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Das Ende von LeGente …

373 Pflichtspiele für den VfB, Meister 2007, Zweitligameister 2017, zwei Abstiege, unzählige Abstiegskämpfe: Manche sprechen bei Christian Gentner von einer Vereins-Ikone. Eine Ikone ist laut Definition ein Kult- oder Heiligenbild und beides trifft auf den langjährigen Kapitän eher nicht zu. Er ist weder Kultspieler und alles andere als ein Heiliger, viele sehen in ihm sogar das Gesicht des Stuttgarter Niedergangs. Seit er 2013 Kapitän wurde, ging es sportlich bergab. Es nur an ihm fest zu machen, ist allerdings unfair, unsachlich und wird ihm nicht gerecht. Gentner hat beim VfB Spuren hinterlassen. Er war eine Identifikationsfigur, einer, der sich mit dem VfB identifizierte und mit dem sich viele Fans identifizieren konnten. Aber auch einer, der Politik nach innen machte und der stets kritisch gesehen wurde, wenn es sportlich einmal nicht so lief. Kurz: Christian Gentners Rolle beim VfB war ambivalent.

Er war einer, der stets seine Knochen (und sein Gesicht!) hingehalten hat. Er hat auch gespielt, als kurz zuvor sein Vater verstorben ist. Er war auf dem Feld stets ein Mannschaftspieler und alles andere als ein Ego-Shooter. Er war Ansprechpartner und Integrationsfigur für Neuzugänge und er spielte klaglos überall, wo ihn die Trainer hinstellten. Diese Saison war er kurzzeitig Rechtsverteidigter, 2010 stellte ihn Christian Gross sogar in die Innenverteidigung.

Aber er war auch einer, der immer spielte. Einer, für den die Trainer stets eine Position finden mussten und einer, bei dem man nicht immer sicher war, ob das Leistungsprinzip auch für ihn gelte. Für nicht wenige ist Christian Gentner das Sinnbild der um sich greifenden Selbstzufriedenheit beim VfB, seine Aussage „Gegen Mainz muss man nicht gewinnen“ wird ihn wohl noch lange verfolgen.
Keine Frage: Dass es in dieser Saison nicht lief, lag nicht nur an ihm. Aber es lag auch an ihm.

Christian Gentner war und ist ein untadeliger Sportmann, auf dem Feld war ihm kein Weg zu weit, er hat ein feines rechtes Füßchen, einen guten Kopfball und einen satten Fernschuss. Er hatte auch einen guten Blick für den freien Raum, ich erinnere mich noch an seinen perfekten Vertikalpass auf Mario Gomez, der nach einem Sprint (!) das 0:1 in der Allianz Arena erzielte. Das war 2006.

Christian Gentner wirkte jedoch taktisch in der Rolle als einer von zwei Sechsern manchmal überfordert, er blieb unsichtbar, wenn es schlecht lief. Es sah von außen nie so aus, als ob er aufrütteln und mitreissen könnte. Zuletzt ging er nicht mehr mit gutem Beispiel voran und gab den jungen Spielern keinen Halt.

Auch wenn es Gentner auf den Sack gehen sollte, die Entscheidung der sportlichen Führung ist richtig, dass es für den 33-jährigen beim VfB nicht mehr weiter geht. Der VfB muss personell durchlüften. Mit einem weiteren Jahr in Stuttgart wäre Gentner zum Bremsklotz geworden. 2016 war seine Bereitschaft, den Weg in die zweite Liga zu mitzugehen, ein Signal des Aufbruchs. Doch jetzt muss er den Weg frei machen für einen möglichst unbelasteten Neuanfang.

Wir sagen: Danke, Christian Gentner!

Wir sind gespannt, wo er noch ein oder zwei Jahre spielen wird. Womöglich wird ihm die Luftveränderung so gut tun wie manch anderem ehemaligen VfB’ler. Es wäre ihm wünschen.

Zwei weitere Texte zu Christian Gentner:
„The Nowhere Man“ und „Captain Fantastic“, die beide seine Rolle als Kapitän beleuchten.

Bild: imago images / Eibner

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12 Kommentare

  1. Weste Rudi sagt

    Hej,sehr guter, sachlicher Artikel, der so ziemlich auch meine Gedanken widerspiegelt.
    Mit Grüßen aus Malmö/Schweden, Rüdiger Weste

  2. Starbuck sagt

    Exzellent zusammengefasst. Vielen Dank, da muss man nix mehr dazu sagen – außer vielleicht: Anführen geht einfach anders, das war nie Gentners Ding und er hat es sogar selbst so benannt, als Serey Die kam… 👍

  3. Mozy sagt

    Gentner ist nur ein kleines Puzzleteil in der Geschichte des Niedergangs des VfB. Ein wichtiges vielleicht. Sehe ich auch so. Und es tut mir Leid, dass es für die letzten 2 Jahre echt beschissen lief für ihn. Aber für den Umbruch reicht das nicht! Bis jetzt hat niemand wirklich die Verantwortung für das Versagen des Vereins übernommen. Weiterhin kommen nur Floskeln und hohle Phrasen von dem Hauptverantwortlichen beim VfB (WD), der leider bestens getragen wird vom Vereinshauptbrötchengeber (Daimler) und einer Belegschaft, die sich vor ihn wirft (weil sonst vielleicht der Brötchengeber keine Brötchen mehr hergibt an bestimmte Leute). Auch hier auf diesem Blog liest man immer wieder besonders kluge Beiträge von einigen pro WD Leuten (evtl. beim gleichen Brötchengeber angestellt?). Es reicht auch nicht, dass sich TH an die Fans mit einer unterwürfigen Mail wendet und um Unterstützung für die 2. Liga zu betteln. Diese Fans, die bei jedem Spiel in der Kurve stehen, wollen einfach nur nicht verarscht werden. Wenn einer von denen den Karren bei der Arbeit gegen die Wand fährt, hat er auch die Verantwortung zu tragen. Dass weiß hier jeder. Und das wird in diesem Verein einfach nicht vorgelebt. Das nervt die Leute! Es ist an der Zeit, dass genau diese Fans sich dagegen wehren und Flagge zeigen. Ein Stadionboykott wäre ein Anfang! Mal schauen, wie lange der AR und der Sportvorstand das mitmachen, solange die Kurve leer bleibt. Mal schauen, ob die sich dann immer noch vor Dietrich werfen…

  4. Thomas g. sagt

    Stadionboykott?!?! Warum verdammt muss sich jedes kleine männchen in der vfb welt so wichtig nehmen. Dann bleibt halt weg und schaut schach.

  5. diewonedveraschtwerdawellet sagt

    @ stadionboykott:
    es war irgendwann in den 90ern, das Stadion hatte bereits ein Dach über der Cannstatter Kurve; ich war nach ner kleinen Pause mal wieder im Stadion, VfB – Schalke, wir lagen zur Halbzeit bereits 0:3 zurück…hatte mich vor Beginn bereits gewundert, dass da Mädchen (!) vor mir sassen und das Unterhaltungsprogramm inklusive der damaligen Erfindung namens Fritzle (!) hingebungsvoll verfolgten.
    Ich weiß noch, wie mich das irritierte (nicht dass ich irgendwas gg weibliche VfB Teenies hätte), aber irgendwas war da völlig anders: die Bespassungsmaschine war da bereits RTL-mäßig angelaufen…
    Für mich allerdings, VfB und Fussballliebhaber, der -als Teenager- mit dem Vater in Block K (hiess der so?) stehen durfte um -falls ein Regenschauer niedergehen sollte, man sich unter dem Dachvorsprung der Gegentribüne unterstellen konnte-hmm, für mich also brach damals gg. Schalke ein irreversibler Zeitenwechsel an.
    Ich hatte sooooo viele Spiele im Neckarstadion sehen dürfen, Maradona bis Nigbur und es ging in erster Linie ums Kicken!
    Es sind nur noch 2-3 Hände voll Kicks dazu gekommen seit damals, seit min. 5 Jahren gar nicht mehr, weil es einfach Scheisse geworden ist.
    Fussball war immer auch Geschäft, aber seit den o.g. Zeiten ist es immer ekliger geworden.
    Danke für die Gnade der frühen Geburt, als das Stadion noch kein Dach hatte und die 1/2 noch eine 1/2 war.
    Stadionboykott: freile

  6. hulkster sagt

    In dem Moment als sich Christian Gentner noch mitten im Abstiegskampf unzufrieden mit seiner persönlichen Situation beim Verein an die Öffentlichkeit ging hat gezeigt das auch er im Zweifelsfall seine eigenes Wohl über das des Vereins stellt. Da dieser Egoismus bei vielen Spielern in noch viel stärkerer Ausprägung vorhanden war gehen wir nun runter.
    @Motzy zu dem Gedanken des Stadionboykotts, diesen halte ich eigentlich für den falschen Weg aber ich konnte mich auch noch nicht überwinden unsere Dauerkarten zu verlängern irgendwie will sich anderst wie beim letzten Niedergang einfach keine Aufbruchstimmung einstellen. Alles fühlt sich immer noch so leer an und dir Briefe aus der Marketingabteilung helfen da auch nicht weiter.

  7. drhuey sagt

    Super Analyse; dem ist nichts hinzuzufügen. Es ist die richtige Entscheidung ! Seine Rolle auf dem Spielfeld ist zu wichtig und er hat in dieser Rolle im modernen Fussball zuviele Defizite.

  8. Thomas O sagt

    Der größte Fehler des VfB war, Gentner seit 2013 als unumstrittenen Führungsspieler zu installieren, statt ihm die Rolle zu geben, die er gut ausfüllen kann, nämlich die, eines zuverlässigen MITspielers NEBEN überdurchschnittlichen Führungsspielern. Der VfB hatte bis dahin immer überdurchschnittliche Führungsspieler (Ettmayer, Sigurvinsson, Sammer, Dunga, Allgöwer, Buchwald …) Junge, sogenannte Perspektivspieler, sind darauf angewiesen, dass sie sich an der Leistung der Führungsspieler orientieren und sich auf dieses Niveau hinentwickeln können. Der Verein hat 2013 diese Messlatte zu niedrig gehängt.

  9. Fan Fi sagt

    Gentner,
    da haben wir schon damals, als er als Nachwuchsspieler herangeführt würde, diskutiert: wo gehört er hin?
    In unserer zwoten und der U21 wurde er auch damals schon unterschiedlich eingesetzt.
    Er war kein Zehner, kein Neuner, hatte aber immer wieder tolle Offensivaktionen.
    Er war kein DM, spielte aber oft aus der Tiefe sehr ordentlich.
    Flügel war am wenigsten sein Ding, am ehesten auch damals schon die Außenpositionen der Raute. In jungen Jahren rechts, später lange links, dann wieder rechts.

    Auch damals war er einer, der gefühlt alles einbrachte, der unsere Farben würdig vertrat. Ein Hoffnungsträger, einer von uns, der es schaffen könnte!
    Aber auch damals wurde er auch skeptisch gesehen, weil er halt doch nicht der Burner war, weil er vieles gut aber wenig sehr gut konnte.

    Im Prinzip war das in der kompletten Karriere sein Manko, aber was er über all die Jahre für seinen VfB geleistet und gelebt hat, verdient den allergrößten Respekt! Gente ist ein ganz, ganz Großer, das werden wir spätestens in ein paar Jahren rückblickend wissen.

    Gentner,
    das ist aber auch einer, der gefühlt zig Trainerentlassungen auf dem Gewissen hat, der in schlechteren Zeiten gefühlt eher für Grüppchenbildung und Meuterei stand, denn für das an-einem-Strang-ziehen.

    Paradoxerweise gibt mir aber genau das das Gefühl, dass er auch ein richtig Guter abseits des Rasens für uns werden kann.
    Ich wünsche unser 20 alles Gute für den x-ten Fußballer-Herbst, ich bin überzeugt davon, dass er danach zurückkommen wird, und ich freue mich darauf!

  10. Pingback: Servus, Kapitän!

  11. drausvomLande sagt

    Ich sage 3 mal Danke:
    Danke an Vertikalpass, das war sauber
    Danke an Fan Fi, das sind auch meine Gedanken

    und vor allem:

    Danke an Christian Gentner, komm wieder

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