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Applaus, Applaus

Es ist Dortmund. Mit all seinen herausragenden Individualisten. Es ist Dortmund, das der VfB mit seiner 1B-Mannschaft in große Schwierigkeiten bringt. Es ist Dortmund, mit dem der VfB auf absoluter Augenhöhe ist. Es ist aber auch das Dortmund, das in dieser Saison wankelmütig bei kleinsten Anlässen zusammen bricht. Um dann doch beim VfB durch eine Einzelaktion drei Punkte mitzunehmen. Eine Einzelaktion eines gewissen Ansgar Knauff, der in den 80er Jahren mit diesem Namen ein beinharter Verteidiger geworden wäre und mit Norbert Eder, Ditmar Jakobs und Karlheinz Förster eine Abwehr des Schreckens gebildet hätte.

Aber warum über Dortmund schreiben. Es ist diese Mannschaft, die so viel Spaß macht, obwohl ihr mit Silas, Nicolas Gonzalez, Orel Mangala und Gonzo Castro entscheidende Akteure fehlten. Spaß ist gut und schön, aber ein Punkt hätte es sein müssen, wenn nicht hinten wie vorne vermeidbare Fehler passiert werden.

Wenn wir schon nicht im Stadion sein können, dann gibt es eben den Applaus eben hier:

Bei Gregor Kobel weiss man nicht, was man am Besten finden soll: Seine lauten Kommandos und seine launigen Motivationssprüche oder seine prima Paraden. Merkwürdig, dass alle drei Tore bei ihm unten links einschlugen.

„Ich bin der Anton aus der Abwehrmitte“, so stellte sich Waldemar Anton dem gehypten Erling Haaland vor. Anton ist so stark und selten wild und lief Haaland das eine oder andere Mal souverän ab. bei den Toren, na ja …

Der kolossale Dinos Mavropanos, der oft Spielsituationen des Gegners resolut unterbricht, sich dann aber doch mit Schusseligkeiten um den Lohn der eigenen Arbeit bringt (wie vor dem 1:1-Ausgleich durch Jude Bellingham).

Ja, der Kempf kanns, der Marc-Oliver hat sich sehr gesteigert und stabilisiert, seine langen Bälle auf die Flügel können ein Waffe sein. Er trägt seine Laune immer vor sich her, wenn er mies drauf ist, kloppt er schonmal einen Gegner um. Nächstes Spiel ist er wegen seiner 5. gelben Karte gesperrt.

Es gibt Spieler, auf die ich mich und für die ich mich freue. Borna Sosa ist so einer. Vor gar nicht langer Zeit noch nicht ernsthaft genug, lächelt er jetzt auf dem Feld nur, wenn sich Kalajdzic für die Vorlage bedankt. Dass er im Moment abgefeiert wird, hat er sich verdient.

Ich mag Ata Karazor, der immer wieder mit einer unglaublichen Lässigkeit schlampige Pässe spielt. Ungerührt nimmt er diese Fehler hin und bleibt trotzdem ruhig. Vielleicht ist er zu ruhig.

Ohne Mangala versucht Wataru Endo überall zu sein. Auf der sechs, auf der acht, gegen Ende des Spiels sogar auf der zehn. Wer ihn nicht liebt, der hat den Fußball nie geliebt.

Der verzweifelte Teto Klimowicz, der sich so sehr bemühte und dem doch so wenig gelang und ihn das zusehends deprimierte. Er kann so traurig schauen, aber er kann auch seinen Weg beim VfB machen.

Dieser Philipp Förster ist ein schwieriger Fall. Er hat ein gutes Gespür für offensive Räume und Spielsituationen, bringt sich durch seinen Einsatz in vielversprechende Situationen, um dann oft die falsche Entscheidung (zu spät) zu treffen.

Der unreife Tanguy Coulibaly, bei dem man den Eindruck gewinnen kann, ihm ginge es in erster Linie darum, einen Rekord bei Übersteigern aufzustellen. Ihm fehlt die Ernsthaftigkeit wie bei seinem 5-Meter-Fehlschuss in der 67. Minute und er ist gedanken- und handlungsschnell wie bei seiner genialen Vorlage auf Daniel Didavi zum 2:2 (oder wollte nicht eher Endo anspielen?).

Sasa Kaljdzic kann mit seiner ganz speziellen Art alle verzaubern. Offensichtlich auch gegnerische Abwehrspieler. Erst holt er sich mit seinen Schlangenbeinen den Ball im Mittelfeld, dann steht er vier Meter in der Luft. Und mit seinem magischen Blick kann er unsaubere Pässe antizipieren.

Dass der feinfüßige Daniel Didavi auch rustikal kann, das wussten wir. Marco Reus weiss es jetzt auch. Und alle wissen, dass Didavi einem Spiel noch eine Wendung geben kann. Nicht nur wegen seines Tors, seine Einwechslung brachte Agressivität und Dynamik ins VfB-Spiel.

Nächste Woche hoffentlich wieder an dieser Stelle, nach dem Spiel gegen Union Berlin (war da was?):
Applaus, Applaus
Für diese Leistung.
Mein Herz geht auf.

Applaus, Applaus
Für diese Art mich zu begeistern.
Ich wünsch mir so sehr,
es hört niemals auf!

Zum Weiterlesen:
Hier gehts steil zu unserem VertikalGIF “Air Kalajdzic & Super-Didavi”

Rund um den Brustring sieht im Dortmund-Spiel weder eine Wiederholung noch ein Revanche.

“Stuttgart bestätigt seinen guten Ruf”, mein Christoph Ruf in der Süddeutschen Zeitung.

Foto:
Imago

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16 Kommentare

    • @abiszet sagt

      Arrg, … ich habe nicht mal die Ausrede, dass es Autokorrektur war ;-) Vielen Dank! Ist korrigiert!

    • Jörg Kühnapfel sagt

      Vielen Dank für Deinen Kommentar und Analyse der VfB-Spieler.
      Hat viel Spaß gemacht zum Lesen!
      Jörg aus Brasilien

  1. Jörn sagt

    Applaus Applaus
    Für eure Worte

    Mein Herz geht auf
    Was ihr hier schreibt

    Applaus Applaus
    Für eure Art uns zu begeistern

    Hört niemals damit auf
    Ich wünsch mir so sehr
    Bitte schreibt noch so ein Buch
    @vertikalpass

  2. drhuey sagt

    Die Ausgangslage war klar: Es kommt der BVB zwischen zwei CL-Spielen gegen die Champions der Raumbesetzung. Der Abstieg ist wohl abgewendet und, dass es nochmal ein Überrollen des Gegners geben würde, war eher unwahrscheinlich. Aber dann beginnt das Spiel und man bekommt den Eindruck, dass etwas drinliegt. Mit der Führung spürt man, dass man ab jetzt etwas zu verlieren hat. Alles fühlt sich auch nach diesem wahnsinnig tollen Saisonverlauf noch ungewohnt an. Und dann braucht es tatsächlich diesen mutigen Vorstoß des tollen Ansgar Knauff, um das Spiel letztlich auf die Seite des BVB zu ziehen. Kein Haaland oder Reuss entscheidet das Spiel. Und dann macht sich doch etwas Enttäuschung breit und das kann nur einen Grund hsben: Der VfB ist für die meisten Bundesligaklubs wieder ein ernstzunehmender Gegner; und das als Aufsteiger. Daher ist mein Zustand am besten mit “ungläubiger Begeisterung” beschrieben. Sorgen bereitet mir allenfalls die Entwicklung von Coulibaly und Klimowicz. Bei beiden tut sich nicht richtig viel und die Überforderung ist greifbar. Es wäre sehr schade, wenn sie ihr Talent nicht beim VfB entfalten könnten. Dagegen weiss man was man von Förster und Tommy erwarten kann. Förster hat im Ansatz wirklich gute Aktionen und Ideen, aber regelmäßig kommt der Pass erst, wenn er sich durch seinen Lauf aller anderen Handlungsoptionen bereits beraubt hat und dann meistens schlampig. Und Thommy? Naja, das ist wenig inspirierend und ich kann nachvollziehen, dass er für Matarazzo Ergänzungsspieler ist. Als bester Mannschaftsteil hat sich wohl die Verteidigung etabliert. Dinos, ein Verteidiger wie aus Stein gemeißelt, gefällt mir am besten, wenn er den Ball nicht hat. Ich mag sein Spiel, aber allzu oft ist der eröffnende Pass katastrophal. Noch ein Jahr beim VfB (von mir aus auch auf Lebzeit) täte ihm noch gut ;). Und Anton’s Entwicklung ist eine weitere Sensation, die beim VfB stattgefunden hat. Es macht Spass und gegen Union, da gebe ich Euch recht, wird es noch einmal ernst diese Saison. Wäre schön, wenn man die schmerzhafte Scharte in der Aufstiegssaison auswetzen könnte!

  3. Clemens sagt

    Selten habe ich entspannter eine Niederlage gegen den BVB geschaut. Den Klassenerhalt im Sack, konnte man gespannt auf die Reaktion der verbliebenen Mohikaner schauen. Karazor, Förster und Stenzel, na und? Das war dann phasenweise eben noch einmal 2. Liga Feeling, aber egal. Das Gesamt-Konstrukt hat funktioniert. Die Spiel-Idee von Matarazzo haben die meisten Akteure verinnerlicht, auch wenn gestern häufig der letzte Pass zu ungenau gespielt wurde und Laufwege nicht immer stimmten. Und kaum ein VfB-Fan, der gestern nicht mehr als einmal den Gedanken hatte, “mit Mangala, Gonzalez und Silas hätten wir dem BVB fünf Buden eingeschenkt”.

    Aber genau darin liegt vielleicht ein Problem für die kommenden Monate. Wie agiert der VfB mit dem aktuellen Kader, wenn Silas (durch die lange Reha nicht übermäßig realistisch) oder Gonzalez und Kaljdzic den Verein am Saisonende verlassen? Coulibaly und Klimowicz sind mittelfristig nicht ihre Erben, das dürfte seit gestern jedem klar geworden sein. Der junge Argentinier hat sich eher zurück- denn weiterentwickelt. Auch seine Mimik und Körpersprache lassen tief blicken, wie verunsichert der Junge mittlerweile ist. In der aktuellen Form helfen seine Einsätze weder ihm noch der Mannschaft. Sein französisches Pendant könnte ggf. mit einem Positionswechsel in die zentrale Spitze seine Stärken besser einbringen. Coulibaly ist mMn. mit seinen Defensivaufgaben als rechter Winger heillos überfordert. In der Sturmmitte könnte er auch mal auf die Flügel ausweichen und ansonsten in Kombination mit einem zentralen Stoßstürmer Marke Kaljdzic das zentral geprägte Offensivspiel der Stuttgarter unberechenbarer machen. Der Kader des VfB gibt derzeit vielleicht noch nicht allzu viele Alternativen für die Außenpositionen her, was u.a. auch an den diversen Verletzten liegt, aber nach Rückkehr eines Momo Cisse könnte auch hier eine interne Lösung gefunden werden. Überrascht hat mich indes die neuerliche Nicht-Berücksichtigung von Ahamada, dem ein Karazor vorgezogen wurde. Hier würde mich mal die Einschätzung von Matarazzo interessieren, ob dieser dem Jungen immer noch den schwachen Auftritt gegen den FCB nachträgt.

  4. Jörg Kühnapfel sagt

    Kurze Antwort: Tommy hat erst 2-3 Spiele gemacht in der ganzen Saison wegen seinen Verletzungen, und kam auch erst als Einwechselspieler, und hat dann gut gespielt. Er ist sehr schnell und technisch versiert.

  5. Peter Schäuble sagt

    Ich muss euch alle loben … alle, das schließt die Kommentatoren mit ein. Nicht nur bei diesem Bericht. Da kommt jedes Mal so viel Sach- und Fachverstand rüber. Ich führe ja seid Jahren ein VfB-Tagebuch (ganz schön gaga, gell ?), und da fehlt keiner dieser Beiträge. Ziehe ich jedem Kicker- und sonstigen Kommentaren vor. Ganz abgesehen davon: Alle Beiträge sprühen nur so vor Liebe zu unserem VfB. Saugut ! Weiter so ! VfB 1893 hey. Und: Dank an alle “Vertikalpassler”.

  6. Bernd sagt

    Was mich eigentlich noch mehr beeindruckt als die Mannschaft ist das nichtspielende Personal was bei uns inzwischen rumläuft. Erst heute wieder die Meldung dass wir uns Krebs aus Gladbach geangelt haben. Das ist in meinen Augen in der Gesamtheit der beste Staff, den es in Deutschland aktuell gibt (auch wenn es auf manchen Positionen anderswo vielleicht noch größere Kaliber wie Nagelsmann gibt). Das sollte es für die Zukunft leicht machen, an vielversprechende Talente ranzukommen und auch Abgänge von Rino und Mislintat erschweren.

  7. Mozy sagt

    Die aktuelle ‘Flaute’ von Coulibaly und Klimowicz beunruhigt mich kein bisschen, da sie einfach nicht noch nicht die Reife entwickeln konnten, wie z.B. ein Silas oder Sosa – auch aus teils mangelnder Einsatzzeit, die aber verständlich ist, wenn das A-Team voll einsatzbereit ist. Aber auch in diesem Spiel hat gerade Coulibaly seine Gefährlich- und Unberechenbarkeit z.T. aufblitzen lassen und Klimo hatte den ein oder anderen guten Lauf in die Tiefe. Lasst denen mal ein bisschen Zeit! Genügend Zeit, um sich zu steigern hatte aber Förster; die hat er aber nicht sichtbar genutzt. Seine Läufe sind zwar vom Ansatz her richtig, aber entweder hat er nicht die Schnelligkeit, sie wirkungsvoll einzusetzen, oder ihm fehlt die Kreativität am Ball. Und: der Mann ist nicht wie Coulibaly oder Klimo erst 20 Jahre alt… Also: Auf was wartet hier Rino eigentlich. Kaum war er vom Platz weg und durch Dida ersetzt, hat sich das Spiel wieder in Richtung VfB gewendet… Ob das jetzt an Dida liegt, kann ich gar nicht fest sagen, aber oft bremst Förster das Spiel nach vorne aus… Sorry – ich weiß, hier gibt es eine Förtser-Front. Aber ich sehe es eben anders.

  8. Oliver Bruy sagt

    Castro kriegt den A****tritt?! So ein Schwachsinn-er geht mit Umsicht voran und stabilisiert den Kindergarten zusammen mit Didavi.
    Klassenerhalt geschafft, die restlichen Spiele sind Bonusspiele. International muß nicht sein, dafür ist der Kader nicht breit genug aufgestellt-man frage nur bei Bayern nach.
    Castro muß bleiben!!

    • Bernd sagt

      Die Frage ist halt, zu welchem Preis, sowohl finanziell als auch anderweitig. Dass man das Geld lieber in die Verlängerung von Spielern wie Mangala oder Gonzalez sowie in die Verpflichtung von Talenten wie Beyaz steckt, ist angesichts des altersbedingt doch eher negativen Ausblicks bei Castro nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass Castro eher nicht der Typ ist, der sich ohne zu murren auf die Bank setzt, das hat man ja werden der Zweitligasaison bereits beobachten dürfen. Nicht zu verlängern ist nicht ohne Risiko, keine Frage, aber dann können auch Spieler wie Ahamada oder Nartey den nächsten Schritt machen. Förster als Stabilitätsspieler ist ja auch noch da.

      Was mich an der Meldung besorgter macht, sind die Implikationen für einen Verbleib von Kempf. Die haben beide denselben Berater, und es geht das Gerücht um, dass dieser in den Vorgesprächen mit dem VfB nicht gerade Corona-kompatibel eingestellt war, was auch die Schwierigkeiten bei einer Verlängerung mit Kempf erklären würde. Geht Kempf, weil im Sommer die letzte Chance ist eine ordentliche Ablöse zu generieren, dann muss für zwei Stammspieler in der Innenverteidigung Ersatz gefunden und in die Mannschaft integriert werden. Bei dem Gedanken wird mir schon ein bisschen mulmig.

      • Clemens sagt

        Ich finde es zunächst einmal sehr konsequent vom VfB, dass man sich nach Badstuber nun auch von anderen Großverdienern wie Castro und ggf auch Didavi trennen möchte. Das dürften locker 10 Mio. an Gehältern sein, die entweder zur Verlängerung von anderen Leistungsträgern genutzt werden können (z.B. Kempf) oder man muss vielleicht nicht unbedingt selbige in diesem Sommer abgeben. Mit Mangala und Gonzalez hat man bereits verlängert, Silas soll zu verbesserten Konditionen folgen. Irgendwie muss das ganze ja auch finanziert werden. Ein Risiko? Vielleicht. Wie stressresistent der junge Kader in Krisenzeiten ohne die Alten reagiert, werden wir dann sehen.

        Im Zuge einer Neuausrichtung des Vereins, ist auch die Konsolidierung der Gehalts- und Kostenstruktur ein wichtiges Ziel. Und damit ist man am Ende dieser Saison erneut einen Schritt weiter. Ggf. Geld in höhere Gehälter von Entwicklungs-fähigen Leistungsträgern zu investieren, um so mögliche Ablösesummen zu steigern, ist aus meiner Sicht kein Widerspruch.

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