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Typisch VfB

Unlingen, Stuttgart, München, Florenz, Istanbul, Stuttgart. Hauptsache ein Tor im allerletzten Profi-Spiel. Und dann auch noch so ein typischer Gomez: Freiraum erkannt, reingelaufen, Ball ins Tor gegrätscht. Eine jener klassischen Mittelstürmer-Momente, die wir in Zukunft vermissen werden. Das war zugleich das Beste im Spiel gegen Darmstadt. In diesem sportlich bedeutungslosen Spiel ging die Mannschaft wie so oft in dieser Saison nicht an ihre Grenzen, während Arminia Bielefeld beim für sie sportlich bedeutungslosen 3:0 gegen Heidenheim liefert.

Foto: Pressefoto Rudel, Robin Rudel Pool

Es ist natürlich ein Jammer, dass Mario Gomez sich in einem leeren Stadion verabschieden musste, nicht die Standing Ovations erhielt, die er verdient hätte. Dass er sich mit einer Niederlage verabschieden musste, scheint ihm wenig auszumachen, dem ganzen VfB scheint es ebenfalls egal zu sein. Mit einem letzten schönen Spiel noch einmal Euphorie entfachen, einen positiven Schlusspunkt unter eine harte Saison zu setzen: offensichtlich völlig überschätzt in der Mercedesstraße. #Ergebniszweitrangig

Gibt es etwas zu feiern?
Jein, denn zehn Niederlagen kassierte der VfB in seiner Aufstiegssaison, lieferte nur eine Handvoll Spiele, in denen er wirklich überzeugen konnte. Das ist einfach zu wenig für einen Club mit dem Budget und dem Kader. Aber es hat gereicht. Pflicht erfüllt, Saison abhaken. Denn, wer auf Platz zwei steht, steigt berechtigt auf, auch wenn die Minderleistungen des HSV eine große Rolle gespielt haben.

Sind wir erleichtert, dass dieses Jahr in der zweiten Liga vorbei ist?
Definitiv. Es war eine harte Saison, sagte Vorstandschef Thomas Hitzlsperger – und das gilt für alle: VfB-Management, Trainer, Spieler, Fans. Den Kader komplett umgebaut bis auf sogenannte „Alt“-Lasten, der obligatorische Trainerwechsel, zähe Spiele gegen robuste und widerstandsfähige Gegner. Robust und widerstandsfähig: Zwei Attribute, die dem VfB Stuttgart in der abgelaufenen Saison oft fehlten.

Dass die Saison nicht leicht werden würde, war klar. Dass der VfB nichts zu gewinnen hatte, ebenfalls. Nach Niederlagen gegen Wehen Wiesbaden (2x), Osnabrück, KSC, Kiel, Fürth und Sandhausen darf niemand zufrieden sein, denn ein Sieg (oder zumindest eine ordentliche Leistung) gegen diese Gegner sollte stets schlicht und einfach Pflicht sein. War es Überheblichkeit, Angst vor dem eigenen Versagen oder doch ein Ausdruck von mangelnder Qualität im Kader? Diese Fragen müssen Sven Mislintat, Pellegrino Matarazzo und Thomas Hitzlsperger für sich und den VfB beantworten. Von ihren Antworten wird abhängen, welche Figur der VfB in der nächsten Saison abgibt.

Einerseits muss man nach den vielen enttäuschenden Auftritten in der zweiten Liga Angst haben vor Hochkarätern wie Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig, Bayer Leverkusen oder Borussia Mönchengladbach. Andererseits wird der VfB nicht mehr mit Bussen in den gegnerischen Strafräumen konfrontiert. Es wird mehr Raum geben und das könnte schnellen Spielern wie Silas oder Gonzalez entgegen kommen. Auch wenn es andere Akteure gibt, bei denen wir uns kaum vorstellen können, wie sie in der Bundesliga bestehen wollen.

Nicht mehr der Favorit zu sein, ist sicher auch angenehm – wenn sich keine zu laxe Einstellung einschleicht („Gegen Mainz muss man nicht gewinnen“). Allerdings den Druck völlig rausnehmen? Denn Mislintat sagt im Kicker, dass der VfB „nicht jede Partie gewinnen muss“. Eine gefährliche Aussage, bedient die sie doch die schon traditionelle VfB-Selbstgefälligkeit. Der Grat ist schmal. Einerseits sind Team wie Mainz und Augsburg dem VfB aktuell einen Schritt voraus, andererseits werden dies die Gegner sein, gegen die man Punkte holen muss, um die Klasse zu halten.

Der große Unterschied zur Zweitliga-Saison: Der VfB Stuttgart kann etwas gewinnen, kann positiv überraschen. Und ein langweiliges 0:0 gegen Angstgegner Augsburg fühlt sich deutlich besser an als ein spannungsloses 0:0 gegen den VFL Osnabrück.

In diesem Sinne:
Wir freuen uns auf die erste Liga – und das eine oder andere 0:0-Spiel.
Und was die überzogenen Erwartungen angeht: Jeder Platz jenseits der Abstiegsplätze wäre ein Erfolg!

Zum Weiterlesen:
We bruddel, because we care

Aufstieg, irgendwie

So sieht kein Gerüst aus, das Talenten Sicherheit geben kann!

Mission complete

Foto: Christian Kaspar-Bartke (Getty Images)

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