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Der Nächste, bitte! Wie eine Krise beim VfB abläuft

Innerhalb von 18 Monaten wurden alle von Fans und Medien kritisierten Personen entfernt: Gerhard Mäuser, Dieter Hundt, Bruno Labbadia und jetzt Fredi Bobic. Wen erwischt es als Nächsten? Den Busfahrer?

Seit 2010 hat sich der VfB vom Dauergast in den internationalen Wettbewerben zum Abstiegskandidat entwickelt. Die Krisen laufen dabei immer gleich ab. Es sind stets vier Stufen, nach denen alles ein bisschen schlechter ist als vorher.

Eskalationsstufe 1: Ein Sündenbock muss her
„Kräfte freisetzen“, „Bock umstoßen“, „Sperre im Kopf lösen“, damit werden Spieler, Trainer und Funktionäre in dieser Phase zitiert. In der Vergangenheit war immer der Trainer dran, das Gesetz der Serie reisst nun mit der Entlassung Fredi Bobics, der als Hemmschuh für ein leistungsförderndes Umfeld galt und Spieler verpflichtete, die sich nicht weiter entwickeln und offensichtlich nicht zueinander passen. Ob dies zu einer sofortigen Verbesserung des Teams und der Ergebnisse führt? Armin Veh scheint sich nicht so sicher zu sein und hat gleich die Stufe 2 gezündet. Früher als sonst in einer VfB-Krise.

Eskalationsstufe 2: Personelle Konsequenzen in der Mannschaft
Die Frage war: Wen wird Veh zum Basualdo machen? Als Christoph Daum 1991 zum VfB kam, warf er Vize-Weltmeister Jose Basualdo aus dem Team, um seine Macht zu demonstrieren und die Spannung in der Mannschaft hochzuhalten. Das kommt immer gut, es muss ein Spieler sein, den man leicht austauschen kann, der in der Hierarchie weder ganz oben noch unten steht, von den Fans zwar gemocht, aber nicht geliebt wird. Sven Ulreich ist jetzt der neue Basualdo. Armin Veh ärgerte sich maßlos über Ulreichs Fehler zum 2:2 in Dortmund. Und Veh ist einer, der sofort handelt, wenn er seinen den Erfolg der Mannschaft in Gefahr sieht. Da wird er richtig eklig und übellaunig und manchmal auch ungerecht und Ulreich findet sich nach einem einzigen Fehler sofort auf der Bank wieder. Is‘ bei Traditionsvereinen im Moment auch voll der Trend, siehe HSV (Adler), Nürnberg (Schäfer) und 1860 (Kiraly). In wieweit dieses Zeichen in der Mannschaft Vehs Glaubwürdigkeit stärkt, bleibt abzuwarten. Denn ähnlich durchgreifen müssen hätte Veh auch bei Gotoku Sakai, Moritz Leitner, Antonio Rüdiger oder Daniel Schwaab.

Aber da war doch was? Genau, es gibt eine Vorgeschichte bei Veh und Ulreich aus 2008 und in Stuttgart wird auch schon seit langem hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, dass Ulreich nur im Tor stehe, weil sein Berater mit Fredi Bobic befreundet sei.

So ließe sich übrigens auch der Verkauf Bernd Lenos erklären, von dem jeder im Verein gewusst hat, dass er besser ist als Ulreich.

2009 setzte Trainer Markus Babbel in der damaligen Krise ein letztes verzweifeltes Zeichen, in dem er Kapitän Thomas Hitzlsperger absetzte. Christian Gentner 2014 zu entmachten, wäre Veh ebenfalls zuzutrauen. Erste Anzeichen gibt es durch öffentliche Kritik und frühzeitige Auswechslungen. Die „Achse“, ja, in Anführungszeichen, das soll die Qualität dieser „Achse“ in Frage stellen, also: die sogenannte „Achse der letzten Jahre“ scheint Veh aufbrechen und entmachten zu wollen. Ulreich, Georg Niedermeier, Gentner, Martin Harnik und Vedad Ibisevic, die gelegentlich mit dem Busfahrer Skat und Poker spielen, sollen als Grund für die Misserfolge der letzten Jahre ausgemacht worden sein. Schon letzte Saison übrigens, nur ist Thomas Schneider damals am Knacken der Hierarchie gescheitert.

Eskalationsstufe 3: Panikkäufe im Winter
Mal angenommen, und so unwahrscheinlich ist das nicht, bis zur Winterpause läuft es sportlich nicht wirklich und die Transferperiode im Winter soll genutzt werden. Das ging eigentlich nie gut, ausser 2010/2011, als Shinji Okazaki und Tamas Hajnal kamen. Trotzdem: Ein gestandener Innenverteidiger mit guter Spieleröffnung, der Antonio Rüdiger Sicherheit gibt. Ein Außenverteidiger, den der VfB eigentlich schon seit Jahren benötigt. Ein schneller offensiver Außenspieler. Alles nichts Neues, aber es scheint so, als ob das alle wüssten nur der VfB nicht. Jochen Schneider – Interims-Manager – geht die alten Unterlagen von Fredi Bobic und Horst Heldt durch. Vielleicht findet sich da eine Anregung für neue Spieler.

Plötzlich macht die Verlängerung mit Vedad Ibisevic Sinn und das penetrante Starkreden wie wichtig er für die Mannschaft sei und welch‘ vorbildlichen Charakter er hätte. Denn er wird hübsch gemacht für einen Transfer nach England, die Türkei oder Wolfsburg. Gleichzeitig sitzt der Ersatz schon längst auf gepackten Koffern in Moskau. Bernd Wahler hatte seine Überlegungen vor der Saison öffentlich gemacht und wurde von Bobic dafür als „geschwätzig“ abgekanzelt. Es wundert wohl niemanden, dass dies Wahler nicht so lustig fand. Neben Bobic hielten viele andere eine Rückholaktion von Kevin Kuranyi für einen Witz und Wahler lacht gerne und ist als Komiker ein echtes Naturtalent, aber jetzt macht der Präsident ernst und holt den Ex-Stuttgarter im Winter zurück. Das ist so sicher wie ein Zuspiel von Xabi Alonso, man muss nur genau hinschauen: Kuranyi hat im Sonnenberg eine Immobilie, deren Mietern er aus Eigenbedarf gekündigt hat. Alles klar, oder?

Casa Kuranyi

Die Casa Kuranyi in Sonnenberg. Der Bonusmarkt ist mittlerweile ausgezogen. Man munkelt, hier werde Spielerfrau Viktorija entweder einen Bio-Supermarkt oder einen Pelzladen eröffnen. Kundschaft dürfte für beide Geschäftsmodelle in Sonnenberg ausreichend vorhanden sein. Unser Namensvorschlag: „Viktorijas Secret“. Foto: vertikalpass.de

Eskalationsstufe 4: Die letzte Chance nutzen!
Wenn es auch nach der Winterpause nicht läuft, und so unwahrscheinlich ist das nicht, wird die allerletzte Rakete in die Luft gejagt: Der Trainer ist doch schuld, wir haben es natürlich schon immer gewusst. Aber es wird keine Trennung von Armin Veh, nur eine Versetzung. Bis dahin hat der VfB immer noch keinen Nachfolger von Bobic verpflichtet, weil Kahn, Rangnick, Todt, Zeyer, Lehmann, Poschner, Strunz, Magath, Berthold, Buchwald, Förster, A. Müller, Spanring, Hitzfeld, Klinsmann, RAM von kessel.tv und der Hund von Veh abgesagt haben. Veh rückt in den Vorstand auf und soll als Erstes seinen Nachfolger verpflichten. Dabei soll er sich Zeit lassen, denn „diese Personalie muss sitzen, um auch das Vertauen in meine Person wieder herzustellen“, meint Bernd Wahler. Bis der neue Mann seinen Job antritt, übernimmt Veh kommissarisch das Trainer-Amt. Veh ist jetzt immer so gechillt und bringt seinen Hund mit zu den Präsidiumssitzungen. Allerdings ist er richtig eklig zum Busfahrer, er soll mit ein Grund sein, warum die Auswärtsbilanz des VfB so schlecht ist.

Bei all‘ dem wird sich immer wieder Präsident Wahler zu Wort melden und so tun, als ob eine Ausgliederung den aktuellen sportlichen Niedergang aufhalten würde. Wie die Ausgliederung genau vollzogen wird, wer die Partner sind und welche konzeptionelle Ausrichtung verfolgt wird, will Wahler in aller Ruhe analysieren und sich nicht unter Druck setzen lassen.

Ein lesenswertes Interview mit Kevin Kuranyi findet sich übrigens hier. Ein paar interessante Snippets:
„Mein Herz hängt natürlich am VfB“
„Das Heimweh quält manchmal meine Frau“
„Für ein Comeback würde ich zu Fuß zu Jogi Löw laufen“

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4 Kommentare

  1. Matthias sagt

    Zu behaupten, dass Ulreich nach dem „ersten“ Fehler aus dem Tor musste, ist ein schlechter Scherz hoffe ich!

  2. abiszet sagt

    Hi Matthias,

    Danke für Deinen Kommentar, denn er deckt auf, dass ich mich nicht präzise ausgedrückt habe. Ich bin weder Fanboy von Ulreich, noch ein passionierter Kritiker von ihm. Ich wollte nur sagen, dass sein Fehler in Dortmund der einzige mit Konsequenzen (im wahrsten Sinne des Wortes, sogar doppelt) in dieser Saison war. Und es gibt nicht wenige Spieler in dieser Saison, die ähnlich spielentscheidende, individuelle Fehler gemacht haben, zB Schwaab, Rüdiger, Leitner. So gesehen wäre es nur konsequent, andere Spieler genau so zu behandeln oder zumindest öffentlich anzuzählen. Es sei denn, Veh möchte die Stuktur und Hierarchie in der Mannschaft ändern und hat sich ein „leichtes Opfer“ für den Anfang gewählt ;-)

    Dass Ulrich zuletzt wenig Ruhe und Souveränität ausstrahlt, müssen wir nicht diskutieren, siehe auch hier:
    http://vertikalpass.de/des-isch-procedure-last-saison-vfb

    Wie ich zu Ulreich stehe, ist auch am Leno-Hinweis zu sehen ;-)

  3. Rolf Kappler sagt

    Leider gibt es beim VfB so viele Baustellen, dass du die gar nicht alle gleichzeitig bearbeiten kannst. Allerdings kann es nicht schaden, einmal ein paar Zeichen zu setzen, auch wenn sie unpopulär sind. Sven Ulreich war noch nie der überragende Keepern, als den ihn manche sehen. Dazu fehlt ihm die Strafraumbeherrschung und Klarheit beim Spielaufbau, soll heißen fußballerisch fehlt’s eben auch. Veh hat endlich erkannt, dass auch Martin Harnik kein Stammspieler ist. Einmal eine starke Rückrunde, das ist zu wenig. Allerdings, eins ist klar: Wir sind alle nicht hautnah beim Training dabei, deshalb wissen wir auch nicht, welche Gründe zu welchen Aufstellungen führen.
    Letztendlich darf man eins nicht vergessen: In Stuttgart gibt es eine graue Eminenz, die ganz selten in der Öffentlichkeit auftaucht, aber schon seit Jahren im Hintergrund die Fäden zieht: Ulrich Ruf. Diese Krämerseele würde lieber nochmal den Etat für die Mannschaft kürzen, damit noch irgendein Bauwerk entstehen kann, als endlich mal richtig in die Mannschaft zu investieren.

  4. abiszet sagt

    Dass Ulrich Ruf offensichtlich die Fäden im Hintergrund zieht, sieht man jetzt an der Berufung Jochen Schneiders zum Nachfolger von Fredi Bobic.

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