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Tausend Tränen tief

Enttäuscht, resigniert, verbittert, wütend, müde, traurig, entsetzt, hoffnungsvoll, melancholisch, erleichtert, fassungslos – kann man das alles gleichzeitig fühlen? Es fühlt sich jedenfalls scheiße an. Ich hatte eine Woche Zeit, mich auf den Abstieg vorzubereiten. Aber er trifft mich doch mit einer unerwarteten Wucht. Der Abstieg kam in der Nacht und hielt mich umschlungen, ich bin erwacht und er war immer noch da. So wird das jetzt lange gehen. Ich bin wütend! Der Abstieg ist so unnötig. Die erste Liga wurde hergeschenkt nach dem Hoffenheim-Sieg: Ein frappierender Spannungsabfall im gesamten Verein, der über neun Spiele von keinem der Verantwortlichen gebremst werden konnte. Nicht gehandelt zu haben, sich nicht mit allem gegen den Abstieg gewehrt zu haben wie Bremen und Frankfurt, ist das wahre Versagen von Bernd Wahler, Robin Dutt, Jürgen Kramny und der Mannschaft. Wer ernsthaft überlegt, mit Dutt und Wahler weiter zu arbeiten, schadet dem Verein. Ich fasse es nicht! Hätte Dutt in den Wochen zuvor so gekämpft wie in der letzten Woche um seinen Job, dann wäre der VfB nicht abgestiegen. Wenn Dutt so …

Zweitklassige Kindheit

Das ist Frederik. Aber alle nennen ihn Freddy. Er ist dreieinhalb. Und noch so klein, dass sein Debüt im lokalen Bambini-Team frühestens im Sommer 2016 denkbar ist. Seinen bisher besten Auftritt aus fußballerischer Sicht hatte er in der Halbzeit des WM-Finales 2014, als er im Sommerregen mit größeren Jungs  auf einer Terrasse voller Nacktschnecken kickte. Barfuß versteht sich. Bislang investiert Freddy seine gesamte fußballerische Energie also in seine Rolle als Fan des VfBs. In seinem Alter gibt es noch keinen Abstiegskampf. Oder Trainersuche. Oder Torwartdiskussionen. Es gibt keine Grauschattierungen. Es gibt nur weiß – und rot. Andere Eltern haben vielleicht die Sorge, dass ihr Sohn schwul wird. Oder Politiker. Oder Fan des FC Bayern. Aus meiner Sicht wäre das alles nicht so schlimm. Okay, das mit den Bayern schon. Viel schlimmer wäre es aber doch, wenn Freddy in Stuttgart zweitklassig aufwachsen müsste. Schon jetzt laufen die Kids in seinem Kindergarten und an der Grundschule seiner großen Schwester in Trikots von Barcelona, Real Madrid oder Bayern München herum. Brustringtrikots in Größe 116 sucht man vergebens. Während man überall kleine …