Allgemein, Feature_drei
Kommentare 7

#DankeHannes

Es war ein schöner Septembertag. Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten und Ina Aogo brauste mit einem Porsche Cabrio vom Vereinsgelände. Es war noch alles gut, der VfB schien in der Bundesliga angekommen, zwar nicht mit großem Hurra, aber immerhin mit sieben Punkten in sechs Spielen. Trotzdem hatten wir Bedenken, dass es Präsident Wolfgang Dietrich nicht schnell genug ging. Diese Sorge teilten wir ihm mit. Daraufhin sagte er sehr bestimmend, ganz wie es seine Art ist: „Solange ich Präsident des VfB bin, wird Hannes Wolf nicht entlassen, es sei denn …“, jetzt fehlten ihm die Worte und der Satz endete im lufleeren Raum. Erstaunlich, normalerweise ist Dietrich nicht um Worte verlegen, insbesondere das Wort „ich“ kommt oft vor.

Jetzt ist Hannes Wolf nicht mehr der Trainer des VfB. Offiziell kommuniziert als gemeinsame Entscheidung und damit bleibt Dietrich seinen oberen Worten treu. Die Entwicklung war den VfB-Verantwortlichen – wie vielen VfB-Fans auch – zu negativ, kein Signal schien erkennbar, dass Wolf den Turnaround noch schafft. Auch Wolf zweifelte an sich. Was als perfekte Symbiose zwischen Wolf und dem VfB begann und als Hoffnung auf Langfristigkeit, endete ganz banal mit einer Trennung. Wie zuletzt bei Luhukay, Kramny, Zorniger, Veh. Und doch ist Wolf ein ganz anderer, Mensch wie Trainer. Mit ihm schien der VfB ein anderer zu werden. Jetzt, nachdem in den zwei Jahren zwischen 2016 und 2018 fast alle Personen ausgetauscht wurden, scheint sich doch nichts geändert zu haben.

Hannes Wolf hat dem VfB in 17 Monaten ein anderes Gesicht gegeben. Ein sympathisches, ein modernes, eines, mit dem sich alle Fans identifzieren konnten. Mit ihm kamen der Verein und seine Anhänger aus dem tiefen Tal der Depression des Abstiegs heraus. Er vermittelte mit seiner Art eine unerschrockene Zuversicht, einen Optimismus, den wir alle brauchten. Der Mief im Club schien verschwunden, er lüftete durch mit seiner Empathie und seinem frischen und zugleich demütigen Auftreten. Zusammen mit Jan Schindelmeiser zeigte er wie ein VfB der Zukunft aussehen kann: ehrlich, offen, empathisch, geradlinig, modern. Das ist jetzt vorbei. Wir werden Hannes Wolf vermissen.

Deshalb wollen wir #DankeHannes sagen für
– die extreme Identifikation mit dem VfB
(auch seine Tochter rief gerne „Vau-eff-bee!“)

– eine unglaubliche Demut gegenüber dem Verein und seiner Tradition

– das sich-selbst-nicht-wichtig-nehmen

– für den Respekt gegenüber allen rund um den VfB:
Kollegen, Spieler, Fans, Medien

– den Aufstieg 2017

– das unvergessene Aufstiegsfest 2017

– tolle Spiele gegen Union Berlin, Fürth, Düsseldorf, Aue, Würzburg, Freiburg

– unvergessene Schlachten gegen Nürnberg, Desden, Bielefeld, Bayern München

– die Entwicklung und das Bessermachen von Benjamin Pavard + Timo Baumgartl

– Aufstellungen, die wir nicht verstanden haben, die aber richtig waren

– Sätze, die sich für Unterarm-Tattoos eignen:
„Definiere Dich über Arbeit, nur dann bringt Dein Talent etwas.“

– den süßen Zauber und letztlich die Illusion eines Neuanfangs

– die Hoffnung, dass der VfB ein wenig anders werden könnte

Hannes Wolf war ein Trainer, der perfekt zum VfB passte. Sein Nachfolger wird es schwer haben.

Darf gerne geteilt werden:

7 Kommentare

  1. Pingback: Es begann mit einem großen Sieg – Bier in Stuttgart | Essa, trinka, bruddla

  2. Pingback: Der VfB Stuttgart - Bye Bye Wolf - Eine Lösung namens Korkut| Der Abstauber | Fussballblog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.