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Frischer Wind statt Stallgeruch!

Stallgeruch

Fredi Bobic ist also weg, die medial unterhaltsame Nachfolgersuche in vollem Gange. Auf der Liste angeblich: Ralf Rangnick, Jens Todt, Michael Zeyer und Jens Lehmann. Die ersten davon haben bereits abgesagt, bevor die Stuttgarter Verantwortlichen überhaupt die Gelegenheit hatten, bei ihnen anzufragen. Aber es wäre auch sehr befremdlich, wenn ein Ralf Rangnick zu einem Traditionsclub wechselt, nur wenige Tage nachdem er sagte, das ihm genau diese Vereine Leid tun.

Grundsätzlich stellt sich natürlich die Frage, aus wessen Feder diese Kandidatenliste keine 24 Stunden nach der Bobic-Demission stammt. Aber man sieht an den kursierenden Namen erneut: Beim VfB greift man gerne auf Bewährtes zurück. Das gilt nicht nur für die Neubesetzung des Sportdirektorpostens, sondern auch für die Trainersuche und Spielertransfers.

„Stallgeruch“ wird das dann gerne genannt. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Person beim VfB schon mal funktioniert hat. Das kann auch gerne schon ein paar Jahre her sein oder in völlig anderer Position geschehen sein. Aber jemand, der für den VfB Tore geschossen hat, wird sicher auch bei den Transfers den einen oder anderen Volltreffer landen. Und ein Meistertrainer lässt sich den Fans sowieso mühelos vermitteln.

Jetzt kann man natürlich dagegen halten, dass es auch meist schief gelaufen ist, wenn der VfB nicht auf Bewährtes gesetzt hat. Trainer ohne den typischen VfB-Duft wie Trapattoni und Groß hatten schließlich auch keine lange Halbwertzeit in Stuttgart.

Das eigentliche Problem ist aber:
Stallgeruch entsteht, wenn nicht regelmäßig ausgemistet wird.

Gegen das vielfach beklagte nicht leistungsfördende Klima beim VfB hilft nur ein frischer Wind. Jemand, der unvorbelastet seine eigenen Duftmarken setzt und – um im rustikalen Jargon zu bleiben – sich nicht davor scheut, dem ein oder anderen auch mal ans Bein zu pinkeln. Aber zumindest die Qualität findet sich auch in Bobic Leistungsnachweis.

Eine Garantie, dass dadurch alles besser wird, gibt es natürlich nicht. Aber es ist eine große Chance auf Veränderung und Verbesserung. Ob es die auch mit einem ehemaligen Spieler wie Jens Lehmann gibt, scheint fraglich. Deshalb sollte der VfB von seiner Verpflichtung absehen. Auch, wenn er mit Stallgeruch und einem Fernstudium in Sportmanagement aufwarten kann und seine Pinkelkompetenz ebenfalls eindrucksvoll nachgewiesen hat.

Allerdings muss man der Sportdirektorbesetzungskomission zugestehen, dass es gar nicht einfach wird, jemanden zu finden, der noch nicht beim VfB war. Denn zusätzlich zu den bereits gehandelten Namen scheiden dann auch noch die Herren Poschner, Strunz, Magath, Berthold, Buchwald und Müller aus. Aber wer soll es dann machen? Nachdem es damals in Gelsenkirchen nicht geklappt hat, wäre Oli Kahn ein möglicher Kandidat. Unabhängig davon, ob er die nötigen fachlichen Qualitäten mitbringt: Frischer Wind wäre garantiert und vielleicht könnte er nebenbei Ulreich sogar noch beibringen, durch den Fünfmeterraum segelnde Flanken zu fangen.

Und falls es gar nicht ohne die besondere Duftnote geht: Stallgeruch gibt es auch in der Dose.

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3 Kommentare

  1. Du hast natürlich recht, der VfB setzt gerade bei Funktionären oder Trainern gerne auf Bewährtes. Magath, Buchwald, Allgöwer o.ä. wären allesamt keine Überraschung als Bobic Nachfolger. Allerdings gibt es da meiner Meinung nach zwei Seiten: Einerseits kann es oft falsch sein, auf jemanden zu setzen, nur weil er vielleicht mal zwei Semester BWL studiert hat und jahrelang erfolgreich in Stuttgart gekickt hat (wie der Fall Bobic gezeigt hat). Andererseits birgt es auch immer viele Vorteile, wenn ein neuer Mann den Verein bereits kennt, das Umfeld, die Fans, die Vereinsstruktur. Das darf man eben auch nicht unterschätzen. Und das Argument „Der hat hier schonmal erfolgreich gearbeitet“ ist finde ich kein wirklich schlechtes. Einen jungen Mann aus dem Hut zu zaubern, der vielleicht frischen Wind reinbringt, der aber an fehlender Erfahrung und immensem Druck genauso gut scheitern kann, muss auch nicht immer klappen (siehe Thomas Schneider). Da dann doch lieber auf Bewährtes setzen, hat sich der VfB halt oft gedacht. Andererseits, der größte Erfolg der jüngeren Vergangenheit, die Meisterschaft 2007, hatte ihren Anfang auch in den mutigen Entscheidungen für Manager Heldt und Trainer Veh, die bis dato auch nicht gerade viel Stallgeruch mitgebracht haben…
    Apropos Stallgeruch: Geht mehr Stallgeruch als Oli Kahn? ;)
    Die VfB-Verantwortlichen werden sich das alles ganz bestimmt gut überlegen, dass nach dem Fall Bobic nochmal auf einen „Nachwuchsmanager“ gesetzt wird, halte ich aber eher für unwahrscheinlich – zu unsicher.
    Felix Magath oder Ralf Rangnick – das wären Leute, die den Verein kennen, aber auch schon anderswo gute Arbeit geleistet haben. Wenig Risiko, aber auch schwer zu kriegen.
    Für Jens Lehmann gilt ähnliches, auch er kommt gefühlt eher von außerhalb, kennt den Verein aber. Dass er als Manager gut arbeiten kann, hat er mangels Gelegenheit aber halt auch noch nicht unter Beweis stellen können (genau wie Oli Kahn übrigens…)
    Ein Querkopf muss es werden, das sehe ich genauso, allerdings sollte er sich vielleicht zu mindest ein bisschen mit Armin Veh verstehen… Lehmann, Magath und Rangnick wären solche Schrägdenker.
    Mit einer Entscheidung für Buchwald, Müller oder Förster würden die VfB-Verantwortlichen nur zeigen, dass sie aus dem Fall Bobic nicht gelernt haben. Die Blöße werden sie sich nicht geben.

  2. Ach, und übrigens: Bei den Transfers hast du nicht recht, da setzt der VfB eigentlich nicht so auf Bewährtes. Mit Gruezo, Maxim, Romeu hat der VfB grade in jüngerer Vergangenheit oft Spieler aus dem Ausland geholt, die davor kein Mensch kannte, und die ordentlich eingeschlagen haben… auf Bewährtes setzen würde ich das eigentlich nicht nennen… oder hast du Gegenbeispiele? Ach, und ob diese guten Transfers Bobics Leistungen sind oder einfach nur die einer guten Scoutingabteilung, sei jetzt mal dahingestellt.

    • Sebastian sagt

      Das stimmt: In jüngerer Vergangenheit wurde auch unbekanntere Namen präsentiert. Aber es gab auch Zeiten, da wurden nach wie vor viele Spieler verpflichtet, von denen man weiß, dass sie „funktionieren“, die aber andererseits die Qualität im Kader nicht erhöhen. Die Ersatzbank von Hannover 96 wäre da so ein Beispiel.

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