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Zorni im Land der Bruddler

Wir befinden uns im Jahre 2015 n. Chr. Ganz Fußball-Deutschland möchte Spiele gewinnen, egal wie. Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Schwaben bevölkertes Dorf namens Stuttgart hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Es sieht keine Alternative darin, schnell und schön zu spielen. Das Leben ist nicht leicht für die Fans, die zwar das schöne Spiel lieben, aber auch gerne ein paar Punkte hätten, um in der Rangliste der Vereine nicht jedes Jahr ganz unten stehen zu müssen.

Trainer der unbeugsamen Schwaben des VfB ist Zorni. Er kann schneller sprechen als sein Schatten. Als Teilnehmer am DFB-Trainer-Lehrgang ist Zorni in den Taktik-Zaubertrank gefallen. Seitdem hält er sich und seine Taktik für alternativlos. Er läßt spielen wie auf einer Wildschweinjagd, was seine Spieler bisher noch nicht kannten. Das Problem ist, dass Zornis Spieler selten ins gegnerische Tor treffen, den Ball aber aus dem eigenen Tor sehr oft herausholen müssen. Zorni hat Nebensitzer Mehmet Scholl bei der Abschlussarbeit nicht abschreiben lassen, so dass der jetzt beleidigt ist und ihn als Laptop-Trainer verunglimpft. In Pressekonferenzen tippt sich Zorni oft an die Stirn und ruft „Die spinnen, die Bruddler!“

Der beste Freund von Zorni ist der gemütliche Präsident Bernd Wobelix, der viele lustige Ideen hat und als Kind in einen Zaubertrank voller Hashtags und Vereinsausgliederungen gefallen ist. Wobelix ist manchmal leichtgläubig und naiv, aber sehr sympathisch. Früher hat er gerne mit den Stadtschreibern gesprochen, aber jetzt scheint er beleidigt zu sein, weil ihn auch viele Fans falsch verstehen. Weil Zornis Taktik nicht zum Erfolg führt, ist Präsident Wobelix auf der Suche nach dem Rezept des Taktik-Zaubertranks. Er meint, da könne etwas nicht stimmen.

Wobelix‘ Chef ist der Aufsichtsrat Schmidtlix, der befürchtet, dass ihm der Abstieg auf den Kopf fallen könnte. Schmidtlix ist ein majestätischer, argwöhnischer Krieger, vor dem seine Leute kuschen. Berühmt ist sein Ausruf „Träger“, dann eilen seine Mitarbeiter herbei und haben schwere Stunden vor sich, wenn sie dem Chef Fußball erklären und seine Launen ertragen müssen.

Gutemiene Duttix ist neu im Verein und wollte einiges ändern und hat deshalb auch den polnischen Torhüter Hältnix verpflichtet, was bisher leider ein Fehlgriff war. Mit dem österreichischen Legionär Martin Trifftnix verhandelt Gutemiene um eine Weiterbeschäftigung und auch das talentierte Eigengewächs Daniel Kniedavi sucht eine neue Herausforderung und möchte die unbeugsamen Schwaben verlassen.

Gut, dass Timo Schnellwienix, ein hochveranlagtes, braves Talent aus den eigenen unbeugsamen Reihen, rechtzeitig wieder in Form gekommen ist. Zusammen mit dem Torjäger Ginni Goalfix und dem rasanten Gipfelstümer Filip Flanktfix soll er für Tore und die Wende sorgen. Der Spielführer Christian Gwinntnix ist dagegen umstritten. Vor allem, wenn man sich seinen Nebenmann Serey Fleißigwienix anschaut: Ein Zweikampfmonster, das überall zu sein scheint und vor dem nicht nur die römischen Gegner Angst haben. Ein emotionaler Führer, der vorangeht und antreibt.

Die Stadtschreiber um Stolterfohtix und Schumix singen in ihrer Postille „Stuttgarter Zeitnix“ manch schräges Lied auf Zorni. Die Barden finden sich selbst genial, manch andere finden sie unbeschreiblich und und hätten bestimmt nichts dagegen, wenn sie gefesselt und geknebelt wären. Doch wenn sie nicht schreiben, sind sie fröhliche Gesellen und hochbeliebt. Sie sehen ihre Aufgabe mehr im Haudraufwienix, denn Schmusekurswienix gibt es innerhalb des Vereins scheinbar genug.

Doch eines lässt sich vorerst nicht so leicht lösen: der Kadermix, hier hat Gutemiene Duttix einige Lücken gelassen. Vor allem in der Verteidigung, wo der baumlange Nachwuchsspieler Timo Blondwienix oft alleine im Strafraum die Kehrwoche machen muss. Zorni lässt ein anspruchsvolles System spielen. Dafür werden ballsichere Kicker mit hoher fußballerischer Auffassungsgabe und extremer Stressresistenz benötigt. Schon einfache Mittel wie lange Pässe und schnelle Spielverlagerungen verwirren die Schwaben wie nix. Zorni muss mit seinen Spielern üben wie nix – vor allem die defensiven Umschaltsituationen. Und jede Menge Torschüsse. Zornis Spieler brauchen Erfolgserlebnisse im Training. Denn von nix kommt nix.

7 Kommentare

  1. Adriano sagt

    „Gutemiene Duttix ist neu im Verein und wollte einiges ändern und hat deshalb auch den polnischen Torhüter Hältnix verpflichtet, was bisher leider ein Fehlgriff war. Mit dem österreichischen Legionär Martin Trifftnix verhandelt Gutemiene um eine Weiterbeschäftigung.“

    Überragend!

  2. Pingback: #Link11: Champions League-Kater | Fokus Fussball

  3. Luna sagt

    „[…] Vor allem in der Verteidigung, wo der baumlange Nachwuchsspieler Timo Blondwienix oft alleine im Strafraum die Kehrwoche machen muss…“
    Geil…

  4. Immer dieser Tenor, das ganze Spielerpersonal wäre überfordert, weil es so ein Feuerwehrfußball ist, denn der VfB praktiziert. Das war gestern alles in Ordnung, der Timo hätte halt auch die „zweite Kischte“ (Zorni) machen müssen. Gegen Ingolstadt, da muss es passieren:)

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