Mini-Feature, Spielbericht, VfB
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Tu‘ mir weh, VfB

Knapp vier Stunden nach dem Abpfiff der Partie des VfB Stuttgarts gegen Werder Bremen erklangen nur wenige Kilometer vom Stadion entfernt die ersten Akkorde der von uns hoch geschätzten Band Wanda. Der vertikalpass-Betriebsausflug zum Konzert der Österreicher sollte eigentlich der Abschluss eines perfekten Wochenendes sein.

In Zeiten, in denen meine Wochenenden von Umzügen, Krippenspielproben der Kinder und Laufveranstaltungen geprägt werden, habe ich mich davon frei gemacht, mich von den Resultaten des VfBs runterziehen zu lassen. Aber, wenn sogar meine Arminia ihren ersten Heimsieg holt, hätte doch auch der VfB einen Dreier landen können. Hat er aber nicht. Mal wieder.

„Leidenschaft heißt leiden und es lässt sich nicht vermeiden dass die Wunde klafft.“

Sein wir ehrlich. Wir hätten uns so sehr gewünscht, dass die Partie 1:0 ausgeht. Den nicht gegebenen Elfer für Bremen, den Lattenschuss von Öztunali und das Chancenplus der Werderaner in der zweiten Hälfte hätten wir einfach weggelächelt. Ein biederer und fehlerarmer Auftritt hätte schon genügt, um uns zufrieden zu stellen. Hauptsache gewonnen, Hauptsache keine vier Gegentore.

Mittlerweile sind wir so demütig, dass es eigentlich egal ist, wie das Spiel aussieht. Hauptsache, das Resultat stimmt. Wir wollen kein Konzept, wir wollen Punkte. Wir sind dankbar, dass der VfB ausnahmsweise mal in Führung geht und anschließend so solide spielt, dass wir uns über den Kommentator und nicht über die Spieler aufregen dürfen.

Aber spätestens ab der 60. Minute stellt sich wieder dieses ungute Gefühl ein, dass die Sache nicht gut ausgeht.

„Und jedes Mal stellst du deinen Kragen auf
aber jedes Mal hauts ihn wieder zam.“

Wie schön wäre es, der Mannschaft dabei zuzugucken, wie sie einen knappen Vorsprung einfach mal ins Ziel rettet so wie es Darmstadt im zweiten Sonntagsspiel gelang. Stattdessen muss man beobachten, wie die Bremer besser werden, Didavi und Kostic in der zweiten Hälfte abbauen und dass der VfB viel zu wenig aus seinen Möglichkeiten macht. Ein einziges Mal wird Timo Werner gegen den ungefähr doppelt so alten und halb so schnellen Clemens Fritz ins Laufduell geschickt – was prompt in einer gelben Karte für den Bremer resultiert.

Ach, und überhaupt Timo Werner. Ja, er ist erst 19 Jahre alt. Aber er hat eben auch schon 76 Bundesligaspiele absolviert. Dafür agiert er nach wie vor erstaunlich hektisch und unbedarft. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn da vorne noch ein erfahrener und kaltschnäuziger Stürmer stehen würde. Tut er aber eben nicht. Der kicker schreibt heute von einem Tauschmodell Didavi/Kießling. Würde ich sofort unterschreiben. 

Das Schlimme: Langsam stellt sich ein Gefühl der Ratlosigkeit ein. Wie soll es besser werden? Wo sollen die Punkte herkommen, wenn sie nicht in einem Spiel wie dem gestrigen geholt werden? Der Gegner war schwach und hatte Pech; Tyton hingegen einen guten Tag und auch die Innenverteidigung spielte weitgehend ohne große Schnitzer. Faktoren, die in dieser Saison bisher selten zusammen kamen. Dennoch reichte es nicht für den bitter benötigten Heimsieg.

„Ich fall in ein tiefes Loch, in ein tiefes Loch hinein.
Baby, hilf mir raus!“

Zwei Chancen bleiben noch, um mit mehr als 11 Punkten in die Winterpause zu gehen. Kramny wird auch am Freitag gegen Mainz auf der Bank sitzen. Jedoch scheint niemand außer vielleicht Robin Dutt daran zu glauben, dass er die langfristige Lösung auf der Bank ist. Doch man fragt sich mittlerweile ernsthaft, welcher Trainer das Team wieder in die Erfolgsspur setzen kann. Bis auf weiteres bleibt es dabei: Wandas Musik ist der VfB-Soundtrack. Irgendwann gibt es hoffentlich wieder jede Menge Amore, aber bis es soweit ist, heißt es:

„Enchanté, es tut weh.“

 

Bild: Michael Gollhofer

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