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Der unbelehrbare VfB

Der VfB ist der HSV des Südens. Nur, dass unser Klaus-Michael Kühne „die Ausgliederung“ heißt. Ansonsten ist der VfB meist genauso planlos wie der Dino und macht sich ebenfalls zum Gespött der Liga.

Es wurde Hannes Wolf zu viel zugemutet mit einem Kader, der in keinster Weise seinen Vorstellungen entsprach (eine erstaunliche Parallele zu Hamburg). Dann verlor er Spiele und schließlich verlor er sein Team. Obwohl seine Art der Menschen- und Mannschaftsführung untadelig war, er „seine Jungs“ immer und überall verteidigte und sogar auch die Mentalitätsvorwürfe stets zu entkräften versuchte. Umso schlimmer, dass die Mannschaft den Trainer im Stich ließ. Mit Leistungen, für die sie sich schämen muss. Dies führte sicher auch dazu, dass Hannes Wolf an sich selbst zweifelte und wohl letztlich froh ist, diesem Chaos mit erhobenem Haupt entkommen zu sein.

Vorbei ist die Euphorie des Aufstiegs, vorbei der Optimismus mit dem Duo Wolf/Schindelmeiser in eine geordnete und geradlinige Zukunft zu starten, die natürlich auch Rückschläge beinhalten würde. Selbstverständlich sind, nein waren beide nicht frei von Fehlern, wer ist das schon, aber sie standen für etwas: Ehrlichkeit, Offenheit, Verlässlichkeit. Sie standen auch für einen Fußball, der mit überwiegend jungen, entwicklungsfähigen (aber auch fehlerhaften) Talenten gespielt werden sollte. Talenten, denen man auch den einen oder anderen Bock verzeiht. Mit der Entlassung Schindelmeisers und der Installation von Michael Reschke begann die Reihe an personellen Fehlentscheidungen – vom völlig falschen Zeitpunkt einmal ganz zu schweigen.

Ein Team, das vertrauensvoll zusammenarbeitete, das sich blind verstand, war gesprengt. Zwischen Reschke und Wolf passte es einfach nicht, zu sehr unterschieden sich ihre Vorstellungen wie ein Team zusammen- und aufgestellt werden sollte. Präsident Wolfgang Dietrich moderierte diese unterschiedlichen Sichtweisen nicht. Er ließ zu, dass in Dennis Aogo und Andreas Beck zwei Spieler verpflichtet wurden, die überhaupt nicht zum Fußball von Wolf passten. Und er drückte nicht wie sonst aufs Gas, wenn es um weitere Spielerverpflichtungen ging.

Hannes Wolf wurde alleine gelassen, er wurde geopfert auf dem Altar der Hilflosigkeit und Inkompetenz. Er war ein Trainer, der zum VfB passte. Aber der VfB verfiel in alte Muster: Anstatt den Trainer zu stützen, wurde er hinauskomplimentiert. Statt die Mannschaft in die Pflicht zu nehmen, statt ihr klar zu machen, dass es nur mit diesem und keinem anderen Trainer geht, wurde es akzeptiert, dass Wolf offensichtlich nicht mehr alle Spieler erreichte. Welche Spieler sind das? Warum dürfen die sich das erlauben?

Statt einmal Stärke zu zeigen, geht jetzt der ewige Kreislauf weiter. Neuer Trainer, neues Glück. Der VfB pflegt seine Traditionen. Und die Spieler machen wieder so lange mit, bis sie keine Lust mehr haben und für die Entlassung des nächsten Trainers sorgen.

Diese Aussage ist doch eine Satire, oder? Fehlerhafte Kaderplanung, überzogene Erwartungshaltung und Profis ohne Biss. Und für den VfB hat natürlich nur einer die Schuld daran.

Und egal, wer jetzt kommt: Er wird mit einem Kader arbeiten müssen, der nicht nur die bekannten Lücken aufweist, sondern der nicht nach seinen Wünschen zusammengestellt wurde. Mit einer seltsamen Mischung aus jungen Talenten, für die die Bürde des Abstiegskampf eine riesige Last darstellen kann, und erfahrenen Spielern, bei denen man viel zu oft den unbedingten Einsatzwillen vermisst. Ein Kader, der keine Einheit mehr ist. Ohne sentimental werden zu wollen: Uns gehen so langsam die Aufstiegshelden aus. Hannes Wolf war der nächste, der den VfB verlassen hat. Terodde, Maxim, Langerak, Mané: Sie waren die Gesichter des Aufstiegs. Aus sportlicher Sicht mag ihr Fehlen nicht so tragisch zu sein. Aber für den Teamspirit anscheinend schon. Und für die Identifikation der Fans mit dem VfB sowieso.

Vom „Abstiegskampf der Akademiker“ schreibt die Süddeutsche Zeitung. Doch, dass der VfB Stuttgart noch einmal eine so mutige und innovative Trainerentscheidung trifft wie man es mit Hannes Wolf tat, darf man getrost bezweifeln. Denn Michael Reschke hat mit seinen Transfers bereits gezeigt, dass er gerne auf Bewährtes setzt.

Ebenfalls sehr lesenswert sind auch
der Kommentar von Martin (Brustringtalk)
der Standpunkt von
Benjamin (Tragisches Dreieck)
der „Verein für Bullshit“ von Lennart auf „Rund um den Brustring“
und der Text von SpiegelOnline, der in Wolf ein „Opfer der Unruhe“ sieht.

Was wir Hannes Wolf zu verdanken haben und warum wir ihn vermissen werden, haben wir hier geschrieben: #DankeHannes

Darf gerne geteilt werden:

13 Kommentare

  1. Alex sagt

    Sag mal, kapiert ihr eigentlich nicht das es so Woche für Woche schlechter wird und wir im gleichen Abstiegsstrudel stecken wie 2016???
    Wär es Euch lieber gewesen mit Hannes in Lifa 2 zu gehn???
    Jeder andere Bundesliga Club hätte bei 7 Niederlagen in den letzten 8 Spielen genauso gehandelt… kommt mal wieder runter Ihr Helden!!!

    • @buzze sagt

      Und jetzt wird automatisch alles gut, weil ein neuer Trainer kommt? Zum Beispiel Weinzierl, der Schalke in Rekordtempo vor die Wand gefahren hat?

    • @abiszet sagt

      Danke für die „Helden“. :-) Sag mal, siehst Du nicht, dass das Problem viel tiefer liegt? Dass es nicht Wolf alleine ist (natürlich hat er Fehler gemacht), sondern auch an anderen Faktoren liegt?

  2. Thomas Sommerwind sagt

    So ganz teile ich Eure Meinung nicht. Wenn ich den Spielplan betrachte, musste jetzt oder allerspätestens nach dem Spiel in WOB, die Reißleine gegen den Abstieg gezogen werden. Nur dann kann der VfB aus eigener Kraft seine Popes in der ersten Liga retten. Genau das hat H. Reschke jetzt gemacht. Auch wenn es weh tut. Kein Trainer tritt einen leichten Job bei einer Mannschaft an, die im Keller steht. Ich hoffe nur, dass sich der VfB jetzt auf Motivation, Erfahrung und Erfolg setzt. Viele Namen die gehandelt werden, bringen genau das nicht mit (Bosz, Nouri, Fings, Korkut, Jonker, Gisdol , Keller etc.).

    • @abiszet sagt

      Hallo Thomas, wie mehrfach erwähnt, Wolf ist natürlich nicht ohne Fehler. Ich denke, ein Spielplan ist kaputt, wenn nach 15 Minuten derjenige das Tor köpft, von dem alle wussten, dass er es macht ;-) Man muss kritisch fragen, warum das Team seit zwei Spielen herzlos und unengagiert spielt, das hat mit einem Matchplan erstmal wenig zu tun. Wolf ließ 4er Kette in Mainz und 5er Kette gegen S04 spielen. Man kann sicher über die Personalien Bruun Larsen diskutieren und ob nicht Donis die bessere Wahl gewesen wäre gegenüber Özcan. Es gibt aber mit Donis genau einen Flügelspieler (wenn Wolf nicht mit Thommy beginnen will), es gibt genau einen Rechtsverteidiger im Kader (Beck), das schildert teilweise die Kaderzusammenstellung …

  3. Cosmick sagt

    Hannes Wolf ist einfach ein junger, unverbrauchter und sympathischer Typ. Jeder hätte sich gewünscht, dass er bei uns als Trainer erfolg hat und mit Gesicht des (neuen) VfB ist/bleibt. Wenn man die Situation aber bewertet, sollte dies möglichst neutral geschehen, und nicht emotional aufgeladen. Kann mir nur schwer vorstellen, das über einen B.L. oder andere genauso nachsichtig geschrieben worden wäre. Wenn man sich die letzten Wochen und Monate ansieht, fällt einfach auf, dass keine Entwicklung statt gefunden hat. Mal ehrlich, weder die Ergebnisse noch die Arbeit haben jetzt wirklich beeindruckt. Dazu der negative Lauf von 7 verlorenen aus 8 Spielen?? Auch dazu fiel H.W. leider keine Antwort ein. Weder in der Aufstellung/Spielweise, in seinem Auftrem und der Einstellung. Stattdessen fiel, selbst mir, seine immer größer werden Ratlosigkeit auf. Reschke musste somit das tun, was man von jemandem in seiner Position zu erwarten hat: Handeln und zwar genau jetzt.

  4. Andi1893 sagt

    Hallo Zusammen,
    man hat im Verein nicht erkannt, dass der Kader für die erste Liga anders aufgestellt sein muss. In Liga 2 wurden viele Spiele durch in individuelle Klasse gewonnen (z.B Terodde). Jetzt hat man versucht taktisch zu mauern und hat die Stürmer nicht mehr gefüttert. Der Trainer ist für diese Situation verantwortlich und hat dies nicht umsetzen können. Er ist menschlich eine Rakete, ist aber der Situation nicht gewachsen. Daher tut die Trennung Not, ist aber äußerst bitter. Der VfB steigt mit dem richtigen Nachfolger sicher nicht ab. Die jetzige Auswahl des Coaches wird entscheidend sein

  5. Arne sagt

    Hi,
    ich bin traurig. Der VfB trat in der Ferne superschwach auf. Denkt nur an das Hinspiel auf Schalke und die beiden letzten Dezember-Spiele. Doch wer trägt die Schuld, dass es im Januar 2018 gerade so weitergeht?
    Für mich unser Präsident! Warum Reschke? Der läßt sich von Wolf doch nichts sagen, eine Zusammenarbeit kam nicht zustande und die Konsequenz ist, dass sich die Alten vom Jungen trennen.
    Ich werde weiter VfB-Fan bleiben und fand die Besuche in Fürth, Nürnberg, beim KSC auch spannend!
    Nun wünsche ich mir drei Tore von Terodde gegen uns und am kommenden Spieltag gleich mal zwei von Brekalo und dann bin ich gespannt, was Reschke und Dietrich zu sagen haben.
    Mit freundlichen Grüßen
    Immer 1893
    Euer
    Arne

    • @abiszet sagt

      Ja, bist Du wahnsinnig, Arne? Tore von Brekalo und Terodde gegen uns? Ein bisschen Gehässigkeit ist gut, aber doch bitte keine Gemeinheiten …;-) Ich habe noch gar kein Gefühl für Wolfsburg, so lange kein Trainer verpflichtet wurde. Wobei mich ein Name wie Tayfun Korkut regelrecht schockiert.

  6. Arne sagt

    Hi abiszet,
    das war auch ein wenig ironisch gemeint.
    Ihr macht auf jeden Fall eine tollen Job!
    Lese die Artikel gerne und muss immer wieder schmunzeln, z. B. über Schindelmeisers Spitznamen.
    Und damit wir wenigstens einen Titel bekommen „HSV des Südens“ brauchen wir Gisdol. Immerhin ein bewährter Feuerwehrmann.
    Liebe Grüße
    Arne

    • @abiszet sagt

      Oh, vielen Dank, Arne! Das freut uns sehr. Ich könnte übrigens locker auf den Titel „HSV des Südens“ verzichten ;-) … womöglich noch auf die Melodie gesungen von „FC Bayern, Stern des Südens“ …

  7. Rainer Müller sagt

    Seit dem Mainzkick ist mir alles egal. Diese Truppe schaffte es doch tatsächlich, die miese Vorstellung des vorherigen Spieles nochmals zu toppen. Das macht dem VfB keiner nach! Zum Schluß merkte man Hannes Wolf die Unsicherheit an. Er wurde förmlich zermalmt zwischen den hochdotierten Ansprüchen des Bosses, den Ansagen der „Chefnase“ und von der Mannschaft, welche weiterhin von ihm trotz der lächerlichen Einstellung geschützt wurde.
    PS: Mit Korkut sind uns Reisen nach Kiel oder Sandhausen sicher. Maximal reicht es noch zum Prädikat Fahrstuhlmannschaft.
    Nochmals PS: Selbst wenn unser VfB den Klassenerhalt schafft, in der neuen Saison folgt wieder dasselbe Schauspiel. Same prodecure as last year!!!

  8. Thomas sagt

    Im Prinzip war bereits die Wahl von Dietrich war Anfang vom Untergang des VfB. Dieser Mann verkörpert für ALLES was beim VfB seit Jahren schief läuft. Aber da es die Mitglieder waren die ihn gewählt haben gibt es noch nicht mal externe Gründe warum der Verein vor die Hunde geht, die Mitglieder selbst sind einfach zu dämlich die richtige Entscheidung zu treffen

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