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Mit Bunga-Bunga-Bonus’le gegen den Abstieg

Als Oli Fritsch bei ZEIT Online schrieb, dass es einen Bayern-Bonus in der Bundesliga gäbe (siehe ausführlich hier), dass also Bayern München von Schiedsrichtern bevorzugt würde, ganz unbewusst und aus falsch verstandenem Respekt, da machte er sich Bayern-Vorstand Matthias Sammer nicht unbedingt zum Freund, muss er auch nicht. Ich kann mir vorstellen, wie Herr Sammer zu Hause seine Technics-Musikanlage mit „Du lügst“ von PUR voll aufdrehte und sich die richtige Dröhnung gab, um sich erst in Stimmung zu bringen und dann Herrn Fritsch die Meinung zu geigen.

Die Vorlage der ZEIT nahm Bremens Manager Thomas Eichin gerne auf, in dem er forderte, die Unparteiischen sollen ihren vorauseilenden Gehorsam gegenüber den Bayern ablegen (look hier), worauf Sammer in seiner bekannten Mischung aus Überheblichkeit und Unverschämtheit antwortete: „Der Eichin hat beim Eishockey zwischendurch mal einen Puck an den Kopf bekommen, das sind die Spätfolgen“. Sammer und Eichin führen offensichtlich ein Remake auf, sozusagen „Hoeness vs. Lemke reloaded“. Das ist amüsant zu lesen, aber die Diskussion, ob jemand im Fussball bevor- oder benachteiligt wird, ist so alt wie das Spiel. Wo Menschen beteiligt sind, sind Fehler systemimmanent. Das machen uns die Spieler Woche für Woche vor, ein vermeintlicher Bonus der Schiris (der menschlich wäre) ist wie eine vergebene hundertprozentige Torchance.

Die Bayern haben ihren Bonus, so was hätte ich für den VfB auch gerne, mir würde auch ein Bonus’le reichen, sonst ist der Verein am Ärschle. Und das geht so:

Hoffenheim, Paderborn, Ingolstadt, Augsburg, RB Leipzig – es gibt Leute, die es unerträglich finden, wenn diese Teams gleichzeitig in der ersten Bundesliga spielen würden und Mannschaften wie der HSV, VfB, Kaiserslautern, Düsseldorf und Nürnberg in der Zweiten rumgurken. Das sind nicht die Fußballromantiker oder diejenigen, die ständig was von Traditionsverein faseln. Nein, da gehts ums Geschäft.

Genauer gesagt um Quoten und um Werbeeinnahmen. 600.000 Zuschauer sahen zum Beispiel beim Bezahlsender sky das vermeintliche Abstiegs-Endspiel des VfB gegen Hertha BSC Berlin, die zweithöchste Zahl an diesem Spieltag. 110.000 verfolgten Freiburg gegen Bremen, 180.000 Schalke gegen Hoffenheim und 20.000 Augsburg gegen Wolfsburg. Ja, 20.000, da haben wir hier ja mehr Leser. In der Quotentabelle steht der VfB auf Platz 8, der HSV auf Rang 5, während Paderborn, Augsburg, Hoffenheim und Freiburg am Ende rumkrebsen. Im Sinne von sky und seiner Werbekunden kommt es also nicht so prall, wenn der VfB und der HSV runter gehen und damit auch die Quoten sinken. Aber kein Problem: Bei der nächsten Vergabe der Rechte 2016 wird dann a bissle weniger gezahlt, wenn Hoffenheim, Paderborn, Ingolstadt, Augsburg alle in der Bundesliga kicken. Scho was g’spart. Jetzt wird nicht Sammer fuchsteufelswild, sondern Bayern-Vorstand Rummenigge, der zusammen (ausnahmsweise!) mit Aki Watzke von einem neuen Vertrag in Premier Leage-Dimensionen träumt. Aber hey, das geht nur mit dem VfB, HSV und Hertha, sorry. Was machen wir da? „Wir wärden einen Wäg finden“, brummt eine Stimme im Hintergrund, sie hört sich ein bisschen nach Silvio Berlusconi an. Er ist es natürlich nicht, trotzdem würde ich mir ein Bunga-Bunga-Bonus’le wünschen, um den VfB in der Liga zu halten.

Ok, der VfB wird im Moment nicht gerade bevorzugt – Nuri Sahin hätte nach Foul an Niedermeier Rot erhalten müssen, ebenso Thomas Kraft nach Schubser gegen Gentner, gegen Dortmund gabs den ersten Elfer der Saison für den VfB. Aber das sind alles nur Ablenkungsmannöver. Denn auch der Spielplan spricht fürt den VfB: Zum Schluß kommen die Gegner im Abstiegskampf, da zählts, gegen Dortmund, Leverkusen oder Wolfsburg fällt so ein Bonus’le wohl auf. Am liebsten wäre mir, wenn der VfB das alles gar nicht brauchen würde, wenn Filip Kostic und Timo Werner explodieren, Daniel Schwaab und Sven Ulreich fehlerfrei blieben und Serey Dié die Defensive zusammen hielte. Aber in in der jetzigen Situation würde ich alles mitnehmen. Es geht ja nicht um Titel, Fairness oder Sportsgeist, es geht ums Überleben.

Das war die finanzielle Seite, warum der VfB gar nicht absteigen kann. Und dann gibts da noch die politische Seite.

KSC und VfB in einer Liga: Das ist sicherheits-politisch nicht gewollt. Weder in der ersten noch in der zweiten Liga. Und ein Relegationsspiel zwischen den beiden Vereinen wirds gleich gar nicht geben. Wenn schon Voll-Honks wegen einer Fan-Freundschaft mit Hertha nach Stuttgart reisen, um zu randalieren, dann werden bei einer Relegation Häuser brennen. Das kann ja keiner wollen. Dass der VfB in der ersten Liga bleibt, ist deshalb im Interesse aller. Was das sonst für ein Aufwand wäre, Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall müsste zusammen mit Bernd Wahler einen Sicherheits-Gipfel veranstalten und das dauert alles viel zu lange bis aus „Wir müssen klarer agieren“, „Wir werden uns zusammensetzen und alles analysieren“ und „Das muss auf allen Ebenen aufgearbeitet werden“ konkret etwas wird. Da ist es einfacher, wenn aus einer Relegation zwischen VfB und KSC nix wird und beide schön, jeder für sich, in seiner Liga spielt. Ist doch für alle besser und das ist ausnahmsweise ernst gemeint.

Gibts noch andere Gründe für ein Bonus’le?
Mitleid, ja. Thanks. No, thanks. Aber der VfB hat sympathische, junge Spieler wie Werner, Baumgartl, Maxim, Gruezo, die der Bundesliga unbedingt erhalten bleiben sollten. Oder eine Führungsspitze, die sich gerne und unter lautem Gedöns auswechselt und das in immer schnelleren Zyklen. Das gibt schöne Schlagzeilen, bevorzugt von ehemaligen Roten erzeugt, die als Ex-Manager, -Trainer oder -Spieler gerne und oft und oft auch unqualifiziert reinschwätzen. Und dann die Transfers! Immer für einen Lacher gut. Ebenso wie das Vereins-Motto „Furchtlos und treu“ oder jetzt der Schlachtruf gegen den Abstieg #mirschaffendas. Brüll! Der VfB muss einfach in der Bundesliga bleiben.

Im Ernst: Schließlich sind es die Fans, die einen Bonus (ohne schwäbische Verniedlichung) verdient haben. Erstaunlich konstruktiv in der prekären Situation, kreativ in Choreo und Spruchbänder, die meist auf dem Punkt sind. An dieser Stelle auch einen herzlichen Glückwunsch an das Commando Cannstatt zur Volljährigkeit.

„Sähr gut“, raunt mir von hinten wieder diese Stimme zu. Ich drehe mich schnell um, aber da ist niemand. Nichts. Noch nichtmal ein Bayern-Bonus.

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