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VertikalGIF #VfBSGE: Unnötiges Spektakel

Das zweite Pflichtspiel des Jahres und das zweite Mal ging es gegen einen Champions League Teilnehmer. Nach den Pillen aus Leverkusen ging es gegen die Adler aus Kultfurt. Und natürlich war nach dem 4:1 die schwäbische Laune ausgezeichnet und die Erwartungshaltung ambitioniert. Wer gedacht hatte, Sebastian Hoeneß würde für das zweite Spiel in vier Tagen hart rotieren, irrte gewaltig. Hoeneß, der in dieser Saison bekanntlich auch schon mal auf zehn Positionen tauschte, brachte mit Ermedin Demirovic nur einen einzigen neuen Spieler in die Startelf. Also fast das gleiche Team, aber ein ganz anderer Auftakt als am vergangenen Samstag. Der VfB war überhaupt nicht im Spiel, leistete sich seltsame Fehlpässe und Ungenauigkeiten. Eine solche führte zu einem Frankfurter Einwurf, der zu einer Ecke führte, die zum 0:1 führte. Auch nach dem frühen Gegentreffer war der VfB noch nicht auf Betriebstemperatur. Wobei, von Jeff Chabot konnte man das nicht behaupten. Der klärte ein erneut schlampiges Zuspiel in höchster Not vor Ebnoutalib, der sich vermutlich fühlte, als sei er mit einem Sattelschlepper zusammengestoßen. Ohne Ebnoutalib und dafür mit …

VertikalGIF #B04VfB: Grüße an den Bundestrainer

Als der VfB Stuttgart zuletzt in Leverkusen gewinnen konnte, stand Ron-Robert-Zieler im Tor, die Doppelsechs bestand aus Dennis Aogo und Santiago Ascacibar und ganz vorne stand der Doppelochsen-Sturm mit Mario Gomez und Daniel Ginczek. Wie Tayfun Korkuts Team im April 2018 mit einer Passquote von 69 %, einem Ballbesitz von 32 % und mit 4 zu 22 Torschüssen gewinnen konnte, wird ewig sein Geheimnis bleiben, aber klar war: Es wurde mal wieder Zeit für einen Auswärtssieg und für den ersten Sieg des VfB Stuttgart gegen Leverkusen unter Sebastian Hoeneß überhaupt! Zugegeben: Das Leverkusen 2026 hat nicht mehr viel gemeinsam mit dem Leverkusen, das Meister wurde und uns in jener Saison kolossal nervte. Alonso weg, Wirtz weg, Tah weg, Xhaka weg, viele andere weg. Der VfB hingegen nach wie vor mit dem gleichen Gerüst und einem Trainer mit einem Plan. Atakan Karazor nahm Alex Garcia in Einzelhaft und der VfB jagte die Leverkusener von Anpfiff an über das komplette Feld und hätte schon nach 60 Sekunden in Führung gehen können, vielleicht sogar müssen, als Chris Führich …

Der Brasilianer mit den deutschen Tugenden

Anfang der 2000er Jahre, schaffte Schalkes Manager Rudi Assauer das schier Unmögliche: Er war in Stuttgart noch unbeliebter als Winnie Schäfer, denn es kursierte jede Woche ein neues Gerücht. Kuranyi: Was läuft da mit Schalke? Wechselt Hinkel in den Pott? Assauers Plan: Den ganzen VfB kaufen. Schalke heiß auf Magath! 2004 verpflichteten die Knappen schließlich Marcelo Bordon. Auch wenn wir den Brasilianer in unser Herz geschlossen haben, Bordon ist ein echter Königsblauer geworden. 1999 war Bordon für rund 4,5 Millionen Mark aus Sao Paulo an den Neckar gewechselt. Nach einer kurzen Anlaufzeit entwickelte er sich in Stuttgart zum unumstrittenen Abwehrchef. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass er eine Zeit lang der beste Abwehrspieler der Bundesliga war. Er war kein typischer brasilianischer Schönspieler, er trat ohne Schnörkel auf, machte nirgendwo eine Schleife dran. Er war ein Kraftpaket, die Fußballsprache erfand für ihn den Begriff “Abwehrrecke“. Die taz bezeichnete ihn dagegen als „elefantenohrigen Brasilianer” und der kultivierte in seinen fünf Jahren beim VfB eine sehr körperbetonte aber nie unfaire Spielweise, mit seinem muskulösen Oberkörper und seinen Tattoos …

“Des musch g’wenna!“

Ich gehe mit Hoffenheims Trainer Christian Ilzer mit, der nach dem Spiel sagte, ein Spiel gegen seine Hoffenheimer würde keinen Spaß machen. Die TSG ist mir egal, aber ich musste mich trotzdem ziemlich aufregen im Stadion. Darüber, dass Hoffenheims Albian Hajdari hätte Gelb-Rot sehen müssen, nach zwei Fouls innerhalb von 90 Sekunden. Anstatt dessen sah Tiago Tomàs eine Verwarnung, weil er einen Freistoß zu früh ausführte. Darüber, dass Tim Lemperle über 90 Minuten seine Gegenspieler treten und umrempeln konnte, ohne verwarnt worden zu sein (Süddeutsche Zeitung: „In erster Linie war er Wrestler, Ringer und Rempler“). Anstatt dessen bekam Angelo Stiller eine gelbe Karte, weil er genau darauf hinwies. Darüber, dass der Unparteiische Daniel Siebert einen Schiedsrichterball wiederholen ließ. Anstatt dessen hätte er genau so konsequent das provokante Zeitspiel von Oliver Baumann unterbinden müssen, der bei Abstößen lange gestikulierte, sich dann im Schritt kratzte, Gras aus seinen Stollen klopfte und in aller Ruhe noch einen Schluck trank. Darüber, dass Deniz Undav schon wieder im Abseits war, wieder mit der Schulter. Eine ähnliche Situation gab es von …

Einstiger Publikumsliebling im Abseits

Er will doch nur spielen. Am liebsten in Stuttgart. Aber Sebastian Hoeneß lässt ihn nicht. Die Tür sei offen, meint der Trainer. Aber er lässt den einstigen Publikumsliebling nicht durchgehen. Schöne Worte, keine Taten. Einst war er der absolute Publikumsliebling in Stuttgart. Heute ist er beim VfB ohne jede Perspektive. Vor einigen Jahren war Silas noch der Spektakelspieler in Stuttgart. Einer, der uns verzauberte und unsere Herzen erreichte. 2020/2021 so etwas wie das Gesicht des VfB, der heißeste Scheiß der Liga, der Höhepunkt sicher das 5:1 in Dortmund, bei dem Thomas Hitzlsperger Konfetti kotzte. Silas stand stellvertretend für die neuen Jungen Wilden aus Cannstatt. Wild, das ist er. Sein Spiel roh und unkonventionell und unberechenbar und das passt nicht zum (Ballbesitz-)Fußball von Hoeneß, vielleicht passt es überhaupt nicht zum modernen Fußball. Silas setzte sehr spät einen Fuß in eine professionelle Fußballakademie, er wechselte bereits nach einem Jahr Profi-Fußball 2019 vom Paris FC zum VfB. Zusammen mit Atakan Karazor, Pascal Stenzel und Fabi Bredlow ist er am längsten beim VfB, bestritt insgesamt 132 Pflichtspiele (34 Tore) …

VertikalGIF #SVWVfB: The next Leweling

Sonntag Abend um 19:30 in Bremen: Wie beschissen kann eine Spielansetzung bitte sein? Aber die VfB-Fans, die nach vier Auswärtsspielen am Stück in Stuttgart eine Klatsche gegen die Bayern und ein 4:1 im weirden Spiel gegen Maccabi Tel Aviv erlebt hatten, waren natürlich wieder am Start. Zugegeben: Die Show gehörte in den ersten Minuten den Hausherren: In der dritten und gleich zwei Mal in der neunten Spielminute war der VfB kurz davor, in Rückstand zu geraten. Aber das 0:0 hatte Bestand, weil Alex Nübel und Fortuna regelten. Der VfB wurde stärker und ging in der 23. Minute in Führung, nachdem Angelo Stiller den perfekten Vertikalpass auf Deniz Undav spielte. Das fanden alle toll – abgesehen von den Bremern und dem VAR. Der Kölner Kellner rechtfertigt sich auch 24 Stunden nach dem Spiel noch, warum die Aberkennung des Treffers korrekt war. Aber der VfB wird nicht nur mit Werder fertig, sondern auch mit dem VAR und deshalb stand es nach 40 Minuten endlich 1:0 und das kam so: Jamie Leweling schlug eine wunderbare Flanke in den …

Und es hat Bumm gemacht!

Es war eigentlich ein typisches VfB-Spiel: Guter Beginn, gleich drin im Spiel, mit einigen hochkarätigen Chancen. Der Torhüter aber gut drauf, wie die meisten Keeper gegen den VfB. Dann nutzt der Gegner seine zweite Chance, weil man im Strafraum viel schläfrig ist und bekommt dazu noch einen absoluten Glücksschuss eingeschenkt. In der zweiten Halbzeit dann eine gelb-rote Karte und letztlich chancenlos, trotz insgesamt ordentlicher Leistung. Es war ein Spiel, das lange Jahre für den VfB typisch war und das jetzt Werder Bremen beim 0:4 nachstellte. Die Begegnung an der Weser hatte durchaus das Potential, richtig schief zu gehen. Zur wackligen Anfangsphase kam noch eine aberkanntes Tor von Deniz Undav. Welche Bilder Guido Winkmann (mit dem der VfB schon schlechte Erfahrungen machte) im VAR-Keller sich zurecht legte und wieviele Millimeter Abseits der VfB-Stürmer mit seinem Unterarm (!) war, das weiss nur er, so wie viele Entscheidungen des VAR willkürlich erscheinen. Jamie Leweling war dagegen in Bremen eine echte Erscheinung: Zwei Assists, das erwähnte Traumtor aus 32 Metern (!) mit einem kaum messbaren xG-Wert. Nicht nur der …

Wenn ein Helikopter zum Hauptdarsteller eines Fußballspiels wird

Die Begegnung in der Europa League gegen Tel Aviv war kein normaler Fußballabend. Am Ende wurde am meisten diskutiert, warum kein Alkohol ausgeschenkt wurde und was die Gründe dafür waren, dass es nur ein eingeschränktes Getränke- und Speisen-Angebot im Neckarstadion gab. Bedeutet: Wenn das die wirklichen Probleme des Spiels sind, war es ein gelungener Abend unter sehr speziellen Vorzeichen und Rahmenbedingungen. Es wurde ein riesiger Aufwand betrieben, um Fans und Mannschaft inklusive Delegation von Tel Aviv zu beschützen, um anti-semitische und Palästina-feindliche Aktivitäten zu verhindern, um „jeder Form der Gewalt mit Nachdruck entgegen zu wirken“ (Stuttgarter Vizepolizeipräsident Carsten Höfler). Geworden ist es ein ruhiger Abend, in dessen Verlauf so langsam die Anspannung nachließ. Sowohl die Stadt als auch der VfB haben gezeigt, dass sie der großen Verantwortung gerecht wurden und der Aufgabe gewachsen waren. Ständiger Begleiter (nicht nur) am Spieltag: ein Hubschrauber, der am Himmel kreiste. Omnipräsent in der Innenstadt, in Bad Cannstatt, am Stadion. Er wurde zum Soundtrack des Abends. Würde der kicker für ihn eine Note vergeben, es wäre eine 2, denn Höchstnoten …

Vom Unterschied zwischen abschenken und aufgeben

Bei Bekanntgabe der Aufstellung hat’s schon jeder gewusst: Das kann nix werden, Sebastian Hoeneß schenkt das Spiel gegen Bayern München einfach ab. Dabei ist die Idee durchaus nachvollziehbar, auf schnelle Spieler wie Ramon Hendriks und Ameen al-Dakhil in der Innenverteidigung zu setzen, einem ballsicheren Akteur wie Nicolas Nartey zu vertrauen und den vorwärts denkenden Chema Andrès zu bringen. Der Münchener rigorosen Mannorientierung selbst mit einer Manndeckung zu begegnen, ist ambitioniert. Vor allem nachdem es der Rekordmeister darin zu einer gewissen Exzellenz gebracht hat. Ist das mutig? Unbedingt. Ist das risikoreich? Aber ja. Wie viele jedoch bei Aufstellung und Spielsystem von „abschenken“ sprechen können, ist schwer nachzuvollziehen. Die Mannschaft schlug sich nach anfänglichen Schwierigkeiten und dem 0:1-Rückstand achtbar. Es war aber auch eine gegnerische Elf, die zunächst nicht in Bestbesetzung antrat. Ob Vincent Kompany vor dem Spiel vorgeworfen wurde, er würde das Spiel nicht ernst nehmen oder gar abschenken wollen? Der VfB war beim 0:5 hinsichtlich seiner Spielweise nie ein ernsthafter Gegner. München hat Probleme mit Intensität, mit Körperlichkeit, mit Kampf, mit Gegenwehr, mit Chaos, wenn …

VertikalGIF #FCBVfB: Systemausfall nach 60 Minuten

Normalerweise lassen wir die Bayernspiele aus, denn in zwei von drei Fällen verliert der VfB, die Stimmung ist aufgrund der Bayern-Fans aus dem Stuttgarter Umfeld mehr als seltsam, und ganz ehrlich: Wer will schon 90 Minuten Joshua Kimmich sehen? Aber wenn man ohnehin schon in Bad Cannstatt ist, nimmt man den “Südschlager” natürlich mit. Das Dauerkärtle ist schließlich bezahlt! Und bereits beim Lesen der Aufstellungen reifte eine Vorahnung, dass es ein seltsames Spiel werden könnte: Sebastian Hoeneß stoppte seine Rotationsmaschine auch gegen die Bayern nicht und sein Gegenüber Kompany setzte auch auf eine Art B-Elf. Ein weiteres Indiz dafür, dass es ein seltsames Spiel werden würde, war die Tatsache, dass der VfB bereits nach vier Minuten zwei gelbe Karten kassiert hatte. Erst traf es Al-Dakhil, dann Jamie Leweling. Und was sagen wir generell zur Spielleitung von Tobias Stieler? Es war der Stimmung im Neckarstadion auch nicht zuträglich, dass es nach nur elf Minuten auch schon 1:0 für die Bayern stand: Über Urbig und Laimer landete der Ball bei Oliseh, der wiederum Laimer bediente, der durchaus …