Alle Artikel mit dem Schlagwort: Jürgen Kramny

Schluss mit toter Hose. Oder: das neue Pep-Prinzip beim VfB

Erinnert Ihr Euch noch? Damals, als der VfB Stuttgart noch in der ersten Liga kickte und sein Trainer Bruno Labbadia hieß? Sicherlich kein schlechter Coach (übrigens bei Wolfsburg im Gespräch). Seine Spielweise war selten begeisternd, aber aus heutiger Sicht durchaus erfolgreich. Was der gute Bruno allerdings überhaupt nicht konnte, war das, was wir Laptop-Fans heute “Ingame-Coaching” nennen. Ab der 60. Minute begann er meist mit Assistent Eddy Sözer zu diskutieren, wie man denn tauschen könnte. Ab der 70. Minuten wurden die Fans unruhig und in der 78. Minute kam dann der Wechsel: Stürmer für Stürmer. Mit Alexander Zorniger kam dann endlich ein Trainer, der für taktische Überraschungen gut war. Erinnert Ihr auch an Lord Hlousek in der Innenver … ach, lassen wir das lieber. Jedenfalls hatte Zorniger einen Plan. Ein Plan, der leider nie aufging. Dennoch sind viele der Meinung, dass Zorniger genau der Coach war, den der VfB Stuttgart benötigt(e). Und jetzt frage ich mich: Ist Hannes Wolf so etwas wie Angry Zorniger – nur in erfolgreich? Ein Trainer mit Ideen? Und im Gegensatz zu Zorniger …

Eine schrecklich nette Familie

1:3 gegen antiseptische Bayern, ein gutes Ergebnis, da sind sich alle einig. Nicht abgeschossen worden zu sein, ist die beste Nachricht in einer Woche, in der der VfB einen Negativrekord nach dem anderen aufstellt. Eigentore, Abseitsstellungen, Passquoten, Niederlagen gegen Bayern, naive Vertragsgestaltungen, Selbstzufriedenheit, lachhafte Gedankenspiele über mögliche Neuzugänge für die nächste Saison. „Wir haben gut gespielt, mit unserer Leistung können wir zufrieden sein“, ja Herr Schwaab, da haben Sie sich mal wieder selbst entlarvt. Bequem ist der VfB. Nicht nur, dass Tore im Sitzen geschossen werden, schon mit einem 2:2 gegen Darmstadt und einem 1:3 gegen München ist der Verein zufrieden. Schließlich brauche man nur noch fünf Punkte in den letzten fünf Spielen, wie Trainer Jürgen Kramny ausrechnete als wolle er damit sagen: „Ruhig Leute, ersma‘ chillen, alles cool.“ Bayern Münchens Spiel wirkt sedierend auf alle. Im Mittelfeld passt der biedere Architekt Xabi Alonso seine Bälle weit und hoch und akkurat mit Geodreieck und Zirkel an seine Nebenleute. Pass folgt auf Pass folgt auf Pass, quer, vor, zurück, zwischen und hinter die beiden Abwehrketten des …

Der Didavi Code

Im Life-Style-Magazin „Tempo“ – so eine Art 80er Jahre Print-Version von kessel.tv – gab es die Rubrik „100 Zeilen Hass“ von Maxim Biller, in der das heutige Literaturquartett-Mitglied gegen alles und jeden ablederte. Biller war immer mies drauf, genau so wie ich nach dem schauderhaften 2:2 in Darmstadt, deshalb kommen jetzt 3.500 Zeichen schlechte Laune. Wo soll ich anfangen? Mit dem positiven. Der VfB hat mit dem Remis am Böllenfalltor seinen Vorsprung auf die Abstiegsränge ausgebaut. So, das wars. Text aus. Danke, tschüss. Da es mir aber nach einer langen Geburtstagsfeier draußen zu hell ist, schreibe ich mal weiter. Über wen? Über Daniel Didavi. Er ist ein Rätsel für mich. Er kann so viel. Nicht nur, dass er mit seinem linken Fuß Konservendosen öffnen kann, er kann mit seinen Pässen Räume schaffen, mit seiner Schusstechnik begeistern und er kann auch mal einen Gegenspieler umholzen, Dida ist sich auch für Grätschen nicht zu schade. Und was macht er in Darmstadt? Nichts. Er schont sich. Womöglich für die neue Saison, für einen neuen Arbeitgeber, der gerüchteweise Wolfsburg …

Indiana Jürgen: Der Jäger der verlorenen Rückrunden-Mannschaft

11Freunde, FAZ, Süddeutsche Zeitung, Spiegel Online – alle sind auf der Suche nach einer Erklärung: Wie wurde aus einem bemitleidenswerten Abstiegskandidaten ein Team, das Fans, Medien und Gegner mitreißt? vertikalpass hat exklusiv die Antwort: Jürgen Kramny ist ein kleiner Fußball-Abenteurer und als Spieler und Trainer schon ein bisschen rumgekommen. Erste, zweite, dritte Liga, Stuttgart, Nürnberg, Mainz, Darmstadt, wieder Mainz und wieder Stuttgart, er war nur in den großen Metropolen tätig. Seine Freunde nennen ihn deshalb spöttisch Indiana Jürgen, enge Freunde dürfen ihn sogar „Indy“ rufen. Zuletzt musste er ein haarsträubendes Abenteuer mit der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart bestehen. Den alternativlosen Zorni-Fußball sollte er da installieren. Das lief mehr schlecht als recht, Kramny befand sich knietief im Sumpf aus Gegenpressing und zentrumsorientiertem Offensivspiel. Im November erhält er plötzlich Besuch von zwei geheimnisvollen Vertretern der Stuttgarter Vereinsspitze, die mit einem unglaublichen Auftrag an ihn herantreten: Indiana Jürgen soll für die Herren, die sich Major Dutt und Doc Wahler nennen, so schnell wie möglich die sagenhafte und verschollene VfB-Rückrunden-Mannschaft finden. Denn die Legende besagt: diese Mannschaft sei nahezu …

„Ich habs schon immer gewusst!“

Da sind sie wieder, die Besserwisser. Die Jungs, die sich in der Rolle des Schlumpf Schlaumeier gefallen. Die es vor allem schon immer gewusst haben, dass Jürgen Kramny taktisch nichts drauf hat. Und die Thomas Tuchel glorifizieren, weil er die linke Angriffsseite überlagert und der VfB dagegen zunächst kein Mittel gefunden hat. Ja, aber Standards kann der tolle Tuchel dann nicht verteidigen. Klar, Tuchel wollte angeblich zum VfB und das haben wir jetzt davon. Ausgeschieden im Pokal-Viertelfinale gegen den in der Bundesliga-Geschichte besten Zweiten. Logisch, Marco Reus und Pierre-Emerick Aubameyang sind auch Blinde, die nur zufällig mal ne Kischte machen. Torbameyang did it again ⚽️ #VfBBVB #Aubameyang — Domi Steel (@Steelfrage) 9. Februar 2016 In der zweiten Halbzeit ist das Taktikgenie Tuchel dann ein bisschen aufgeregt, fuchtelt wie sein Vorbild Pep Guardiola an der Seitenlinie herum. Offen gestaltet der VfB die zweite Halbzeit, hat höhere Ballbesitzzeiten (überraschende 60 Prozent) und erarbeitet sich Chancen. Ja, das ist richtig Arbeit, das ist nicht schön anzuschauen, aber selbst Herr Hummels ist am Rande, seine äußerliche Souveränität zu verlieren. …

Wo geht die Party ab? Hier geht die Party ab!

Auf der Tribüne bewegen die Fans Arsch und Hüfte, heben begeistert die Hände in die Lüfte. Jo, die VfB-Fans machen sich locker, denn dieses Spiel haut sie voll vom Hocker. Das war Zorni-Fußball, der mitreißt. Kombiniert mit der sachlichen Art von Jürgen Kramny, der Fußball auch denkt und nicht nur fühlt. Dass der VfB-Trainer auch mal unsachlich werden kann, haben wir beim 2:1 gesehen, als er Daniel Didavi umgrätscht. Wo er doch weiß, wie verletzungsanfällig der beste Scorer der Stuttgarter ist. Das Jubeln muss noch geübt werden. Es gab Zeiten, in denen ich die letzten Minuten des VfB nicht mehr angeschaut habe, weil ich Angst hatte, dass sich die Stuttgarter noch ein Ding fangen. Das war in der Thomas Schneider-Ära. Aktuell ist der Mannschaft zuzutrauen, dass sie am Ende noch einen Lucky Punch setzt. Und richtig lucky sind die Einwechslungen, mit Artem Kravets und Alex Maxim bringt Kramny den Siegtreffer aufs Feld. Und was sagt er dazu? „Die Wechsel haben gepasst“, ich mag seinen nüchternen Charakter. Denn seine zurückhaltende Art, Dinge nicht überbewerten zu wollen, …

Der VfB als Gute-Laune-Meister

Neulich habe ich mir vorgestellt, wie es wäre, mit Robin Dutt ein Bier zu trinken. Es ist so gelaufen: Ich trink‘ nen Helles, er rührt in einem Tee, wahrscheinlich weil er so wirken will wie Felix Magath. Dutt hat gefährlich gute Laune, er will sich niemanden schlecht reden lassen, schon gar nicht Toni Sunjic und Lord Hlousek, die so gut im Testspiel gegen Hannover verteidigt haben. Kevin Großkreutz stellt sich zu uns, er ist froh, dass er wieder in Deutschland ist und Fußball spielen kann. Im Arm hat er Serey Dié, der strahlt, weil mit Großkreutz endlich einer da ist, der wie er tickt. Bald wird Kevin auch so einen Iro tragen. Artem Kravets prostet uns zu, er ist schon zufrieden, dass er deutsch lernen darf. Jürgen Kramny ist glücklich, dass er endlich Cheftrainer ist und gibt allerlei optimistische Interviews. Daniel Schwaab und Georg Niedermeier sind froh, dass sie wieder spielen dürfen. Bernd Wahler lacht breit, gehts doch endlich los mit der Vereinsentwicklung und den Workshops und den Regionalversammlungen. Da ist er in einem Element. …

Everybody’s Darling

Alle haben sich in Jürgen Kramny verliebt: Zunächst einmal sky-Kommentator Wolff-Christoph Fuss, der ihn während des Wolfsburg-Spiels sicher 50 Mal zum neuen VfB-Cheftrainer macht und sich vor Begeisterung regelrecht überschlug. Die Stuttgarter Medien haben sich auch in Kramny verguckt; stärken sie ihm den Rücken, weil er so ein angenehmer und zurückhaltender Gesprächspartner und damit also das genaue Gegenteil von Alexander Zorniger ist? Robin Dutt ist natürlich auch schwer verliebt, nimmt ihm Kramny doch die Entscheidung ab, wer neuer Trainer werden soll. Das Zaudern und die Angst vor einer Entscheidung haben sich also für Sportvorstand gelohnt. Der Ablauf der Trainersuche wirft kein besonders gutes Licht auf Dutt, auch wenn er verbal stets überzeugend auftritt, eine gewisse Hilflosigkeit ist ihm nicht abzusprechen. Schließlich muss ich zugeben, auch ein wenig verschossen in den neuen VfB-Trainer zu sein. Mir hats sein Grinsen angetan nach dem 3:1, es war so voller Stolz. So schauen Väter, wenn ihre Kinder zum ersten Mal aufs Klo gegangen sind statt in die Windel zu machen. Und seine Augen: Sie sind groß und strahlen wie bei …

Nightmare on Mercedes Street

Eine Runde weiter. Mehr müsste über das Pokal-Spiel gegen Braunschweig nicht geschrieben werden. Aber das Spiel ist entlarvend. Mehr als Rumpelfussball ist mit dem derzeitigen Kader nicht drin. Es braucht Glück und eine krasse Fehlentscheidung des Schiris, um gegen einen biederen Zweitligisten in der Verlängerung zu gewinnen. Immerhin werden die knapp 22.000 Fans, die sich ins Stadion gewagt haben, mit 5 Toren in 120 Minuten, einem verschossenem Elfmeter sowie Spannung und Slapstickeinlagen in beiden Strafräumen belohnt. Und am Ende ist die Pokalsensation perfekt: Der VfB steht im Viertelfinale. Sie können es nicht besser Das Pokalspiel ist eine einzige Horrorshow. Die Außenverteidiger zu langsam, die Innenverteidiger überfordert, im Mittelfeld ein Loch, sinnlose Flanken in die Mitte, ein alleingelassener Stürmer. Damit ist das Spiel schnell erzählt, die Leistung des VfB ist eine Mischung aus fehlender individueller Qualität und taktischen Fehleinschätzungen. „Warum haben wir so ne schlechte Mannschaft, Papa?“ „Was ist wenn wir alle entlassen?“ #Kindermund #VfB — OZils (@ozils) December 16, 2015 Der #VfB schießt ohne Stürmer 3 Tore und bekommt nur 2 Tore ohne Abwehr. Respekt. — …

Lieber Herr Dutt, haben Sie Angst zu entscheiden?

Das Spiel gegen Bremen war so ziemlich das Schlimmste, was passieren konnte: Ein (klarer) Sieg hätte Jürgen Kramny Rückenwind gegeben, eine verheerende Leistung inklusive Niederlage hätte den Handlungsdruck erhöht, sofort eine neue Trainer-Lösung zu finden. So bekommen Sie die Gelegenheit, das zu tun, was ich auf keinen Fall tun würde: Abwarten. Auf was warten Sie, Herr Dutt? Auf den niederrheinischen Schubert-Effekt, der auf wundersame Weise auf den schwäbischen Kramny überspringt? Ich befürchte, das wird nicht funktionieren. Die Spiele gegen Dortmund und Bremen waren Rückfälle in den biedersten Labbadia-Fußball seiner Stuttgarter Spätzeit: ängstlich, uninspiriert und mit zwei Viererketten, zwischen denen riesige Lücken klafften, so dass sich der Aufbau von hinten immer wieder mit langen Bällen behelfen musste. Die Abwehr flattert immer noch, Daniel Didavi und Alexandru Maxim erkennt man nur daran, dass sie ihren Namen auf dem Rücken (spazieren) tragen und der Kapitän hat seine stärksten Szenen bei der Platzwahl. Ich denke, besser wird es mit Kramny nicht. Was sicher auch am Kader liegt, den Sie zusammen gestellt haben. Ob es mit einem anderen Trainer besser funktioniert? Ja, …