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Die Goldgräber aus Cannstatt

Irgendwo im Wilden Süden. Der Neckar nicht weit. Feinstaub liegt in der Luft. Vier Männer reiten langsam auf die VfB-Geschäftsstelle zu. Alex “Goldfinger” Wehrle vorneweg. Natürlich. Dicht hinter ihm „Greenhorn” Petry, „Dusty” Röschl und “Old Digger” Allgaier. Es ist wieder diese Zeit des Jahres. Die Zeit, in der ein neues Ausweichtrikot her muss. Im Vorstandsbüro legt Greenhorn Petry einen Stapel Entwürfe auf den Tisch. „Alex, das sind unsere Ideen.” Goldfinger Wehrle blättert. Rot. Schwarz. Anthrazit. Ein Farbverlauf Irgendetwas mit Carbon. Er hebt kurz die Augenbraue. Dann schiebt Wehrle den Stapel von sich. „Grabt weiter.” Drei Tage später. Greenhorn Petry hat wieder Trikot-Designs dabei. „Wir hätten da etwas mit Camouflage.” „Grabt weiter.” “Wir könnten was mit ner Brezel machen!” „Grabt weiter.” Dusty Röschl übernimmt. „Wie wäre es mit schwarz und silbernen Blitzen?” „Grabt weiter.” „Oder ganz fancy: neon?“ Wehrle wütend: „Grabt weiter.” Goldfinger gibt bei seiner Marketingabteilung für alle Fälle ein Plakat in Auftrag: Wanted: Dead or alive! Ideen fürs Ausweichtrikot gesucht! Die Männer graben. Am Neckarufer. Im Schlossgarten. Unter dem Wasen. Zwischen Mercedes-Benz-Museum und Kursaal. …

Das neue VfB-Trikot: läuft!

Wir kennen das mittlerweile von Jako und dem VfB: Beim Design der Trikots wird immer nach Verbindungen zur Club-, Kultur- und Stadt-Geschichte gesucht. Legacy heisst das im Business- und Fashion-Sprech. Manchmal ist das kreativ, manchmal aber auch arg verzwungen. Dieses Mal ist der Link das Mineralwasservorkommen von Bad Cannstatt, angeblich das zweitgrößte Ausschüttungsvolumen Europas. Die Storyteller vom VfB und von Jako sind eben mit allen (Mineral-)Wassern gewaschen. Wir alle saßen in der Front Row als das Trikot mit unscharfen Aufnahmen vom Foto-Shooting am Klösterlebrunnen geleakt wurde. Der Aufschrei groß, dabei ist eigentlich egal, wie das Trikot aussieht, manchen gefällt es, anderen nicht, einigen ist es egal. Wir haben es uns genau angeschaut. Eine Stilkritik. Der weiße Grundton des neuen Heimtrikots wirkt clean, minimalistisch und fast schon Scandinavian Chic. Die roten Ärmel liefern den nötigen Color Pop. Besonders spannend ist der Dot-Dive-Look an den Schultern. Offiziell sollen die Punkte an aufsteigende Mineralwasserperlen erinnern. Wir sehen darin eine elegante Neuinterpretation von Batik, Hippie-Ästhetik und Festival-Vibes der Siebziger. Unser erstes Fazit: Das Trikot schreit nicht. Es perlt. 5 …

VfB-Gerücht des Tages: Bilal El Khannouss

Er hat beim VfB sofort eingeschlagen, schon nach kurzer Zeit vermisste niemand mehr Enzo Millot. Sein Talent macht viele sprachlos. Doch was mit viel Freude begann, führte schnell zu ersten Schwierigkeiten. Ehrgeiz und Ungeduld treiben Bilal El Khannouss an. Marokkos Nationalspieler ist offen für neue Kulturen, beim Lernen neuer Sprachen drückt er wie auf dem Rasen mächtig aufs Tempo. Denn das fällt ihm leicht: Er kann sich bereits in sechs Sprachen verständigen: französisch, niederländisch, englisch, arabisch sowie in Grundzügen spanisch und deutsch. Kommt nun eine neue Sprache dazu? Angeblich soll er bereits fleißig italienisch lernen. Jetzt kann es ganz schnell gehen. El Khannouss ist sprachbegabt, er weiß, wie wichtig Kommunikation und Verständigung in der Landessprache ist. Er ist ehrgeizig, will sich schnell integrieren. Und er ist ungeduldig, will von Anfang an die Landessprache seines Clubs verstehen und sprechen. Mit seinem Deutsch ist der marokkanische WM-Teilnehmer noch nicht zufrieden. Um schneller voran zu kommen, hat der VfB-Profi nun gemeinsam mit einem belgischen KI-Start-up eine neuartige Sprach-App entwickelt, Arbeitstitel „Khannousso Lingo“. Der Clou: Nutzer können mit einem …

Ein Guter ist gegangen

Noch am Samstag Abend unterhielt ich mich beim Dinkelacker Stehausschank mit einem Freund über Bernd Sautter und der sagte: „Der Saudi ist ein Verrückter. Und mir isser zu links“. Achselzuckend fuhr er fort: “Aber keiner weiß mehr und keiner schreibt besser über den VfB, sorry!“ und klopfte mir dabei entschuldigend auf die Schulter. Einen Tag später erfuhr ich, dass Bernd gestorben ist. Kennengelernt habe ich Bernd vor etwas mehr als zehn Jahren. Anlass: seine Veranstaltung mit Gilbert Gress im Fischlabor. Wir kannten uns noch nicht persönlich, aber Bernd reservierte uns für den Blog Plätze, denn es würde voll werden, da war er sich sicher. Er hatte Recht, natürlich, weil es auch ein bissle klein ist im Fischlabor. Da ging ich mit meinem Vater hin, der da schon nicht mehr auf der Höhe war. Aber es war für ihn ein Highlight, sogar ein Bild von ihm und Gress haben wir gemacht. Bernd war richtig gerührt, als ich ihm erzählte, was es für eine Freude war für meinen Vater. Womöglich eine der letzten, bevor er Honig im …

Seimen zwischen Romantik und Erfolgsdruck

Ist es wirklich so, dass sich VfB-Fans nach einem Eigengewächs sehnen, das es zu einem Stammplatz in der Profi-Mannschaft schafft oder ist das eine mediale Einschätzung, die sich durch ständige Wiederholung verselbständigt hat? Mit Dennis Seimen könnte nach Sven Ulreich mal wieder einer aus dem NLZ im Tor stehen, nachdem es Bernd Leno (2009) und Odysseas Vlachodimos (2016) aus verschiedenen Gründen nicht zugetraut wurde. Ich schreibe nur Fredi Bobic und Robin Dutt. Was erwartet Seimen beim VfB? Riesige Fußstapfen, da Alex Nübel auch ein Gesicht des VfB-Aufschwungs der letzten drei Jahre ist. Enorme Erwartungen, da sich Experten einig sind, dass Seimen nicht nur ein ordentlicher Bundesligatorwart werden könnte, sondern noch deutlich mehr. Großer Druck, dass es endlich mal wieder einer von „jung und wild“ in die Stammformation der Profis schafft. Wie sieht Sascha Felter, Torwartexperte und Host des Podcasts „Keeperanalyse“, die neue Nr. 1 des VfB? “Ganz grundsätzlich traue ich Dennis Seimen den Sprung in die Bundesliga zu. Seimen hat ein sehr gutes Positionsspiel, mir gefällt seine Beinarbeit, mit der er seine Position vor Schüssen …

Alles andere als ein One-Hit-Wonder

Er ist der Harry Styles der VfB-Offensive, der für Bangaranga in gegnerischen Strafräumen sorgt. Der Apache mit 207 Toren und Torvorlagen. Er hat unten gute Laune, oben gute Laune, links gute Laune und rechts gute Laune. Deniz Undav ist unser MVP der Saison. Egal, was Undav macht: Es wird ein Hit. Selbst wenn er mit großen Augen von der rechten Seite in das Blickfeld des Schiedsrichters rückt. Es wird zum Bild des Tages und das bei einem Spiel, in dem Harry Kane drei Tore geschossen hat. These ref POVs are the best thing football has introduced in years pic.twitter.com/DE4tO0HVqr — ✹ (@Wvrdell30) May 25, 2026 Undav taucht auf wie aus dem Nichts. Und das ist die Parallele zu seinem Spiel: Manchmal sieht man lange nichts von ihm und plötzlich hat er eine geniale Aktion, überrascht mit einem unerwarteten Move oder Pass, schießt das entscheidende Tor. Für kurze Aufmerksamkeitsspannen wie beim deutschen Bundestrainer ist das nichts. Undav ist kein für Spotify optimierter zweieinhalb Minuten-Popsong. Der VfB hat die siebtbeste Offensive in den fünf großen Ligen und …

Herr der Augenringe

Es war für uns der Moment der Saison. Bereits hier wurden die dramatischen Weichen für eine erfolgreiche Runde gestellt, an deren Ende die Champions League Quali und das Pokalfinale standen. Man stelle sich vor, der VfB hätte nach der Super-Cup-Niederlage gegen Bayern München und dem 1:2 gegen Union Berlin zum dritten Mal nacheinander verloren, der Saisonstart wäre ein Katastrophenfilm gewesen mit FSK 18. Dann wäre noch der Woltemade-Abgang dazugekommen, Sebastian Hoeneß hätte schlechte Laune gehabt und Stuttgart hätte gebrannt wie ein Die-hard-Set. Lange sah es nach fear and loathing in Braunschweig aus. Der VfB spielte in der ersten Pokalrunde erst Penalty Fiction und es endete schließlich mit The Good, The Bad and The Assignon. Ein Pokalspiel wie ein Tarantino-Film: zu lang, völlig absurd, voller Wendungen und immerhin mit ein paar lustigen Dialogen (Alex Nübel: „Ich weiß nicht, wie gut ich einschlafen kann“). Tiago Tomàs zeigte hier schon seinen Sinn für große Momente, ohne dass wir ahnten, dass er gegen Freiburg und Hoffenheim mit den Dingern in Serie gehen würde. Sein absurder Trick vor dem 3:4 …

Das ist alles nicht normal!

“Wir gewinnen sowieso“, sagten und sangen die Bayern Fans schon vor dem Spiel. Und das ist auch deren Haltung: Einen Titel zu gewinnen ist für sie normal, auch wenn der letzte Pokalsieg sechs Jahre her ist. Der VfB und seine Fans sind davon weit entfernt: Auch wenn es historisch und schlicht sensationell ist, zwei Mal hintereinander das Pokalfinale zu erreichen, das wird für uns nicht so „normal“ werden wie für den FCB. Ich bekam schon am Donnerstag und Freitag Bilder von Freunden: „Es gibt einfach so viele tolle Menschen im VfB-Umfeld“. Es wurde das Zusammensein gefeiert, die Liebe zum Verein, die Entwicklung des Clubs und trotz eher geringer Chancen stieg die Vorfreude auf das Finale von Minute zu Minute. Weil es mehr als 90 Minuten auf dem grünen Rasen sind. Gemeinschaft, Zusammenhalt, Identifikation, Identität. Die Stimmung in der Stadt ganz besonders, auch wenn ich von einem Berliner Fahrradfahrer mit einer leeren Zigarettenschachtel beworfen wurde, verbunden mit der Schrei „Stuttgart verrecke“. Er mag wohl Stuttgarter generell nicht, wie auch die BFC-Fans, zu denen ich in die …

Medo, der Mentalitätsspieler

Bei vielen Spielen das VfB seufzte ich in der Vergangenheit: „Ach, wenn er nur kicken könnte“ und meinte damit Ermedin Demirovic. Da hatte er mal wieder einen Ball verstolpert, einen Flugball nicht festgemacht oder einen Pass im Kombinationsspiel versemmelt. „Er ist genau für diese Spiele geschaffen. Er ist auch in der Lage, die anderen Spieler mit anzuzünden“, war Sebastian Hoeneß dagegen nach dem 3:1 gegen Leverkusen voll des Lobes für seinen Mittelstürmer. Demirovic kann man also auch anders sehen und Hoeneß liegt natürlich richtig mit seiner Einschätzung. Allerdings: Demirovic muss so eingesetzt werden, dass er seine Stärken entfalten kann. Lange Bälle festmachen: nicht so sein Ding. Zocken mit den Mitspielern: lieber nicht. Er ist ein Finisher, der Strafraum sein Revier. Er muss so angespielt werden, dass er möglichst gleich mit dem ersten Ballkontakt abschließen kann. In der Tat: Demirovic riss gegen Leverkusen die Mitspieler mit, aber auch das Publikum. Seine Ausstrahlung wichtig in der Begegnung gegen Leverkusen. Ihm waren Ehrgeiz und Überzeugung anzusehen, an ihm konnten sich alle orientieren. Schade, dass ihm der VAR direkt …

Über die Kunst, so ein Spiel nicht zu verlieren

Der VfB gewinnt in Hoffenheim 3:3 und verdient ist das nicht. Bis zur roten Karte von Atakan Karazor zeigte nur ein Team, dass es in die Champions League will. Der VfB war es nicht. Glück gehabt hat der VfB und Glück gebraucht, denn er fand die richtige Haltung in diesem Spiel erst, als er in Unterzahl spielen musste. Dass Hoffenheim den VfB nicht abschoss, das Spiel nicht 6:2 oder 7:2 gewann, lag an ihrer „Unreife“ (Andrej Kramaric) und an Alex Nübel, der ein überragendes Spiel mit teilweise spektakulären Paraden zeigte. Wie brachte der VfB es fertig, dieses Spiel nicht zu verlieren? Weil der Gegner am eigenen Werk scheiterte. Oliver Baumanns Katastrophenspiel Mindestens die zwei Tore von Chris Führich und Ermedin Demirovic muss der deutsche Nationaltorhüter halten. Es wäre keine große Kunst gewesen, jeweils das kurze Eck zuzumachen. Wobei man auch zugeben muss, dass bei beiden Treffern jeweils nur ein Pinselstrich Platz war für den Ball. Hoffenheims katastropale Chancenverwertung Einweder spielten sie es nicht clever aus oder sie scheiterten an Nübel Nübel Nübel. Der Stuttgarter Torhüter …