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„Der Klischee-Brecher“: Eine Doku über Timo Hildebrand

Zugegeben: Als die Mail mit dem Betreff „Dokumentation über Timo Hildebrand“ ins Postfach flatterte, war ich erstmal wenig geflashed. Schließlich wissen wir VfB-Fans doch eigentlich schon alles über ihn: 220 Spiele für die VfB Profis zwischen 1999 und 2007, dritter Keeper bei der WM 2006, die Jahrhundert-Parade in Bochum, deutscher Meister 2007, eine furchtbar schlechte Entscheidung kombiniert mit miesem Timing und der Wechsel nach Valencia. Hoffenheim, ohne Einsatz in Lissabon, Champions League(!) mit Schalke(!!) und schließlich noch drei Einsätze bei Eintracht Frankfurt.

Doch in den 30 Minuten (Video am Ende des Beitrags) erfährt man auch viel über die Person Timo Hildebrand abseits des Platzes. Zum Beispiel über seine Kindheit, die nicht ganz einfach war, den Druck als Jugendspieler und die Selbstzweifel während der Achterbahnfahrt zwischen Deutscher Meister und Arbeitslosigkeit.

„Ich habe so viele begnadete Spieler gesehen, die es alle nicht geschafft haben. Die Jungs, die nur Talent haben, werden einfach überholt.“

Timo Hildebrand ist nach Sankt Pauli Keeper Benedikt Pliquett der zweite Protagonist der Dokureihe „Ausherzspiel“. Die Macher begleiten den Keeper chronologisch durch seine Karriere als aktiver Profi. Er erzählt davon, dass er fast bei Waldhof Mannheim gelandet wäre, über seine Zeit in der VfB-Jugend und hat natürlich auch die ein oder andere Anekdote zum Schmunzeln im Gepäck – wie Viorel Ganeas Eisbecherwurf in Richtung Felix Magath.

Mindestens genauso spannend ist allerdings die zweite Halbzeit der Doku. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Ex-Profis hat Timo Hildebrand nach seiner aktiven Karriere bekanntermaßen einen komplett anderen Weg eingeschlagen. Statt Trainer, Manager oder Spielerberater zu werden, engagiert er sich sozial und sein Herz schlägt für Yoga und Veganismus. Dass er darüber in der Doku erzählt, während er sich einen grünen Smoothie zubereitet, wirkt erstmal sehr klischeebehaftet, ist aber in Wirklichkeit ziemlich interessant. Denn hier merkt man, dass er tatsächlich der titelgebende „Klischeebrecher“ ist.

Der Meister-Torwart wirkt in dem halbstündigen Film sehr reflektiert und blickt kritisch aber nicht unzufrieden auf seine Karriere und das Fußballbusiness zurück und es ist deutlich spürbar, dass er mit Weg, den er nach seiner Karriere eingeschlagen hat, sehr glücklich ist.

Obwohl „Ausherzspiel“ ein nichtkommerzielles Projekt ist, ist die Doku technisch und inhaltlich qualitativ auf höchstem Niveau unterwegs. Kein Wunder: Schließlich ist es ein Nebenprojekt professioneller Filmemacher. Allein schon wegen der Bilder aus Stuttgart und dem Neckarstadion lohnt es sich. Timelapse, Drohne, Grabkapelle, Fernsehturm usw. – alles am Start!

Natürlich haben wir die Macher Felix, Yannick und Denis gefragt, wie es zu derm Projekt „Ausherzspiel“ und der Zusammenarbeit mit Timo Hildebrand kam:

„Jeder hatte irgendwie sein Corona-Projekt und wir haben uns zu Beginn der Pandemie gefragt, was wir mit der vielen Zeit jetzt anfangen. Die einen haben Bananenbrot gebacken, die anderen das Malen für sich entdeckt und wir haben eine Idee umgesetzt, die schon lange in unseren Köpfen rumgeschwirrt ist und zwar unsere Liebe zum Film und Fußball zu vereinen.

Wir kommen alle vom Fach und wollten neben der Arbeit aber auch mal ein Herzensprojekt starten. Wir fühlen, dass wir uns emotional durch Geschichten wie Katar immer weiter vom Fußball entfernen und durch die Pandemie auch physisch nicht mehr die Nähe zu dem Sport haben. Dennoch lieben wir den Fußball und wollen Protagonisten abbilden, die noch für die ehrlichen und ursprünglichen Werte des Sports stehen. Das ist unsere Mission und mit unseren ersten beiden Dokus auch absolut gelungen. Wir hätten uns keinen besseren Protagonisten als Timo vorstellen können und haben einen wahnsinnig bodenständigen und demütigen Menschen kennengelernt.

Die Währung um Protagonisten aus dem Profisport zu bekommen sind leider Reichweite oder Kohle – wir haben nichts von beidem, aber dafür umso mehr Leidenschaft für das Projekt. Deswegen sind wir auf den „Good Will“ unserer Protagonisten angewiesen. So kam der erste Kontakt bisher über LinkedIn oder Instagram zu Stande und da sind wir Timo auch sehr dankbar für, dass er sich die Zeit genommen hat. Mit der Doku von Timo merken wir aber die zunehmende Anerkennung unserer Arbeit und sind zuversichtlich mit unserem Film jetzt weitere Kontakte knüpfen zu können.

Grundsätzlich bedienen wir bei Ausherzspiel die Fußball-Nische. Das ist aber nicht nur auf Ex-Profis beschränkt, sondern auch einfach über spannende Geschichten rund um den Profifußball.

Wir halten da Augen und Ohren offen und freuen uns auch total über Anregungen oder Ideen.“

 

Bild: imago/Imagebroker/M.Weber

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