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Der VfB Stuttgart fest im Griff des schwierigen Umfelds?

Was darf ich von meinem VfB Stuttgart erwarten? Das legt seit neuestem Sportdirektor Sven Mislintat fest, wenn ich sein Interview in der Sportbild richtig interpretiert habe. Ich solle bitte nicht so anspruchsvoll sein, meint er. Denn das übt Druck aus auf die Mannschaft, dem sie nicht gewachsen ist. Sie kann wegen meiner Erwartungen nicht performen.

Dass der VfB neun Mal in der zweiten Liga verloren hat, armselige Auftritte hingelegt hat gegen so Schwergewichte wie Osnabrück, Wehen Wiesbaden, Kiel und Fürth, das liegt an mir, meint Mislintat. Es liegt also nicht an der Kaderzusammenstellung, an der taktischen Ausrichtung oder an der Einstellung der Spieler, dass die Spiele nicht gewonnen wurden. Sachliche Analyse? Fehlerkultur? Anscheinend nicht vorhanden.

Das VfB-Trikot sei so schwer, weil die Erwartungen so hoch sind, meint Mislintat. Sie sind so hoch, weil Mitglieder, Fans, Supporter und Presse mehr als zwei, okay vielleicht fünf gute Spiele in der Saison erwarten. Natürlich kann nicht jeder Gegner wie Sandhausen und Nürnberg aus dem Stadion geschossen werden, aber ein bisschen mehr als ein leidenschaftsloses 1:2 gegen den KSC und ein deutlich souveräneres Auftreten in der zweiten Liga kann man vom VfB schon erwarten.

Mehr Souveränität im Umgang mit Kritik wäre ebenfalls wünschenswert. Erwartungshaltung, schwieriges Umfeld, Schiedsrichterleistungen, Platzverhältnisse:
Immer sind die anderen Schuld, das sind wirklich billige Ausreden, das können Sie besser, Herr Mislintat. Oder ist das womöglich das Ergebnis der sogenannten „knallharten Analyse“, warum der VfB so oft so schlecht aussah in der zweiten Liga: Nach der Melodie „An uns lags nicht, es ist das schwierige Umfeld, warum wir so schlecht spielen“.

Es ist die große Mär des schwierigen Umfelds. Deren Erwartungshaltung sorgt dafür, dass die Mannschaft fast zu keinem Zeitpunkt das auf den Platz brachte, was man ihr zutraute. Dabei waren noch nicht einmal Zuschauer im Stadion und die Kurven und Tribünen können nun ausnahmsweise nicht Schuld sein an mut- oder teilnahmslosen Auftritten der Mannschaft.

Das Narrativ des schwierigen Umfelds sorgt überdies dafür, dass sich mit Oberflächlichkeiten beschäftigt wird anstatt tiefer nachzudenken, warum der VfB nicht richtig performt hat. Selbstkritik sucht man ebenfalls vergeblich. Womöglich überträgt sich diese Einstellung auch auf die Mannschaft („Wir dachten, jetzt läuft es von selbst“).

Um meine Erwartungshaltung einmal klar zu kommunizieren:

Ich habe den Aufstieg erwartet, logisch.
Sie nicht, Herr Mislintat?

Ich habe deutlich mehr als zwei bis fünf Spiele erwartet, in denen der VfB aus seiner Überlegenheit auch einen klaren Sieg macht.
Sind wir d’accord, oder?

Ich habe erwartet, dass der VfB Lösungen gegen tief stehende Gegner findet.
Gehört zum 1×1 in der zweiten Liga, oder?

Ein erkennbares und funktionierendes Spielsystem ist wohl auch nicht zu viel verlangt, oder?
Sollte normal sein auf diesem Niveau.

Und ich möchte mich mit einem Team identifizieren.
Klar, wer so romantisch denkt, ist selbst Schuld.

„Wenn man in der zweiten Liga beim VfB arbeitet, kann man nichts gewinnen, nur verlieren. Es ist gefühlt die Fortsetzung des Abstiegskampfes“, so Milintat in der Sportbild.

Beschwert er sich ernsthaft, dass er beim VfB Stuttgart arbeitet, einem Traditionsclub, der nicht dauerhaft in der zweiten Liga bleiben möchte? Das ist schon ziemlich Mimimi. Aber natürlich hat er damit völlig recht. Das ist beim HSV und in Nürnberg aber genauso, bei Sankt Pauli und in Hannover, in Darmstadt und in Aue. Es gibt nur wenige Teams, bei denen es sich ruhig arbeiten lässt. In Heidenheim vielleicht, in Kiel, in Regensburg. Es würde sich auch in der zweiten oder dritten Reihe ruhiger arbeiten lassen, wie es einst Mislintat tat bei Dortmund und Arsenal. Aber ich bin sicher, das möchte Sven Mislintat nicht mehr. Weder dritte Reihe noch Kiel. Von daher müssen er und die Mannschaft dem Druck standhalten, wenn sie beim VfB Stuttgart sein wollen. Das ist ihr Job und den haben sie sich selbst ausgesucht. Und die Erwartungen kommen nicht zuletzt auch direkt aus dem Club.

Sven Mislintat sollte aber auch so ehrlich sein, um festzustellen: Seine Erwartungen sind auch nicht gerade klein. Seinen Trainer Tim Walter – vor der Saison mit viel Brimborium in den Himmel gelobt – hat er in der Winterpause auf Platz 3 liegend entlassen, weil der Sportdirektor nicht mehr davon überzeugt war, dass der der Trainer den Aufstieg packt. Und schließlich erwartet Mislintat nichts weniger, als mit seinem coolen Kader voller Silasse, Coulibalys, Molas und Endos ganz groß rauszukommen.

Für die nächste Saison erwarte ich übrigens nichts anderes als die Champions League-Qualifikation!

Spaß. Ein schmeichelhafter Klassenerhalt reicht mir vollkommen. Platz 12 wäre das höchste der Gefühle. Sagen Sie bitte nachher nicht, es liegt an mir, Herr Mislintat!

Zum Weiterlesen:
Hat Sven Mislintat mit seiner Kritik recht?

Titelbild: imagoimages.de/xTomxWellerx xEibner-Pressefotox EP_eer

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23 Kommentare

  1. Pessimist sagt

    Da bin ich dann dafür dass der VfB dauerhaft ohne Fans spielt. Die können dann den Lauf des sensiblen Mislintat Kaders nicht weiter stören.

    • Optimist sagt

      Kiel Hinspiel, Pfiffe nach nicht mal 20 Minuten – in der Tat wäre es in dem Fall besser gewesen, wenn keine Fans anwesend gewesen wären.

      • Daniel sagt

        Nicht erst in Kiel, auch schon beim Heimspiel gegen Wiesbaden. Zur Erinnerung: damals war der VfB mit sechs Siegen und zwei Unentschieden gestartet, alles sah nach souveränem Wiederaufstieg aus. Zur Pause stand es 0:1, der VfB hatte nicht mal schlecht gespielt und ein unglückliches Gegentor kassiert. Nach zuvor 20 Punkten aus acht Spielen. Und von der Haupttribüne ergießt sich ein gellendes Pfeifkonzert auf die Mannschaft.

        Mislintat hat völlig Recht mit seiner Kritik.

        • Pessimist sagt

          Vorbemerkung:
          Inzwischen wundert es mich dass Mislintat überhaupt Zeit für Interviews hat – es ist doch zeitlich bestimmt zeitlich ziemlich hart ca. 13 Mio pro Jahr an sein Spielerberater-Umfeld zu verteilen.

          Daniel: Zu dem Thema – VfB Fans auf der HT – ja da sitze ich auch wenn ich da bin.
          Kann mich an zahlreiche Spiele – auch mit den jungen Wilden – erinnern – wo es eng / kritisch / schwierig war und trotzdem Support kam.
          Die Leute haben ein Gespür dafür ob da unten eine Mannschaft brennt, ob die Jungs alles geben oder ob da eine Ansammlung voller Ich-AGs über den Platz trottet.

          Nach dem Corona-Gedöns werden vermutlich ja sowieso nur weniger Fans ins Stadion dürfen. Evtl. kann Mislintat ja (evtl. mit Deiner Zuarbeit – Daniel?) definieren, wer außer ihm noch da sein soll.

          PS.: An ein „gellendes“ Pfeifkonzert in der Hz gegen Wiesbaden kann ich mich nicht erinnern. Aber OK – mein Stadion – Gedächtnis ist mit diesen teilweise üblen / traumatischen Vorstellungen bereits markant geschwächt.

          • Bernd sagt

            Von den 13 Mio. dürfte ein Großteil für Kabak draufgegangen sein. Da war noch ein gewisser Herr R. zuständig.

  2. Florian sagt

    Meiner Meinung schließt sich eine anspruchsvolle Grundhaltung und die Kritik von Mislintat nicht aus!
    Der Umgang nach Niederlagen ist oft respektlos, die Stimmung auf der Tribüne oft schon zur Halbzeit bruddelig, die Stuttgarter Zeitung fehlen alternative Geschehen und setzt den Verein stetig in den Vordergrund (und Kritik verkauft sich besser als Lob)….
    Durch die vorhandenen Geldmittel ist durchaus eine Grundhaltung entstanden, dass der Verein in die CL gehört, von MV bis heute ist dies immer wieder bereits nach wenigen Erfolgen zu lesen….

    • manu sagt

      ja, und die fernsehkommentaren gefallen sich in einem vfb-bashing sondergleichen. das ist schön zu extrem und da hat er recht. trotzdem oder gerade deswegen muss man so differenziert betrachten m.e.

  3. Joachim Leuze sagt

    Frage an Vertikalpass:“Habt Ihr das Interview überhaupt gesehen, bzw. gehört?“
    Also woher nehmt Ihr Euch die Frechheit so dermaßen über diesen „sehr“ guten Sportdirektor des VfB her zu ziehen? Ich bin sprachlos, wenn ich Eure Einleitung (Präambel) zu dieser Post lese, dann stellen sich mir die Haare. Das zieht sich die ganze Saison durch: Vertikalpass haut auf diesen Verein rein, wie die umliegenden Nachrichten bzw. Schmierblätter Stuttgarter Nachrichten oder Stuttgarter Zeitung. Jetzt wird ein aus meiner Sicht gutes Interview auf die Schlachtbank getragen und ausgeschlachtet. Natürlich hatte Sven Mislintat in seinem Interview vollkommen recht! Um was ging es eigentlich? Er monierte in einem Interview bei Sky gestern morgen, dass die Verbal-Schläge in den sozialen Netzwerken unter die Gürtellinie gehen und das Ganze Konstrukt, welches er und Hitz angeschoben haben, in den Dreck geredet werden. Und das Spieler in den sozialen Netzwerken über die Grenzen hinaus angegriffen, beleidigt, diskreditiert und angegiftet werden. Und Ihr dreht ihm wiederum das Wort im Mund herum. Ich finde diese Art von Berichterstattung einfach infam und hinterhältig. Ich habe während der ganzen Saison vom Vertikalpass kaum mal positive Berichte gelesen. Da wurde nur eingeprügelt. Entweder auf die Mannschaft, den Trainer oder dem Sportdirektor. Langsam empfinde ich es als Hohn, wie Ihr das so für Euch so hindreht. Ich komme nicht dahinter, wieso Ihr das macht? Welchen Sinn soll das ergeben? Und ich war Anfangs von Euch sehr angetan und habe Euch in höchsten Tönen gelobt, aber was diese Saison hier abging, das war unterste Schublade!
    Ihr tut gerade mal so, als wärt Ihr die Experten per se, aber langsam beschleicht mich ein Gefühl, dass Ihr von Ahnungslosigkeit nur so beseelt seid. Wäre es ein politische Seite, dann würde ich sogar behaupten wollen, dass Ihr eine reine Hetzschrift sind. Fürchterlich.
    Ps. Ich rege mich gerade so richtig auf.
    Man braucht nur Euch zu beobachte und verfolgen, dann weiß man, dass Sven Mislintat vollkommen recht hat. Der VfB hat in der Tat das schwierigste Umfeld von der gesamten Fan-Szene. Bei aller Kritik, aber man sollte auch mal die Kirche im Dorf lassen. Und lasse über diesen Sportdirektor, welches in der Tat eines der besten im Lande ist, kein Blatt Papier drunter kommen.

    • Frank Hermann sagt

      Mislintat kann sich gar nicht genug auf die Schultern klopfen:
      Mit der Entlassung von Tim Walter,
      mit der Vertragsverlängerung von Pellegrino Matterazzo,
      mit der Aussage „Mannschaft ist erstligareif“
      und mit Fans wie Joachim Leuze, die von dem erbärmlichen Gekicke begeistert sind,
      – Alles richtig gemacht!

      • achim sagt

        Mislintat hat doch bis jetzt nicht den Eindruck gemacht, dass er keine Kritik am Team oder seiner Arbeit zulässt. Gerade die Trainerentlassung ist ja eine Korrektur seiner vorangegangenen Entscheidungen und setzt (Selbst-)Kritik voraus.

        Mir missfällt an obigem Artikel, dass man nichts über das Interview erfährt, sondern nur einzelne Aussagen herausgegriffen und dann polemisch kommentiert werden. Mir fehlt der Versuch, sich auch mal ein bisschen in die Entscheidungsträger des VfB reinzuversetzen und der Versuch deren Aussagen zu verstehen. Ich lese zu häufig nur eine zynische und polemische Interpretationen. Mir scheint es so, dass viele Kommentatoren mit dem VfB seit der Dietrich-Ära abgeschlossen haben und keine Sympathien mehr aufbringten können und daher nur noch zynisch reagieren.

        Wenn Mislintat jetzt zu harsche Kritik in den sozialen Medien anprangert und explizit darauf hinweist, dass junge Spieler damit schwer umgehen können, heißt das gleichzeitig, dass er gut begründete Kritik an seiner Arbeit genauso ablehnt? Muss doch nicht. Gleichzeitig hat er auch immt die Unterstützung der Fans gelobt. Das widerspricht der These, dass er beim VfB ein generell schwieriges Umfeld sieht. Das Gefühl, dass man mit dem VfB in der zweiten Liga nichts gewinnen kann, ist ja durchaus richtig. Siege sind selbstverständlich, punktverluste mittlere Katastrophen. Deshalb ist der Aufstieg ja so wichtig.

  4. Michael sagt

    Vertikalpass hat recht. Warum hat Mimoslintat denn dann Tim Walter entlassen?

  5. drhuey sagt

    If you can’t stand the heat, stay out of the kitchen!
    Es stimmt: Das Stuttgarter Umfeld ist nicht schnell zufrieden. Wenn hier eine laissez-faire-Mentalität vorherrschen würde, hätten wir die Wirtschaftsstruktur von Apulien. So was kommt von sowas! Sven Mislintat offenbart durch das Aufwärmen einer alten Leier, dass er die schwäbische Seele nicht versteht! Zudem hat der VfB immer auch selbst die Ansprüche befeuert. Ob es hohe Transfereinnahmen oder Ausgliederungsmillionen waren, die wirkungslos verpufft sind: immer wurde uns Sterneküche verkauft und allzu häufig nicht mal Hausmannskost geliefert. Dieses Stuttgarter Umfeld hat über 10 Jahre Erfahrung mit genau dieser Diskrepanz und schaut vielleicht auch deshalb etwas genauer hin. Ein X für ein U vormachen lassen ist nicht unsere Sache. Das Betteln um Würdigung des eigenen Wirkens ist nach einer Saison, in der man mit dieser Leistung normalerweise keine Chance gehabt hätte aufzusteigen, nicht angebracht. Sondern Demut! Das sollte sich Herr Leuze auch mal zu Herzen nehmen. Jedes ihrer mühsam aneinanderereihten Worte verrät: Ihre Seele ist nicht tiefrot und Ihnen geht jegliches Verständnis des schwäbischen Menschenschlags ab. Haben Sie nicht manchmal das Gefühl, dass hier Ihre an einen Choleriker erinnernden Verbalausbrüche nicht verstanden werden? Dann habe ich eine Empfehlung für Sie: Beglücken Sie mit Ihren Beiträgen andere und helfen Sie damit dem Vertikalpass seine hohe Qualität zu halten.

  6. Mozy sagt

    SM hat recht, Liga 2 ist kein Zuckerschlecken. Damit aber die zum Großteil unterdurchschnittlichen Leistungen seines zum Teil zusammengestellten Kaders zu entschuldigen und gleichzeitig auf das schwierige Umfeld einzuhauen, welches schließlich nur die selben Erwartungen an Team und Saisonverlauf hat, wie der Verein selbst, ist leider wenig professionell und hat rein gar nichts mit Fehlerkultur zu tun. Schließlich ist es eben genau dieses schwierige Umfeld, was furchtlos (dass muss man als VfB-Fan einfach sein) und treu, bei aller Bruddelei, hinter diesem Verein steht, wovon sogar so mancher Erstligist nur Träumen kann! Ich sehe hier TH in der Pflicht, seinen Sportchef evtl. enger an der Leine zu führen, was dieses Thema betrifft.

  7. Fritzo62 sagt

    Puh – wenn wir hier in einer Mannschaft kicken würden, ginge nichts zusammen. Uns eint doch die Treue und Liebe zum VfB, und jetzt freuen wir uns über den Aufstieg und die Chance, mit den neuen Wilden an alte Erfolge anzuknüpfen. Ich würde den SM zunächst missachten – falls der Vorstand mit ihm happy ist, scheint es dafür Gründe zu geben, die sich uns ev. nicht erschließen?
    Ich hoffe, dass TH an das grundliegendste aller Probleme heran geht: warum werden fast alle Spieler und Trainer beim VfB schlechter? Das interessiert mich am meisten, was sind die Gründe? Klar, diese Erwartungshaltung – aber das weiss ich doch als Spieler oder Trainer vorher. Fehlt es an psychologischer Betreuung? Fehlt es an Teamspirit vom Wüstlebrutzler bis zum Präsident => das scheint ja TH’s primäre Herzensangelegenheit zu sein.
    Noch was an alle Bruddler: mit welchem anderen Verein feiert man unregelmäßig deutsche Meisterschaften? Stellt Euch mal vor Ihr hängt an Leverkusen, Schalke oder sogar M’gladbach.
    Ich freue mich auf die BL – wenn wir gleich wieder absteigen aber bitte mit Hurra statt Verzweifelung.

    • @abiszet sagt

      @Fritz062
      „Uns eint doch die Treue und Liebe zum VfB“ – schön gesagt und absolut richtig! Insofern würde ich auch den Niveauarm heben wollen: Anderer Meinung zu sein, ist kein Problem. Aber meine Mutter hat immer gesagt: „Der Ton macht die Musik“ ;-)

  8. drausvomlande sagt

    Ich oute mich jetzt und sage, dass ich das Interview nicht gelesen habe.
    Ich bin auch in den sozialen Medien nicht unterwegs.
    Ich habe nur einen roten Brustring und das eine oder andere Spiel von weitem im TV angesehen, und das seit über 40 Jahren. Manchmal bin ich auch im Stadion.
    Und wenn ich hier etwas sage, dann ist das rein meine persönliche Meinung:
    Liebe „Profis“ in Industrie, Politik, Showbusiness und Sport, ihr bekommt Euer Geld und Eure Meriten dafür, dass Ihr unsere Gefühle bedient, dafür, dass wir uns wohl fühlen, also auf gut Deutsch: direkt für die Auswirkungen Eures Handelns auf unsere PERSÖNLICHE Situation. Wenn Ihr Euren Job also nicht gut macht, greift Ihr uns auf der PERSÖNLICHEN Ebene an. Der Trick, bei Eurem Misserfolg dann doch bitte sachlich und professionell zu bleiben, funktioniert nicht mehr, das haben wir durchschaut …

    Und deshalb wundert es mich immer noch, dass die Jungs von Karlsruhe aus nicht in Folge hammerharter Arschtritte nach Stuttgart geflogen sind
    Und deshalb könnte ich sie alle knuddeln, weil wir wieder in Liga 1 sind
    Und deshalb darf SM so etwas sagen
    das wird an mir nichts ändern.

  9. Hans Baierle sagt

    Schon „lustig“: Man echauffiert sich immer gern über die Bruddler,ist manchmal sogar von ihrem kontraproduktivem und kenntnisfreiem Gemecker genervt (weil es tatsächlich von Entscheidern wahrgenommen wird und diese dann zu vorschnellem Handeln verleiten könnte), checkt aber in seltenen Fällen nicht, das man selbst in solche Verhaltensmuster zurückfällt. Obwohl man sich doch selbst für soooo reflektiert, bewusst und ausgewogen argumentierend einschätzt. Haha, reingefallen, diesmal auf sich selbst.

    Ich will Joachim Leuze (siehe Kommentar oben) hier ausdrücklich zustimmen:

    „Ihr tut gerade mal so, als wärt Ihr die Experten per se, aber langsam beschleicht mich ein Gefühl, dass Ihr von Ahnungslosigkeit nur so beseelt seid. Wäre es ein politische Seite, dann würde ich sogar behaupten wollen, dass Ihr eine reine Hetzschrift sind. Fürchterlich.
    Ps. Ich rege mich gerade so richtig auf. Man braucht nur Euch zu beobachte und verfolgen, dann weiß man, dass Sven Mislintat vollkommen recht hat. Der VfB hat in der Tat das schwierigste Umfeld von der gesamten Fan-Szene. Bei aller Kritik, aber man sollte auch mal die Kirche im Dorf lassen. Und lasse über diesen Sportdirektor, welches in der Tat eines der besten im Lande ist, kein Blatt Papier drunter kommen.“

    Dem will ich faktisch nur so viel hinzufügen:

    Aufstieg? Ja
    Kader extrem verjüngt? Ja
    Dabei viele Spieler mit sehr viel Potential geholt? Ja
    Gehaltsetat zum Vorjahr stark abgesenkt? Ja
    Transferplus erwirtschaftet? Ja

    Also ich kann mich nicht an sehr viele Saisons beim Vfb erinnern, an deren Ende so viel positives Ergebnis vorlag. Wahrscheinlich werden wir alle erst in 3-4 Jahren – wenn der Kader zusammengehalten und weiterentwickelt werden kann – erkennen, was diese 2.Liga-Saison wert war.

    Das alles wohlgemerkt vor dem Hintergrund, dass das gesamte verantwortliche Personal beim VfB (Hitzlsperger, Mislintat, Matarazzo, vorher Walter) quasi einem Noviziat gleich arbeitete. Man sollte diese Leute nicht nur an einer Saison messen. Eine solch massiver Umbau wie ihn der VfB bei Saisonbeginn vollzogen hat braucht eben seine Zeit, um seine beabsichtigte Wirkung entfalten zu können (und ich behaupte hier: zum ersten Mal seit Jahren ist beim VfB überhaupt eine Absicht bei der Kaderplanung zu erkennen! und nicht bloß aktionistisches Agieren auf momentane Nöte).

    Einen Verein leiten, ein Team zusammenstellen oder eine Mannschaft trainieren ist etwas anderes, als eine Fliese zu verlegen, ein Auto zu reparieren oder beim Daimler ein Blech unter die Presse zu legen. Wer es noch nicht gemerkt haben sollte: der VfB ist mit der jüngsten Mannschaft der 2. Liga in die Saison gestartet. Es wäre vollkommen vermessen anzunehmen, das wir – obwohl überall als der „große VfB“ angekündigt – die komplette Liga an die Wand spielen. Wer sich diese Jacke von anderern Vereinen oder Journalisten anziehen lässt sollte mal sein eigenes Anspruchsdenken überprüfen (und einen realistischen Blick auf unsere Entwicklung in den letzten Jahren werfen). Im Unterschied zu den meisten bin ich nämlich nicht der Meinung, dass wir uns mit unseren Fußball in dieser Liga blamiert haben. Weil diese Liga fußballerisch so unterirdisch wäre: Ich halte diese Liga im Gegenteil für extrem stark und ausgewogen. Wie kann man so unreflektiert an der Arbeit Anderer herummeckern? Erinnert mich an Leute, die sich über den VAR bei Gomez´ (zu Recht) aberkannten Toren aufregen, um nur einen Atemzug später die eklatante Chancenverwertung (die zu häufig wirklich nicht gut war) den Spielern und Trainern um die Ohren hauen.

    Das dieser junge Kader sehr gut funktionieren kann, hat man am 32. und 33. Spieltag gesehen. Obwohl es sich um extreme Drucksituationen handelte. Ja, wir haben viele Spiele verloren (und einige davon aufgrund sehr rätselhafter Schiedsrichterentscheidungen), aber wir waren nur in sehr wenigen Spielen eklatant schlecht. Ja, Matarazzo hat in einigen Spielen mit einem fagwürdigem Line-up überrascht. Und er hat auch einige eklatante Fehler bei seinen Wechseln während eines Spiels gemacht. Was ihn aber auszeichnet (und was viele andere Trainer nicht geschafft haben: ich sage nur Weinzierl oder Korkut): Ihm ist es möglich, sich und seine Arbeit zu reflektieren und daraus entsprechende Änderungen abzuleiten. Er ist uneitel genug auf diese Weise zuzugeben, das er sich geirrt hat. So wie wir alle das immer und immer wieder tun.

  10. Daniel sagt

    Liebes Vertikalpass-Team – da habt ihr euch aber ziemlich verdribbelt! Das Interview wurde völlig aus dem Zusammenhang gerissen, meiner Meinung nach hat Mislintat mit den Grundsatzaussagen, dass das Umfeld ein schwieriges sei und das Trikot schwer wiege völlig Recht.

    Natürlich darf es einem VfB in der zweiten Loga nicht passieren aus 6 Spielen gegen Kiel, Wehen und Osnabrück 1 Punkt zu holen.
    Das ist mehr als peinlich und ich bin mir sicher, dass das auch SM so sieht. Aus dem Interview geht keineswegs hervor, dass SM die Schuld für diese Niederlagen beim schwierigen Umfeld sieht.

    Ich sehe SMs Äußerungen eher als eine Art Resumee eines „Hineingeschmeckten“ ohne jahrelangen Stallgeruch, der einfach mal sagt was Sache ist.

    Aus meiner Sicht habt ihr aus einer Mücke eine. Elefanten gemacht…

    Lasst SM und Hitz doch in Ruhe nach der Saison die Situation analysieren, ich bin mir sicher dass es intern ordentlich brodelt und den Herren bewusst ist, dass der Aufstieg am Ende recht glücklich ist.

  11. Joachim Leuze sagt

    @ Hans Baierle, vielen Dank für Deinen Beitrag! Da ist nichts mehr hinzuzufügen. Nochmals ein riesen Chapeau für diesen analytischen und „sinnvollen“ Beitrag. Ich bin ganz angetan…

    Mit weiß-roten Grüßen
    Joachim Leuze

  12. Claus-Peter Lander sagt

    @ Hans Beierle – Ihrem sehr sachlichen und inhaltlich wertvollem Bericht ist nichts hinzuzufügen… DANKE!

    VFB Grüße
    Claus-Peter Lander

  13. drausvomlande sagt

    @ Hans Beierle: Högschd professionell Ihre Analyse
    Fehlt nur noch ein Umfeld aus lauter Profis und Älles isch guat.

    Ach: Wenn ich rein professionell bewerten will, dann werde ich Fan von London Stock Exchange …

  14. drhuey sagt

    https://rundumdenbrustring.de/das-unerklaerliche-erklaeren

    Dem ist nichts hinzuzufügen…Fakten perfekt zusammengefasst und beschrieben wie es bei vielen Fans aussieht.
    Unverständlich: Selbst im Moment des Triumphes spricht Hitzelsperger von Phasen des aufkommenden Druckes, in denen sie intern ruhig geblieben und zusammengestanden sind. Das ist per se ja absolut richtig und wichtig, aber zwischen den Zeilen steht da: „ihr da draussen“ habt Druck gemacht und „wir drinnen“ haben zusammengehalten.
    Wie wäre es mit: „Als wir unser selbst gestecktes Ziel zu vergeigen drohten, haben wir uns gerade noch rechtzeitig an den Eiern gepackt und das Ruder herumgerissen“
    Nach soviel eigenen, erfolgsverhindernden Fehlern sollte man dringendst das Narrativ des schwierigen Umfelds fallen lassen; es wirkt nur noch hilflos und lächerlich!

  15. Theo Holger Geist sagt

    Wie jeder mit weiss-rotem Herzen habe auch ich mir gewünscht, dass diese Saison selbiges weniger belastet und wir am 29. Spieltag entspannt den Aufstieg feiern können.
    Es kam anders, aber doch sind wir aufgestiegen. Oftmals hat aber dabei das Team nicht überzeugt und inklusive 34. Spieltag ist es auch den Trainern fast nie gelungen einen Lösungsansatz für die immer gleiche Spielweise unser Gegner zu finden. Das darf man kritisieren. Das soll angesprochen werden. Das müssen Spieler und Verantwortliche aushalten.
    Was meiner Meinung nach nicht auszuhalten ist und da bin ich dann mit Mislintat einer Meinung, ist das asoziale Geschreibsel in Sozialen Medien, die z.T. tendenziösen bis gehässigen Kommentatoren auf Sky und Pfiffe vor Abpfiff einer Partie.

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