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Das Ende von Big D.

„Als ob Sie sich an Regeln halten würden, Herr Dietrich!“

Diese Antwort von Rainer Adrion auf Wolfgang Dietrichs Hinweis, er möge sich bei der Redezeit an die Vorgaben halten, ist so etwas wie die Zusammenfassung der Ereignisse der letzten zwei Tage. Und es war eventuell der Anfang vom Ende Dietrichs als Präsident des VfB Stuttgart. Denn wäre das WLAN nicht ausgefallen, wäre über den Abbruch der Aussprache abgestimmt worden und Adrion wohl nicht mehr zu Wort gekommen.

Adrions Worte sollten sich 16 Stunden später erneut bewahrheiten. Denn auch bei seinem Rücktritt hielt sich Wolfgang Dietrich nicht an die Regeln. Den VfB e.V. und die VfB 1893 AG über seinen überraschenden Rückzug zu informieren,  hielt er nicht für notwendig. So gesehen ist sein egozentrischer Abgang nur das logische letzte Kapitel seiner knapp dreijährigen Amtszeit. Für seine Art der Führung des Vereins und der AG wurde der Präsident mit der Aufrichtigkeits-Allergie auf der Mitgliederversammlung mit unverblümter Kritik konfrontiert. Die Redebeiträge waren immer sachlich, oft emotional, aber nie unter der Gürtellinie. Unter der Last der vielen Argumente ist Dietrich letztlich eingeknickt. Nicht ohne in seiner Abschiedserklärung seinen ehemaligen Kollegen den Mittelfinger zu zeigen. Er wolle nicht mehr für alles verantwortlich sein, er habe Unterstützung vermisst und er wolle nicht mehr bei einer Organisation arbeiten, die nicht einmal ein funktionierendes WLAN auf die Beine stellen könne. (hier gehts direkt zu seiner Erklärung). Alle sind Schuld, nur ich nicht, so die Botschaft von Dietrich. Selbstkritik? Demut? Bei Wolfgang Dietrich nicht möglich. Auch, dass er den Verein, den er doch so liebt, als „Organisation“ betitelt, lässt tief blicken.

Wolfgang Dietrich ist zurückgetreten und das ist auch gut so. Zunächst einmal für ihn persönlich, denn der enorme Druck, den er durch die teilweise persönliche Kritik gespürt haben muss, ist vorbei. Aber es ist auch gut für den Verein und die VfB AG. Es kommt hoffentlich wieder Ruhe in den Club, es wird wieder respektvoller miteinander umgegangen, es wird wirklich der Dialog gesucht und der VfB kommt endlich aus dem Selbstzerstörungsmodus heraus, in den ihn Dietrich in seiner Amtszeit gesteuert hat.

Der VfB hat im Vorfeld der Mitgliederversammlung viel verbrannte Erde hinterlassen, um Wolfgang Dietrich eine weiteres Jahr im Amt zu ermöglichen. Aus seiner Perspektive scheinen sie ihn jedoch im Stich gelassen zu haben. Sein Statement lässt erahnen, dass man intern anscheinend doch nicht so oft einer Meinung war, wie es nach außen scheint. Oder Dietrich stilisiert sich auch bei seinem Abschied als Opfer.

Nun ist es die Aufgabe des Vereinsbeirats, neue Kandidaten für das Amt des Präsidenten zu präsentieren. Zwei zur Auswahl sollen wir bekommen. Und wir als Mitglieder sollten diesmal ganz genau hinschauen, wer das sein wird.

Einen weiteren Kommentar von uns zum Dietrich-Rücktritt findet Ihr bei 11Freunde

Alexander Bonengel spricht auf Sky von einem „narzisstischen Abgang“

Ein sehr treffender Kommentar zum Rücktritt Dietrichs von George Moissidis findet sich hier.

Titelbild: gettyimages.de/Bongarts

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11 Kommentare

  1. Tom sagt

    Akzeptanz gegenüber VfB wieder gestiegen. Wer sich so ein Spalter zum Chef macht, mit dem habe ich 0 Mitleid. Als S21 Propaganda Sprachrohr die Stadt gespalten mit – wie man geute weiß – allerhand Lügen. Dazu noch erfolgreich 2x im NSU Ausschuss im Landtag eine Aufklärung verhindert. Abschaum für mich.

  2. drhuey sagt

    Endlich, so hört man seine innere Stimme immer wieder sagen und spürt erst jetzt welche Wucht (sorry, der musste sein) Herrn Dietrich inszenierte Machterhaltsstrategie entwickelt hatte. Sie hat den Verein über Monate gelähmt und viel Energie gekostet. Ein zur Selbstkritik unfähiger Präsident, dem ich nicht absprechen möchte, dass er sich zum Wohle des VfB vorgenommen hatte, ist Geschichte. Dennoch fällt seine Bilanz eher bescheiden aus. Da war die Auslieferung, die schon vorbereitet in der Schublade lag und der Ankerinvestor, für den es keine grossen Überzeugungskünste gebraucht hat. Ein vielfach nebulös angekündigter zweiter Investor blieb bis heute aus. Mitunter auch durch den mangelnden sportlichen Erfolg, der mit Dietrichs Personalentscheidungen unmittelbar zu tun hat. Jetzt kann der Verein bzw. die AG aufatmen und den Weg, den man im sportlichen Bereich begonnen hat, auch in der wirtschaftlichen Führung weitergehen. Es geht jetzt darum einen Vorstandsvorsitzenden zu finden, der die Gepflogenheiten des Profifussballs bestens kennt und mit einer wirtschaftsnahen, gerne internationalen Vernetzung ausgestattet ist. Als Präsidenten bräuchte man jemanden mit Lokalkolorit, der mit wenig Machtfülle zurechtkommt. Wenn diese beiden Posten sehr gut besetzt sind und die Strukturen funktionieren bekommen wir auch exzellenten, weiteren Fussballsachverstand in beratenden Gremien, weil jeder gerne bei einer Erfolgsstory dabei sein möchte. Und obwohl ich bezüglich des Walterschen Systems noch meine Fragezeichen habe, konnte ich dennoch bereits ein viel besser besetztes Mittelfeld beobachten. Sven Mislintat hat darüber hinaus sehr viel Potentialspieler geholt, deren sehr gute Ausbildung und deren Willen man auf dem Platz sehen kann. Und da nun auch der Weg frei ist sich in der Führung professionell aufzustellen, besteht die Hoffnung, dass es unser VfB doch noch schafft nachhaltig zu den TOP 10 in Deutschland zu gehören.

  3. Pessimist sagt

    Hallo A-Z
    Du schreibst…
    „Nun ist es die Aufgabe des Vereinsbeirats, neue Kandidaten für das Amt des Präsidenten zu präsentieren“ …
    Das springt mir einfach zu kurz und bringt uns in den Modus zurück, den wir nun so viele Jahre hatten. In den Modus dass „der Verein“ uns irgendwas vorsetzt und überall die Anti-Haltung aus dem Boden spriesst.
    Jetzt ist doch die Zeit für eine offene Diskussion zu möglichen Kandidaten gekommen. Und da bietet doch der VP eine Klasse Plattform.
    Kommentierende Begleitung, kritische Betrachtung das kann dann wieder Aufgabe sein, wenn die Posten besetzt sind.
    Es gibt doch nun derart viele Mitglieder, die mit dem Gewesenen so personell nicht zufrieden sind (zur Klarstellung: Haltung die man auch so haben kann) – aber das sind doch auch viele sehr fähige Leute um da mal offen und konstruktiv die Personalfindung begleiten können.
    Der VP ist sicherlich eine der Stellen an denen sich die VfB-Meinungen sehr verdichten. Also geeignet um auch Einfluss nehmen zu können. Ich kann mir nicht vorstellen dass die ganzen Dinge des VP in der Mercedesstrasse 109 nicht gelesen werden

  4. Ste sagt

    Hi,
    aus Eurem Artikel.
    „Nun ist es die Aufgabe des Vereinsbeirats, neue Kandidaten für das Amt des Präsidenten zu präsentieren. Zwei zur Auswahl sollen wir bekommen.“

    ->Der Vereinsbeirat entscheidet laut heutiger Mitteilung noch ob einer oder zwei Kandidaten vorgeschlagen werden. Btw, genau hinschauen in jedem Fall.

    Ste

    • @abiszet sagt

      Hi Ste, ja, wir hatten aus auf die Aussage in der MV verlassen, dass zur nächsten Wahl 2 Kandidaten zur Auswahl stehen. Schaun mer mal …

    • @buzze sagt

      Wenn sie nur einen vorschlagen, müsste es jemand sein, bei dem klar ist, dass er für alle Mitglieder tragbar ist (Kaliber Klinsmann). Sollte es aber ein Kandidaten sein, der von einem signifikanten Teil der Mitglieder nicht akzeptiert wird, wäre das ein Zeichen, dass der Vereinsbeirat nichts aus der aktuellen Situation gelernt hat.

  5. Bernd sagt

    Nachdem Gass jetzt WD zum Heiland persönlich erhoben hat, halte ich es weiterhin für eher unwahrscheinlich, dass in diesem Umfeld ein Lernprozess stattgefunden hat oder stattfinden wird.

  6. Dirk sagt

    Hallöle, ein kleiner verspäteter Nachtrag noch zu meinem literarischen Frühwerk unter Eurem „Der Trixxer“: Jaaaaaaaa – endlich #AUSGEDIETRICHT
    (Sorry, der musste sein; genau wie ein fettes DANKE an alle engagierten und mutigen Antragsteller, MV-Redner, Blogger, Podcaster, und investigativen kicker-Redakteure).

    Man sollte ja meinen, daß das eigentlich sehr traurige Kapitel konfliktreicher Fussballinvestor nun ad acta gelegt werden kann. Aber da WDs Regentschaft irgendwo auch nur die faulige Frucht am Baum des nach wir vor amtierenden Stuttgarter Ankerklüngels war, sollte man schon nochmal dahinter blicken, wie das alles passieren konnte: Mit Quattrex, Durchwinken WDs als Präsidentschaftskandidat durch die DFL, geleisteten Zusicherungen gegenüber DFL etc., sozusagen die kleine Findungsphase zwischen Daimler, dem damaligen eV Aufsichtsrat, der DFL Compliance und WD samt Familie und Beraterschaft – wie kriegen wir das Stand 2016 unter einen Hut (Deckmantel), ohne dass uns das um die Ohren fliegt. Nicht dass irgendwann ein neuer Präsidentschaftskandidat oder ein 2. Investor aus der globalen Region daherkommt, der eigentlich keinem zu vermitteln ist, aber mit allerlei Tarnen und Täuschen wieder brutal aufgehübscht und verkaufbar gemacht wird und am Ende allen MV Besuchern blaue Schals schenkt.

    Dass die DFL und die damaligen eV-Aufsichtsräte 2016 mehr wussten, als öffentlich und auf MVs ausgesprochen wurde, war ja immer mehr als offensichtlich. Wer aber wann die treibende Kraft war, und welche Zusicherungen WD abgeben musste, das wird wohl immer im Verborgenen bleiben.

    Ich greife mal die zuvor mal angesprochene Differenzierung zwischen ganz kleiner Partizipation am Fondserfolg (inkl. Union Erfolg) via teilweise erfolgsabhängiger Gebühren beim Investment Adviser Quattrex Finance GmbH einerseits und 100% Partizipation am Fondserfolg als Fonds-Investor/Anteilseigner selbst auf und frage nochmal genauer ins Weltall: Wem gehören die ganzen Fondsanteile eigentlich? Ist das ein nie nach außen vermarkteter Spezialfonds, der nur ein Umverpacken (‚repackaging‘) darstellt, damit eine weitere Ebene zwischen Quattrex selbst und den Darlehensverträgen mit FCK/Union/HDH gezogen wird? Wurden die Darlehensverträge mit den 3 Vereinen nur umgewidmet, somit die Darlehensforderungen, die ursprünglich mal der Quattrex Sports AG gehörten auf den Spezial-Fonds (genauer das darunter liegende Compartment namens German Opportunities) übertragen, ohne daß sich an der wirtschaftlichen Partizipation irgendetwas Wesentliches geändert hat. (wenn beispielsweise die Anteilseigner des Fonds identisch sind mit denen der Quattrex Sports AG). Wurde der Fonds niemals aktiv vermarktet an mögliche Fondsinvestoren, weil andere Investoren ohnehin nicht gesucht waren? Alles ganz privé, Familienfonds allez?! Wurde diese Struktur in der großen Findungsphase gemeinsam ausgeklügelt? War die DFL teilweise oder vollumfänglich über die Verhältnisse informiert oder gar in der Strukturierung aktiv involviert, damit eine Präsidentschaft eben gerade so noch mit Zähneknirschen hinnehmbar und vertretbar ist, sozusagen eine Subprime-Glaubwürdigkeit, die durch Vermischen und Verpacken trotzdem noch ein AAA-Rating erhält? Und warum wurde dann ausgerechnet 2 Tage nach dem letzten BL2 Spieltag mit Union als nun fixem Relegationsgegner am Quattrex-Geflecht rumgeschraubt, wenn doch alles immer so sauber war? Alles, was viele immer noch über Quattrex wissen wollen, und nun auch zu fragen wagen, weil Aufarbeitung und so…

    Disclaimer: Dies ist alles nur in Fragen verpackte spinnerte Spekulation, angelsächsisches „gut feeling“ vong Gefühl her, kleines krakeelendes Wirtschafts-Popometer, also quasi Satire – denn Satire, darf ja alles, also auch Szenarien ausdenken – anderenfalls würde man dieses elendige Geklüngel seit +3 Jahren auch nicht aushalten.

    • @abiszet sagt

      Hi Dirk, ersma: Wir sind doch hier kein Wirtschafts-Blog! ;-)
      Ich denke, ein paar Leute werden nach wie vor genau hinschauen (auch wir versuchen es), aber ich denke, das wird nie ganz aufgelöst/aufgedeckt werden. Wie auch die WLAN-Panne wohl nie aufgeklärt werden wird.

      Lieber Pessimist: Danke für Deine Einschätzung, ✌️ Ich denke, die Diskussionen müssen weit über VP hinaus gehen. Und Sie werden ja auch schon geführt.

    • Bernd sagt

      Der fragliche Dachfonds wurde am 25.02.2016 aufgelegt, also zu einer Zeit, in der der VfB noch ein gutes Stück vom zweiten Abstieg entfernt war und Präsident Wahler noch fest im Sattel saß. Es hätte also schon eines enormen sportlichen Weitblicks bedurft, um diese Nummer so geplant abzuziehen, und diesen will den handelnden Personen ja vermutlich keiner unterstellen.

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