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Charaktertest für die Spieler – Finale für Walter?

5 Niederlagen aus den letzten 8 Spielen inklusive DFB-Pokal, da kann man schon mal nervös werden beim VfB. Das Team rangiert zwar immer noch Platz 3, aber der Trend spricht nicht für Trainer Tim Walter. Doch was spricht für ihn? Dass er eine eigene Spielidee hat, dass er einen komplett reformierten Kader neu ausrichten muss, dass er lange auf wichtige Spieler wie Marcin Kaminski, Sasa Kalajdzic und Daniel Didavi verzichten musste und nach wie vor muss. Und nicht zuletzt spricht für ihn auch, dass das sportliche Führungsduo Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat eine neue Ära mit ihm prägen will. Mit einem Fußball, der aktiv und nicht reaktiv ist, der auf offensive Elemente, Leidenschaft und auf Mut setzt.

Das ist bisher nur bedingt gelungen. Viel Ballbesitz, viele Torchancen, zu wenig Tore, zu wenig Punkte. Gemessen am Aufwand, auch finanziell mit dem teuersten Kader der zweiten Liga. Vor kurzem war der VfB noch das spannendste Trainer-Projekt des deutschen Fußballs, jetzt wird Walters Spielidee als hübsch bezeichnet, „aber die Liga kennt sie halt längst.“ Dem VfB-Spiel fehlt die Attitüde, die zweite Liga scheint von den Spielern nicht angenommen worden zu sein. Es fehlt der unbedingte Wille, die durchaus vorhandenen Mittel mit aller Kraft und Motivation einzusetzen. Gegen Nürnberg wird es sich zeigen: Spielen die VfB-Akteure für den Trainer oder zumindest nicht gegen ihn? Die infantilen Spiele wie Arschbolzen oder Purzelbäume über den Platz schlagen sind nur eingeschränkt bei den Spielern angekommen. Entgegen des aktuellen Statements von Daniel Didavi („Zwischen Trainer und Mannschaft passt es!“) ist zu hören, dass Walter bei den erfahrenen Spielern an Rückhalt verloren hat. Tritt also das altbekannte Muster beim VfB auf, dass spätestens nach einem halben Jahr die Spieler keinen Bock mehr auf den Trainer haben? Wir erinnern uns an die Statements nach dem ersten Spiel gegen Hannover 96:

Es macht einfach Spaß, so Fußball zu spielen und nicht immer nur dem Gegner hinter her zu rennen.“ (Mario Gomez)

„Der Trainer weiss wie er mit mir umgehen soll, er hat die richtigen Knöpfe gedrückt.“ (Daniel Didavi)

Nicht viel davon ist geblieben, der Reiz des Neuen scheint bereits vorbei zu sein, inzwischen macht in der Mercedesstraße die Bezeichnung „Der A-Jugendtrainer“ für Walter die Runde. Obwohl einige Medien unabhängig voneinander von atmosphärischen Störungen berichten („Mislintat: ‚Es gibt unterschiedliche Ansichten zum Spiel, was die Dominanz angeht'“), wie ausgeprägt ist der Wille der sportlichen Führung, den Trainer zu stützen und zu stärken? Einen Trainer, dessen Auftreten nach außen oft an einen selbstbewussten Fox-Terrier erinnert, der meint, mit lautem Kläffen könne er mit den großen Hunden mithalten. Ex-Trainer Nico Willig jedenfalls wünscht sich, dass aus der derzeitigen Ergebniskrise „intern auch etwas wächst, ein Zusammenhalt entsteht“.

Am Montag kommt der 1. FC Nürnberg und eigentlich kann man als VfB-Fan das Spiel fast abhaken. Der Club liegt auf Platz 16, spielt bisher eine desaströse Saison, ist unter Trainer Jens Keller noch sieglos, und der VfB spielt entsprechend seiner DNA immer wieder gerne den Aufbaugegner. Vor allem gegen vermeintlich schlechter besetzte Gegner, siehe Wiesbaden, Kiel, Osnabrück und Sandhausen. Heimniederlage incoming also? Ein gutes Omen ist, dass ich das Spiel mit meinem Freund Kai aus Nürnberg anschaue. Immer, wenn wir das Duell VfB vs. Nürnberg gemeinsam verfolgten, gewann der VfB:

– Heimspiel 2016 (3:1, Asano, 2x Terodde)
– Auswärtsspiel 2017 (2:3, Terodde, Ginczek, Klein – legendär!)
– Auswärtsspiel 2018 (0:2, Baumgartl, Thommy).

Ich würde mir wünschen, dass diese Serie hält.

Wer sich in diesen schwierigen Zeiten an den erfolgreichen VfB erinnern möchte, dem sei unser „Vertikalbuch“ empfohlen. Unsere „VfB Stuttgart Fußballfibel“ gibt es im Buchhandel bei Thalia und Osiander sowie bei Amazon. Es ist ein ideales Weihnachtsgeschenk – und bringt jede Leserin und jeden Leser gut über die Weihnachtsfeiertage und die Winterpause.

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Bild: Getty Images / Bongarts

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