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Eine Frage der Ehre

Das Spiel gegen Werder Bremen ist wegweisend: Für Jürgen Kramny, der bei einem Sieg weitere Spiele auf Bewährung bekommt. Für Robin Dutt, der bei einer weiteren Niederlage unter extremem Druck stehen würde. Für die Spieler, die beweisen müssen, dass sie Mentalität und Qualität mitbringen, um für den VfB spielen zu können. Nur so gewinnen sie die Herzen der Fans (zurück).

Fehlt Qualität oder Mentalität? Oder beides?
In der Offensive ist grundsätzlich Qualität vorhanden. Wenn Daniel Didavi und Filip Kostic Bock haben, zu spielen. Wenn Timo Werner nicht alleine gelassen wird und er seine Hektik am Ball in den Griff bekommt. Wenn Martin Harnik sich seine geradezu grotesken Fehlschüsse sparen würde. Wenn Alexandru Maxim wieder dahin zurückkehrt, wo er mal war: zu exzellenten Standards, zu Spielfreude und überraschenden Ideen. Ja, dann ist Qualität vorhanden. Aber diese Qualität wird zu wenig abgerufen, wobei wir bei der Mentalität sind. Abgehobene Träume (Kostic, Didavi, Harnik), Frustrationen (Maxim) und Unerfahrenheit & Überforderung (Werner) sorgen dafür, dass das vorhandene Potential nicht auf den Platz kommt.

In der Retrospektive erscheinen manche Entscheidungen falsch, aber nach dem Abgang vom vermeintlich besten Mann (Toni Rüdiger) die letztes Jahr ohnehin schon sehr brüchige Abwehr nicht zu verstärken, war naiv und fahrlässig. Qualität sieht wahrlich anders aus. Timo Baumgartl ist verunsichert, Georg Niedermeier überfordert, auf ihm liegt plötzlich die Last des Re-Starts. Und Toni Sunjic, ein Kerl wie ein Wiesenbaum, der schwankt weil ihn die Zustände beim VfB überraschen. Emiliano Insua ließ vom allgemeinen Negativlauf anstecken und Daniel Schwaab … ja, der ist Daniel Schwaab.

Qualität ist das Ergebnis der Liebe zum Detail. Alles dafür zu tun, um zu gewinnen und seine eigenen Interessen zurück zu stellen. Gerade das ist so schwer, denn es gibt so viele unterschiedliche Interessen im Verein:

Robin Dutt braucht einen Trainer, optimal wäre für ihn, wenn sich die Suche durch Jürgen Kramnys Erfolg von selbst erledigen würde. Und seien wir ehrlich: Er hofft auf Kramny und redet ihn stark. Jürgen Kramny wäre gerne neuer Chef-Trainer und zwar nicht für ein par Spiele, sondern mindestens für vier Monate, so lange haben im Schnitt die letzten Trainer durchgehalten. Daniel Didavi will nix auf die Knochen kriegen und sich empfehlen für Leverkusen. Filip Kostic will für Schalke 04 glänzen, ohne zu schwitzen. Georg Niedermeier will wieder Alpha-Tier sein. Schwaab und Gentner wollen sich auf Interviews vorbereiten.

Diese ganzen Einzelinteressen zu bündeln, ist die Aufgabe von Führungskräften. Das darf man erwarten von jemand wie Dutt oder Kapitän Christian Gentner. Oder auch von Stand-by-Trainer Kramny. Wenn man mich fragt, wofür ich stehe, dann sag’ ich „Amore!“. Aber was sagt Jürgen Kramny? Wofür steht er? Konzeptrainer? Strenger Sportlehrer? Mentalitätsformer und Motivierer à la Klinsmann („Die drei Punkte lassen wir uns nicht nehmen. Schon gar nicht von den Fischköpfen!“)? Warum ist Kramny VfB-Trainer geworden? Weil er da war.

Dutt wünscht sich mündige Profis. Das sollte sich nicht darauf beschränken, eine eigene Meinung zu haben und die in Interviews eloquent zum Ausdruck zu bringen. Mündig sein, heißt Verantwortung übernehmen. Mündig sein heißt, auf und neben dem Platz voran zu gehen und nicht bei Interviews.

Es ist ganz einfach: Mit Erfolgen werden ganz automatisch die meisten Einzelinteressen erfüllt. Die Zeit der Worte ist jetzt vorbei, es müssen Taten folgen. Die Zeit des Versteckens hinter Alexander Zorniger ist vorbei, jetzt müssen sich Gentner, Schwaab, Niedermeier und Didavi zeigen. Das Alibi, das „System“ sei an allen schuld, ist weg, jetzt müssen sich die Spieler selbst bei der Ehre packen und zeigen, was charakterlich in ihnen steckt.

Der VfB-Blockbuster: Jedes Jahr im Herbst ein Hit!

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