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Wie der VfB die Punkte herschenkt

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Es geht aufwärts! Der VfB verbessert sich kontinuierlich: Erneut kein Gegentor in den letzten zehn Minuten und sieben Spiele schon kein Tor eines Ex-Stuttgarters in dieser Saison: Traore, Schipplock, Bicakcic, Schieber, keiner traf (gut, dass die meisten von ihnen gar nicht auf dem Feld waren). Nach dem 3:2 der Berliner sind es die ganz kleinen Erfolge, über die man sich freuen kann.

Aber: Wenn der VfB gegen eine solche Mannschaft nicht gewinnt, gegen wen dann? Eine völlig verunsicherte, strukturlose Berliner Mannschaft gegen die der VfB nach fünf Minuten nach einer traumhaften Kombination sogar in Führung geht. „A gmahte Wiesn“, würde der Bayer sagen. „Heiligx Blechle“, murmelt der Stuttgart-Fan kopfschüttelnd nach dem Spiel. Michael Preetz wie Jos Luhukay sprechen einhellig davon, dass es das beste Berliner Spiel der Saison war und das ist eine Watschn‘ für den VfB. Berlin hat sich durch einige neue Spieler bei weitem nicht gefunden, macht aber weniger Fehler und nutzt die des VfBs gnadenlos aus. Wenn ein Spieler wie Änis Ben-Hatira neben Salomon Kalou der beste Berliner Spieler ist, dann ist das wie wenn beim VfB Konstantin Rausch irgendwann mal zum „Man of the Match“ gewählt werden würde. Furchterregend.

„Wir haben uns zu sicher gefühlt“, sagt Moritz Leitner nach dem Spiel und wenn ich seinen Gesichtsausdruck richtig interpretiere, dann findet er es zwar schade, dass der VfB verloren hat, aber ganz gut, dass er ein ordentliches Spiel gemacht und ein Tor erzielt hat. Vielleicht hat Field-Reporter Rollo Fuhrmann Leitner aber auch nur mit seiner guten Laune angesteckt.

Wie entstanden die Tore?
Antonio Rüdiger mit einem Lucio-Moment, und davon hat er viele pro Spiel, wenn er mit riesigen Schritten, grimmigem Blick und Ball am Fuß in die Hälfte des Gegners stürmt. Er verliert den Ball und das 2:1 fällt. Es ist tragisch, denn Rüdiger ist einer, der dem Spiel erkennbar eine besondere Note verleihen will. Leider ist er überfordert damit – aber man muss sich fragen, warum ein 21-jähriger meint, das Spiel an sich reißen zu müssen. Und dann noch Daniel Schwaab mit einem Schwaab-Moment, und davon hat er pro Spiel ein oder zwei zu viel, wenn er zu zögerlich in den Zweikampf geht, so wie vor dem 2:1 von Kalou.

Was fiel auf?
Nachdem Vedad Ibisevic das 0:1 mit einem genialen Paß mit der Hacke einleitet, versucht er jede zweite Aktion mit einem Hacken- oder sonstigen Trick zu veredeln. Höhepunkt sein verunglückter Fallrückzieher aus 16 Metern kurz vor Schluß. Ihm fehlt es an Klarheit und Konsequenz, sonst hätte er den kinderleichten Kopfball in der 77. Minute versenkt. Der VfB ist sicher nicht in der Situation, alles spielerisch lösen zu können, jetzt ist Ibisevic über 30 Jahre alt und immer noch hat ihm keiner die Flausen ausgetrieben.

Es sind die 15 Minuten nach der Pause, in denen bereits weit in der gegnerischen Hälfte verteidigt wird, die Berliner zu Ballverlusten gewungen werden und so etwas wie ein Kombinationsspiel entsteht, die ein kleines bisschen Hoffnung machen.

Wer stand im Mittelpunkt?
Armin Veh zeigt Emotionen: Nach Carlos Gruezos Elfmeter-Beteiligung (was niemals einer war), holt er ihn gnaden- und rücksichtslos vom Feld. Bestraft er weiterhin Fehler rigoros?

Taktisch läuft Veh ebenfalls Amok, indem er nach dem 2:1 mit Oriol Romeu den zweiten Sechser zugunsten von Martin Harnik auflöst. Hier gehen Veh die Nerven durch, fuchsteufelsild reagiert er auf Überraschungen auf dem Feld. Souveränität sieht anders aus. Belohnt wird er mit dem 3:1, als Leitner mit einem unterbelichteten Pass Harnik unter Druck setzt, der die Kugel auch zuverlässig weit prallen ließ. Veh muss ruhiger werden. Ich habe gelesen, dass zwei Umarmungen pro Tag den Blutdruck senken sollen. Entweder Armin Vehs Frau setzt sich mit auf die Trainerbank oder Co Armin Reutershahn muss das übernehmen.

Der Witz des Spiels:
Im Sommer hatte Fredi Bobic ein Auge auf den Schweizer Valentin Stocker geworfen. Gerüchten zu Folge soll er aber den falschen Berater angesprochen haben, so dass Stocker zur Hertha wechselte. Dort blieb er bis zum VfB-Spiel außen vor. Sein erstes Spiel über 90 Minuten, Elfer herausgeholt und an den beiden weiteren Toren ebenfalls beteiligt. Das passt dann wieder ganz gut zum VfB, Stocker kann man nach der Vorgeschichte fast schon als Ex-Stuttgarter bezeichnen.

Und im Tor?
Ja klar, da steht auch in Berlin Thorsten Kirschbaum. Aber sonst hat sich da nichts geändert. Im Umkehrspiel und Aufbau ist er ähnlich schnell wie Sven Ulreich, was schlicht daran liegt, dass keiner den Ball haben will oder sich freiläuft. Entweder hat Armin Veh die Laufwege nicht vorgegeben oder die Spieler ignorieren seine Vorgaben. Beides gefällt mir nicht.

Was sagt Sybille Berg zum VfB?
„Wie halte ich das alles nur aus?“

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