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Bravo Hitz!

Ein Kommentar zum Sportvorstand des VfB, bei dem nur noch der Starschnitt von Thomas Hitzlsperger fehlt.

Es ist nicht schwer, Fan von Thomas Hitzlsperger zu sein. Das war schon als Spieler so und ist in seiner neuen Funktion als Sport-Vorstand nicht anders. Bereits nach seiner Antritts-PK war es um mich geschehen. Ich könnte Hitz ewig zuhören. Ich denke, er könnte in Krisengebieten Konflikte lösen und er ist der Einzige, der den durchgeknallten US-Präsidenten Donald Trump ausbremsen könnte. Das Gute: Hitzlsperger ist nicht mit einer überheblichen Basta-PK à la Robin Dutt angetreten und trug nicht das Neunmalkluge von Michael Reschke im Gesicht und auf der Zunge.

Klar, er ist eloquent. Klar, er ist clever und weicht beispielsweise Fragen bei „VfB im Dialog“ aus und flüchtet sich in Allgemeines. Klar kann er unangenehme Dinge weglächeln und wegmoderieren. Medienprofi halt. Aber er kann auch Missstände deutlich ansprechen: „Einige Klubs haben uns voraus, dass sie sehr klar darin sind, welche Spieler und Trainer sie holen. Wenn wir darüber Bescheid wissen, wie wir Fußball spielen wollen, welche Anforderungsprofile die Trainer brauchen, dann tun wir uns leichter in der Auswahl.“

Zuletzt habe der VfB Stuttgart immer dieselben Fehler gemacht: „Wir holen einen Trainer, der nimmt sein Trainerteam mit, der wünscht sich ein paar Spieler und wenn der Trainer weg ist, ist der halbe Kader für den neuen Trainer wieder uninteressant.“ Bämm! Ein Statement voll auf die Zwölf. Diese Klarheit ist es, die der VfB benötigt. Aber nicht nur in der Analyse, sondern auch in der operativen Umsetzung. Da müssen wir abwarten, was Thomas Hitzlsperger wirklich bewirken kann. Er darf sich nicht zum Kumpel machen lassen von ehemaligen Spielern, von Spielerberatern und von sonstigen Leuten, die sich mit dem VfB profilieren und vom VfB profitieren wollen. Das ist nämlich das wahre „schwierige Umfeld“, vor dem sich dem Vernehmen nach Vor-Vorgänger Jan Schindelmeiser distanzierte. Und natürlich darf er sich nicht von seinen Vorstandskollegen und dem Aufsichtsrat instrumentalisieren lassen, die seine Popularität bei den Fans nur zu gerne (aus)nutzen würden.

Vor über elf Jahren bezeichnete DER SPIEGEL Thomas Hitzlsperger als „Lernfußballer“ und schrieb, dass er jemand sei, der glaubt, „wenn man nur lange und hart genug arbeite, werde es irgendwann keine Schwäche mehr geben. Alles sei planbar. Die Muskeln sind sein Motor, sie müssen rechtzeitig mit dem richtigen Treibstoff versorgt werden.“ Einen ähnlichen Eindruck kann man heute vom Sport-Vorstand der VfB 1893 AG bekommen. Nach seiner Fußballerkarriere hat Hitzlsperger einfach so hart weiter gearbeitet wie schon als Fußballprofi. Nur trainierte er nicht seine Muskeln, sondern sein Gehirn, getreu seinem Motto „Ich will gut sein, und ich weiß, dass es nicht von selbst passiert.“

Thomas Hitzlsperger war ein Fußballer, der sehr konkrete Vorstellungen vom Spiel hatte und die scheint er auch als Manager zu haben. Da kommen so Begriffe vor wie Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Empathie, Geradlinigkeit, Bodenständigkeit, Begeisterung und Teamfähigkeit. Alles Dinge, die in der Vergangenheit litten und die der VfB Stuttgart jetzt besonders gut gebrauchen kann und die bei ihm nicht Floskeln sind, sondern die er (vor)lebt. Hitzlsperger will aus seinem Job keine One-Man-Show machen, wie es (teilweise gezwungenermaßen) seine Vorgänger Reschke, Dutt und Bobic taten.

In drei Wochen hat Hitzlsperger zumindest eines geschafft: einen Stimmungsumschwung. Eine Hitz(e)welle ist durch Stuttgart geschwappt. Es scheint, als haben beim VfB alle plötzlich Spaß bei der Arbeit und auch im Publikum wächst ein zartes Pflänzchen namens Zuversicht. Aber im augenblicklichen Hochgefühl darf nicht vergessen werden: in den letzten 17 Spielen hat sich der VfB nullkommanull nach vorne entwickelt.

Unter Tayfun Korkut gab es in der Hinrunde in den ersten sieben Spielen fünf Punkte. Unter Markus Weinzierl gab es in der Rückrunde in den ersten sieben Spielen – genau: fünf Punkte, vier davon seitdem Thomas Hitzlsperger in neuer Verantwortung ist. Ein Chartbreaker ist der VfB noch lange nicht, zur Euphorie gibt es überhaupt keinen Anlass, der Club ist immer noch in einer beschissenen Situation. Ja, wir können (und sollten!) jetzt Ozan Kabak und Steven Zuber feiern. Und wohlwollend zur Kenntnis nehmen, dass Gonzalo Castro nach über 20 Spielen der Saison die Kurve zu bekommen scheint und dass auch für Christian Gentner nun das Leistungsprinzip eingeführt wurde. Aber erreicht hat der VfB noch lange nichts. Es muss die Spannung wie auch die Stimmung hoch gehalten werden. Denn das ängstliche und ambitionslose Verhalten in der Hinrunde gegen Dortmund, Hoffenheim und Frankfurt darf sich nun nicht wiederholen.

Niemand weiß das besser als Thomas Hitzlsperger, da er ähnliche Situationen schon selbst als Spieler erlebt hat. Aber wer es mit Trump aufnehmen kann, der wird auch mit VfB Stuttgart den Klassenerhalt schaffen. Und falls das ohne Relegation gelingt, sollte der VfB wirklich über einen Starschnitt des Sportvorstands nachdenken.

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5 Kommentare

  1. Bernd sagt

    Ist vielleicht doch was dran, dass Reschke sich zu sehr in die Belange der Mannschaft eingemischt hat und die Entlassung für die Mannschaft ein Stück weit befreiend war. Ist halt blöd, wenn der Trainer eine Sache fordert und der Manager (der nunmal auch für eine etwaige Vertragsverlängerung zuständig ist) eine andere. Das ist mir schon unter Korkut negativ aufgefallen, der in meinen Augen von Reschke im Sommer zu einer offensiveren Spielweise gedrängt wurde, mit bekanntem Ergebnis. Allerdings muss man einschränkend sagen, dass der Betonmischer diese Saison kaum so gut funktioniert hätte wie in der Rückrunde, da die Bundesliga im Vergleich zur Vorsaison doch spielerisch deutlich zugelegt hat (die Auswirkungen sieht man ja ganz gut auch auf Schalke).

  2. @abiszet sagt

    Hi Bernd, durch Hitz ist „durchgelüftet“ worden, er ist ein total anderer Typ als Reschke. Womöglich ist der Perlentaucher allen auf den Sack gegangen: Trainern, Spielern, Staff, Führung. Hitz scheint einer zu sein, der andere mit nimmt und ist einer, bei dem man sich freut, dass er der den VfB vertritt, das Gesicht nach außen ist.

  3. Interessant finde ich aber schon die Tatsache, dass Herr Hitzlsperger seinen Platz im Präsidium geräumt hat. Wie praktisch für Herrn Dietrich…

    • Alles andere wäre meiner Meinung nach auch falsch gewesen und hätte (wie bei WD) sehr nach unangebrachter Ämterhäufung ausgesehen. Außerdem könnte er nicht beide Ämter adäquat ausfüllen.

  4. drausvomLande sagt

    Ist doch auch schön, wenn man als Fan mal wieder eine Integrationsfigur hat, gell …
    wenn schon kein aktueller Spieler die Eier dafür hat, und die sportliche Leitung irgendwie auch nicht geeignet war …
    und Präsi und AG-Boss auch nicht unbedingt,
    Mensch, die Bayern haben Uli und jammern auch nicht …

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