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Game of Hopes

Der VfB will den Ball zwar flach halten vor dem Duell gegen den VfL Bochum. Natürlich ist der VfB auch bei einem Remis oder einer Niederlage noch nicht abgestiegen. Genauso wenig ist mit einem Sieg alles gut, der VfB stünde immer noch auf einem direkten Abstiegsplatz. Aber es ist ein entscheidendes Spiel für den weiteren Verlauf der Saison. Sieg oder Sarg. Thriumph oder Tränen. Winner oder wieder nichts. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, dass sich bei einer weiteren Niederlage die Trainer-Diskussion verschärfen würde.

Es geht um das dringend benötigte Erfolgserlebnis für die Mannschaft, aber auch für den Trainer und den Sport-Direktor, um nicht ständig in der Dauer-Schleife der eigenen Fantasy gefangen zu sein und um nicht mehr länger in schlechten Ergebnissen das Gute sehen zu müssen. Ein Sieg, der die Last und Schwere vom VfB nimmt und der Rückenwind bringen soll. Ein Sieg, der den Glauben an die eigenen Stärken zurück bringen kann und soll. Aber es wären auch drei Punkte für die Traurigen, die als VfB-Fans zu Tausenden da draußen sind. Irgendwo alleine sitzen, und einfach nicht mehr weiter wissen. Es wirkt gerade so als befände sich der VfB in einem Tunnel ohne Licht am Ende, Dunkelheit für immer. Man kann die Sorgen noch nicht einmal ertränken, denn sie sind verdammt gute Schwimmer.

Das Spiel soll der Startschuss für eine Aufholjagd werden. Der Gegner ist keinen Geringerer als der Überflieger aus dem Pott, der im Moment einen Lauf hat. Dreimal gerieten die Bochumer in den letzten drei Partien in Rückstand – und verloren kein Spiel. Zusätzlich Selbstvertrauen gab der 4:2-Sieg gegen Bayern München, wobei dieser auch ein wenig Hoffnung bringt für den VfB: Es existiert so etwas wie ein kleiner Fluch, dass nach einem Sieg gegen den Rekordmeister nicht selten eine Niederlage folgt. Fragt nach bei Gladbach und Frankfurt. Von den 36 Bayern-Bezwingern der letzten zehn Jahre (Bochum ausgenommen), schafften 24 keinen Sieg im folgenden Spiel. Wobei man Arroganz und Selbstgefälligkeit den Bochumern nicht unterstellen sollte. Es ist eine Mannschaft, die immer alles aus sich heraus holt und bei der man das Gefühl hat, als ob sie nichts umwirft.

Dem gegenüber steht die Stuttgarter DNA, nach einem ordentlichen Spiel gegen einen sogenannten großen Gegner (Leverkusen) gegen einen vermeintlich schlagbaren Gegner (Bochum) nicht sein volles Leistungspotentail abzurufen.

Erstaunlicherweise belegen die Bochumer bei der Laufleistung den letzten Platz, auch bei der Anzahl der Eckbälle sind sie Letzter – eine gute Nachricht für den VfB mit seiner bekannten Schwäche bei der Verteidigung von Standards. Bei den Sprints sind die Bochumer Vorletzter, haben aber auf den Außenbahnen reichtlich Speed, zum Beispiel mit Gerrit Holtmann, der in der letzten Saison als schnellster Spieler der 2. Liga geblitzt wurde und sicher noch dicke Eier von seinem Super-Spiel gegen die Bayern hat.

Mach’s noch einmal, Tiago!
Wer zwei Tore gegen Leverkusen schießen kann, wird doch auch gegen Bochum treffen, oder? Schön wärs, aber Tiago Tomás ist sicher ein Hoffnungsträger fürs Spiel gegen Bochum. In Leverkusen manchmal einsam im Sturmzentrum und mit den wenigsten Ballkontakten im Spiel, kann er ein Mann für die entscheidenden Momente sein. Mit einer außergewöhnlichen Aktion überraschen, mit seiner individuellen Qualität den Unterschied ausmachen. Außerdem hängt ihm die Sieglos-Serie nicht in den Klamotten und er ist wahrscheinlich einer der wenigen, dessen Selbstvertrauen nicht angeknackst ist: “Wir steigen sicher nicht ab!, sagte er in einer Medienrunde.

Ebenso positiv zu sehen war der Auftritt von Ata Karazor, der der VfB-Defensive zu mehr Stabilität verhalf und dessen Hereinnahme wohl auch positiv auf Orel Mangala wirkte. Jedenfalls initiierte der junge Belgier einige vielversprechende Aktionen und war deutlich präsenter und wacher, auch wenn er noch die eine oder andere Schwäche gegen den Ball zeigte. Karazor ist auch einer, der auf dem Feld als Führungsfigur und Orientierungspunkt wahrnehmbar ist. Er rüttelt auf, er motiviert, er korrigiert, er dirigiert.

Der VfB will vermeiden, dass das Spiel mit zu viel Hoffnung überladen wird. Trainer und Team stehen unter einem enormen Druck, jetzt punkten zu müssen. In dieser Situation Leichtigkeit und Spielfreude abzurufen, wird sicher eine Herausforderung sein. Ein optischer Leckerbissen wird das nicht gegen Bochum. Der Aufsteiger ist ähnlich unangenehm zu bespielen wie Bielefeld, Fürth, Mainz oder Augsburg. Ob Pellegrino Matarazzo den Spielern von der legendären Werner Hansch-Phrase „über den Kampf zu Spiel kommen“ erzählt? Die Prognose ist nicht besonders waghalsig, dass es gegen Bochum in erster Linie um Konzentration, Willen und Einsatz geht – oder wie Matarazzo sagen würde, „wir müssen die Energie auf den Platz bringen“. Ich denke, in diesem Spiel können wir sehen, auf wen wir uns verlassen können, wer über seine Grenzen hinaus geht und wer Verantwortung übernimmt.

Wenn keine weiteren Corona-Infektionen dazu kommen (Stand 17.2., 10 Uhr: Coulibaly, Millot, Didavi): Hinsichtlich des Kaders und der Optionen von Matarazzo gibt es keine Ausreden mehr. Der Trainer hat viele Möglichkeiten, seinen Matchplan für Bochum zu entwerfen. Für das erste von zwölf Endspielen im Kampf um den Klassenerhalt. Und das in einem Stadion, in dem bis zu 25.000 Zuschauer der 12. Mann sind!

Ist das wirklich ein gutes Omen?
Der VfB Stuttgart ist daheim gegen den VfL Bochum seit knapp 35 Jahren ungeschlagen. Letztmals verlor der VfB 1987. Auf beiden Seiten ein spektakuläres Line-up:

Immel – Strehmel, Zietsch, Allgöwer, Schröder (78. Perfetto) – Hartmann, A. Müller, Sigurvinsson – Bunk (78. Pasic), Klinsmann, Schmitt

Zumdick – Kree, Reekers, Woelk, Lameck – Zugcic, Benatelli, Schulz, Fischer – Leifeld (85. Lübke), Nehl (61. Wegmann)

0:1 Nehl (17.), 1:1 Allgöwer (26., Elfmeter), 1:2 A. Müller (31., Eigentor), 2:2 Schmitt (33.), 2:3 Wegmann (68.), 2:4 Schulz (88., Elfmeter).

Zum Weiterschauen:
„Komischerweise trainieren wir besser“, u.a. Trainer Thomas Reis nach dem Bayern-Sieg und zu dem angeblichen Fluch.

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12 Kommentare

  1. Heinzi sagt

    gab es ja schon öfter mal im Abstiegskampf,diese Spiele, die den Start einer Serie und Neuanfang sein sollten. Gingen zumeist krachend in die Hose, wenn ich mich richtig erinnere.
    Bochum braucht am Samstag eigentlich nur zu warten und uns über ihre schnellen Außen auskontern. Die sind locker drauf,wir werden mit zunehmender Spielzeit immer nervöser und fehleranfälliger. Bochum weiß schon ganz genau, wie schwach unsere Abwehr zur Zeit ist. Einzig ein frühes Tor für uns könnte uns evtl doch noch einen schönen Spieltag bescheren.
    Ansonsten: letztes Spiel von Rino und vielleicht sogar SM?

  2. Martina sagt

    Ich freue mich jedes Mal über Deine Veröffentlichungen, echt Klasse 👍
    DANKESCHÖN

    Royal SM hat klar gesagt, dass Bochum nicht das Endspiel ist und er mit dem Trainer Team auch zusammen in die Liga 2 taucht. Egal 😐 wie es am Wochenende ausgeht.

    Bochum hat 0,0 Druck, muss das Spiel nicht machen, gewinnen, gestalten. Und vom Bayern Sieg viel Selbstvertrauen. Wir haben maximalen Druck. Kein Selbstvertrauen. Wenn wir das Spiel verlieren und Augsburg gewinnt war es das.

    Leider sind wir nicht Stress resistent und relativ defensiv Fehler anfällig. Ich bin daher eher vorsichtig optimistisch und glaube leider nicht an einen Sieg (sorry).

  3. Bacardihardy sagt

    Das muss einfach am Samstag einen Sieg geben. Mit 25.000 Fans im Rücken.
    Das muss ein Aufbruch sein, ein Befreiungsschlag, ansonsten donnerts hinter den Kulissen.
    Wünsch mir einen souveränen Sieg und
    Wünsch mir dass der Sven danach einfach mal die Klappe hält.

    • @abiszet sagt

      Sehe ich genau so, ansonsten muss der VfB ja gar nicht mehr antreten und kann den ach so starken Bochumern die 3 Punkte schenken, wenn wir sowieso keine Chance haben.

  4. Stephan sagt

    Machen wir uns nichts vor – wir sind alle Tiefrote – wir leiden – und wir wissen alle wie es am Samstag laufen wird – selbst wir könnten am Samstag Trainer von Bochum sein – und hätten dann eine tolle Quote (alle Spiele als Bundesliga-Trainer gewonnen 🏆)!

  5. Elmar sagt

    Gute PK von Rino vor dem Spiel gegen Bochum. Man bekommt das Gefühl nicht los, dass dieser Mann zu intelligent ist für dieses schnöde Fußball Business ? Es zählen morgen nur 3 Punkte, und wenn die nicht eingefahren werden – dann muss man sich wieder neu aufstellen!
    Hoffnung für mich, da live in Leverkusen, dass gewisse Umstellungen vorgenommen wurden, die hier auch schon das ein oder andere mal gefordert wurden(Stenzel/Karazor). Die haben performt und sind voran gegangen. Warten wir ab, es muss klappen, bei allem Pessimismus (aus vergangenen, ähnlichen Konstellationen begründet). 1893….

    • @abiszet sagt

      Ja, in der PK hat Matarazzo eine Hymne auf Karazor gesungen … dass Stenzel in Levrkusen voran gegangen wäre, habe ich nicht gesehen. Bei ihm befürchte ich jede Sekunde einen Aussetzer ;-) Aber er hat in Leverkusen einen soliden Auftritt hingelegt.

      • Elmar sagt

        Hast Du teilweise recht, bin auch sehr zwiegespalten mit dem Auftritt in LEV. Man versucht ja als Tiefroter immer das Positive zu sehen. Das waren halt für mich die geforderten Karazor/Stenzel, die besser geliefert haben als viele andere. Aber es bleiben viele Fragen. Wenn Du da so direkt hinter der Bank sitzt: – und Dir dann das Aufwärmprogramm anschaust bzw. wie manche Spieler dann während des Spiels zum Aufwärmen traben, ich nenne explizit Thommy, die haben doch gar keinen Bock mehr, weil sie eh wissen, dass sie nicht spielen. Und genau auf der Position von ihm haben wir ein mega Defizit ! Thommy war in Düsseldorf zu BL Zeiten ein Leistungsträger, und hier bekommt er nicht mal ansatzweise eine Chance ??? ES werden stattdessen weiterhin Spieler bevorzugt, die vom Körpereinsatz allemal B-Jugend Format haben (Klimo). Aber gut, er wird seine Gründe haben. Auch fand ich das In Game Coaching (inklusive späte Wechsel) wieder sehr dünn. Von der mangelnden Fitness (OB) möchte ich gar nicht sprechen. Die Zahlen sind selbstredend.

        • @abiszet sagt

          Thommy hatte eine überragende, … na ja, sehr gute Rückrunde unter Korkut. Und in Düsseldorf war er Leistungsträger. Wahrscheinlich lag ihm das System dort mehr als jetzt. Ich denke nicht, dass er Klimo nochmal bringt (wenn ich die Aussagen aus der PK richtig interpretiere). Je nach dem, wer fit ist, hat RM gegen Bochum zB mit Marmoush und Kalajdzic mehr Möglichkeiten als in Leverkusen.

  6. Martina sagt

    Schade finde ich es trotzdem, dass Thommy bei der neuen Leitung nie wirklich eine Chance hatte. Bei Korkut hat er sich voll reingeworfen und sogar zusätzlich hochmotiviert einen privaten Coach besucht. Klar hast Du neulich schon gesagt Corona und Verletzungen. Irgendwie ist es dennoch für mich komisch, das er komplett außen vor ist.

    Mir geht es mit Ata so, manchmal gehen ihm die Nerven durch, blödes, saublödes, unnötiges Faul, das nicht hilft.

    Hoffen wir mal, dass Bochum nicht so viel Lust hat und wir ausnahmsweise versehentlich mal Spielglück. Zeit wäre es ja 👼

  7. Stephan sagt

    Naja – war zu erwarten – Bielefeld hat gewonnen wir nicht – machen wir uns nichts vor, der Verein ist ein hoffnungsloser Fall – Staudt nach der Meisterschaft, Hundt, Dutt, Dietrich, hizlintatvogt – alle gescheitert – der Verein ist nicht sanierungsfaehig – RIP VfB – 🔝

  8. Martina sagt

    Der Fairness halber muss man sagen, dass die Führungsriege gestern nix dafür konnte, wenn Mangala den ⚽️ nicht ins leere Tor bringt und Dinos in Minute 94 einen auf griechische Wirtschaft macht.

    Als der Ball von Mangala vorbei flog, war mir klar, dass wird ein Unentschieden. Trotzdem bin ich dann auf dem Sofa 🛋 gehockt und habe Rotz und Wasser geheult. Es nimmt einen doch immer wieder sehr mit.

    Gruß und Dank 🙏 geht an Freiburg raus 💕🙈
    Und gute Besserung an Silas 🙏🍀

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