Mini-Feature, Spielbericht, VfB
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Endlich! Der Bock ist umgestoßen!

Ich weiss nicht, ob Ihr es wusstet, ich bin ja Head of ausgelagerter Optimismusabteilung des VfB. Mich haut so schnell nix um, nicht mal 100 vergebene Torchancen, alberne Texte von Spiegel Online (siehe hier) oder fundamentalkritische Posts (siehe hier). Man darf mich aber nicht verwechseln mit dem Chief Executive Officer of Schönreden-Abteilung, dessen Ehrenpräsident Fredi Bobic ist. Aber nach dem Schalke-Spiel muss ich zugeben, ins Grübeln gekommen zu sein, denn der Erfolg ist schon ein saumäßig sturer Bock. Fünf Spiele hat er sich dem VfB verweigert. Bis endlich der Bock umgestoßen wurde in Hannover. Zur (etymologischen) Herleitung der Redewendung bitte ich bei Heinz Kamke nachzufragen.

Ebenso stur wie der Erfolgs-Bock ist Alexander Zorniger. Das werfen ihm manche vor, dass er als Bundesliga-Novize so geflasht auftritt, als hätte er sich schon im Champions League-Achtelfinale mit Jose Mourinho gebattlet. Andere finden das gut, weil er seine Emotion auf der Zunge trägt. Es gibt einen Song, eigentlich sogar einen Hit, von der Stuttgarter Musik-, na ja, mehr Comedy-Combo „Die kleine Tierschau“ mit dem Titel „Lieber doof sein, als Gaby heissen“. Übersetzt auf den VfB heisst das: „Lieber in Schönheit verlieren, als Punkte holen!“. Und genau das wirft man Zorniger und dem Chief of Ruhe-bewahren-Department Robin Dutt vor: Dass sie das Spiel über das Ergebnis stellen. Was natürlich eine Schutzbehauptung ist, kann mir ja keiner erzählen, dass Zorniger und Dutt nicht auch ein paar unverdiente, dreckige Punkte mitnehmen würden wie zum Beispiel der HSV.

Jetzt also der Sieg gegen Hannover 96. Die Kombination von Schönheit mit Erfolg. Kein brotloses Jogi Zornito mehr. Ehrlicherweise sind die Niedersachsen derzeit nicht wirklich bundesligatauglich, ein Gegentor lag meines Erachtens trotzdem immer in der Luft.

Es ist wirklich gut, dass in Lord Hlousek nicht weiter der Bock zum Gärtner gemacht wird. Toni Sunjic und Timo Baumgartl scheinen ein stabiles Innenverteidiger-Paar abzugeben, Insua wirkt immer aktiver – aus meiner Sicht ein bisschen zu offensiv – und Florian Klein muss sich stabilisieren. Sonst droht Daniel Schwaab und das will ja keiner. Immer noch ist es selbst für bundesligauntaugliche Teams wie Hannover zu einfach, die Stuttgarter Pressinglinien zu überspielen. Da entstehen Räume, aus denen man Fußgängerzonen machen kann. Und wenn Böcke geschossen werden im Aufbau wie vor dem 1:0 von Baumgartl, dann sieht man wie fragil die Spielweise von Zorniger ist.

Durch den Sieg wird immerhin keiner zum Sündenbock, nicht mal Pommes Tyton, wegen dem sich schon die ersten nach Sven Ulreich sehnten. Tyton hält, was auf seine Kiste kommt, hat eine gute Austrahlung und macht das erste normale Spiel im VfB-Dress.

Was fällt sonst noch auf?
Präsident Bernd Wahler ist schon lange nicht mehr als Lead Repräsentant of Building Air-Castles and Developing Hashtags aufgetreten. Was ist los mit ihm, bereitet er sich schon auf die Mitglieder-Hauptversammlung im Okober vor? Nach so einem Sieg kann er sich doch mal mit seinem berühmten Lachen sehen lassen! Timo Werner macht sein Tor, läuft viel, hat kaum Ballaktionen und bleibt unauffällig, trotzdem werden ihn alle lieben. Filip Kostic auf der anderen Seite ist viel präsenter. Huch, ich schreibe auf der anderen Seite, obwohl Herr Zorniger doch gar nicht so sehr über die Flügel spielen will. Dass Kostic nicht nur Offensive kann, zeigt er mit fleissiger Rückwärtsbewegung, wofür er nach dem Spiel von Günther Schäfer, Senior Vice Maskottchen des Vereins, intensiv geherzt wird.

Der emotionale Leader des Teams ist Serey Dié. Auch nicht ohne Fehler, aber er hält die Spannung hoch bei allen (inklusive mir), spornt an, macht heiß und neben einigen extrem lässigen Balleroberungen steckt er auch noch den einen oder andern Ball vertikal durch. Klar, dass ich das gut finde!

War das jetzt die Wende zum Guten? Der Erfolg ist beim VfB oft gleichbedeutend mit ein bisschen Nachlässigkeit und Selbstzufriedenheit, fragt nach beim Head of Beine-hoch-legen Martin Harnik. Das Spiel gegen die ebenfalls erstmals siegreichen Gladbacher ist gleich wieder ein großes, eines mit Druck. Bis auf Tyton und Sunjic sind das jedoch alle gewohnt aus dem letzten Jahr. Gegen die ehemalige Kontermaschine vom Niederrhein ist präzises Pressing gefragt. Aber der VfB wird die nächsten drei Punkte holen. Was soll ich anderes sagen, als Abteilungsleiter der ausgelagterten Optimismusabteilung.

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3 Kommentare

  1. Florian sagt

    Hach, Du sprichst mir aus der Seele. Als stiller Leser an dieser Stelle endlich mal ein Danke für die schönen Artikel. Sind bei mir zur Pflichtlektüre rund um die Spieltage geworden. Großes Lob. (Wie dr Schwob halt so isch, schreibt er so ebbes nach eme Sieg, ischklar)

    • abiszet sagt

      Hi Florian, vielen Dank für Dein schönes Feedback. Ganz ehrlich: Nach einem Sieg fällt doch wirklich alles leichter ;-) Wollen wir hoffen, dass es an den nächsten beiden Samstagen gegen Gladbach und Hoffenheim vor der Länderspielpause so weiter geht. Ob’s ohne grobe Abwehrschnitzer abläuft? Ohne ausgelassene Torchancen? Ginczek könnte mal wieder treffen, auch Kostic. Und wenn Harnik wieder netzt, dann ist der VfB auf dem Weg in die Euro League :-))))))))

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