VfB
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Die Angst, Dein bester Freund

Das Süd-Derby als Langweiler – und das liegt nicht am FC Bayern. Das Spiel erinnert fatal an das Testspiel gegen Schwaikheim, mit anderer Rollenverteilung: Die VfB-Spieler sind froh, dass sie keinen auf die Mütze bekommen haben, es fehlt nur noch, dass sie sich beim Trikottausch auch noch Autogramme geholt hätten.   

Die Fakten:
Der VfB verliert völlig zu Recht sein zwölftes Spiel in Folge gegen Bayern München.
„Na und? Das war schon vorher klar!“, sagt unser WM-Mittickerer Felix und tippte vorher sogar auf ein 3:0.
„Man verliert hier einfach“, meint dazu Martin Harnik und es ist dabei unklar, ob die Betonung auf „einfach“ liegt. Aber es schwingt wohl mit, dass es eine Art Naturgesetz sei, in München zu verlieren.

Wie war das Spiel?
So bieder und vorhersehbar wie eine Rosamunde Pilcher-Verfilmung. Bei Bayern München macht Thomas Müller den Wayne Carpendale und spielt die Rolle des stürmischen Sympathieträgers absolut glaubhaft, an seiner Seite weitere Akteure, die Pilcher-Stoffen entsprungen sein könnten: Philipp Lahm als gutmütiger Landbesitzer, Mario Götze als trickreicher Draufgänger, Gianluca Gaudino als jugendlicher Jäger. In der Rolle des Bösewichts ist der VfB allerdings absolut fehlbesetzt. Die Spieler sind eher einfältige Trottel mit vorhersehbaren Tricks als fiese Intriganten.

Was war überraschend?
In den letzten zehn Minuten läßt Armin Veh so spielen, wie ich in München aufgestellt hätte: Ohne Gentner, mit Romeu und Gruezo als Doppel-Sechs und davor Alexandru Maxim. Im Angriff die schnellen Kostic, Werner und Harnik, denn ein Strafraumspieler wie Ibisevic macht in einem Auswärtsspiel bei Bayern wenig Sinn.

Wer war stark?
Die Viererkette. Dabei fällt Gotokai Sakai überhaupt nicht auf und das ist das Beste, was man seit langer Zeit über den Japaner sagen kann. Keine (Stellungs-)Fehler in der Defensive, keine Flanke hinters Tor in der Offensive (da er keine schlug).

Wer fiel ab?
Christian Gentner erneut fahrig, verliert oft den Ball und Überblick, wird zu Recht ausgewechselt. Martin Harnik zeigt sich das eine oder andere Mal auf der rechten Flanke und macht sein Trikot schmutzig, das wars. Beide Führungsspieler gehen nicht voran, um andere mitzureissen. Niemand kann sich an ihnen orientieren, Timo Werner ist so gehemmt, dass er sogar einen Sprint nur halbherzig ansetzt, als vor ihm das Spielfeld offen ist und nur noch Boateng vor ihm steht. Am Ende schießt er alibi-mäßig aufs Tor, um ja nichts falsch zu machen.

Was sind die Konsequenzen der Niederlage?
Der VfB ist nicht mit der Überzeugung in München auf den Platz gegangen, dass dort etwas zu holen sei. Es ging einzig und allein um Schadensbegrenzung. Ich habe vor dem Spiel fatalistisch gesagt: „Alles unter fünf Tore ist ein Erfolg“. Aber von der Mannschaft kann man ein bisschen mehr als Bruddelei erwarten, sie hat das Spiel jedoch ebenso abgehakt wie ich.

Ehrfürchtig. Ängstlich. Leblos.
Sinnbildlich dafür stehen für mich Gentner und Harnik, ich würde es mal ohne die beiden versuchen. Denn die Angst, sie scheint deren bester Freund zu sein. Ehrgeizige Spieler wie Rüdiger, Kostic, Werner, Gruezo, Romeu müssen gestärkt werden.

Der Mannschaft fehlt die Ambition, da ihr seit Jahren vorgebetet wird, dass sie schlechter sei als alle (Vereinsspitze, Fans, Medien) denken. Dieses „schwach reden“ darf Armin Veh auf keinen Fall fortsetzen. Und das „schön reden“ der Ergebnisse muss ebenfalls endlich aufhören:
Pokal-Aus: „Kein Beinbruch, Bochum ist im Spielrhythmus und Tabellenführer der 2. Liga“
Last-Minute Ausgleich in Gladbach: „Das war gut, wir sind sehr kompakt gestanden!“
Heim-Niederlage gegen Köln: „Wir liegen in allen Statistiken vorne, müssen nur im letzten Drittel besser werden“
0:2 gegen Bayern: „Wir haben es eigentlich ganz gut gemacht“

Und was hat die Band „Trümmer“ dazu gesagt?
„Wo ist die Euphorie?“

Nach drei Spieltagen und dem Pokal-Aus ist – um es mit Rosamunde Pilcher zusagen – der „Wind der Hoffnung“ verflogen, es liegt die bleierne Schwere der Labbadia- und Mäuser-Jahre wieder auf der Mannschaft.

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