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Danke für Nichts, Armin. Hallo Huub!

Huubster

145 Tage dauerte Armin Vehs Rückkehr bis er selbst das Handtuch warf. „Kein Glück und dann kam auch noch Pech hinzu“, so seine Begründung. Oder steckt mehr dahinter? Hat Veh selbst gekündigt, um auch Schaden von seiner Person abzuwenden? Wie steht er zu den handelnden Personen im „Management“ – gibt es hier Dissonanzen? Es ist ein offenes Geheimnis, dass Veh den Kader in seiner Zusammensetzung für nicht konkurrenzfähig hält. Bernd Wahler dagegen meint, wie auch Aufsichtsrats-Chef Joachim Schmidt: „Der Kader hat Potenzial. Es gilt, alles zu mobilisieren.“ Womöglich ist es die unterschiedliche Beurteilung der Mannschaft (wie übrigens auch bei uns im vertikalpass), die zur Trennung führte. Womöglich wollte der Verein der Forderung Vehs nach neuen Spielern (Innenverteidigung, Podolski ;-) und Außenverteidiger) nicht in dem gewünschten Ausmaß nachkommen.

Oder war Veh einfach nur unprofessionell und reagierte trotzig und traurig auf das unglücklich verlorene Spiel gegen Augsburg? Die Rückkehr des Meistertrainers scheint jedenfalls ein gigantisches Missverständnis gewesen zu sein. Der Verein erhoffte sich einen Erneuerer und Entwickler, Veh dagegen glaubte, mit Humor und guter Laune die Wende zu schaffen. Er agierte in der Mannschaftsführung zu emotional und verunsicherte weite Teile des Teams (die Torhüter, Gruezo, Maxim, Werner, Gentner). Was bleibt? Veh hat dem VfB die späten Tore ausgetrieben, immerhin. Er hat uns zwei Spektakel beschert (Leverkusen, Frankfurt), er überraschte mit neuem Schlabberlook, er hat den ausgemusterten Sercan Sararer reaktiviert und das 18-jährige Verteidigertalent Timo Baumgartl reingeworfen. Das ist wenig. Wenn man die lockere, sympathische und manchmal angenehm distanzierte Art nicht einbezieht. Veh als Mensch hat dem VfB gut getan!

 

Veh fehlte es nicht an Ideen, wie der VfB aus dem Tabellenkeller kommt, das sieht man an seinen zahlreichen Personalrochaden und immer neuen Aufstellungen. Nur: Nichts funktionierte. Der renommierte Kolumnist Raphael Honigstein schreibt im Guardian: „Veh, a coach who was very good at riding a wave of success but has often proved completely unable to solve problems, was a grave mistake.“

Jetzt also Huub Stevens. Die Verpflichtung wirkt naiv und unbeholfen, so als ob Jochen Schneider zu Bernd Wahler gesagt hätte:
„Chef, ich habe beim Aufräumen in Bobics Büro die Telefonnummer von Huub Stevens gefunden. Soll ich mal anrufen?“
Darauf Wahler: „Logisch, Jochen. Die Nummer von Labbadia hab‘ ich nämlich verlegt!“

Stevens, der den VfB mit 11 Punkten aus 11 Spielen vor dem Abstieg rettete. Keine besonders verheißungsvolle Bilanz. 22 Punkte in 22 Spielen bis Saisonende werden wohl nicht reichen. Aber der Holländer wird es schaffen beim VfB:

Fünf Gründe, warum Huub Stevens den VfB retten wird

Die Erfahrung
Er kennt den Verein, er kennt die Mannschaft und wird von deren Zustand nicht so total entsetzt überrascht sein wie Armin Veh. Stevens weiß wie die einzelnen Spieler ticken, aber es wird weitaus schwieriger sein als noch im Frühjahr. Hier konnte er Team und Verein auf elf Endspiele einschwören, konnte rigoros seine Linie durchziehen und ließ die außen vor, die nicht mitzogen (z.B. Moritz Leitner). Jetzt muss er moderieren, Spieler und Verein mitnehmen, Kritiken auch diplomatisch adressieren. Stevens und Veh sind sich sehr ähnlich: Beides Trainer vom alten Schlag, für die Werte noch etwas zählen. Gentlemen, die aber fuchsteufelswild werden können, wenn etwas nicht nach ihren Vorstellungen läuft. Während Veh emotional und kauzig wird (siehe sein Rücktritt), wird Stevens laut und autoritär. Das ist nicht hip, sondern Huub und bei ihm wissen die Spieler immer, woran sie sind.

„If you can make it there, you can make it everywhere“
Wer es beim HSV schafft, für den ist der VfB ein Klacks. 2007 übernahm Stevens den Bundesliga-Dino, als der am Boden lag und führte ihn auf Platz 7 und damit in das internationale Geschäft. Das wäre beim VfB zu viel verlangt – aber wenn Wahler und Schmidt ehrlich sind, dann träumen sie insgeheim davon. Und das zeigt: Die beiden sind auch nichts anderes als Fans. Wobei, eine Freundin von mir sagt immer: „Lass‘ es uns groß machen, klein wird’s von allein!“ Trotzdem: Das wäre Größenwahn, es sind die völlig überzogenen, unrealistischen Erwartungen, die den Verein lähmen. Aber das kennt Stevens vom HSV und er weiss wie es ist, wenn ständig Leute mitreden und sich wichtig machen.

Das Leistungsprinzip
Auch wenn der Verein es gerne sehen würde, dass junge, vermeintlich Wilde wie Rüdiger, Werner, Baumgartl, Leitner spielen: Stevens wird sich nicht beeinflussen lassen. Das ist nicht hip, sondern Huub, bei ihm zählen Gehaltshöhe, Alter, Transferwert und Vereinszugehörigkeit nicht. Das könnte der erste Schritt in Richtung eines Umbruchs sein. Es gibt wahrscheinlich kaum jemand, der dies so konsequent durchziehen könnte wie Stevens.

Der fehlende Störfaktor
Als Huub im Frühjahr kam, zog sich Fredi Bobic von der Bank auf die Tribüne zurück. Als Huub seine Mission im Frühjahr erfüllt hatte, zog er sich zurück und lehnte eine Vertragsverlängerung ab, obwohl sich dies viele wünschten. War Bobic der Störfaktor? Prallten zwei zu starke Persönlichkeiten aufeinander? Jetzt kann sich Stevens völlig entfalten, ist sportlich der starke Mann im Verein und muss bei Neu-Verpflichtungen keine Rücksicht auf den Namen von Spielerberatern nehmen.

Die Mentalität
Das niederländische Knurren und das schwäbische Bruddeln sind sich sehr ähnlich, die schwäbische Mentalität mit Fleiß, Disziplin und Bodenständigkeit steckt in Huub Stevens. Das sieht man seinem Fussball auch an – als Innovator gilt er nicht gerade. Das ist nicht hip, aber dafür Huub und bringt im besten Fall den Erfolg zurück. Denn der VfB hat gerade andere Sorgen als joga bonito.

Oder steckt gar mehr dahinter? Ein strategischer Plan? Mit Tuchel, nein … da ist er wieder, der Größenwahn, das ist wirklich nicht hip …

 

Titelbild: Ververidis Vasilis /Shutterstock.com

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