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Der Didavi Code

Im Life-Style-Magazin „Tempo“ – so eine Art 80er Jahre Print-Version von kessel.tv – gab es die Rubrik „100 Zeilen Hass“ von Maxim Biller, in der das heutige Literaturquartett-Mitglied gegen alles und jeden ablederte. Biller war immer mies drauf, genau so wie ich nach dem schauderhaften 2:2 in Darmstadt, deshalb kommen jetzt 3.500 Zeichen schlechte Laune.

Wo soll ich anfangen? Mit dem positiven. Der VfB hat mit dem Remis am Böllenfalltor seinen Vorsprung auf die Abstiegsränge ausgebaut. So, das wars. Text aus. Danke, tschüss. Da es mir aber nach einer langen Geburtstagsfeier draußen zu hell ist, schreibe ich mal weiter. Über wen? Über Daniel Didavi. Er ist ein Rätsel für mich. Er kann so viel. Nicht nur, dass er mit seinem linken Fuß Konservendosen öffnen kann, er kann mit seinen Pässen Räume schaffen, mit seiner Schusstechnik begeistern und er kann auch mal einen Gegenspieler umholzen, Dida ist sich auch für Grätschen nicht zu schade. Und was macht er in Darmstadt? Nichts. Er schont sich. Womöglich für die neue Saison, für einen neuen Arbeitgeber, der gerüchteweise Wolfsburg heißt. Das ist lächerlich, Wolfsburg ist so groß wie Leinfelden-Echterdingen, nur häßlicher. Wolfsburg wird nächste Saison nicht international spielen und Didavis Mentor Dieter Hecking nicht mehr lange auf der Trainerbank sitzen, seine Zeit ist definitiv abgelaufen, spätestens nach dem zehnten Spieltag der nächsten Saison. Was will Didavi also bei den Wölfen? Klar, jeder Wolfsburg-Spieler, der etwas auf sich hält, hat eine Wohnung in Berlin, das hat was. Aber hey Dida, Du weißt schon, dass Schwaben recht unbeliebt in der Hauptstadt sind, oder?

Der beste Scorer des VfB hält sich also zurück und seine Kollegen machen es ihm nach. Was der kann, kann ich auch. Gemütlich geht immer, Knochen retten gegen Sulu, Gondorf und Niemeyer. Dabei war von Anfang an klar, auf wen der VfB trifft: Auf eine Mannschaft mit limitierten Mitteln aber großem Willen. Ein Team, das aus seinen wenigen Möglichkeiten alles herausholt, ein zusammengewürfelter Haufen gescheiterter Bundesligaspieler, ein chancenloses dreckiges Dutzend, das mir manchmal vorkommt wie gut geschulte Taschendiebe. Die spielen link und gemein und wenn man sie erwischt, formen sie theatralisch ein großes Fragezeichen: „Ich????“. Der VfB dagegen hat die Warnung im Vorfeld von Trainer Jürgen Kramny wohl nicht ernst genommen: „Passt auf Euer Geld auf und lasst niemals Euer Gepäck unbeaufsichtigt, darauf warten die Darmstädter nur“.

Es fehlt alles in diesem Spiel: Motivation, Willen, Spielfreude, die Gier, den Klassenerhalt klar zu machen, Cleverness, Besonnenheit, Intelligenz und Konzentration, wofür Serey Dié sinnbildlich steht, der mit kreativen Quer- und Fehlpässen das Spiel der Lilien klug befeuert und sich mit einer astreinen Torvorlage zum 1:0 in die Scorer-Liste einträgt. Dass er der Einzige ist, der sich – neben Pommes Tyton – nach Spielschluss richtig darüber ärgert, sagt alles über die derzeitige Verfassung der Mannschaft aus. Das ist einfach zu wenig.

Daniel Didavi sollte sich ein Beispiel an Filip Kostic nehmen. Auch er hat einen dicken Vertrag in einer hässlichen Industriestadt vor Augen (Liverpool), haut sich aber voll rein. Denn er will nicht so enden wie der wieselgesichtige und ebenso flinke Marcel Heller, der die gleichen überragenden Talente besitzt wie Kostic, aber über Jahre hinweg glaubte, der Größte zu sein und sich deshalb nicht mehr voll einsetzte.

Kramny wie auch Robin Dutt sollten mit Didavi ein ernstes Wort sprechen, denn mit seiner augenblicklichen Einstellung ist er für den VfB und die Mannschaft hinderlich. Die nächsten Spiele sind schwierig genug, erst kommt Bayern München, gegen die wohl nicht hoch gewonnen wird, dann gehts nach Augsburg, wo ich mir eine Wiedergutmachung der 0:4-Schmach der Hinrunde erhoffe. Aber das scheint derzeit zu viel verlangt von der Mannschaft.

Die Sonne scheint immer noch? Dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als doch raus zu gehen. Sonnenbrille auf und ein Konter-Schorle im neuen Netzer. Wir sehen uns.

Was sagen Seiler und Speer zum Darmstadt-Spiel?
„Wennst amol no so ham kummst von einem Auswärtsspiel, samma g’schiedene Leut!“

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3 Kommentare

  1. Das ich auch schon lange was macht der didi die letzten spiele NIX läuft hochnäsig auf dem platzt herum verliert jeden ball man geh doch nach hause oder sonst wohin lass die spielen die bock dazu haben

    • @abiszet sagt

      Hi Fliese, ich denke, wir sind uns einig, dass sich Dida nicht selbst aufstellt, oder? ;-)

      Er hat uns in weiten Teilen der Saison mit seinen Toren und Vorlagen den Arsch gerettet. Von der letzten Saison gar nicht zu reden. Dass er im Moment seine Leistung nicht auf den Platz bringt, sollte der Trainer sehen. Aber Kramny ist offensichtlich der Meinung, ein halber Didavi ist besser als ein ganzer Maxim. Diese Meinung teilt er mit Huub Stevens, der Dida ja auch dann brachte, als er noch nicht hundertpro fit war. Hoffen wir, dass die Einstellung der gesamten Mannschaft in den letzten Spielen stimmt, mindestens drei Punkte werden noch benötigt, um ganz sicher zu sein …

  2. Jonny Switlinski sagt

    Also ich muss ehrlich sagen, dass ich Didavi gar nicht mehr zuschauen kann sobald er am Ball ist. Die Leistung von ihm in dieser Saison ist fast ein wenig wie Achterbahn fahren. Das finde ich allerdings nicht weiter wild, da die gesamte Mannschaft so spielt. Was mir aber extrem aufgefallen ist: Didavis Gesichtsausdruck! Eine Mischung aus Arroganz und Selbstgefälligkeit. Ich kann es gar nicht so recht beschreiben. Wenn er wechseln möchte ist das sein gutes Recht. Aber dann sollte er den Karriereabschnitt VfB bis zum Ende durchziehen. Der Verein hat andersrum auch viel Zeit und Geld und Nerven in ihn investiert.
    Zu Alexandru Maxim muss ich sagen, dass ich an seiner Stelle auch keine Lust mehr hätte die ewige zweite Geige zupfen zu müssen aber er hat trotzdem bis 2020 verlängert!
    Ich bin auf den Sommer gespannt, wenn Didavi unter Hecking Nationalspieler wird (*lach* sorry da konnte ich nicht bei ernst bleiben).

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