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Indiana Jürgen: Der Jäger der verlorenen Rückrunden-Mannschaft

11Freunde, FAZ, Süddeutsche Zeitung, Spiegel Online – alle sind auf der Suche nach einer Erklärung: Wie wurde aus einem bemitleidenswerten Abstiegskandidaten ein Team, das Fans, Medien und Gegner mitreißt? vertikalpass hat exklusiv die Antwort:

Jürgen Kramny ist ein kleiner Fußball-Abenteurer und als Spieler und Trainer schon ein bisschen rumgekommen. Erste, zweite, dritte Liga, Stuttgart, Nürnberg, Mainz, Darmstadt, wieder Mainz und wieder Stuttgart, er war nur in den großen Metropolen tätig. Seine Freunde nennen ihn deshalb spöttisch Indiana Jürgen, enge Freunde dürfen ihn sogar „Indy“ rufen. Zuletzt musste er ein haarsträubendes Abenteuer mit der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart bestehen. Den alternativlosen Zorni-Fußball sollte er da installieren. Das lief mehr schlecht als recht, Kramny befand sich knietief im Sumpf aus Gegenpressing und zentrumsorientiertem Offensivspiel.

Im November erhält er plötzlich Besuch von zwei geheimnisvollen Vertretern der Stuttgarter Vereinsspitze, die mit einem unglaublichen Auftrag an ihn herantreten: Indiana Jürgen soll für die Herren, die sich Major Dutt und Doc Wahler nennen, so schnell wie möglich die sagenhafte und verschollene VfB-Rückrunden-Mannschaft finden. Denn die Legende besagt: diese Mannschaft sei nahezu unbesiegbar.

Nach einigen Probe-Spielen und anfänglicher Skepsis übernimmt Indy schließlich den Auftrag. Denn er ist sich sicher, den entscheidenden Glücksbringer gefunden zu haben, um an das Geheimnis zu gelangen. Es ist die unverwüstliche Denim Indigo, die Indiana Jürgen seitdem als Talisman immer am Mann trägt. Auch gegen Angriffe, wie zum Beispiel seines Mittelfeldregenten Daniel Didavi, verteidigt er die Denim unerbittlich.

Kramny muss allerdings einige Zeit sehr tief nach der Rückrunden-Mannschaft graben, während der böse Schamane Fredi immer wieder versucht, ihn in der Öffentlichkeit bloß zu stellen. Im Training setzt Indy einen sogenannten Spielberg ein, damit will er seiner Mannschaft wieder die Freude am Spiel zurück geben. Besonders bei Filip Kostic funktioniert dies bestens, der auf seiner linken Seite Action pur liefert und sich auch für die gefährlichsten Stunts nicht doubeln läßt.

Indiana Jürgen versteht Fußball als Archäologie: Theorie, Nachdenken und das ständige Prüfen von Zahlenmaterial kombiniert er mit Mut und einem Gespür für Menschen. Er macht auch Fehler, wirkt in der Öffentlichkeit bisweilen linkisch. Aber er ist eines: authentisch, er verbiegt nur seinen Schlapphut, aber sich nicht, er macht sich keine Gedanken über sein Image. Sein Wagnis ist zu bewundern, den abgeschobenen Georg Niedermeier zum Fixpunkt seiner Verteidigung zu machen. „Mannschaftsführung hat unheimlich viel mit Gefühl zu tun, deshalb halte ich auch wenig von der Peitsche“, sagt Indy.

vertikalpass hat nachgefragt:
„Herr Indiana Jürgen, …“
„Jürgen reicht“
„Oh, ok, … Herr Jürgen, was kann aus Ihrer Sicht den Erfolg gefährden?“
„Geschlängel. Ich hasse Geschlängel jeder Art! Ich bin immer gerade raus und auch unser Spiel sollte ohne Schlängel und Schnörkel auskommen.“

Deshalb setzt er auf Kevin Fischkreutz, denn der ist straighter than straight. Seinen Kameraden, Scout und Fährtenleser Serey Dié, schickt Indy immer wieder vor die defensive Linie, um seinem Captain Gentner den Raum zu geben, den er für seine ausufernden Erkundungen braucht und mit denen er für Verwirrung sorgt – beim Gegner und manchmal auch bei den eigenen Fans.

Für den Angriff ist Indy dem Rätsel des Toreschießens nachgegangen. Er fand dabei Spuren seines Vorgängers „Zorni“ Zorniger, die nur schwierig zu entschlüsseln waren. Schließlich gelang es ihm, die Kontrolle über das Angriffsspiel zu gewinnen. Zu wild, zu hektisch, zu kraftraubend war es bisher, doch Indiana Jürgen kann Shorty Werner, Martin Harnik und Colonel Kravets befreien, in dem er ihnen die engen taktischen Fesseln löst und ihnen Freiraum in der gegnerischen Hälfte gibt.

Indy ist zufrieden mit seiner Mannschaft. Sie ist wahrscheinlich nicht unbesiegbar, aber gut aufgestellt für den Kreuzzug durch die Tabelle der Bundesliga.

indianajuergen1

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2 Kommentare

  1. Am Ende spielen wir noch in Europa nächste Saison, die Hinrunde überfordert dann Spieler und Verein wieder und die Fans interessieren die Spitzenspiele gegen Hinterhof Chorzow und Co nicht die Bohne. Wäre schön wenn es jetzt mal anders wäre…

    • @abiszet sagt

      Hi Tom, zunächst ist es ja sehr optimistisch, von Europa League zu sprechen. Aber warum nicht: Beim VfB scheint alles möglich zu sein. Allerdings befürchte ich ebenfalls, dass die Resonanz auf Molde, Midtylland, Pilsen und Liberec nicht so groß werden wird. Auf der anderen Seite sind das Luxusprobleme, wenn wir an die letzte Saison denken. Oder auch nur an November 2015 ;-)

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