Rückpass
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1993, was wäre gewesen, wenn …?

Im nachhinein betrachtet gibt es immer wieder entscheidende Zeitpunkte, an denen die Weichen für die Zukunft gestellt wurden. Ende 1992 hätte so ein Wendepunkt für den VfB sein können: In der Landesmeister-Quali nach dem Wechselfehler Daums peinlich gegen Leeds ausgeschieden, in der Liga am Boden, die Mannschaft zerstritten. Aber der VfB hätte einen Akzent setzen können – mit einer ambitionierten Rückholaktion.     

Nach der Meisterschaft 1991/1992 wechselte der VfB-Schlüsselspieler Matthias Sammer zu Inter Mailand und war dort alles andere als glücklich. Im ersten Halbjahr weist seine Statistik immerhin 11 Spiele und 4 Tore aus, aber der Freund der Volksmusik kam mit der Mentalität seiner Kollegen und Rock-Fans Walter Zenga, Nicola Berti und Guiseppe Bergomi nicht zurecht. Das war wohl alles zu locker für den verbissenen Sammer. Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder hatte schon immer eine gutes Gespür für Menschen, er ahnte, dass Sammer mit La dolce vita seine Probleme haben würde. MV hielt den Kontakt mit Sammer und bastelte an einer Rückholaktion im Winter-Transferfenster. Aber Inter Mailand rief zu viel Geld auf, MV klemmte überraschend  und Sammer ging für 8,5 Millionen DM zu Borussia Dortmund.

Es ist müßig, darüber nachzudenken, was passiert wäre, wenn Sammer 1993 zum VfB zurück gekehrt wäre. Andererseits ist es genauso spannend wie darüber nachzudenken, was man mit dem Geld eines Lotto-Gewinns machen würde. Also, was wäre passiert?

Borussia Dortmund
Die Schwarz-Gelben wären weder 1995 noch 1996 Deutscher Meister geworden und hätten auch nicht die Champions League 1997 gewonnen. Es hätte nie einen Erfolgstrainer Ottmar Hitzfeld gegeben, da er zwar solide Ergebnisse erzielte, ihm der große Wurf aber stets versagt blieb. Hitzfeld würde heute weitgehend unbeachtet in Lörrach sitzen und immer wieder versonnen seinen Trenchcoat streicheln.
2001 kommt der Abstieg für die Borussia, denn Udo Lattek ist mit der Rettung ohne Sammer hoffnungslos überfordert. Kurze Zeit später der finanzielle Kollaps, mit dem Lizenzentzug folgte der Gang in die dritte Liga. Derbys gegen den MSV Duisburg und Rot-Weiss Essen sind die Höhepunkte der Saison. Präsident und Stadionsprecher in Personalunion ist Norbert Dickel, der zusammen mit seinen Präsidiumskollegen Günter Kutowski und Jürgen Wegmann jede Kommerzialisierung ablehnt. Das Stadion heisst immer noch Westfalen Stadion. Obwohl der sportliche Erfolg fehlt, ist die Stimmung gut. Es gibt ja sonst nichts in Dortmund.

Matthias Sammer
Der Rückkehrer hätte den VfB 1993 mindestens auf Platz 4 geführt. Er bleibt bis zu seinem Karriereende in Stuttgart und wird in der Stadt verehrt wie kein Zweiter. Obwohl er nicht zur Wahl steht, erhält Sammer bei der letzten OB-Wahl 12 % der Stimmen, so viel wie SPD und FDP zusammen. Aktuell ist Sammer beim VfB Sport-Vorstand, einer seiner Assistenten heisst Fredi Bobic, der in erster Linie für VfB II und das Scouting in den Amateurligen zuständig ist. Sammer organisiert nebenher ein Open Air der Volksmusik auf dem Stuttgarter Wasen und ist in zweiter Ehe mit Andrea Berg verheiratet, für die sehr schnell Uli Ferber und Sonnenhof-Aspach uralt wurde.

VfB Stuttgart
Mit der Rückkehr von Sammer schafft der VfB den Einzug in den UEFA-Pokal. Jürgen Röber, der Meistertrainer Christoph Daum nach seinem Wechsel-Fehler gegen Leeds ersetzt und sich von Sammer bereitwillig Aufstellung und Taktik diktieren lässt, sitzt auf der Bank und wird mit dem VfB in den folgenden Jahren zweimal Meister und sogar Champions League-Sieger. Zum 110-jährigen Jubiläum 2003 singt Andrea Berg erstmals die neue Vereins-Hymne „Fearless & Faith“.

Bayern München
Hitzfeld wird nie Trainer in der Säbener Straße. Einer, der in Dortmund immer nur Zweiter und Dritter wurde, ist nix für die Bayern. Uli Hoeness holt seinen Freund Jupp Heynckes. Mit wechselndem Erfolg: Einem hochroten Kopf stehen eine Meisterschaft und vier zweite Plätze gegenüber. Das Wort „Vize-Bayern“ macht die Runde. Deshalb lotst Hoeness den Stuttgarter „Erfolgstrainer“ Röber an die Isar, wo dieser allerdings baden geht. Ohne Sammer fehlt dem Ex-VfB’ler der Durchblick und nach einer verheerenden Saison mit Platz 9 muss Röber gehen. Er fällt allerdings weich und wird Schweizer Nationaltrainer. Hoeness dagegen versucht, Jogi Löw zu verpflichten, der als Nachfolger Röbers sofort das Double holte. Löw reagiert högscht erstaunt und sagt, wenn er denn jemals den VfB verlassen würde, käme nur die Nationalmannschaft in Frage. Schliesslich wolle er sich nach seiner Zeit beim VfB verbessern und irgendwann mal Weltmeister werden.

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