Mini-Feature, VfB
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Unsere ultimative Hinrunden-Prognose

Es nervt.
Es nervt hart.
Diese unsägliche Vereinspolitik mit Quattrex-Verwicklungen, Wahrheitsbeugungen, Lügen, Propaganda und Querelen. Antworten auf nie gestellte Fragen. Fragen, auf die es keine Antworten gibt und Verluste, die als Gewinne deklariert werden. Die Worte „WLAN“ und „Gremien“ haben wir sowieso bis auf weiteres gemutet. Und wer in unserer Gegenwart einen dieser Begriffe verwendet, wird instant arschgebolzt!

Jedenfalls gut, dass die Saison anfängt. Endlich wieder über Fehlpässe statt Falschaussagen echauffieren, endlich wieder über individuelle Fehler statt Egotrips aufregen. So schön. Mann, was freuen wir uns, dass es endlich los geht und wir den Walter-Fußball unter Wettkampfbedingungen sehen können – Hashtag „Ergebnisdruck“. Aber das ist ja beim VfB normal: Vor der Saison besoffen vor lauter Vorfreude, während der Saison dann der fiese Kater. Bitter! Oder wird diesmal alles anders?

Wir wagen jedenfalls unsere schon traditionelle Hinrunden-Prognose (Spoiler: die Hinrunde wird sensationell!):

1. Spieltag
Feels like Bundesliga. Der Gegner heißt Hannover 96. Erst die Karawane vom Cannstatter Bahnhof zum Stadion bei 37 Grad im Schatten. Neues Motto: „Alle in Schweiß“. Dann volles Haus, Super-Stimmung und ein wildes 3:3 zum Saisonauftakt. Mario Gomez knipst zwar wie in besten Zeiten und erzielt einen Dreierpack mit allen möglichen und unmöglichen Körperteilen, aber defensiv ist das Konzept von Walter noch wahnsinnig wackelig, weil den Spielern vor lauter Ballbesitz schwindelig wird. Vor der Partie lüftet der Trainer auch das Geheimnis um das Kapitänsamt: Spielführer ist völlig überraschend Holger Badstuber, der allerdings 90 Minuten griesgrämig auf der Bank sitzt. In der Cannstatter Kurve tauchen währenddessen merkwürdige Doppelhalter auf und alle rätseln, was Botschaften wie „USA REICHT DIR!“ (geheime Botschaft an Jürgen Klinsmann?),  „TRAU IRDISCHE!“ oder „STAU DICH IRRE!“ (Guerilla-Kampagne der SSB?) bedeuten sollen. Kurz nach Abpfiff kommt raus: Die Ultras wollten die zahlreichen „DIETRICH RAUS!“ Banner nicht einfach wegwerfen und haben sie deswegen reycelt. Schwaben halt!

2. Spieltag
Sind die Linien zwischen den Viererketten geschlossen, ist es der Trainer; gibt es große Löcher, ist es das WLAN – oder so: in Heidenheim gibt es jedenfalls einige Lücken und Trainerfuchs Frank Schmidt gewinnt das Coaching-Duell gegen Walter. Wobei das weniger eine taktische Meisterleistung ist, sondern einfach nur Glück. Marc Schnatterer macht den Schni-Schna-Schnatti mit dem VfB und Heidenheim siegt durch zwei Freistoßtore von MS7.

3. bis 7. Spieltag
Auch beim Heimspiel gegen Sankt Pauli ist das Neckarstadion picke-packe voll und es gibt endlich den ersten Sieg! Nach 82 Prozent Ballbesitz bewährt sich auch der neue Ochsensturm: Hamadi Al Ghaddioui trifft doppelt beim 4:1, die Fans nennen ihn seit dem „El Gudde“. Der VfB startet anschließend eine Siegesserie gegen Aue, Bochum und Regensburg und steigert kontinuierlich seine Ballbesitzwerte. Beim euphorisch gefeierten 5:2 gegen Fürth sind es 94 Prozent und Pep Guardiola sitzt danach mit Tim Walter im „Tatti“, um mit Peroni-Flaschen, Aschenbechern und Weingläsern taktische Aufstellungen nachzustellen. Auch Aufsichtsrat Winfried Porth meldet sich zu Wort: „Genau so einen Trainer wollten wir haben!“ und macht sich damit nicht gerade beliebt bei den Fans. Seine Sympathiewerte würden sinken – wenn sie es noch könnten.

8. bis 12. Spieltag:
Das Stadttrikot war ein leiser Scheiss dagegen: Denn das lang erwartete neue 3rd-Trikot wird von den Fantastischen Vier gestaltet! Zu Ehren ihres 30-jährigen Bandjubiläum droppen Michi, Smudo, Andy und Thomas ein troyes Trikot, das alle Verkaufsrekorde bricht. Im durchgehenden Brustring ist der Song „Zu geil für diese Welt“ visualisiert. Fantastisch!

Völlig überraschend präsentiert Trainer Walter derweil einen persönlichen Sponsor wie vor 100 Jahren Werner Lorant das Nikotinpflaster Nicotinell: Es sind Dallmann’s Salbei Bonbons, weil Walter jede Spielsituation kommentiert und 90 Minuten von der Seitenlinie reinbrüllt, was ihm zur Hälfte der Hinrunde merklich auf die stimmliche Kondition geht. Seiner Mannschaft dagegen geht zum Glück nicht die Luft aus: Wehen Wiesbaden, Holstein Kiel und Dynamo Dresden sind keine wirklichen Gegner und werden überrollt Nur in Bielefeld und beim Hamburger SV muss sich der VfB mit Unentschieden zufrieden geben. Mario Gomez steht mittlerweile nach 12 Spielen bei 16 Treffern, erste Gespräche über eine Vertragsverlängerung laufen bereits.

13. bis 16. Spieltag
Walter bleibt seinem Motto „Bei uns gibt’s nur ein Gas und das ist Vollgas“ treu und wird auf der Theo mit 80 km/h geblitzt. Die Folge: Er verliert seinen Lappen und spätestens jetzt wird klar, warum Rainer Ulrich als Co-Trainer eingestellt wurde: er wird zum Chauffeur von Walter. Gegen Osnabrück gibt es trotzdem nur ein müdes 1:1. Hat sich der VfB nur für das Derby gegen Karlsruhe geschont?

Daniel Didavi präsentiert völlig überraschend ebenfalls einen persönlichen Sponsor: Ohropax. Da ihm Walters lautstarke Korrekturen während des Spiels auf die Nerven gehen, trägt er ab Spieltag 14 Ohrstöpsel.

Vielleicht ist das der Grund, warum das Derby am 24. November völlig in die Hose geht. Nach der schwächsten Saisonleistung steht es nach 90 Minuten 0:2. Die Fans im Neckarstadion sind not amused. Tim Walter hingegen ist sogar stinksauer und ordnet direkt nach Abpfiff ein öffentliches Arschbolzen vor der Cannstatter Kurve an. Im Field-Interview nach dem Spiel sagt Stefan Heim, dass er mit einem 0:3 gerechnet habe, und der VfB deswegen eigentlich 1:0 gewonnen hätte. Tim Walter schickt auch ihn auf die Torlinie.

Die ungewöhnliche Maßnahme zeigt Erfolg: In Sandhausen und gegen den Mitaufstiegskonkurrenten Nürnberg gibt es klare Siege. Der VfB ist voll auf Kurs Richtung Wiederaufstieg.

17. Spieltag
Sky verzichtet beim Hinrundenfinale des VfB am Böllenfalltor auf einen Kommentar und stattet dafür Tim Walter mit einem Mikro aus. Das Walter-Mic ist ein totaler Erfolg, die Sky-Quoten sind so gut wie nie, die Zahl der Neu-Abonnenten steigt sprungartig an. Das Spiel des VfB kann da nicht ganz mithalten: Das Team ist sichtbar reif für die Winterpause. Angesichts von acht Punkten Vorsprung auf den härtesten Konkurrenten Heidenheim hat es sich die aber auch mehr als verdient.

Erste Fans zeigen sich sogar vorsichtig optimistisch, dass der VfB die Saison mit nur einem Trainer durchspielen könne. Was für Traumtänzer.

Titelbild: Getty Images / Bongarts

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1 Kommentare

  1. Bernd sagt

    Das Recyclen von Bannern wurde vor einiger Zeit schon von KSC-Fans praktiziert: „BFE ABSCHAFFEN“ => „ACAB“. (Dass der ebenfalls in diesem Umfeld geprägte Slogan „Stuttgart 21 ist überall“ ein paar Jahre später für den VfB eine ganz neue Bedeutung kriegen sollte, ist eine andere Geschichte.)

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