn er auch nur halb so gut ist wie in seinem Highlightvideo auf Youtube, dann ist er schneller als Zimmermann und Hosogai, dazu spielstärker als Gentner und erinnert mit seiner Dynamik an Leipzigs Naby Keita.

Für die Abwehr kommt J’érôm’e Onguéné, der mit diesem Namen Stammgast im H’ugo’s werden wird und der bei Flugreisen Übergepäck-Zuschlag wegen seiner Accents zahlt. Er gilt als eines der größten französischen Abwehrtalente. Er ist Innenverteidiger und Rechtsfuß und trägt die alte Frisur von Serge Gnabry auf. Weil ich nicht weiss, wie man ihn ausspricht und werde ihn „Der mit dem Dächle im Vornamen“ nennen. Nach einem kurzen Blick in seinen Instagram-Account dürften sich auch die Stuttgarter Herrenausstatter freuen – so sie denn eine Swag-Abteilung haben.

Den Transfer-Hattrick komplettiert Josip Brekalo, der im Sommer noch von Arsenal, Inter und Benfica, von Chelsea, Dortmund und den Bayern gejagt wurde. Er entschied sich für Wolfsburg, wo er nur vier Spiele machte und feststellte, dass Stadt und Verein das Flair eines gebrauchten VW Golf haben. Der SC Freiburg war auch an ihm dran, aber sein Berater Jurica Vranjes erinnerte sich eventuell an seinen größten Erfolg: für den VfB auf dem Platz gestanden zu haben beim legendären 2:1 gegen Manchester United.

Jung. Wild. Entwicklungsfähig. Das scheinen die drei Neuen zu sein. Deshalb müssen sie nicht unbedingt einschlagen – erinnern wir uns an Federico Barba. Zumindest jung war der auch. Die Verpflichtungen folgen der Vorgabe, wertvoll für die Mission Aufstieg zu sein und gleichzeitig die Qualität für die erste Liga zu haben. „Mehrwertspieler“ nennt sie Schindelmeiser. Er sieht sich als Vordenker, Nachdenker, Teamplayer, Motivator, Sparringspartner. Und als Triebfeder. Denn: Intern musste Schindelmeiser den Finanz-Kollegen Stefan Heim ebenso mitnehmen wie den Trainer Hannes Wolf, der lieber mit einem kleinen Kader arbeitet, um möglichst wenig Spieler zu frustrieren. Jetzt hat Wolf Gestaltungsspielraum. Wir sind gespannt, was er draus macht.

Hoffen wir, dass wir am Ende der Saison applaudieren können: „Will the real Slim Shindy, please stand up, please stand up“.

8 Kommentare

  1. Ich muss sagen, dass ich bisher auch sehr angetan bin (habe dazu auch ein paar Zeilen in meinem Blog verfasst). Sicherlich wird man den Erfolg erst in ein paar Monaten messen können, aber die Vorgehensweise bis hierhin ist wohltuend unaufgeregt und seriös. Attribute, die man in den letzten Jahren nicht immer mit dem VfB in Verbindung bringen konnte …
    Und da ist es auch schon fast sympathisch, dass der Präsident vor lauter Aufregung (oder aufgrund Nichteinhaltung eines Zeitplans) den dritten Transfer vorab auf Facebook bestätigt.

    • @abiszet sagt

      Hi Ron, habe in Deinen Blog geschaut, schönes Ding!

      Unaufgeregt, seriös und still ist noch kein Ausweis für Qualität. Wir müssen abwarten, was die drei (mit Green vier) Neuzugänge reißen. Der mit dem Dächle im Vornamen wird wohl erstmal brauchen, Ebbo kommt wg Africa-Cup erst nächste Woche. Aber zumindest glauben wir ja, dass ein Muster erkennbar ist bei der Verpflichtung der neuen Spieler. Und das ist auf jeden Fall ein Fortschritt.

  2. Bandit sagt

    Der Schindelmeiser ist für mich ein Fuchs. Er hat die Transfers vorbereitet und bis zum letzten Tag gewartet. Er spielt in einer anderen Liga als Bobic oder Dutt. Endlich hat der VfB einen Strategen, der aus der gegebenen Situation das Beste herausholt. Ich habe ein gutes Gefühl für diese Saison.

  3. Johannes sagt

    Eigentlich war der Schachzug brillant, zu sagen man würde mit dem aktuellen Kader in die Rückrunde gehen und am letzten Tag 3 neue zu verpflichten. Andere Klubs die ebenfalls um den Aufstieg mitspielen, hatten so nicht mehr die Möglichkeit zu reagieren. Am meisten begeistert hat mich aber das nichts der 3 Neuzugänge durch die Medien frühzeitig veröffentlicht wurde. Der Maulwürf ist nun endlich aus Stuttgart vertrieben worden. Als Team zum Aufstieg!!!

    • @abiszet sagt

      Na ja, mir wäre schon lieber gewesen, die neuen Jungs wären bei der Vorbereitung dabei gewesen (geht natürlich bei Ebbo nicht). Bin sehr gespannt, wann die Neuen helfen werden. Aber die Konkurrenz erhöht sich, Wettbewerb im Team wächst, für den anvisierten Aufstieg ist das absolut positiv!

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