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Lieber Herr Dutt, haben Sie Angst zu entscheiden?

Das Spiel gegen Bremen war so ziemlich das Schlimmste, was passieren konnte: Ein (klarer) Sieg hätte Jürgen Kramny Rückenwind gegeben, eine verheerende Leistung inklusive Niederlage hätte den Handlungsdruck erhöht, sofort eine neue Trainer-Lösung zu finden. So bekommen Sie die Gelegenheit, das zu tun, was ich auf keinen Fall tun würde: Abwarten. Auf was warten Sie, Herr Dutt? Auf den niederrheinischen Schubert-Effekt, der auf wundersame Weise auf den schwäbischen Kramny überspringt? Ich befürchte, das wird nicht funktionieren. Die Spiele gegen Dortmund und Bremen waren Rückfälle in den biedersten Labbadia-Fußball seiner Stuttgarter Spätzeit: ängstlich, uninspiriert und mit zwei Viererketten, zwischen denen riesige Lücken klafften, so dass sich der Aufbau von hinten immer wieder mit langen Bällen behelfen musste. Die Abwehr flattert immer noch, Daniel Didavi und Alexandru Maxim erkennt man nur daran, dass sie ihren Namen auf dem Rücken (spazieren) tragen und der Kapitän hat seine stärksten Szenen bei der Platzwahl. Ich denke, besser wird es mit Kramny nicht. Was sicher auch am Kader liegt, den Sie zusammen gestellt haben.

Ob es mit einem anderen Trainer besser funktioniert? Ja, das müssen Sie entscheiden, Sie sind der Vorstand und sollten wissen, ob Murat Yakin besser geeignet ist als sein Schweizer Kollege Pierluigi Tami. Ob der farblose Tayfun Korkut nach seinen 13 sieglosen Spielen in Hannover intern wie extern vermittelbar ist. Ob Jos Luhukay, der mit seiner knorrigen Art ein bisschen an Huub Stevens erinnert, mit seinem spaßbefreiten Stil eine Mannschaft zu führen, nach Stuttgart passt.

Oder unterschätze ich Sie und Sie basteln an der großen Lösung namens Lucien Favre? Das wäre wirklich ein Coup. Wenn das klappt, laufe ich den Halbmarathon in Stuttgart mit Serey-Dié-Frisur.

Ich kann nur hoffen, Sie tappen nicht in die „Tuchel-Falle“. In die ist Ende letzter Saison der HSV ziemlich deep geplumpst. Vor lauter Warten auf den Wunschtrainer wurde der überforderte Joe Zinnbauer durchgeschleppt und schließlich der hilflose Peter Knäbel installiert. Mit einem Kraftakt gerettet hat den HSV dann eben jener Bruno Labbadia.

Zeit ist ein entscheidender Faktor. Vom Zuschauen und Zaudern ist das Grauen noch nie besser geworden, handeln ist gefragt. Direkt zum Anfang der Rückrunde muss gepunktet werden. Köln, HSV, Frankfurt, Berlin, Gladbach und Hannover heißen die Gegner. Je schneller der neue Trainer da ist, desto besser. Vor der Winterpause könnte er sich einen Eindruck verschaffen, könnte die Kaderplanung mit gestalten, könnte die Wintervorbereitung entwickeln und die Mannschaft taktisch renovieren und ihr die Flausen austreiben.

Bitte retten Sie sich nicht in die Winterpause, Herr Dutt. Bitte nutzen Sie die besinnliche Zeit nicht zum Nachdenken über den neuen Trainer, sondern um einen gestandenen Innenverteidiger zu holen oder am besten zwei und einen stabilen, körperlich starken Stürmer. Wer weiß, wann Daniel Ginczek wieder voll im Saft steht. Und kommen Sie mir bitte nicht mit Usami. Bitte lösen Sie die Baustellen im Kader!

Ich weiss, es ist nicht einfach, eine schwere Entscheidung unter Zeitdruck zu treffen. Aber es hat auch keiner gesagt, dass der Job als Sport-Vorstand beim VfB ein Zuckerschlecken ist. Das musste Ihnen aufgrund der Vergangenheit klar gewesen sein (schöner Text hier). Ich bin mir sicher, Sie sind klug genug zu wissen, dass Zeitspiel keine Lösung ist. Denn wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen.

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4 Kommentare

  1. Pingback: VfB-Lektüre am Dienstag, 8. Dezember 2015 | Rund um den Brustring

  2. Ballmeister sagt

    Die einzigen Konstanten beim VfB seit Jahren sind: Wahler, Diskussion um Ausgliederung, Erfolglosigkeit.

  3. Pingback: #Link11: Gruppenkuscheln | Fokus Fussball

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