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Ein Sieg für Endo

Beim Verlassen des Stadions sagte jemand hinter mir: „Fußball ist wie das Leben: Es geht auf und ab und Du wirst meistens belohnt, wenn Du es immer wieder probierst“. Das Auftreten des VfB im allgemeinen und das Spiel gegen Hertha BSC in einem Satz zusammen gefasst.

Der VfB nicht mit seinem besten Spiel, oft geht etwas knapp daneben: Da kommt hier ein Zuspiel zu spät, da wird dort ein Ball vertändelt. Der eine übersieht einen Gegenspieler, der andere schließt einen Angriff viel zu früh ab. Es gelingt bei weitem nicht alles, aber man hat nie den Eindruck, als ob der VfB daran verzweifelt. Auch wenn die Verletzung von Wataru Endo einen deutlichen Bruch im Spiel nach sich zieht, in der Schlussphase ist der Willen erkennbar, unbedingt gewinnen zu wollen.

Trainer Michi Wimmer jetzt mit drei Bundesligaheimsiegen in Folge und Sven Mislintats Favorit auf eine Festanstellung als Chefcoach, weil Dinos Mavropanos erst auf der Linie rettet, um dann in der 98. Minute den Siegtreffer zu erzielen. Die ganze Anspannung im Stadion entlädt sich, als der Ball vom Innenpfosten ins Tor geht. Wobei das eigentlich gar nicht seine beste Szene war: Eher der Trashtalk mit Davie Selke und Marco Richter, für die der Grieche völlig unverständlicherweise seine fünfte gelbe Karte bekommt.

Mavropanos’ Tor ist der späte Schlusspunkt, nachdem der VfB zu Beginn des Spiels überrascht: Mit einem frühen Tor statt mit einem Gegentreffer. Und was für eins – Li Egloff mit einem schnellen Zuspiel auf Tiago Tomas, vor dem sich ein riesiger Raum öffnet. Er spielt den Vertikalpass des Tages auf Serhou Guirassy, dieser Spin des Balles, einfach crazy! Alleine vor dem Tor zeigt Guirassy keine Nerven, ignoriert neben sich Marc-Oliver Kempf und wuchtet den Ball sehenswert zum 1:0 ins Netz. Es hätte ein gemütlicher Abend werden können, wenn Silas nach einer Viertelstunde das 2:0 erzielt hätte. Anstatt dessen: Der Ausgleich, weil Jonjoe Kenny unbedrängt flanken kann und Waldemar Anton schließlich Dodi Lukebakio übersieht, der so viel Zeit hat, dass man ihm locker noch eine Tasse Glühwein hätte servieren können, bevor er den Ball mit dem linken Fuß einschob. Es ist der 29. Gegentreffer hintereinander in einem Heimspiel des VfB. Es summieren sich vor fast jedem Gegentor stets die individuellen Fehler.

Auch wenn Hertha BSC einige Räume zulässt, vor allem durch halbherziges Pressing, läuft spielerisch wenig beim VfB zusammen. Ja, der VfB versucht, dominant zu sein, aber es sind meistens die Einzelaktionen, die den Unterschied machen. Oft fehlt die Präzision im Zusammenspiel und meistens die Intuition, freie Räume zu entdecken und zu bespielen. Und in der Defensive muss man stets damit rechnen, dass individuell oder gruppentaktisch einfache Fehler passieren.

Dass der Last-Minute-Sieg dem verletzten Endo gewidmet wird, ist eine schöne Geschichte. Zumal der Kapitän gegen Hertha ein gutes Spiel gemacht hat, stellenweise wie ein tiefer Spielmacher auftritt. Ballsicher ist er wie immer, verteilt aber auch clever die Bälle, verlagert klug das Spiel. Als er nach dem Luftkampf mit Ivan Sunjic am Boden liegt, sind vor allem Florian Müller (der erste Hilfe leistet), Anton, Mavropanos und Borna Sosa an seiner Seite. Sie sind spürbar geschockt. Zu diesem Zeitpunkt rücken banale Dinge wie Gegentore, Fehlpässe oder vergebene Chancen in den Hintergrund. Es dominierte die Sorge um den Kapitän des VfB. Auf dem Feld und auf den Tribünen.

Frühe und späte Tore, das scheint im Moment eine Trademark des VfB zu werden. Es ist ein glücklicher Sieg und ein Pflichtsieg gegen einen Gegner auf Augenhöhe. Ein Sieg, der zeigt, dass die Mannschaft lebt und das Glück erzwingen will. Das sollte sie allerdings nicht nur in den Heimspielen zeigen, sondern auch auswärts. Ohne Mavropanos und Endo wird es in Leverkusen allerdings schwer.

Zum Weiterlesen:
Warum ich gestern nur auf Borna Sosa geachtet habe.

Rund um den Brustring machte sich nicht nur Sorgen um Wataru Endo, sondern sieht auch das ständige Auf und Ab der Mannschaft kritisch.

Foto: Alex Grimm/Getty Images

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14 Kommentare

  1. Das Wichtigste vorab: Gute Besserung an unseren bockstarken Kapitän Wataru Endo – hoffen wir, dass es bei einer Gehirnerschütterung ohne Folgen bleibt.

    Ansonsten hat unsere angeblich nicht bundesligataugliche Mannschaft den dritten Bundesliga-Heimsieg in Folge eingefahren, zum dritten Mal gegen einen direkten Konkurrenten – zum wiederholten Male spät, zugegeben aber geschenkt, denn verdient waren die Siege allemal und wir haben ja auch schon unglücklich Punkte liegen lassen in dieser Saison. Das Siegtor lag gestern sicherlich nicht so spürbar in der Luft wie gegen Augsburg, aber angesichts des Endo-Schocks und einem sehr kämpferischen Spiel ist die Willensleistung zum Schluss aller Ehren wert. Das wird natürlich nichts an der Anti-Mislintat-Stimmungsmache ändern, da sich zu viele in ihren einfachen Antworten a la “Wir müssen einfach mehr laufen und kämpfen” bedroht fühlen, aber ich hoffe da umso mehr auf einen guten Abschluss in Leverkusen, denn sportliche Resultate schaffen bekanntlich Fakten, im Guten wie im Schlechten. Es wäre eh mal höchste Zeit, endlich den Auswärtsfluch zu brechen und vielleicht auch gleich das obligatorische Gegentor hinter sich zu lassen – ich will nicht vorgreifen oder irgendwas verschreien, aber wenn wir mal kurz spinnen: Ein Sieg in Leverkusen würde 17 Punkte nach 15 Spielen bedeuten, das wäre durchaus Kurs Klassenerhalt.

  2. Fritz sagt

    Auch von meiner Seite gute Besserung an Endo!

    Mehr als jede andere Position wird der Torhüter an Fehlern gemessen, und da hat Müller wieder einen grossen Bock geschossen. Wie lange will sich die sportliche Leitung das noch anschauen? Sieht für mich nach derselben Taktik wie bei Materazzo aus. Vertrauen zu demonstrieren ist gut, man kann aber die Augen nicht ewig vor der Realität verschliessen.

  3. Clemens sagt

    Man darf bei VfB-Spielen nicht zu spät kommen, aber auch nicht vor Abpfiff gehen, so viel ist mal sicher. Nicht sicher ist, wie man Punkteausbeute in den Heimpartien bewerten sollte. Ist die Mannschaft intakt? Vermutlich. Ist eine Entwicklung in der Defensive erkennbar? Hm, eher nicht. Hat Wimmer die richtigen Knöpfe gedrückt? Zumindest hat er der Dreierkette abgeschworen, was aber weiterhin nicht zu einer Stabilität auf den Außenpositionen beiträgt. Andererseits ist es unfair, ihm etwas anzulasten, was bereits unter Tim Walter ein Ritt auf der Rasierklinge gewesen ist. Die Einwechslungen von Pfeiffer und Vagnoman waren zwar für die Katz, aber immerhin hat Enzo Millot das Spiel nach seiner Hereinnahme spürbar belebt. Vor den (leider wenigen) genialen Momenten eines Tomas, Sosa und Guirassy verneige ich mich.

    Für die Partie in Leverkusen sehe ich allerdings schwarz. Nicht nur die schwere Gehirnerschütterung von Endo sowie die Sperre von Mavropanos berauben den VfB seiner kämpferischen Qualitäten, sondern die Werkself kommt leider auch gerade wieder zum falschen Zeitpunkt in Schwung.

    • drhuey sagt

      Auch auf Wimmers Habenseite, zumindest aus meiner Perspektive ist, die Startelf-Nominierung von Egloff. Es gelang nicht alles, aber das ist es was der Junge jetzt braucht und dann bezahlt er auch zurück. Antons Aufstellung auf der rechten Seite fand ich noch gewagt, da es doch eine komplett andere Aufgabe ist für einen Innenverteidiger, aber Wimmer machte sich Antons Attitüde, immer Einfluss auf das Spiel nehmen zu wollen, zu Nutze. Wie habe ich Dinos kleines Scharmützel mit dem Stinkstiefel Selke genossen. Ich konnte das böse M-Wort förmlich hören. Und dann rammte er den Ball in den Kasten, als Selke (ohne Torerfolg) schon lange draussen gesessen ist. Die Ausfälle von Endo und Mavropanos werden weh tun gegen Leverkusen, denn die defensive Anfälligkeit ist auch trotz einem sehr gut aufspielenden Endo und Mavropanos weiterhin eklatant.

      • Clemens sagt

        Wenn es doch so einfach wäre: Egloff Spielzeit geben und in einigen Monaten die Fußball-Rendite in Form von Vorlagen und Toren kassieren. Man merkt bei Egloff, dass ihm noch einiges an Spielübersicht fehlt. Aber du wirst schon Recht haben, ohne Praxis keine Verbesserung.

        Mavropanos’ Trash Talk mit Lord Voldemort und Wurmschwanz war auch mein persönlicher Moment des Spiels. Hätte der griechische Adonis doch nur einmal tief ausgeatmet, die beiden wären anschließend nur noch Kreidestaub auf der Außenlinie gewesen.

  4. fritzo62 sagt

    Jung und wild – und attraktiv. Was wollen wir mehr? Sich langweilig mit Mauerfussball zu einzelnen Punkten retten?
    Ich sehe bei den meisten Spielern eine Verbesserung, denkt doch nur mal, wie gut diese Mannschaft eventuell nächstes Jahr sein könnte.
    Und schauen wir auf die Tabelle am Mittwoch spätabends, dann haben wir Köln und Hoffenheim und Mainz in Punktnähe.
    Wimmer? Natürlich – die Jungs kämpfen und wollen ihr bestes geben. Und wenn es dann an Qualität mangelt, ist es bei Union oder Mainz kein bisschen anders.
    Mich k…. inzwischen die VfB-Social-Blase an: die wollen den VfB verlieren sehen, wollen einen Zickenkrieg zwischen Wehrle und Mislintat, am liebsten Khedira mit Hitz zum Mond schiessen und und und.
    Ich liebe den Offensivfussball und wenn wir am Samstag hoch in Leverkusen verlieren aber trotzdem attraktiven Vorwärtsfussball abliefern – na und?

    • Konrad sagt

      Irgendwie fehlt mir die Phantasie, dass sich irgendjemand Differenzen in der Führungsebene wünscht.

      Die Steilvorlagen zur Diskussion geben leider die Beteiligten selbst.

      -Wehrle mit seinen drei Musketieren unter Ausschluss seiner eigentlich wichtigsten
      sportlichen Leitung plus seines SM Vertragsverlängerungsverweigerungsgesprächs.

      -Mislintat mit: soll doch jemand entscheiden, der einen längeren Vertrag als bis
      30.06.23 hat

      – die Mercedes Benz Bank, die den Stern von den Trikots fallen lassen will

      – die Stuttgarter Finanzen, die schon wieder eine Spritze benötigen

      Wer´s mit dem VfB hält, möchte sich darüber aus tauschen. In meinem Fall selbst erst noch eine Meinung dazu finden. Für meinen Teil könnte ich definitiv auf jeden einzelnen Fauxpas der Führung verzichten. Auf J E D E N !!!

      Meiner höchst subjektiven Ansicht nach, macht Offensivfußball nur mit einer stabilen
      Defensive Sinn. Mich persönlich nervt “nur” schön spielen und überwiegend Niederlagen kassieren. (sorry)

      PS: auch von mir die Besten Genesungswünsche an LEGEnDO, auf dass er gegen Deutschland
      unbedingt dabei sein kann 💕

  5. Audiotec sagt

    Sensationell (also auch das wiederholte Siegtor in letzter Minute-wird wohl bald zum Trademark erklärt) wie viele Kommentare hier nach 3 “Pflichtheimsiegen” (siehe Tabelle, vor allem die fiktive, wenn es nicht so gekommen wäre) sich schon wieder über Kritiker/Mahner (…nicht bundesligatauglich=von wegen…rennen und kämpfen=lächerlich…Mislintat=alles richtig gemacht/gesagt…und wer will schon Mauerfussball sehen!?) lustig gemacht wird.

    Ich hoffe ähnliche Kriterien/Maßstäbe werden/wurden zur derzeitigen Thematik rund um den Sportdirektor+Trainer nicht auch angelegt, sonst rufen wir nach einem (un)möglichen Sieg in LEV (Dream on) wahrscheinlich den Angriff auf die internationalen Plätze aus-selbstverständlich nicht ohne beiden sportlich (Haupt)Verantwortlichen zuvor mit Langzeitverträgen auszustatten.

    Genau diese Art von “Analyse/Bewertung” (Sieg/Mindestziel erreicht=alles Top Niederlage=alles muss weg) hat uns schon die letzte Saison beinahe den Klassenerhalt gekostet und als Konsequenz aus dieser “Last Minute Rettung” ist genau was passiert?

    Richtig: Nix!

    Mislintat/Rüdt/Krücken/Matarazzo erklärten einem sichtlich überforderten und noch euphorisierten Wehrle, einen Tag nach Klassenerhalt, das “alles” super (und natürlich alternativlos) unglücklich (You know, die vielen Verletzten und dann noch dieses Corona) lief und das ab “jetzt” alles anders/besser würde-mit einem Glas Champagner in der Hand, versteht sich.

    Ende (inkl. Bauernopfer Matarazzo) bekannt=Abstiegskampf bis zum bitteren Ende (notfalls Minute 98) in Dauerschleife, nebst sich ständig wiederholenden Mustern.

    Mal schauen was sich (Stand heute) mehr durchsetzt: die “neugewonnene Offensivpower” (zuhause) nebst Last Minute Siegen oder die Auswärtsschwäche plus “abenteuerlichen Defensiv/Laufverhalten.”

    Ein Königreich (Württemberg) für einen Optimisten!

    • Es sagt doch keiner, dass alles tuttifrutti ist? Dass wir seit gefühlt hundert Heimspielen in der Liga nicht mehr zu Null gespielt haben und auswärts sowieso schon gar nichts geht, hat keiner vergessen.
      Wenn man drei Liga-Heimspiele in Folge (plus eines im Pokal) gewinnt, darf man das aber schon auch mal würdigen und darüber nachdenken, ob nicht vielleicht doch auch ein paar Dinge richtig gemacht wurden. Mit “Pflichtsiegen” ist es nämlich immer so eine Sache: Auch diese Spiele kann man dennoch verlieren bzw. muss man erst mal gewinnen und es ist keineswegs selbstverständlich, dass man es dreimal in Folge tut. Dass du diese Serie einfach vorausgesetzt hast, mindert nicht die Leistung.
      Wenn man aufgrund von Ergebnissen und Tabellensituation dem Kader die Bundesligatauglichkeit absprechen kann, ist es doch wohl ebenso legitim zu fragen, wie eine nicht bundesligataugliche Mannschaft drei Bundesliga-Heimspiele in Folge gewinnen und nach 14 Spieltagen auf einem Nichtabstiegsplatz stehen kann? Das ist der Status quo.
      Luft nach oben ist immer, wir alle wollen langfristig wieder eine solide Rolle in der Liga spielen. Es gibt genügend Baustellen zu beackern. Die Richtung stimmt aber, und mehr behauptet auch keiner.

  6. Es gibt kaum schönere Siege, als die gegen Augsburg und Hertha.
    Gedanklich habe ich mir eine Pause für Dino gewünscht, da jeder lange Ball von ihm ein Fehlpass ist, aber sein Einsatz und Wille sind enorm.
    Bitte haltet Euch im Falle einer Niederlage bei der Werkself zurück. Der VfB macht einen mannschaftlich geschlossenen Eindruck und kann in der Winterpause für eine Weiterentwicklung sorgen.
    Stuttgart kommt!

  7. Joachim H. sagt

    Das sehe ich auch so. Sven und Wimmer mal behalten, die Berater nicht mehr auf die
    Tribüne . Ich versteh nicht, dass Wehrle und Präsident das nicht sehen, Berater auf die
    Tribüne setzen und unser aller Jogi schwirrt dort auch noch herum, wegen Job ?
    Ich hatte schon Bauchschmerzen, als ich den Wehrle zum ersten Mal gesehen habe. Ist das der Mann, der für den Aufbruch sorgt? Mit den Beratern tun die sich keinen Gefall-
    en, Leute da rauf zu setzen und die mischen mit. Dannnoch Gentner mit noch fehlen-
    dem Aufgabenprofil, viel Spass für bisherige und neue Kandidaten.

    Also gebt dem Sven und Michael jetzt die Chance und wird s im Frühjahr tatsächlich
    nichts mit Platz im Mittelfeld, dann handeln.

  8. Elmar sagt

    Sorry bleibe kritisch, weil ich mir den Kick morgen wieder auswärts anschauen werde. Hoffentlich das letzte mal für längere Zeit. Der letzte Auswärtssieg liegt 1 Jahr zurück ! Für morgen keinerlei Erwartung mehr. Die halbe Mannschaft fällt aus, teilweise wieder muskuläre Dinge ?? Englische Woche – ist zu viel für die Herren, packen die nicht, oder liegt es doch am Staff, falsche Steuerung ? Meine Meinung seit über 1 Jahr, Laufleistung vor allem, ohne Mehrbelastung unterirdisch im Vergleich zum Wettbewerb. Der Gegner morgen hat das erkannt und die verantwortlichen Personen freigestellt. Aber in der Wohlfühloase VfB wird jeder gerne genommen.

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