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Eine Niederlage im Walter-Style

Das Positive vorweg: Der VfB hat nach der Niederlage gegen Fürth nicht den Aufstieg verpasst. Er hat sogar ein Tor auf den HSV gut gemacht. Der VfB hat aber die Chance verpasst, Druck auf Bielefeld auszuüben und den HSV auf sechs Punkte zu distanzieren. Da Heidenheim gleichzeitig ebenfalls verliert, ist tabellarisch nicht viel passiert.

Nicht viel passiert ist auf dem Spielfeld. Ein paar Chancen vergeben, hinten zwei blöde Dinger bekommen und ansonsten gerade so viel gemacht und gelaufen, dass keiner sagen kann, es läge an der mangelnden Einstellung und fehlenden Motivation, auch wenn Daniel Didavi nach dem Spiel sagt: „Vielleicht haben wir es in den letzten Wochen mehr gewollt!“

Wie kommt es zu dieser Niederlage, die fatal an die Spiele unter Tim Walter erinnert? Ich möchte nicht aus den unseligen Klinsmann-Papers zitieren, aber dem VfB fehlt es an Leidensfähigkeit. Bei ein bisschen Widerstand lässt der VfB nach. Heißt gegen Fürth: Nachdem die ersten Chancen nicht zu einem Tor führen und sich die Kleeblätter zunehmend auf den VfB eingestellt haben, gibt es einen merklichen Spannungsabfall. Die Fürther sind fies zu bespielen, der Torhüter zeigt eine ordentliche Leistung und der Schiedsrichter liegt mit der einen oder anderen Entscheidung daneben. Aber es sind Hamadi Al Ghaddoui (2x), Daniel Didavi und Silas Wamangituka (2x), die klarste Chancen vergeben. Und es sind individuelle Fehler, die zu den Gegentoren führen. Unvermögen, fehlende Qualität, mangelnde Konzentration, suchts Euch aus.

„Wir haben die erste Halbzeit klar gewonnen“
„Wir müssen nur unsere Chancen nutzen“
„Aber so ist eben Fußball. Es läuft nicht immer so, wie man es sich vorstellt.“

Das Storytelling des VfB nach der Niederlage lässt nicht Gutes für die Zukunft vermuten. Es hört sich an, als ob die Niederlage kein Beinbruch für Spieler und Verantwortliche darstellen würde. Schulterzucken. Nur: Wieviele dieser Spiele kann sich der VfB noch erlauben? Keins?

„Gegen Bielefeld werden wir ein anderes Gesicht zeigen“, meint Pascal Stenzel. Ist diese Aussage nicht ein bisschen verräterisch? Bedeutet es nicht, dass Stenzel weiss, dass der VfB nicht alles versucht hat, den Widerstand von Fürth zu brechen und am Ronhof zu punkten? Ich bin mir dennoch sicher, der VfB spielt gegen Bielefeld herausragend. Volle Hütte, Abendspiel, vermeintlich ein Gegner auf Augenhöhe. Der VfB gewinnt das Ding, mindestens 2:0, auf alle Fälle ganz klar. Alle gehen euphorisch nach Hause, „Wenn Du mich fragst, wer Meister wird“-Gesänge. Wir müssen uns nur darauf einstellen, dass der VfB dann eine Woche später gegen Wiesbaden verlieren wird. „Wir müssen nur unsere Chancen nutzen“, wird irgendeiner hinterher sagen.

(Foto Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

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11 Kommentare

  1. Stefan sagt

    Soso: „Wir haben die erste Halbzeit klar gewonnen“. Geht’s noch, Herr Mislintat? Am Saisonende heißt es dann wohl, ‚wir haben ‚X‘ Halbzeiten klar gewonnen‘ – und zur Belohnung dürfen wir weiter in der 2. Liga rumdümpeln. Besser wäre das vermutlich, denn diese Truppe würde in der Bundesliga ziemlich alt aussehen; Tasmania Berlin lässt schön grüßen.

  2. Arne sagt

    Hi,
    wenn der Gegner richtig giftig ist, versagt unser Team, genau wie hier beschrieben. Das ist das vielbesagte VfB-Gen.
    Die Frage ist, wieviele Niederlagen darf man sich noch erlauben. Eigentlich keine, aber das ist utopisch.
    VG
    Arne

  3. drhuey sagt

    Es ist mühsam: Während man nach dem Trainerwechsel Ansätze der Verbesserung gesehen hatte und zeitweilig schon begann von besseren VfB-Zeiten zu träumen, zeigte der VfB gestern wieder nach dem Motto „give me a pain that I“m used to“ seine alte Misserfolgsformel aus mangelnder Chancenverwertung und Siegermentalität. Didavis und Stenzels entlarvende Aussagen widerlegen Mislintats Mantra, dass die Mannschaft Mentalität hätte. Sie hat sicher eine, aber nicht die, dass man in der zweiten Halbzeit rausgeht und sich das Ding holt bei gleichzeitigem Rückstand des Hauptkonkurrenten. Aber ein 6-Punkte-Vorsprung hätte wahrscheinlich gegen Bielefeld zu einem lockeren Aufgalopp mit deutlicher Niederlage geführt. So möchte man wenigstens gegen den Tabellenführer sein anderes Gesicht zeigen. Schön.

  4. Andreas F. sagt

    Den Trainer gleich wieder feuern? Nach 30 Minuten sah ein Blinder mit Krückstock dass dieses Spiel verloren geht. Warum ist der VfB seit 6,7 Jahren so schlecht? Wir haben doch 50 Millionen.. kann man damit nicht endlich mal ein Team auf aufbauen auf das man stolz sein kann, statt dieser Söldnertruppe ohne Charakter? Armer Trainer.

  5. Bacardihardy sagt

    Fürth hatte ab der 30. Minute einfach mehr Biss. Danach hat der Vfb nicht mehr dagegen gehalten. Vielleicht fehlt auch schon wieder Kondition um dagegen zu halten. Da kam zu wenig vom Mittelfeld ab der 30. Minute. Hoffentlich trainieren sie auch entsprechend , dass sie die Zweikämpfe besser annehmen. So gewinnen sie gegen Bielefeld keinen Blumentopf. Die Endos und Castros werden viel zu viel gehypt.
    Mit solchen Leistungen bleibst man besser in Liga 2.

  6. Jürgen Natter sagt

    Tach! Wie so oft von VP eine sehr gute Analyse oder anders formuliert: Und täglich grüßt das Murmeltier! Natürlich kann man ein Spiel verlieren, aber sich in der zweiten Halbzeit vom Gegner kraft-, mut-, ideen- und lustlos den Schneid abkaufen zu lassen, ist leider seit dieser Sasion ein allzu oft bekanntes VfB-Problem.
    Ich warte nur noch darauf, dass ein Spieler im Interview von sich gibt „…eigentlich sind wir ja die bessere Mannschaft und wollten hier auch gewinnen, aber die haben uns einfach nicht gelassen und dann auch noch gekämpft: Das ist echt unfair!“

  7. Joachim Leuze sagt

    Diese Schwankungen sind unerträglich! Einmal himmelhochjauchzend und ein anderes Mal zu Tode betrübt. Wenn man hier die Kommentare so liest, dann stellt sich mir der Kamm! Also unfassbar, was glaubt Ihr eigentlich, wer der VfB ist? Der so mal hier nicht dir nicht durch die Liga marschiert und alles weghaut? Warum kann der VfB nicht mal ein Spiel verlieren? Diese Kommentare hier sind an Arroganz und Überheblichkeit nicht mehr zu überbieten! Und natürlich hatte Sven Mislintat mit seiner Einschätzung des Spieles recht! Ich habe es nämlich ähnlich gesehen. Ich möchte mich aber nicht in hätte, wenn und aber verheddern, denn das bringt nichts. Der VfB darf auch mal ein Spiel verlieren, wenn er eines beherzt: aus dieser Niederlage zu lernen. Und immer dieser primitiver Vergleich mit der Kohle. Ja, meint Ihr wohl, wer am meisten Kohle einsetzt, der hat auch ein Anrecht auf alle Spiele zu gewinnen? Mensch, dann habt Ihr schlichtweg keine Ahnung von Fußball. Diese Mannschaft ist blutjung und hat auf die Zukunft gesehen sehr viel Potential nach oben, dann sollte man den Jungs auch mal so ein Spiel eingestehen! Ich ärgere mich immer über dieses „schwarz-weiß“ Geschreibe hier. Es gibt nichts dazwischen!
    Wer hat denn Samstag noch seinen Anteil, dass der VfB das Spiel verloren hatte? Ich sage es Euch: der Schiedsrichter! Erstens hat jedwede Kleinigkeit des VfB abgepfiffen und den Greuthern den Freistoß genehmigt. Dann hat er einen glasklaren Elfmeter für den VfB versagt. Ich stoße auf Unverständnis, was der Keller in Köln zu jener Zeit gemacht hat? Aber davon lese ich hier von Euch kein Wort! Das sieht man einmal mehr, dass es Euch nur um das Einschlagen auf das Team geht und nicht um die differenzierte Analyse des Spieles, sonst müsstet Ihr Sven Mislintat recht zuzollen.
    Das waren meine Worte zum Spiel!
    Und nun zu den unschönen Aktionen in den jeweiligen Bundesliga-Stadien am vergangenen Wochenende: Die reden überwiegend am Thema vorbei. Es geht hier nicht Kommerzialisierung, weil es den Kommerz als solches schon seit 50 Jahren gibt!
    Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem! Seit ein Sarrazzin mit Büchern und eine Partei in der Landschaft mit regelmäßigen Hasstiraden sich bewegt, hat sich Hass und Hetze manifestiert und breit gemacht. Da findet eine Verrohrung der Sprache statt die seines Gleichen sucht. Da fühlen sich Menschen anscheinend nicht mehr gehört, sei es in der Politik oder im Sport und das sind dann die Auswirkungen davon. Wenn man hier allein schon in die Kommentarspalten der jeweiligen Foren reinschaut, der findet die Antworten auf diese Diskussionen.

  8. Richard K. sagt

    (rk) Aufgrund dessen, dass der VfB am Samstag eine vor allem in der ersten Hälfte sehr überzeugende Leistung bot und auch in Halbzeit 2 zu klaren und zahlreichen Torchancen kam, muss die Niederlage als völlig unnötig eingeordnet werden. Dass dies so kommen könnte, fast schon kommen muss, musste allen klar sein, die unsere Mannschaft seit Jahren verfolgt und mit ihr mitfiebert. Nämlich immer dann, wenn der VfB die Möglichkeit hat, sich von einem direkten Konkurrenten abzusetzen, wenn die Chance besteht, sich eine deutliche Verbesserung der aktuellen Ausgangslage zu verschaffen, dann hat oftmals die Leistung nicht gestimmt, was dazu führte dass das Ergebnis ausblieb, oder letzteres alleine trat nicht in positivem Sinne in Erscheinung. Genau dies war eben am Wochenende der Fall. Im ersten Abschnitt war gegen den immerhin Tabellensechsten ein deutlicher Klassenunterschied zu erkennen. Die spielerische Überlegenheit, die deutlich reifere und ausgeklügelte Spielanlage verschaffte uns, gefühlt im 5-Minuten-Takt, eine gute Möglichkeit nach der anderen. Diese wurden entweder durch Egoismus (hier tat sich der wiederum sehr verspielte Silas Wamangituka hervor) oder durch Unzulänglichkeiten im Passspiel (das allerdings in der 1.Halbzeit meist sehr schnell und zielstrebig nach vorne ausgelegt war) vergeben wurden. Zu Silas W. ist allerdings auch anzumerken, dass dieser für mich der beste VfB-Akteur war, da er aufgrund seiner Schnelligkeit, seinem Mut in 1:1-Situationen zu gehen, stets ein Gefahrenherd für die Gästeabwehr darstellte und meist zwei Gegenspieler auf sich zog. Hätte uns der Schiedsrichter in der 19.Minute den berechtigten Elfmeter zugestanden und hätte Hamadi Al Ghaddioui in der 31.Minute die 250%-ige Torchance mit etwas mehr Kaltschnäuzigkeit verwandelt, so wäre der eigentlich gerechte Halbzeitstand von 2:0 für uns zu Stande gekommen. Ja, jetzt ist klar welcher Spruch kommt: Hätte – hätte – Fahrradkette. So kam es letztlich auch zur Bestätigung der alten Fußball-Weisheit „Wenn Du vorne die Dinger nicht machst, dann fängst Du Dir hinten ein Ei ein“. Falsche Zuordnung, falsches Verhalten (drei Spieler am langen Eck positioniert rücken geschlossen in die Mitte des Sechzehner und lassen den lang stehenden Gegenspieler ungedeckt) führten kurz nach der Pause zum 1:0 für die „Kleeblättler“. Nur kurz geschockt machte die Mannschaft nach dem Gegentreffer weiter und erarbeitete sich weiter gute Möglichkeiten, welche aufgrund von Unkonzentriertheiten bei der Ballannahme (48. Karazor, 53. Al Ghaddioui) erneut im Sande verliefen. Als sich dann Nathaniel Philipps im eigenen Strafraum schülerhaft austänzeln ließ, kam Fürth zur 2:0 Führung und letztlich zu einem Heimsieg, bei welchem sie vermutlich auch heute noch nicht wissen, wie dies zu Stande kam. Die zahlreichen Torchance beim Auswärtsspiel, die spielerische Überlegenheit, welche fast über die gesamte Spieldauer beim Tabellensechsten deutlich sichtbar wurde und die Tatsache, dass sich nach Rückkehr der verletzten Spieler die Konkurrenzsituation, der Kampf um die Plätze in der Startelf positiv verschärfen werden, gibt mir Anlass zur Hoffnung, zur Sicherheit, dass wir das Saisonziel direkter Aufstieg am Ende der Saison erreichen werden und mit breiter Brust in das anstehende Heimspiel gegen den Tabellenführer aus Bielefeld gehen können und dies sehr klar für uns mit 3:1 entscheiden werden. Ich hoffe nur, dass beim Spiel am Montag der Fußball nicht in den Hintergrund gerät und nicht Geschehnisse rund um den Sport als solchen in den Vordergrund drängen. Die Entwicklung der letzten Monate, vielleicht ja auch schon Jahre erfordert jedoch, sich den Machenschaften von DFB und DFL, der Kommerzialisierung zu stellen und dem Ausschlachten unseres Fußball deutlich die Stirn zu bieten #vfbeinlebenlang

  9. Frank Teufel sagt

    Ich halte dieses „Gegen XY werden wir ein anderes Gesicht zeigen“ mittlerweile für ein bequeme Ausrede der Spieler nach Niederlagen. Wir haben diese ihnen ja auch jahrelang vorgekaut.
    Ich hatte in Fürth nicht das Gefühl, dass wir nicht an die Leistungsgrenze gehen. Ich hatte eher das Gefühl, dass wir nicht zulegen können, wenn es darauf ankommt. Viel Potential, dass aber aus welchen Gründen auch immer nicht abrufbar ist.
    Meiner Meinung nach resultiert das aus einer Unwucht im Kader. Uns fehlen die Spieler, die dauerhaft Minimum 90% ihrer Leistung abrufen können und somit immer liefern. Ich kann es zwar auch nicht mehr hören, aber es stimmt, diese Saison hat die Arminia Terodde der Liga in Form von Klos mit mittlerweile 16 Argumenten für den direkten Aufstieg. Der hat auch gestern wieder geliefert.

  10. Schwabeimexil sagt

    Ich denke nicht, dass es mit Überheblichkeit zu tun hat, wenn die Niederlage und die Art und Weise ihres Zustandekommens kritisch beleuchtet wird.
    Diese Mannschaft ist ihren Gegnern von den Möglichkeiten her weit überlegen; das zeigt sich immer wieder in Phasen, wo der Gegner überhaupt keinen Zugriff auf’s Spiel bekommt, nur muss das auch in Zählbares umgesetzt werden.
    Das Gesicht, das sie Truppe zeigt, ist kaum anders als unter TW. Ok, PM lässt ein paar Dinge deutlich cleverer spielen, das ändert aber nichts daran, dass wir noch weit von einem stabilen Fahren im „Vollastmodus“ entfernt sind.

    Der erneute vorzeitige Trainerwechsel hat der Mannschaft ja auch mal wieder suggeriert, dass es am Trainer liegt. Irgendwann muss mal klar werden, dass die Mannschaft hart an sich arbeiten muss – und das über Jahre.

    Fazit: Noch nix passiert, aber auch noch lange nix erreicht.

  11. […] ist eine andere, die Probleme bleiben die gleichen. Der Vertikalpass nennt das 0:2 in Fürth Eine Niederlage im Walter-Style und hat damit insofern recht, dass die Mannschaft gewisse Fehler, die sie in der Hinrunde gemacht […]

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