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Attacke! Auch auf dem Transfermarkt?

Zwei Spieltage und schon wieder am Tabellenende – hört das denn nicht mehr auf?

Eine große MV-Gedächtnis-Woche in München liegt hinter mir: Nachdem das Wetter in der bayerischen Hauptstadt wieder schlechter war als in Stuttgart, liebäugelte ich damit, jede Menge Bräunungscreme aufzutragen, um wenigstens ein bisschen erholt auszusehen. Aber habe mich dann dagegen entschieden. Weiß is the new red. Viel Weißwein gabs auf MV und Schampus, ok ja, ein bisschen Prosecco und Augustiner war auch dabei. Aber ich habe versucht, Gerhard Mayer-Vorfelder in Ehren zu halten (toller Text: hier). Viel erzählt, viel getrunken habe ich, aufbrausend und väterlich und leutselig war ich, was gar nicht meine Art ist und vieles besser gewusst habe ich auch. In MVs Rolle als letzter großer Reaktionär habe ich allerdings nicht wirklich überzeugen können. Die Münchener hams mich alle ausg’lacht, die haben andere, die es besser können.

Aber auch Antonio Rüdiger habe ich in München gefeiert: Seit seinem ersten Spiel gegen Gladbach 2012 hatte ich Rüdi adoptiert und als einen aus der VfB-Jugend angesehen, obwohl er aus der U19 von Dortmund kam. Gegen Gladbach machte er von allem ein bisschen zu viel: Er sprintete zu oft, rückte als rechter Verteidiger zu sehr ein, rannte übermotiviert nach vorne, schlug seine Flanken mit zu viel Verve und damit hinters Tor. Wohin mit all‘ der überschüssigen Kraft, fragte er sich. Die Hosen trug ich wegen ihm in München baggy, kombiniert mit ner Schildmütze mit „Faith“ drauf, gar nicht altersgerecht und so ein netter Klugscheisser konfrontierte mich dann mit dem Lagerfeld-Zitat „Wer in Jogginghosen rumläuft, der hat die Kontrolle über sein Leben verloren!“. Mann, das ist keine Jogginghose gewesen, das war Fashion, ham ja alle keine Ahnung, die Münchener. Echt. Aber Fußball spielen, des können’s und vor allem, Spiele in der letzten Minute gewinnen und nicht vergeigen, wie der VfB, der gleich den kompletten Saisonstart vergeigt.

Da hilft das ganze schöne Trikot nichts und das Auswärtstrikot ist wirklich fresh. Auch gegen den HSV wieder die bessere Mannschaft gewesen zu sein – whothefuck interessierts? Die Balance zwischen Dominanz und Pressing, Raumgefühl bei Ballverlust und Abwehrverhalten stimmen nicht. Dass dies anscheinend eine Frage des Personals sei, verwundert mich. Hat es diese beiden Spiele gebraucht, in denen nach Aussage von Alexander Zorniger 150 bis 160 Minuten gut gespielt wurde, um zu erkennen, dass neue Spieler her müssen? Das kommt ein bisschen spät, jetzt nicht nur auf dem Spielfeld Attacke zu rufen, sondern auch noch im Last-Minute-Transfergeschäft. Schade, dass Fredi Bobic nicht mehr da ist, das war ja seine Spezialität.

Ist also das Gerede von der Qualität der Mannschaft doch nur ein Lippenbekenntnis gewesen, um den Kader zu motivieren? In Hamburg stehen dreieinhalb Neuzugänge in der Startelf. Der Halbe ist Lord Hlousek, der einmal mehr solide spielt, aber alles andere als ein Abwehrchef ist. Links verteidigt Emiliano Insua, er macht dies routiniert, er kommt mir allerdings nicht besonders handlungsschnell vor. Wie auch Neu-Keeper Tyton, der sich beim 2:2 nicht mit der Überzeugung Lasogga entgegenwirft, die es gebraucht hätte. Denn das Tor wäre selbst in dieser letzten Szene zu verteidigen gewesen, von Carlos Gruezos albernem Rettungsversuch kurz zuvor mal abgesehen. Lukas Rupp konnte in der Zentrale weder für Stabilität noch für Agressivität sorgen, Serey Dié scheint im Moment unersetzlich zu sein. So, das wars mit den Neuen und über den gesuchten Innenverteidiger hinaus, ist es keine Kunst zu erkennen, dass die Mannschaft mehr Veränderung braucht.

Aber let’s talk about Zorniger, der immer wieder mal seine MV-Momente hat. Er spricht viel und ist auch leutselig und aufbrausend und spricht unbequeme Wahrheiten aus. Aber er trägt sein Herz doch schwer auf der Zunge.

Schwer nachvollziehbar war dann die Auswechslung Kostics: Damit rückte das Team noch weiter nach hinten, die so dringend benötigte Entlastung schenkte Zorniger einfach her. Frei nach Louis van Gaal würde ich sagen: Kostic spielt bei mir immer. Gegen den hilflosen HSV wäre es alles andere als unmöglich gewesen, die Führung zu verteidigen – und zwar nach vorne, so wie es sich Zorniger wünscht. Es scheint, er wurde sich in den letzten 15 Minuten selbst untreu.

Zwei Spieltage und schon wieder am Tabellenende – hört das denn nicht mehr auf? Das frage nicht nur ich mich, das machen wohl auch die Spieler. Keiner hat Lust, das dritte Jahr in Folge da unten rumzukrebsen. Gerade Daniel Didavi und Martin Harnik sagen, dass sie die Entwicklung in der Mannschaft und im Verein abwarten wollen, bevor sie sich eine Vertragsverlängerung vorstellen können. Das hört sich passiv an, fast schon unbeteiligt. Entscheidend ist, dass keine Zweifel an Zorniger und seinem System aufkommen: bei Spielern, Fans und Medien. Ganz schnell wird aus dem Trainertalent der Ex-Trainer von Sonnenhof-Großaspach, wirken seine mutigen Sprüche plötzlich großspurig. Wird aus seinem modernem Pressing-Fussball ein hektisches Gebolze. Aber nach zwei Bundesligaspielen ist es noch zu früh für Urteile.

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2 Kommentare

  1. LordHlousek sagt

    Es ist sicher nicht eine allumfassende Erklärung, wieso wir jedes Jahr soweit hinten sind, aber wenn ich die ersten zwei Spiele verfolge, merke ich, das uns einfach das Quäntchen Glück fehlt. Ich hoffe, es kommt gegen Armin Veh wieder zurück, dem fehlt ja bekannterweise auch das Glück.

  2. Pingback: Positiv denken! – Rund um den Brustring am Mittwoch, 26. August | Rund um den Brustring

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